MEINE GEDANKEN

 

Mein ganz persönliches Vodafone-Theater

Es war im Dezember 1998, als ich mir eine D2-Call-Ya-Karte zulegte. Ich bin also seit geraumer Zeit Kunde bei jenem Telekommunikationsunternehmen, dass heute Vodafone heisst. Und da einmal mehr eine Vertragsverlängerung anstand, hielt ich nach einem vergünstigten Gerät Ausschau. Da ich beim letzten Mal gute Erfahrungen mit dem "Vodafone Smart 4 Max" gemacht hatte, wollte ich abermals ein Gerät der Eigenmarke haben und entschied mich für das Smart Ultra 6.

Am Montag (21.11.2016) ging ich ins Vodafone-Geschäft in Weil am Rhein, wo ich bereits vor zwei Jahren meinen Vertrag verlängert hatte. Es war auch wieder der gleiche Verkäufer wie damals da und er hatte mich damals auch gut beraten. Also war ich guter Dinge und optimistisch gestimmt.

Eine halbe Stunde etwa musste ich warten, da der Verkäufer mit dem Vertragsabschluss und der Einrichtung eines Handys einer anderen Kundin beschäftigt war. Zwei weitere Angestellte im Laden waren nicht berechtigt. Und der Verkäufer selber wirkte gesundheitlich angeschlagen.

Als ich ihm mein Anliegen vortrug, gab er mir nach einigem Suchen die Auskunft, dass das gewünschte Gerät "gesperrt" sei. Er schaute noch in irgendwelchen internenen Informationen nach, wieso und ob es wieder lieferbar wäre, konnte aber nichts dazu finden. Aber es werde sich wohl nur um eine Sache von ein paar Tagen handeln. Also bat ich ihn, die ganze Sache erstmal abzubrechen, ich käme ein anderes Mal wieder vorbei.

Eine halbe Stunde später stellte ich fest, dass die Vertragsverlängerung bereits aktiviert war: "Sie haben sich bereits für ein vergünstigtes Handy entschieden und Ihr Vertrag läuft noch bis 15.Januar 2019", erklärte die automatisierte Stimme. Ich fiel aus allen Wolken! Ich hatte doch keiner Verlängerung zugestimmt und auch gar kein vergünstigtes Handy erhalten!

Ein Anruf bei der Kundenbetreuung ergab, dass das betreffende Gerät sehr wohl lieferbar sei, aber sie könnten da jetzt nichts mehr machen, da ich den Vertrag mit einem Händler vor Ort abgeschlossen habe. Ich müsse das mit dem Händler vor Ort klären. Auf meinen Einwand hin, dass ich überhaupt nichts abgeschlossen habe, kam die Antwort, ja, dann werde die Sache nun wohl von dem Verkäufer rückgängig gemacht, aber das könne etwa 24 Stunden dauern, bis dies im System aktualisiert sei. Aber wenn ich wolle, könne man mich ja am folgenden Tag gern zurückrufen.

Es sollte das erste Mal in diesem Fall sein, dass es keinen Rückruf gab.

Am Mittwoch (23.11.2016) rief ich im Vodafone-Laden in Weil am Rhein vormittags an wegen der Angelegenheit. Die Mitarbeiterin, die ans Telefon ging, zeigte Verständnis und ja, der Kollege, mit dem ich am Montag zu tun hatte, sei gesundheitlich nicht auf der Höhe und habe da wohl was falsch gemacht. Sie versprach mir, dass sie dem nachgehe und ich zurückgerufen werde, es könne bis nachmittag dauern.

Es erfolgte aber kein Rückruf.

Also rief ich kurz nach 15 Uhr nochmals an. Ja, das Vodafone Smart ultra 6 könne er mir nicht verkaufen, es gehe einfach nicht, er wisse nicht, wieso es ihm nicht möglich sei, aber ob ich auch mit dem Smart prime 7 einverstanden sei. Nein, war ich nicht, weil es die schlechtere Ausstattung hat.

Also bot mir der Verkäufer an, die Verlängerung zu stornieren. Und er habe die Verlängerung schon aktivieren müssen, es wäre gar nicht anders gegangen. Ich sagte ihm darauf, ja, bitte stornieren Sie die Verlängerung. (Wohlgemerkt, ich habe schon montags sinngemäss das gleiche verlangt.)

Tags darauf (24.11.2016) stellte ich fest, dass die Verlängerung immer noch aktiv ist. Ich rief nochmals in Weil am Rhein an, aber da ging nun keiner mehr ans Telefon. Warum wohl?

Mein Anruf an diesem Tage bei der Kundenbetreuung endete ebenfalls darin, dass ich abgewimmelt wurde. Ja, wenn da etwas rückgängig gemacht werden muss, könne das etwas dauern wegen des Provisionsverzichtes. Das müsse der Vorgesetzte des Verkäufers entscheiden. Ich solle etwas Geduld haben.

Diese aber war mir am darauffolgenden 25.11.2016 vergangen, nachdem ich feststellen musste, dass - aus welchem Grunde auch immer - vom Vodafone Smart Ultra 6 plötzlich auf der Homepage keinerlei Produkbeschreibung mehr aufzufinden war - und natürlich die Vertragsverlängerung immer noch aktiv war.

Also rief ich abermals bei der Kundenbetreuung an. Auf meine Frage zum Gerät, wieso dies nicht lieferbar sei, gab man sich erstaunt: es sei lieferbar. Warum genau der Verkäufer es mir nicht verkaufen könne, sei schleierhaft.

Des weiteren gab die Dame am Telefon überraschend offenzu, in den Vodafone-Läden anzurufen sei sowieso Glückssache. Jedenfalls gehe kaum noch einer ran, wenn sie selber sich dort melden würde ("Ach, die komische Vodafone-Tante ruft schon wieder an...", mein Lacher des Tages)

Es kann schon etwas länger dauern, bis das mit dem Provisionsverzicht durch sei. Da der Vertrag eben nicht online sondern vor Ort abgeschlossen wurde, gebe es ja auch kein Rücktrittsrecht von 14 Tagen. Aber sie werde jetzt die Vertragsunterlagen angefordern, die da am Montag "unterzeichnet bzw. nicht unterzeichnet" worden sind. Das dauere 24 Stunden. Und sie werde sich morgen bei mir melden, bis etwa 14:30 Uhr.

Nun kam mir die Idee, ich könne ja vielleicht mal im Hilfe-Forum auf vodafone.de nachschauen, was in ähnliche gelagerten Fällen so gelaufen ist und schilderte meinen Fall auch im Forum lang und breit. Naja, die Antworten erschöpften sich in mir bekannten Tatsachen mit einigen unterschwelligen Anspielungen dazu, warum ich mir überhaupt sowas bieten liesse. Wahre Hilfe sieht anders aus.

Jaaa... als am Samstag bis 14 Uhr kein Rückruf erfolgt war, rief ich wiederum die Kundenbetreuung an. Der nette Mann am anderen Ende der Leitung konnte sehen, dass da eine Anforderung gestellt war. Er sah auch, von wem sie erstellt wurde und meinte, ja, die Kollegin habe er heute gesehen, aber die sei nicht mehr da und er entschuldige sich dafür, dass sie den Rückruf vergessen habe.

Und tatsächlich sei da auch etwas angekommen. Es liege keine Vertragsunterzeichnung vor. Ich würde das ganze auch noch per Email erhalten. Auf meine Frage, wie denn so eine Verlängerung ohne Zustimmung zustande käme, meinte er: ja, da habe der Kollege im Laden wohl am Ende statt auf Abbrechen auf Absenden geklickt. Worauf ich meinte: Naja, er machte einen kränklichen Eindruck, und wenn man krank ist, sollte man lieber zu Hause bleiben. Entsprechend der Faktenlage werde nun auch die Verlängerung rückgängig gemacht. Das sollte bis spätestens Montag erledigt sein.

Tatsächlich erhielt ich am Montag (28.11.2016) ein solches Email, in welchem es hiess: "Eine Kopie Ihres Kartenvertrages liegt uns nicht vor." Und tatsächlich war die Vertragsverlängerung rückgängig gemacht worden.

Also versuchte ich nun - all diesem Theater zum Trotz!!! - mein ursprüngliches Anliegen nunmehr auf dem Online-Weg umzusetzen. Ich füllte sämtliche erforderlichen Angaben aus - doch am Ende beim Abschluss des Kaufes ging nichts raus! Wenn ich auf Absenden drückte, wurde die Seite nochmals neu geladen, und es hiess wieder, ich solle Absenden klicken. Auch beim zweiten Mal tat sich nichts.

Da also auf diesem Wege nichts ging, rief ich wiederum die Kundenbetreuung an. Da hiess es nun, das gewünschte Smart Ultra 6 könne ich erst ab Mitte Januar bestellen, wenn der aktuelle Vertrag abläuft. Interessanterweise aber wurde mir das Vodafone Prime 7 (abermals) angeboten. Ich habe über mein entschiedenes "NEIN, ich will kein schlechteres Gerät" hinaus leider vergessen zu fragen, wieso mir dann dieses Gerät angeboten wird, wenn ich sowieso bis Mitte Januar warten müsse.

Drei Tage darauf, Donnerstag, 1.Dezember, rief ich abermals an. Als ich von dem Herrn der Kundenbetreuung wissen wollte, ob ich wirklich noch bis Mitte Januar warten müsse wegen einem neuen Telefon, war er etwas erstaunt. Nein, das müsse ich gar nicht. Das geht drei Monate vor Ablauf der Vertragslaufzeit. Aber es gebe wohl immer noch einige Kollegen, die da was falsches erzählten. Aber das liege wohl auch an dieser Sperre, die da noch drin sei, die er jetzt aber rausnehmen werde. Er sagte noch was von "grüner Hand", also der Zustimmung von Seiten der Kundenbetreuung dazu, dass die Leute vom Verkauf auch die Berechtigung bekommen, mir ein neues Telefon inkl. Vertragsverlängerung zu verkaufen - wenn ich das alles so richtig verstanden und in Erinnerung habe.

Könnte es vielleicht sein, dass genau diese Sperre die Ursache des Problems vom Montag, dem 21.11.2016 war? Soweit ich mich erinnere, hatte der mir schon seit Jahren bekannte Verkäufer in Weil am Rhein bereits bei einer Vertragsverlängerung in der Vergangenheit Probleme gehabt und musste irgendwo anrufen, damit er den Vertrag verlängern konnte - was ich schon damals sehr eigenartig fand!

Jedenfalls wurde ich dann vom Kundenbetreuer mit einem Mitarbeiter des Verkaufs verbunden. Ich hörte zehn Sekunden Warteschleifenmusik - und plötzlich gar nichts mehr! Die Verbindung war unterbrochen!

Also ich rief ich nochmals an, wurde wiederum mit dem Verkauf verbunden... und flog dieses Mal schon nach drei Sekunden aus der Leitung!

Abermals rief ich an, schilderte nun das Problem. Dem Kundenbetreuer tat es leid, was mir da eben passiert sei, er könne es sich auch nicht erklären. Für den Fall, dass ich wieder rausfliege, gab er mir eine 0800er Nummer an als Direktwahl. Immerhin, diesesmal klappte die Verbindung zum Verkauf. Ich erklärte mein Anliegen, aber als der Verkäufer als Bestätigung den Namen des Vodafone Smart Ultra 6 wiederholte, brach die Leitung wieder zusammen!

Anruf auf der 0800er Nummer schlug fehl: aus dem Ausland nicht möglich. Da kam nur die automatisierte Ansage, dass diese Nummer nicht erreichbar sei.

Also tief durchgeatmet, halbe Stunde gewartet, nochmals bei der Kundenbetreuung angerufen, es klappte auch wieder mit dem Verbundenwerden und diesmal klappte es auch mit der Bestellannahme.

Ende gut, alles gut? Noch nicht ganz.

Da ich in der Schweiz wohne, musste ich eine Lieferadresse in Deutschland angeben. Tat ich auch. Leider wurde diese nicht vollständig übernommen: ich gab den Name einer Institution und den Name einer Person dort an, aber es wurde nur letzteres aufgenommen.

Nach all dem Erlebten war ich nun wirklich auf alles gefasst, was nur irgendwie noch hätte schief gehen können - nur auf eines nicht: dass die Zustellung gleich auf Anhieb reibungslos funktionieren sollte.

Und als ich dann einige Tage später das Päckchen in der Hand hielt und später dann auch das neue funktionstüchtige "Vodafone Smart ultra 6", fiel mir sooo ein Stein vom Herzen.

Ich erhielt schliesslich ein Email vom Vodafone-Hilfe-Forum, mein Fall sei immer noch offen, ob der nun geschlossen werden könne. Es waren auch keine weiteren hilfreichen Kommentare gekommen, aber die Leserzahlen waren innerhalb weniger Tage nach oben geschnellt. Also habe ich noch einen abschliessenden Kommentar drunter gesetzt, dass nun alles zu einem guten Ende gefunden hat und gestattete, den Fall zu schliessen.

Und nun geschah etwas eigenartiges: mir wurde elektronisch per Mail gratuliert, dass ich erstmals bei Vodafone im Hilfeforum einen Fall habe lösen können und man freue sich drauf, wenn ich mal wieder etwas in der Hinsicht beitragen könnte.

Ja!

Eines weiss ich schon heute: das nächste Mal zeige ich Vodafone die Rote Karte. Aber vielleicht gibts den Laden bis dahin gar nicht mehr, weil es anderen Nutzern ähnlich erging wie mir und die nun in Scharen davonlaufen.

(2.Januar 2017)

 

DUOLINGO - Dein Ungarisch - Eine Katastrophe!

Seit etwa drei Jahren gibt es die Möglichkeit, Fremdsprachenkenntnisse per Duolingo zu erwerben.

Bei Duolingo handelt es sich um eine Internetseite aus den USA, die ihren Anfang nahm mit einem Spanischsprachkurs für Englischsprachige. Da Englisch nun mal die Weltsprache ist - jedenfalls nach wie vor - ist entsprechend auch das Angebot an Sprachkursen für Englischsprachige auch deutliche angewachsen.

Weitaus weniger umfangreich sieht es aus, wenn man als Muttersprache beispielsweise Deutsch hat. Für Deutschsprachige existieren derzeit nur drei Kurse: Englisch, Französisch und Spanisch.

Wer allerdings über gute Englischkenntnisse verfügt, kann dank der grösseren Auswahl aber inzwischen auch Sprachen wie Dänisch, Schwedisch, Finnisch, Norwegisch, Irisch, Walisisch, Portugiesisch, Italienisch, Türkisch, Rumänisch etc. lernen. Und weiteres ist in Vorbereitung. Ob man es glauben will oder nicht: sogar Klingonisch soll dereinst via Duolingo angeboten werden für Englischsprachige.

Seit 2014 ist nun auch die ungarische Sprache vertreten. Es existierte aber zunächst nur ein Englischsprachkurs für Ungarischsprachige - den man durchaus auch in die umgekehrte Richtung anwenden kann. Aber da die ungarische Grammatik nun mal so ganz anders ist als die der indoeuropäischen Sprachen, kommt man ohne Vorkenntnisse nicht wirklich weit. Und die korrekte Aussprache lernt man so auch nicht, da alle Sätze nur in Englisch aufgesagt werden.

Seit August 2016 besteht nun auch die Möglichkeit, Ungarisch zu lernen, wenn man Englisch kann. Zumindestens wurde im August die sogenannte Beta-Phase gestartet, in welcher Interessierte nun den Kurs testen können.

Und schon bald sahen sich die Programmierer von einer regelrechten Feedback-Lawine überrollt. Denn die Qualität des Kurses lässt arg zu wünschen übrig.

Das erste grosse Problem: Wer Englisch kann, weiss ja, dass die Anwendung von Simple- und Continuous-Form in der Regel nur aus dem Kontext heraus eindeutig anwendbar ist. Theoretisch muss also jeder englische Satz immer in einer Simple- und einer Continuous-Form vorhanden sein. Aber das war trotz zweijährigem Programmieren leider nicht der Fall! Mal wurde für einen Satz nur die Simple-Form als korrekt anerkannt, mal nur die Continuous-Form.

Das zweite grosse Problem: es gibt Synonyme! Wenn man etwas schön findet, kann man dies auf englisch mit Worten wie nice, pretty oder beautiful beschreiben, freilich ein wenig vom Zusammenhang abhängig. Aber trotz zweijährigem Programmieren war stets nur "beautiful" als korrekt akzeptiert worden. Und das ist bei weitem nicht das einzige Synonym-Problem dieses Kurses. So wurden unter anderem auch ungarische Vornamen wie "Kati" oder "János" in den englischen Übersetzungen nur in Form von "Kathy" oder "John" als korrekt gewertet.

Da die Programmierer unter anderem auch in den USA leben, möchte man ja meinen, dass sie auch gutes Englisch beherrschen und somit auch die Englischsätze korrekt seien. Aber trotz zweijährigem Programmieren findet sich allenthalben holpriges Englisch wie etwa dieser Satz:

"The athlete does not run in onto the grass, but sits down onto the ground."

Man muss als Anwender des Kurses eine Art "eigenes" Englisch verwenden, wenn Antworten als korrekt gewertet werden sollen. Der Grund für dieses holprige Englisch liegt in einer typischen Programmiererkrankheit: es muss alles ein-eindeutig zugeordnet sein. Aber bei Übersetzungen sind diese Ein-eindeutigkeiten gar nicht möglich. Erst recht nicht, weil die englische Sprache bei weiterem nicht den gleichen Umfang und Bedeutungsgehalt an Suffixen und Präfixen wie das Ungarische aufweist. Also konstruierten die Programmierer eine Art Wort-für-Wort-Übersetzung aus dem Ungarischen ins Englische und rückten sie dann ein wenig zurecht.

Letzten Endes scheint man in den zwei Jahren Programmierzeit auch den eigentlichen Sinn des Kurses aus den Augen verloren zu haben: mit einfachen, SINNVOLLEN Sätzen die ungarische Sprache erlernbar zu machen, so wie es bei allen anderen Duolingokursen mit den jeweiligen Sprachen der Fall ist. Aber man hat es als Kursanwender ständig mit Satzungetümen wie folgenden zu tun:

You go down, you go into the dining room and you go over to the lamp: the key is there on the table.

The workers are going there to the cows, whereas the cows are running away.

You stand there to the window, you fly out through the window and you fly up to the airplanes.

The bugs crawl up onto the furniture: onto the desk, onto the other tables, onto the shelves and onto the armchairs.

Und dann scheint sich in diesen zwei Jahren Programmierzeit so eine Art Möchtegern-Running-Gag eingeschlichen zu haben, der sich dann in Sätzen wie folgenden manifestiert:

The kindergarten teacher is not fighting but standing and painting.

The kindergarten teacher flies above the tall tree.

Are the kindergarten teachers above the city?

Kindergarten teachers fly there to the airplanes.

It rains: the kindergarten teachers are not flying.

Birds do not fly down on these chimneys, only kindergarten teachers.

Im Forum des Kurses machen sich daher schon so manche Anwender ihrem Unmut Luft über das, was einem da so vorgesetzt wird. Freilich, Duolingo ist kostenlos und einem geschenkten Gaul guckt man bekanntlich nicht ins Maul. Aber ich fürchte, dass mit solchen Phrasendrescherkursen letzten Endes der Ruf von Duolingo Schaden nehmen könnte und andererseits den Eindruck bekommt, die Ungarn wollen gar nicht, dass man ihre Sprache erlernen kann, wenn Kurse mit so bescheuerten Inhalten angeboten werden.

WIRKLICH SCHADE - EINE SCHANDE!

(21.11.2016)

Gedanken über einen sprechenden Kohlensack

Ich habe die gestrige Ausgabe von "Anne Will" nicht gesehen, ich schaue mir solche Talksendungen schon länger nicht mehr an, weil vernünftige Gespräche unter Leuten, die einander ausreden lassen, gar nicht mehr gewünscht sind, egal, auf welcher rechtlichen Grundlage der entsprechende Sender steht. Ich brauche solche Diskussionen auch nicht, weil ich lieber in Ruhe die Standpunkte durchlese, die auf diversen Internetseiten publiziert werden. Lesen bildet bekanntlich.

Dass eine Nora Illi mit ihren Aussagen nur provozieren würde und die Sendung ihr eine Plattform vor Millionenpublikum bietet, um ihre islamistischen Heils-Ansichten zu verbreiten, war doch im voraus jedem Programmmacherklar. Wichtig war einfach, diesem kruden Unsinn auch Paroli zu bieten, was ja wohl getan wurde, auch vor allem von islamischer Seite.

Nun geht trotzdem eine Welle der Erregung durch Deutschland wegen dieser Sendung. Nicht der Auftritt allein ist skandalös aus meiner Sicht, nein, aber Frau Illi hat mit ihren Worten nun wirklich jeden zutiefst verletzt, der im Syrienkrieg Angehörige verloren hat, sei es durch Bombenangriffe, sei es durch die Propaganda einer Organisation, die sich als staatliche Organisation für eine Religion namens Islam ansieht. Das grenzt meiner Meinung nach schon an Volksverhetzung.

Aber es ist ziemlich genau vier Jahre her, da war Frau Illi schon mal Talkshowgast, bei Sandra Maischberger und hat schon seinerzeit für jede Menge Tohuwabohu gesorgt. Und auch damals schon gingen die Meinungen hoch. Aber längst ist das alles wieder vergessen.

Für mich ist Nora Illi erstmal nur ein Freak. Sie ist auf der Suche nach einem Sinn für ihr Leben durch die Religionen getingeltangelt, und hat sich am Islam festgebissen. Und genauso verbissen verbreitet sie ihre sehr eigenwilligen Ansichten über den Islam. Dass sie dabei gedanklich über Leichen geht, gehört zum Konzept eines jeden Religionsfanatikers. Das ist die eigentliche Gefahr, die von ihr ausgeht.

Ich selber kann ihr Geschwafel gar nicht ernst nehmen. Ich muss da immer an eine gewisse Nina Hagen denken, die seit Jahren von jedem Sender mal als Sprengkandidaten in die Talkshows geholt wurde. Der Unsinn, den sie dann so von sich gibt, geht wenigstens nicht über Leichen, aber auch gewaltig auf die Nerven. Nur kann man bei Nina Hagen wirklich davon ausgehen, dass sie es ist, wenn sie da zu sehen ist und den Mund aufmacht und das Recht auf Redefreiheit arg strapaziert.

Bei Nora Illi weiss man das nie so recht. Man kennt sie ja nur als wandelnder Kohlensack - ab und zu auch mal in blau oder weiss gewandet, je nach Stimmung halt. Wenn es zu einer Abstimmung über das Verbot der Gesichtsverschleierung kommen wird, werde ich für dieses Verbot stimmen. Es passt nicht in unsere Gesellschaft, seinem Gegenüber nicht ins Gesicht sehen zu können, weil die Verschleierung angeblich ein Stück wahre Freiheit darstellen würde. (07.11.2016)

 

Hallo liebe Briten,

ich bewundere Euren Entscheid, den Club der Europäischen Union verlassen zu wollen, auch wenn das Ergebnis zeigt, dass das "Vereinigte Königreich" nun vor der nächsten Zerreissprobe steht. Denn Nordiren und Schotten wollen bleiben und drohen nun, Euer Reich zu verlassen.

Die Kommentare der Gegner eines Austritts werfen nun den Befürwortern vor, diese hätten euch mit populistischen Aussagen zu diesem achso wahnwitzigen Schritt verführt. Ihr würdet schon noch sehen, was ihr davon habt. Auch ich finde den Schritt mutig, habe es insgeheim erhofft aber nicht gedacht, dass es doch dazu kommen würde.

Nun heisst es aus den Reihen der politischen Elite, Grossbitannien habe sich damit sein Grab geschaufelt, wirtschaftlich und politisch. Genau diese Leute sitzen - wie seinerzeit die Regierung der DDR - in ihrem ElfenbeintUrm und wollen einfach nicht wahrhaben, was die Leute draussen denken. Dabei haben es die Wahlergebnisse in den einzelnen Mitgliedsländern der letzten Jahre gezeigt, dass man die Nase voll hat. Es seien alles nur verblendete. Man müsse ihnen jetzt einfach mal deutlicher machen, welche Vorteile die EU bietet. So nach dem Motto: gewisse Dinge vermisst man eben erst, wenn sie nicht mehr da sind.

Ich muss da an den gezeichneten Witz denken, auf dem der symobolisierte Schweizer auf seiner kleinen Insel residiert umgeben vom weiten Meer um ihn herum, in dem gerade ein grosses Schiff namens EU untergeht. Von diesem Schiff aus ruft ein Ertrinkender dem Schweizer zu, er werde untergehen, wenn man nicht beitrete.

Dass demokratische Entscheide grundsätzlich nur gut sind, wenn sie den Regierungen in den Kram passen, aber andererseits als populistisch beeinflusst gelten, wenn sie gegen angeblich "jede Vernunft" gerichtet sind, gehört eben zur Demokratie dazu. Witzigerweise greift man nun zu den gleichen populistischen Mitteln, die man der anderen Seite vorwirft. In Diktaturen, die abstimmen lassen, käme es ja gar nicht erst zu solchen Ergebnissen.

Auch wurden junge Briten, die tendenziell der EU treu bleiben wollten, sinngemäss zitiert, sie fühlten sich durch die Demokratie verraten oder auch um ihre Zukunft gebracht. Haben die das wirklich so gesagt oder gemeint? Warum sind sie dann nicht zahlreicher abstimmen gegangen? An der Fussball-EM allein kann es ja nicht gelegen haben. Wem demokratische Grundentscheide nicht passen, kann sich ja auch gern dem Islamischen Staatt anschliessen.

Die Welt geht nicht unter, nur weil das Vereinigte Königreich von Grossbritannien aus der EU austritt. Höchstens die achso tollen Ziele vieler Finanzaristokraten, die unter dem Dach der EU immer riskantere Aktionen wagten, die am Ende der Steuerzahler ausbaden darf. Und dass, wie der eine oder andere Finanzexperte nun schreibt, die Phase der Minuszinsen noch weiter andauern werde wegen der Austritts der Briten, ist Humbug. Schon vergessen? Die EZB flutet seit 2008 den Markt mit "billigen Euros". Die Briten zahlen nicht mit dem Euro sondern haben wohlweislich ihr Pfund behalten.

Also, liebe Briten, viel Erfolg auf den Weg zum bilateralen Modell. Die Schweiz und Norwegen haben es ja auch geschafft :-)

(25.Juni 2016)

 

Liebe Ungarn, liebe ungarischen Nationalspieler,

ich habe am Dienstag, den 14.Juni, euer EM-Einsteigerspiel gegen Österreich nicht angeschaut. Einfach deshalb, weil mich Fussball im Allgemeinen nicht interessiert. Und wohl auch ein wenig deshalb, weil ich noch die Ergebnisse der Fussball-WM von 1986 im Hinterkopf habe: 0:3 gegen Frankreich und 0:6 gegen die damalige Sowjetunion.

Umsomehr erfreute es mich, als mein Freund, der sich euer Spiel ansah, über das erste Tor für euch jubelte - und später nochmals über das zweite.

Ihr habt tatsächlich gegen die Österreicher gewonnen!!!

Nein, ich habe echt nicht damit gerechnet. Umso mehr muss ich euch sagen: Super! Gut gemacht! Ihr habt es allen gezeigt!

Nicht nur den eigenen Fans und den als Geheimtipp favorisierten Österreichern. Sondern vor allem auch all jenen Experten - ob nun beruflich oder selbsternannt - die euch als einfachen Gegener abgestempelt haben. Ich freue mich wirklich für euch. Auch wenn noch längst nicht feststeht, ob ihr am Ende eine Runde weiterkommt.

Aber was muss ich feststellen, einen Tag nach dem Spiel?

In den deutschsprachigen Medien dominiert in Hinsicht auf euer Spiel vor allem ein Wort: "Überraschung". Und man schreibt, dass euer Torwart Gábor Király nun der älteste Spieler ist, der je zu einer EM angetreten ist und dass drei eurer Spieler sonst für die Bundesliga kicken, dort aber in letzter Zeit eher wenig Beachtung fanden.

Irgendein österreichisches Medium mit der Zahl 24 im Namen schrieb euren Sieg dem angeblich blinden Schiedsrichter zu. Auch wenn ich kein Fussball-Fan bin, kommt mir diese Aussage sehr bekannt vor. Aber ansonsten haben sich die Medien vor allem entweder in Häme oder Mitleid über Österreichs Mannschaft ergossen.

Freilich war da noch ein zweites Ereignis: die Isländer haben den Portugiesen ein Unentschieden abgetrotzt. Bei einer Mannschaft, die erstmals antritt und ihre Spieler aus einem 330.000 Einwohner-Land rekrutiert, wird so etwas schon als vernichtende Niederlage der Portugiesen interpretiert. Jedenfalls soll sich Starkicker Ronaldo wie eine Diva aufgeführt haben, weil seine Mannschaft keinen Sieg gegen ein Land einfuhr, dass weniger Einwohner hat, als Ronaldo Gefolgsleute auf Twitter hat, sogenannte Follower.

Irgendwie habe ich den Eindruck, dass man den Isländern diesen Triumpf gegen die Portugiesen - auch wenn es nur ein Unentschieden war - von fast überallher gegönnt hat; euch Ungarn hingegen hat man den tatsächlichen Sieg gegen die Österreicher aber anscheinend gar nicht gegönnt. Jedenfalls lese ich das so zwischen den Zeilen. Das mag freilich ein sehr subjektiver Eindruck sein, und ich bin auch ein wenig parteiisch, das gebe ich zu.

Ich wünsche Euch weiterhin viel Erfolg, auch wenn dieser Sieg der einzige bei dieser EM gewesen sein sollte. Denkt dran: bei den Schweizern war es anno 2012 auch so, dass sie im WM-Auftaktspiel gegen die Spanier gesiegt haben und dann doch nicht weitergekommen sind.

(15.Juni 2016)

 

 

Eigentlich nichts Neues
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Irgendwann im Laufe des Jahres 2014 hatte ich einen Internet-Beitrag verfasst, der sich mit dem grundsätzlichen Aufbau einer Eisenbahn-Weiche befasst. Der Beitrag war auch einige Zeit lang online. Aufgrund einiger datenbanktechnischer Probleme ist er derzeit jedoch offline.

Also setze ich ihn einfach mal hier auf meine Seite. Vielleicht ist er ja dem einen oder der anderen behilflich.

Bitte aufs Bild klicken :-)

Hier gehts zum Weichenbeitrag

(23.Juni 2015)

 

Einer von etwa 150 im Jahr in der Schweiz

Der 22.Dezember 2014 wird wohl einer Familie aus Küsnacht ZH auf ewig in grauenhafter Erinnerung bleiben. Irgendwann im Verlaufe des Abends wird die Polizei vor der Tür gestanden haben um den Eltern die Nachricht zu überbringen, dass ihre 15-jährige Tochter nicht mehr am Leben ist.

Aber kein Gewaltverbrecher hat das Leben der jungen Frau ausgelöscht. Sie selber war es, die aus Leichtsinn zusammen mit zwei anderen (vermutlich Gleichaltrigen) ihr Leben aufs Spiel setzte. Gemeinsam mit zwei anderen Personen, vermutlich Gleichaltige, überquerten sie die Gleise an der Bahnhaltestelle Küsnacht Goldach, obwohl an jedem Bahnhof und jeder Haltestelle Warnschilder darauf hinweisen, dass das Betreten der Gleisanlagen verboten ist.

Für den Lokführer jener S-Bahn, die zu diesem Zeitpunkt planmässig durch Küsnacht Goldach hindurchfuhr, geschah nun, wovor die meisten Lokführer Angst haben: man wird durch die enorme Kraft aus Masse und Beschleunigung zum Mörder. Mit eigenen Augen muss man mit ansehen, wie ein Mensch unter den Zug gerät. Es wird Lokführern zwar empfohlen, in solchen Momenten die Augen zu schliessen. Nur denkt man in diesem Augenblick auch daran? Viel schlimmer noch dürfen die Geräusche sein, die beim Überfahren entstehen. Am schlimmsten aber wird es, wenn auch noch der Geruchssinn mit ins Spiel kommt. Denn Gerüche können sich noch viel intensiver im Gedächtnis festsetzen und haben die Angewohnheit, uns auch noch nach Jahrzehnten an Situationen zu erinnern, die längst vergessen scheinen.

Gut möglich, dass es am 22.Dezember genauso schlimm gelaufen ist. Denn die zweigleisige Strecke konnte erst mehrere Stunden später eingleisig wieder freigegeben werden. Ein Zeichen dafür, dass die Aufräumarbeiten an der Unfallstelle aufwändig gewesen sein müssen, etwa, weil der Körper der jungen Frau durch die Art des Aufpralls regelrecht verteilt wurde. Auch für so manchen Reisenden im Zug muss es daher ein Schockerlebnis gewesen sein.

Über Personenunfälle wird in der Regel in den Medien so gut wie nie berichtet; das ist eine Art ungeschriebenes Gesetz, man befürchtet den Nachahmungseffekt. Bei der Deutschen Bahn scheint man teilweise sogar das Wort "Personenunfall" tabuisieren zu wollen und umschreibt ein solches Ereignis mit "Personen im Gleis" oder "Notarzteinsatz am Gleis". Ob das der richtige Weg ist, darüber lässt sich trefflich streiten.

Aber es lässt sich eben nicht immer alles verdecken. So schaffte es der Unfall von Küsnacht Goldach in die Schlagzeilen von Blick Online. Der Grund liegt wohl daran, dass man die Story als abschreckendes Beispiel allen anderen vor die Nase halten kann. Seht her: so schnell kann es passieren und vorbei sein, wenn man Verbote missachtet!

Interessanter als die Berichte selber sind oftmals die Kommentare dazu. Der Tenor war in diesem Falle klar: Mitleid hatte man mit den Angehörigen, dem Lokführer aber nicht mit der getöteten jungen Frau. Sie war alt genug zu wissen, dass man Bahngleise nicht überschreitet, also selber schuld. Es stachen allerdings drei Beiträge heraus, die gegen den allgemeinen Tenor die Schuld bei der Bahn suchen. Ob der Argumentation allerdings muss man sich schon fragen, ob diese Meinungen wirklich ernster Natur waren oder als reine Provokationen eingestreut wurden. Denn sie lassen ein wenig an dem zweifeln, was man gesunden Menschenverstand nennt.

Anmerkung: Hier wird der Artikel 32 Absatz 1 der Strassenverkehrsordnung auszugsweise zitiert.
Aber eben: es heisst ja auch STRASSENverkehrsgesetz. Und da die physikalischen Gesetze von Strassen- und Schienenverkehr nun mal sehr unterschiedlich sind, gilt für Schienenwege nun mal das Eisenbahngesetz.

Anmerkung: Das Leben ist lebensgefährlich. Und Dummheit kann tödlich sein!

Anmerkung: Es gibt tatsächlich Leute, die eine sehr realitätsferne Sichtweise entwickeln, wenn sie meinen, durch Lesen bestimmter esoterischer, okkultischer oder gar verschwörerischer Inhalte die wahre Ursache und Lösung aller Probleme zu kennen. Es blammiert sich eben immer noch jeder selbst am besten.

Die Reaktionen der Leserschaft fiel auch entsprechend eindeutig aus.

(24.Dezember 2014)

 

Die grosse Freiheit - und der Preis dafür
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Nein, dieses Mal geht es um nichts irgendwie politisch Angehauchtes.

Für die meisten Menschen beginnt die grosse Freiheit im Alter von 18 Jahren, wenn sie (endlich/leider) eigenbestimmt handeln können und müssen. Dazu gehört auch für die meisten heutzutage, dass man ab diesem Zeitpunkt auch im Stande sein sollte, einen fahrbaren Untersatz zumindestens lenken zu können. Sich einen solchen auch leisten zu können, steht auf einem anderen Blatt.

Und so investieren Heranwachsende - meist auch unter finanzkräftiger Zuhilfenahme ihrer noch Erziehungsberechtigten - mit 17 Jahren vierstellige Beträge, um mit 18 Inhaber eines gültigen Führerscheines zu sein. Und wenns irgendwie geht, legt man sich schon ein eigenes Auto zu, koste es, was es wolle. Aber dann hat man sie: die grosse Freiheit, jederzeit überallhin fahren zu können, wohin man will, solange der Tank nicht leer ist.

So habe ich es auch 1993 erlebt, als ab und an mal einer der Mitschüler fehlte, weil er gerade seine Führerscheinprüfung hatte. Auf mich hat der Gedanke, Auto fahren zu können, keinen Reiz ausgeübt. Ich hatte mit werdenden 18 andere Problem: ich wollte mein Abitur schaffen. Und die Voraussetzungen waren mies, da ich in meiner Klasse ein Einzelgänger war und über jeden Moment froh war, den ich nicht in der Schule sein musste und über jeden Tag froh war, den ich überstanden hatte.

So kam es dann auch, dass ich auch Anfang 1998 noch immer keinen Führerschein besass, aber auch immer noch bei meinen Eltern daheim wohnte. Also sprach Frau Mama eines Tages zu mir, sie habe mich zusammen mit meiner fünf Jahre jüngeren Schwester bei einer örtlichen Fahrschule angemeldet und sie werde den ganzen Spass auch bezahlen.

Zwei Anläufe brauchte ich jeweils in Theorie und Praxis: bei der ersten Theorieprüfung scheiterte ich an einem Fehlerpunkt zuviel, bei der ersten praktischen Prüfung war die Aufregung etwas zu gross. Und während am 28.September 1998 ganz Deutschland erstmal verkraften musste, dass es das Wahlvolk am tag zuvor nach 49 Jahren erstmals gewagt hatte, die komplette Bundesregierung abzuwählen, erhielt ich den Führerschein in die Hand gedrückt - damals noch "Fläppe" genannt, weil er auf rosa Papier erstellt worden war. Einem Mitprüfling, der mit mir im gleichen Auto sass und an jenem Tag den ersten Versuch hatte, ging es wie mir einige Wochen zuvor.

Also, ich durfte von nun an Auto fahren.
Und was hatte ich davon?
Ich durfte nun regelmässig Sonntag abends meine Schwester zum Internat nach Schulpforte fahren. Vorher war dies ein Privileg meines Bruders, der zwar anderthalb Jahre jünger ist als ich, aber eben schon mit 18 fahrbare Untersätze steuern durfte.

Dass ich mir jemals ein Auto zulegen würde, davon habe ich nie wirklich geträumt.

Dass ich mir nun doch eins zulegen musste - seit Anfang August 2014 bin ich Inhaber eines VW Polo - lag schlicht an meinem Arbeitgeber. Wer mich kennt, weiss ja, dass ich bei der SBB Infrastruktur schaffe und dafür sorge, dass die Signale für die Züge oder Rangierfahrten korrekt auf Fahrt gehen oder auch die Kunden die korrekten Informationen an den Bahnhöfen angezeigt und durchgesagt bekommen. Bisher erledige ich diese Arbeit in Basel aus dem Kupferturm an der Münchensteinerstrasse heraus. Aber ab Mitte August 2015 liegt mein Arbeitsplatz in Olten.

Tagsüber dorthin mit dem Zug zu fahren, ist freilich kein Problem. Aber bei Schichtbeginn oder -ende nachts um vier Uhr ist man ohne Auto aufgeschmissen.

Ein Umzug nach Olten kam für mich nicht in Frage, für meinen Freund erst recht nicht. Letzterer hatte als Heimweh-Basler viele Jahre dort wohnen müssen. Und ich wiederum würde wohl einen sehr schlechten Eindruck vermitteln, wenn ich der Gemeinde, in der ich mich einbürgern lassen will, ausgerechnet jetzt den Rücken kehren würde.

Nachdem ich mich nun langsam an den Gedanken gewöhnt habe, tatsächlich ein eigenes Auto zu haben, beginne ich langsam auch die Vorteile davon zu geniessen.

Aber den wenigsten Jungspunden ist klar, welche Kosten mit einem eigenen Auto auf sie zurollen.

Da ist zunächst der Anschaffungspreis. Sicher, ich hätte auch für weniger als 19'000 Franken ein gebrauchtes Auto kaufen können, aber ich wollte eins, dass auch bei schlechten Witterungsverhältnissen zuverlässig funktioniert.

Dann kommt als nächstes die Fahrzeugsteuer, die in der Schweiz kantonal unterschiedlich geregelt ist. Dem Vernehmen nach ist Basel-Landschaft in der Hinsicht sehr grosszügig im Nehmen und berechnet nach Hubraum: ca. 550 Franken pro Jahr.

Als nächstes wird die Versicherung fällig. Ich bin zwar ein vorsichtiger Fahrer und werde wohl eher als Verkehrshindernis wahrgenommen, aber trotzdem habe ich mich für den Rundumschutz entschieden, als Haftpflicht und Vollkasko. Macht zusammen 1150 Franken im Jahr - bei vollen Schadenfreiheitsrabatt wohlgemerkt.

Wo steht das Auto, wenn man es nicht braucht? Wer auf dem Lande wohnt, hat sicher weniger Abstellprobleme. Aber in urbanem Gebiet wird es schnell mal knapp mit freien Parkplätzen im Freien. Erst recht in der Agglomeration von Basel. Also legt man sich idealerweise einen Einstellplatz zu, der in meinem Falle mit 150 Franken pro Monat zu Buche schlägt, also aufs Jahr 1800 Franken.

Vielleicht mag so mancher jetzt den Kopf schütteln über diese Beträge. Freilich, auf den Vollkaskoschutz kann man verzichten. Aber die Höhe der Versicherung wird nicht nach dem Zeitwert eines Autos sondern nach seinem Listenpreis berechnet. Und da gilt für mein Auto ein Wert von 29.900 Franken.

All die genannten Kosten summieren sich bereits auf jährliche Kosten von 3'500 Franken. Es sei noch angemerkt, dass ich noch keinen einzigen Kilometer gefahren bin, weil ja die Benzinkosten sonst immer die ersten sind, die einem beim Autofahren bewusst werden. Weitere Kosten entstehen für Service, kleinere Reparaturen und die regelmässige Inspektion bei der MFK.

Man kann also ruhig sagen, dass nur allein das Halten eines Autos monatlich mit rund 300 Franken zu Buche schlägt - zu tätigende Rücklagen für den irgendwann in mehreren Jahren anstehenden Neukauf noch gar nicht berücksichtigt.

(17.September 2014)

 

Liebe Verantwortliche der Stifung Warentest
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Den Schoggi-Rechtsstreit habe ich ein wenig verfolgt und sehe den Fehler auf beiden Seiten. Ein wenig empfinde ich deshalb Genugtuung.

Ihr stellt euch hin als Verteidiger der Konsumenten und ich zweifle auch nicht dran, dass ihr dies tatsächlich wollt und auch tut.

Aber auch ihr seid bereit, eure Seele zu verkaufen, wenn es den Einnahmen dient.

Wie ich auf diese Behauptung komme?

Von 2005 bis 2014 war ich Abonnent der Zeitschrift "Test".

Leser deutscher Zeitschriften in der Schweiz werden von den Verlagen gern als Melkkuh missbraucht.
Bei "Test" ist es auch nicht anders. Kostete 2005 die monatliche Ausgabe am Kiosk in Deutschland 3.50 Euro, so zahlte man in der Schweiz 7.30 Franken. Der Wechselkurs stand aber damals bei etwa 1.50 Franken für 1 Euro.

Immerhin habt ihr den Schweizer Lesern die Möglichkeit geboten, per Euro-Überweisung fürs Jahresabo einen Monatspreis von 3.95 Euro zu bezahlen. Trotz der Preissteigerungen der letzten Jahre blieb dieses Verhältnis von Auslandspreis und Deutschlandpreis etwa gleich und ich war auch 2013 noch bereit, nunmehr 57.70 Euro zu bezahlen.

Dann aber habt ihr den Vertriebspartner gewechselt. Statt Zenit in Stuttgart lasst ihr nun DPV in Hamburg für den Vertrieb an die Kunden arbeiten. Ich erhielt im Juni 2014 keine Euro-Rechnung mehr sondern eine Rechnung über 87.60 Franken, während der Abonnent in Deutschland mit 55.90 Euro zur Kasse gebeten wird. Zur Erinnerung: seit drei Jahren gilt fast unverändert ein Kurs von 1.20 Franken für 1 Euro.

Mein Anruf bei euch ergab, dass es die Möglichkeit der Euro-Überweisung leider nicht mehr gebe für Kunden in der Schweiz. Soll heissen: ihr habt euch den Bedingungen von DPV verkauft!
Q.E.D.!

Noch mehr verärgerten mich aber die Umstände der Kündigung.

Euer Brief mit der neuen Jahresrechnung an mich wurde am 30.Mai 2014 verfasst. Erhalten habe ich ihn am 13.Juni 2014, also geschlagene zwei Wochen später. Das war auch der Tag, an dem ich erst bei euch anrief und dann noch am gleichen Tag per Einschreiben gekündigt habe mit der Aufforderung, mir keine weitere Ausgabe zuzusenden.

Und jetzt wirds putzig!

Am 24.Juni 2014 - elf Tage später - habt ihr mir per Email den Eingang der Kündigung bestätigt. Anscheinend war es da schon zu spät, die Juli-Ausgabe sei bereits an mich unterwegs. Nach einigem Bedauern folgte dann noch der Hinweis auf den Onlineshop der Stiftung Warentest. Sehr freundlich. Sehr aufmerksam.

Die Rechnung für diese eine Ausgabe datierte ebenfalls auf den 24.Juni 2014, in Höhe von 13.30 Franken: 7.30 Franken für die eine Ausgabe und 6 Franken als "Vorsaldo" - was auch immer damit gemeint sein mag. Der Brief traf am 3.Juli 2014 bei mir ein. Ich hab den Betrag umgehend überwiesen mit dem innerlichen Wunsch, dass jemand Bestimmtes durch Erhalt dieses Betrages einen plötzlichen Exitus aufgrund akuter Atemnot erleiden möge.

Nämlich einen Tag vorher erhielt ich von euch noch eine Zahlungserinnerung, nunmehr solle ich 93.60 Franken (inkl. 6 Franken Mahngebühr) begleichen. Datum dieser Rechnung: schon wieder 24.06.2014!

Ich würde mir an eurer Stelle gut überlegen, ob die Zusammenarbeit mit DPV nicht im Widerspruch zum sonst seriösen Charakter der Stiftung Warentest steht. Die Rechnungen von Zenit brauchten in der Regel weniger als sieben Tage, bis sie bei mir eintrafen.

Ich wünsche euch weiterhin alles Gute

(9.September 2014)

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Ein Blick auf meinen Beruf
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Es soll ja immer noch Leute geben, die mit meiner Berufsbezeichnung "Zugverkehrsleiter" nichts oder nicht das richtige anfangen können.

Ich habe dazu vor einigen Monaten einen Beitrag verfasst, der auf den Seiten der SBB veröffentlicht wurde. Und aufgrund des (scheinbar) grossen Interesses wurde meine deutsche Originalfassung auch ins Französische und Italienische übersetzt.

Natürlich ist diese Fassung die offiziell von der SBB autorisierte. Wer sich für die Urfassung interessiert, der sollte jetzt weiterlesen :-)

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ZVL? Zugverkehrsleiter?
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Es soll ja immer noch Leute geben, die mit meiner Berufsbezeichnung nichts anfangen können.

Ob ich denn da künftig Billette kontrollieren würde, lautete vor zwei Jahren die Frage des Geschäftsführers meines vormaligen Arbeitgebers, als ich damals die Kündigung einreichte und erklärte, dass ich die Ausbildung zum Zugverkehrsleiter machen würde.
Dann liest man teilweise, man könne es mit den Fluglotsen vergleichen, nur dass man eben den Zugverkehr überwacht. Aber der Begriff "Zuglotse" greift viel zu kurz. Denn mein Beruf umfasst nicht bloss das Durchlotsen von Zügen von Bahnhof A zum Bahnhof B. So müssen an diversen Bahnhöfen auch Rangiermanöver durchgeführt werden. Und an wen wenden sich die Rangierleiter mit ihren Anforderungen, beispielsweise wenn eine S-Bahn ins Abstellgleis soll? An den Zugverkehrsleiter.

Auch die auf den Bildschirmen symbolisierten Gleise und Signale muss ich immer mal wieder im Blick behalten. Ist die eine rote Belegung im Gleis xy nun ein abgestellter Zug oder ein Rangiermanöver oder aber dümmstenfalls eine gestörte Gleisfreimeldeeinrichtung? Wieso ist das eine Hauptsignal da plötzlich magenta umrandet? Ist da eine Lampe defekt oder eher ein Rechner abgestürzt? Kann man jetzt überhaupt noch signalmässig fahren oder muss zu einer Checkliste und einem Sammelformular gegriffen werden? Wer muss das alles möglichst schnell erkennen können - und vor allem die Störung auch an den technischen Dienst weitermelden? Der Zugverkehrsleiter!

Ach, und in den Emails sind wieder ein paar Abgangskontrollen gelandet. Sind die auch relevant für meinen Stellbereich? Und jetzt flattert eine Anordnung herein, der Lösch- und Rettungszug soll eine Instruktionsfahrt machen. Wer muss da wohl die Zuglenkdaten programmieren, damit für den Zug auch die Weichen und Signale richtig gestellt werden? Ja, schon wieder der Zugverkehrsleiter.

Ein Anruf von der Lokleitung: der eine DPZ da im Abstellgleis D11 stünde verkehrt herum; da wärs toll, wenn man eine Abdrehfahrt über die VL machen könnte, der zuständige Lokführer stehe schon bereit. Wer entscheidet nun, wann und wie da die Abdrehfahrt durchgeführt wird? Richtig geraten, der Zugverkehrsleiter.

Dann meldet sich noch der Bereichsdisponent und ordnet an, dass ein 400-Meter-Güterzug im Bahnhof A warten soll, weil im Einspurabschnitt noch ein anderer Zug entgegenkommt. Wer prüft, ob im betreffenden Bahnhof eine solche Zugskreuzung überhaupt möglich ist? Faktoren wie Gleislängen aber auch vorhandene Gruppensignale spielen da eine Rolle. Ja, genau, schon wieder ist der Zugverkehrsleiter gefragt.

Und dann sollen über Nacht im Bahnhof B diverse Weichen geschliffen werden, dazu müssen die betreffenden Gleise gesperrt werden. Wer kommuniziert mit dem Sicherheitschef vor Ort, was das Einführen der Sperrungen und letzten Endes das Fahrbarmelden der Gleise angeht? Auch das ist wieder eine Aufgabe des Zugverkehrsleiters.

Wie man sieht, habe ich also jede Menge Abwechslung in meinem Berufsalltag. Natürlich, mal mehr, mal weniger, je nach Wochentag und Tageszeit und ob alles störungsfrei fahren kann. Es gibt Tage, da scheint die Zeit stillzustehen; und es gibt Tage, da steht das Telefon stundenlang nicht still.

Wem der Begriff Zugverkehrsleiter trotzdem immer noch befremdlich erscheinen mag, der kann auch Fahrdienstleiter sagen.

P.S.: Freilich gibt es auch Zugverkehrsleiterinnen und Fahrdienstleiterinnen. Aber im Sinne der besseren Lesbarkeit dieses Textes habe ich auf die stete Nennung beider Geschlechtsbezeichnungen - das sogenannte "Genderisieren" - verzichtet. Ich hoffe, man trägt mir das nicht nach.

(08.Mai 2014)

 

Ein Brief vom Fasnachts-Comité in Basel
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Auf meinen Brief anfs Fasnachts-Comité Basel gabs eine schriftliche Antwort innerhalb von drei Tagen.

Diese Antwort will ich hier nicht vorenthalten. Ob man damit zufrieden sein kann, sei mal dahingestellt.

(12.Februar 2014)

 

Von entsetzten Berufs-Europäern und Gutmenschen
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Während ich privat an diesem Wochenende auf humoristischer Art mit dem Fasnachts-Comité von Basel gehadert habe, brach am heutigen 9.Februar 2014 nach Meinung vieler Kommentatoren scheinbar eine Welt zusammen.

Alles nur, weil die Schweizer sich sehr, sehr knapp für die Begrenzung der Einwanderung entschlossen haben. Ähnliche Reaktionen gab es schon vor einigen Jahren nach der Annahme des Minaret-Verbotes.

Dass man nun davon schreibt, die Schweiz würde sich ausgrenzen, die Grenzen dicht machen, man wolle weiterhin nur Rosinen picken und es sei ein Sieg der Populisten gewesen, zeigt leider nur eins: so mancher Berufs-Europäer dürfte in seinem Demokratieverständnis auf einer Stufe mit dem französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. stehen: wie kann sich das Volk bloss dazu erdreisten, gegen die europäischen Ideale zu sein, zu denen nun mal auch die Personenfreizügigkeit zählt!?!

Die Antwort darauf ist aber ganz einfach: die europäischen Ideale an sich stellen die Schweizer mehrheitlich nicht in Frage. Nur muss man das Ausleben der Ideale sich auch leisten können. Diejenigen, welche diese Ideale stets predigen, müssen für die entstehenden Kosten nicht geradestehen. Die Eurokraten mit ihren gesicherten Einnahmmen dank unumstösslicher Posten und Pöstchen im Elfenbeinturm zu Brüssel müssen sich keine Sorgen machen. Ihre Bezüge sind sicher, da es keine wirkliche Opposition gibt. Daher ist es auch kein Problem, die europäischen Ideale in den Sonntagsreden zu verteidigen und hochleben zu lassen und mit Verweis auf die Menschenrechte ohne direkt-demokratische Legitimation durchzusetzen.

Otto Normalbürger hingegen, der sich immer schneller in der Tretmühle der Arbeitswelt bewegen muss, um noch den gleichen Lohn zu kriegen, von dem am Ende nach Steuern und Abgaben aber immer weniger bleibt, kommen solche Ideale bloss noch wie Hohn vor, gerade vor allem, wenn dann auch noch auf die Menschenrechte verwiesen wird.

Wäre die Volksabstimmung in dieser Art in Deutschland oder Grossbritannien abgehalten worden, hätte das Ergebnis auch nicht anders ausgesehen. Denn die Gutmenschenfraktion hat nur noch in den Parlamenten und Regierungen eine absolute Mehrheit, im Volk schon längst nicht mehr.

Dass man nun die Schweiz an den Pranger stellen will, weil ausgerechnet hier diese Diskrepanz zu Tage getreten ist, zeugt einmal mehr davon, dass die politische Elite im Unionierten Europa längst der Meinung ist, das Volk nicht mehr als Souverän sondern als Verhandlungsmasse zu betrachten.

Übrigens hat es schon mal eine Volksinitiative gegeben, die von Regierung, Parlament und Verbänden einmütig abgelehnt wurde und im Ergebnis ähnlich knapp ausfiel: "Für die Rückkehr zur direkten Demokratie" am 11.September 1949 mit 50,7% Ja-Stimmenanteil. Ich habe darüber bereits im Jahre 2011 an dieser Stelle geschrieben, siehe weiter unten im Text.

Die Auswirkungen dieser Initiative dürften in ihrer Tragweite ähnlich gewesen sein.

Wohlgemerkt: ich bin deutscher Staatsbürger und lebe seit über elf Jahren in der Schweiz, ohne Stimmrecht.

(9.Februar 2014)

 

Ein Brief ans Fasnachts-Comité in Basel
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Sehr geehrte Fasnachts-Comité-Obleute,

ich schreibe Euch aus einem unerfreulichen Grund, will aber nicht gleich mit der Tür ins Haus fallen.

Ich gehörte am 30.Dezember 2013 zu jenen Leuten, die auf der Vernissage im Volkshaus begeistert applaudierten, als zum vorgestellten Sujet passend die ersten sechs Gold-Plaketten hochoffiziell von Euch an sechs Mitarbeiter der Stadtreinigung überreicht wurden, stellvertretend als Anerkennung für alle, welche die Drecksarbeit an der Fasnacht machen müssen.

Der Auftritt war gelungen; meine Hochachtung dafür.

Weniger gelungen hingegen ist das, was den aktiven Fasnächtlern am Blumenrain 16 so geboten wird. Klar, der verwaltungstechnische Bürokram im Hintergrund und die Plakettenausgabe sind auch eine Art Drecksarbeit, allerdings vergleichbar einer geschützten Werkstatt, nicht unter freiem Himmel bei Wind und Wetter und ohne Kontakt mit fragwürdigen Substanzen.
Das grösste Risiko dürfte in einer möglichen Verletzung der Finger an nicht ordnungsgemäss gesicherten Nadeln der Plaketten oder scharfen Pappkarton- oder Papierkanten bestehen.

Die geschätzte Damenrunde vor Ort würde von mir definitiv keine Ehrenplakette bekommen. Denn die haben es dieses Jahr schon zweimal geschafft, einen schlechten Eindruck zu hinterlassen. Einmal ist bekanntlich keinmal, aber zweimal ist einmal zuviel!

Beide Male betrat ich die Räumlichkeiten, ohne dass sich auch nur eine der stets drei Anwesenden angesprochen fühlte, obwohl sichtlich niemand weiter da war. Man war viel mehr intensiv mit sich selber beschäftigt, so auch wieder am Samstag vormittag, den 8.Februar 2014.

Ich trat also wieder an den Tresen und wartete darauf, ob vielleicht eine der Damen innerhalb der nächsten Minute meinem Wunsch nach fünf Plaketten nachkommen würde. Zwei der Damen waren jedenfalls sehr intensiv mit Kaffikränzli beschäftigt. Die also schon mal nicht, dachte ich mir. Da sie gar keine Anstalten machten, ihre Privatkonversation einzuschränken, gehörten sie womöglich gar nicht dazu - jedenfalls hatte ich diesen Eindruck.
Blieb noch eine, die am Computer sass und gebannt auf den Bildschirm blickte - nach dem Motto:bloss keinen Blickkontakt! Und schon gar nicht Grüezi sagen! Aber die musste ja wohl zuständig sein...

Dann endlich eine Reaktion von ihr: wer ich bin? Ich nannte den Namen des Grüpplis, für das ich Plaketten holen sollte. Sie verstand es nicht - kein Wunder bei dem Geschnatter im Hintergrund. Also wiederholte ich es etwas lauter.

"Ich verstoh Sy immer no nid", schüttelte sie etwas verständnis- wie hilflos den Kopf und kam nun endlich vom Computer zum Tresen.
Ja, hätte ich vielleicht schreien sollen!? So manch anderer hätte ja schon jetzt mit der Faust auf den Tisch gehauen!

Da selbst am Tresen unser Gespräch immer noch vom Hintergrundgeschnatter überdeckt wurde, kam die gute Frau nun selber auf die Idee, mit einem Ruf Richtung Lärmverursacherinnen für Ruhe zu sorgen. Immerhin hatte ja nach mir noch ein anderer Kunde die Örtlichkeit betreten. Und siehe da: es wurde ruhig und eine der beiden Angesprochenen setzte sich plötzlich in Bewegung und suchte die Plaketten für mich heraus. Die arbeitet also auch hier, dachte ich mir, guck an!

Und den Blick von der hättet ihr sehen müssen! Als wollte sie sagen: wenn WIR schon Samstag vormittag hierher kommen MÜSSEN, wieso muss DER dann auch noch kommen?

Ich war jedenfalls reichlich bedient nach diesem Vorkommnis und wünsche mir nur eins von Euch, liebe Fasnachts-Comitéler: Sorgt doch bitte dafür, dass eure Angestellten - gerade wenn sie nur ehrenamtlich tätig sind - sich mit ihrer Arbeit identifizieren (können). Sonst ist es eben keine "runde Sache" wie anno 2010, sondern ein Fall von "S glemmt" wie 2012.

Auch wenn ich das ganze hier recht humorvoll beschrieben habe, meine ich es ernst.

Und da die Wahrscheinlichkeit besteht, dass dieser Brief statt an seinem eigentlichen Ziel vielmehr in der Rundablage landet, wird er freilich auch an die Basler Zeitung und TeleBasel verschickt und per Internet veröffentlicht. Ich freue mich auf Eure Antwort und verbleibe

Mit freundlichen Grüssen

Andreas Kraneis

P.S.: Apropo, ich het da en Idee fürs Drummeli 2015, wie mer d'Rahmestiggli chönnt gstalte...

(8.Februar 2014)

 

 

Zum Teufel mit der Abgeordnetenkaste des Deutschen Bundestages!
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So oder so ähnlich wird wohl seit heute so mancher denken.

Sie sollten noch in guter Erinnerung sein,jene grotesken Bilder, wie der deutsche Bundestag mit nicht einmal 50 Abgeordneten an einem Fussball-EM-Juniabend das neue Meldegesetz verabschiedete - welches perfiderweise einige Änderungen enthielt, welche die Meldedaten der Einwohnermeldeämter ohne Rückfrage bei den betreffenden Bürgern zu gewerblichen Zwecken zu verwerten erlaubt hätte. Nur, wer ausdrücklich im voraus einer solchen Verwendung widersprach, wäre "unverwertet" geblieben.

So grotesk die Verabschiedung dieses Gesetzes war, so lautstark waren hinterher auch die Proteste. Das Gesetz wurde schliesslich vom Bundesrat gestoppt.

Was seinerzeit aber leider schnell unter den Tisch fiel: der Bundestag darf eigentlich nur Gesetze verabschieden, wenn er beschlussfähig ist. Beschlussfähig ist er, wenn mindestens die Hälfte der Abgeordneten anwesend sind. Das war defintiv nicht der Fall. Dass die sitzungsführende stellvertretende Bundestagspräsidentin Petra Pau seinerzeit trotzdem das Gesetz für angenommen erklärte, liegt an einem Trick in der Geschäftsordnung des Bundestages.

Die Beschlussfähigkeit muss nicht ständig geprüft werden sondern nur, wenn dies ein Abgeordneter verlangt. Und auf diese Idee war damals keiner gekommen. Ebenso wenig bekannt war auch die Tatsache, dass bei sich abzeichnenden "Fehlbeständen" sich die Parteien bereits vorher absprechen, wer alles dazusein hat und wer nicht, damit das Verhältnis der dann tatsächlich anwesenden Parlamentarier so ungefähr das Kräfteverhältnis widerspiegelt, was herrschen würde, wenn alle Abgeordneten anwesend wären.

Das heisst also, wenn etwa von den Unionsparteien zu viele Volksvertreter zu wichtigen Abstimmungsterminen nicht anwesend sein können, müssen die anderen Parteien ebenfalls Vertreter abziehen, damit das Kräfteverhältnis wieder stimmt. Die Reihen lichten sich so noch zusätzlich.

In der vergangenen Woche nun sollten einmal mehr Gesetze durchgebracht werden, ohne dass der Bundestag wirklich beschlussfähig war. Ein Abgeordneter der Linken stellte schliesslich den Antrag auf Prüfung der Beschlussfähigkeit des Bundestages. Dazu wurde der sogenannte Hammelsprung durchgeführt. Am Ende wurde nur die Anwesenheit von nicht einmal 300 Parlamentariern (von insgesamt 621) festgestellt. Zuvor hatte die gerade sitzungsführende Bundestagspräsidentin dem Verursacher dieses Prozederes schon einen grimmigen Blick zugeworfen. Einmal mehr ist dies übrigens Petra Pau gewesen, die diesmal nun aber feststellen musste, dass der Bundestag eben nicht beschlussfähig ist und die Sitzung abbrechen musste.

Ja, ich habe es damals schon geschrieben: Bananenrepublik Deutschland.

Anders kann man dieses Land nicht mehr bezeichnen. Wenn die Abgeordnetenkaste sich solche sehr eigenen Vorstellungen von Demokratie zurechtbastelt, weil es eben wichtiger ist, an einem warmen Sommerabend lieber woanders gemütlich beisammen zu sitzen - ob nun mit der Familie oder dem Lobbyisten, spielt keine Rolle - dann ist der nächste Schritt doch nur logisch: man versucht als Abgeordneter sich auf dem Gesetzeswege so weit es geht von der Arbeit zu entbinden.

Das ist bereits geschehen, und zwar mit "breiter Mehrheit" des Bundestages. Vielleicht erinnert sich ja noch der eine oder andere an jenes Sondergremium, das aus neun Abgeordneten des Bundestages bestand und welches Schnellentscheidungen zur Rettung des Euro durchwinken sollte, stellvertretend für den Bundestag. Denn wenn Eile geboten sei, sei es äusserst mühsam und zeitraubend, bis man alle Abgeordneten aktiviert habe, um zur Eilsitzung zusammenzutreten. Dieses Gremium wurde vom Bundesverfassungsgericht im Februar 2012 verboten.

Bleibt zum Schluss noch eine Feststellung: so alternativlos, wie die deutsche Politik zu sein scheint, ist sie nicht. Man hat als Wähler sehr wohl die Möglichkeit, etwas zu verändern. Nur man muss eben auch wirkliche Alternativen wählen. CDU/CSU, SPD, FDP und Grüne haben inzwischen zur Genüge gezeigt, dass sie zu Blockparteien geworden sind. Ich werde dieses Jahr als im Ausland lebender Deutscher erstmals nach 2002 wieder Gebrauch machen von meinem Wahlrecht bei der Bundestagswahl. Und ich weiss bereits, welche Alternative ich wählen werde. Und nein: als Ex-DDR-Bürger wähle ich keine Altkommunistenpartei.

(08.Juni 2013)

 

Legislativer Sinn für Humor
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Dass man allgemein ernste Sachen auch ein wenig auflockern kann, hat Herbert Scholl, Tagespräsident bei der Eröffnungssitzung des Aargauer Grossen Rates am 30.April 2013, gezeigt:

"Wir kommen zum Namensaufruf. [...] Der Ratssekretär wird Sie nun in alphabetischer Reihenfolge aufrufen, und Sie werden gebeten, deutlich mit JA zu antworten. Die Damen und Herren, die Militärdienstgeleistet haben, dürfen auch mit HIER antworten."

[Das Prozedere ist vorbei]

"Geschätzte Kolleginnen und Kollegen, ich danke Ihnen. Nun können Sie zu Hause erzählen, dass Sie bereits einmal gesprochen haben im Grossen Rat des Kantons Aargau."

(23.Mai 2013)

 

Tierischer Alltag bei der Eisenbahn
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Am Sonntagmorgen, den 12.Mai 2013, muss es am Bahnhof in Frauenfeld echt tierisch zugegangen sein. Ich war nicht vor Ort, aber folgende Meldungen kamen durch:
06:43 Meldung "Tiere im Gleis" im Bahnhof Frauenfeld
06:45 Zugpersonal und Lokführer von Zug 2110 (IR Konstanz - Biel) versuchen das Schaf zu vertreiben
06:50 Polizei wird aufgeboten
06:53 Schaf durch Fahrpersonal und Reisende(!!!) vertrieben
06:55 Schaf befindet sich weiterhin auf Bahnhofsgelände Seite Winterthur; alle Züge werden verständigt
07:09 Einsatzleiter Jeremias vor Ort
07:40 Schaf befindet sich jetzt bei der Zuckerfabrik zwischen Güterwagen
08:35 Schaf konnte einem Bauern übergeben werden; Einsatzleiter und Polizei ziehen sich zurück

 

Verschriftlichungen
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Was zum Teufel ist denn "Schnürlischrift"?
Diesen Ausdruck benutzte mein damaliger Freund Ralph, als wir mal auf die Handschrift zu sprechen kamen. Ich zeigte ihm, auf welche Art und Weise ich schreiben gelernt hatte und er mir, wie es bei ihm der Fall war.

Und wenn man da ein wenig nachhakt, stellt man enorme Unterschiede fest, auch in der geschichtlichen Entwicklung.

Zum ausgehenden 19.Jahrhundert galt in Deutschland, in Österreich und in der Schweiz die sogenannte Kurrentschrift als das Mass der Dinge in Sachen Handschrift.

 

Wer heute solche alten geschriebenen Texte lesen muss, wird arge Probleme haben, selbst wenn das Schriftbild sauber ist. Denn das Aussehen der Buchstaben hat zum Teil gar nichts mit dem zu tun, was für uns heute als normale Druckschrift bekannt ist. Seinerzeit wurde aber im deutschsprachigen Bereich zumeist noch in Fraktur gedruckt. Die uns heute vertraute Druckschrift hingegen fand nur bei fremdsprachigen Texten Anwendung.

Wenige Jahre vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges gab das damalige preussische Bildungsministerium den Auftrag, eine neue, einfacherere Schreibschrift zu entwickeln. Und dieser Auftrag wurde von einem gewissen Ludwig Sütterlin umgesetzt, nachdem auch das Schriftbild (links unten) schliesslich seinen Namen erhielt. Ab 1915, also mittem im Kriege, wurde sie dann in Preussen verbindlich. Was wohl nur noch wenige wissen: Sütterlin entwarf auch eine Schrift für lateinische Texte (recht unten).

 

 

Mit Beginn der 1920er Jahre fand die Sütterlinschrift auch nach und nach Verbreitung in den anderen deutschen Ländern, die Kurrentschrift konnte sich jedoch noch bis Anfang der 1940er Jahre in Österreich halten.

Im Jahre 1941 geschah dann etwas sehr eigenartiges. Die in Deutschland über Jahrhunderte hinweg verendete Frakturschrift wurde plötzlich verboten. Die Fraktur wurde offiziell als "Schwabacher Judenlettern" diskreditiert; und alles Jüdische galt es ja schliesslich auszumerzen. Der tatsächliche Grund aber dürfte gewesen sein, dass in allen anderen europäischen Sprachen das Schriftbild auf den lateinischen Buchstaben beruhte. In den durch Krieg besetzten Gebieten waren die Menschen gar nicht imstande, Fraktur- und Sütterlinschrift zu lesen.

Während nun also für den Druck von Büchern, Zeitungen etc. fortan die Antiqua galt, wurde an den Schulen ab 1941 die sogenannte deutsche Normalschrift gelehrt.
Sie war es übrigens auch, die imbesetzten Österreich die noch übliche Kurrentschrift verdrängte.

Diese deutsche Normalschrift blieb gültig bis zu Beginn der 1950er Jahre. Ab dann wurden nach und nach in den einzelnen Ländern neue Ausgangsschriften entwickelt und erlassen.
In der damaligen BRD war dies die "Lateinische Ausgangsschrift". Sie galt ab dem Jahre 1953. Aufgrund der Tatsache, dass das zu lehrende Schriftbild Teil der Bildungspolitik ist und Bildungspolitik wiederum Ländersache, gilt sie auch heute noch in fünf Ländern als Alternative zu anderen Schriftbildern.

Ihr folge ab dem Jahre 1974 die "Vereinfachte Ausgangsschrift", die ihrem Namen tatsächlich alle Ehre macht. Das Aussehen der Buchstaben in Schreibschrift wurde noch stärker ans Bild der gedruckten Buchstaben angenähert. In drei deutschen Bundesländern (Bayern, Bremen,Schleswig-Holstein) ist sie bis heute Pflicht, an weiteren acht Ländern darf sie wahlweise gelehrt werden.

Der letzte Entwurf, der es in einem deutschen Bundesland geschafft hat, sich zu etablieren, ist die sogenannte "Hamburger Druckschrift" aus dem Jahre 2001, die als "Grundschrift" seit 2011 von interessierten Schulen erprobt werden darf. Tatsächlich kann man auch nicht mehr von Schreibschrift reden. Zulässig ist sie in Hamburg und Hessen als Alternative.

In der DDR hingegen war so ziemlich alles zentralistisch organisiert, auch die Bildungspolitik. Die Kinder im ganzen Land lernten also nach einheitlichen Vorgaben. Und die Vorgabe für die Ausgangsschrift lautete etwa ab Beginn der 1950er Jahre "Standardschulschrift".

In den 1960er Jahren wurde an einer neuen "Schulausgangsschrift" gearbeitet, die dann schliesslich ab 1968 Pflicht wurde. Und sie hat sich über die politische Wende hinaus halten können: in drei ostdeutschen Bundesländern ist sie nach wie vor Pflicht, erstaunlicherweise auch im westdeutschen Saarland. In Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen aber auch in Hamburg und Nordrhein-Westfalen ist sie als Alternative zugelassen.

In Österreich wurde zunächst bis 1941 noch Kurrentschrift gelehrt. Dann erfolgte zwangsweise die Umstellung auf die deutsche Normalschrift. Ab 1951 wurde die Kurrentschrift zwar wieder als Zweitschrift durch das zuständige Bundesministerium zugelassen, fand aber kaum noch Beachtung. Stattdessen wurde die sogenannte "Schulschrift 1948" zur Ausgangsschrift, die schliesslich seither zweimal weiterentwickelt wurde. Sowohl die Variante 1969 als auch 1995 können an österreichischen Schulen alternativ gelehrt werden.

 

 

Z-Pass-Chaos in Zürich und Umgebung
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Ein Witz aus der Region Basel lautet: "Was ist das Schönste in Zürich? Der nächste Schnellzug nach Basel!" Dieser Witz kann in angepasster Form auch in anderen Regionen des Landes erzählt werden. Für Basel trifft er tatsächlich auch zu: wer mit dem Zug von Zürich nach Basel fahren will und den dazu nötigen Fahrschein an einem Automaten erwerben, der kann nicht viel verkehrt machen. Es gibt für diese Fahrt, egal ob man via Frick oder Olten fährt, nur einen Tarif.

Für Leute allerdings, die in Lenzburg oder Koblenz (Aargau), Frauenfeld (Thurgau), Stein am Rhein (Schaffhausen) oder Bilten (Glarus) wohnen, kann der Kauf des richtigen Fahrscheines von oder nach Zürich schonmal zum Glücksspiel bzw. zur Geduldsprobe werden mit der Folge, dass der nächste Zug ohne sie abfährt.

Denn im Falle von Bilten-Zürich existieren drei Fahrwege mit entsprechend unterschiedlichen Preisen...,

... Frauenfeld kann auf vier Wegen zu drei unterschiedlichen Preisen erreicht werden...,

... nach Stein am Rhein gibts dann schon 6 vorgeschlagene Wege mit vier verschiedenen Preisen...,

...nach Koblenz werden sieben Fahrwege mit drei unterschiedlichen Preisen angeboten...

...und nach Lenzburg schliesslich sind sogar acht Fahrwege mit vier unterschiedlichen Preisen gemäss Tarifsystem möglich.

Das Dumme daran: wer den falschen Weg wählt für die beabsichtigte Fahrt, gilt in der Regel als Schwarzfahrer, und das kann selbst dann der Fall sein, wenn man sogar mehr bezahlt hat als man hätte müssen. Ob man zum Schwarzfahrer wird oder nicht, hängt davon ab, ob die zu befahrenden Tarifzonen auf dem Billett mit den Zonen des tatsächlichen Reisewegs übereinstimmen.

Ich nehme dazu mal das Beispiel Lenzburg-Zürich und die dort angegebenen Daten ein wenig auseinander.

 

Variante 1: "via Mel Heitersberg"


Der direkte und auch schnellste Weg auf dieser Strecke ist auch der günstigste: der 7-Zonen-Fahrschein via "Mel Heitersberg" für 17.20 Franken. Was den ab-Preis in der Grafik angeht: dieser gilt für Inhaber eines Halbtax-Abos. Solche ab-Preise kennt man ja vor allem als Lockvogelpreise grosser Ladenketten und ich bin der Meinung, dass sie stets einen Fall von Augenwischerei darstellen.

Man erhält also für 17.20 Franken das Recht, die Tarifzonen 110, 111, 117, 154, 184, 530, 551, 571 und 572 zu befahren. Diese stehen dann auch auf dem Fahrkärtchen drauf, auch wenn man keine Ahnung hat, was damit genau gemeint ist. Das eigentliche Fahrtziel hingegen steht nicht drauf.
Mit diesem Fahrschein kann man die Strecke entweder mit der S3 innerhalb von 36 Minuten oder aber auch mit dem Interregio innerhalb von 22 Minuten fahren. Das weiss aber nur, wem bekannt ist, dass "Mel Heitersberg" für die S-Bahn-Station "Mellingen Heitersberg" steht und dass der Interregio genau die gleiche Strecke fährt.


Variante 2: "via Brugg"

Wer fälschlicherweise für exakt die gleiche Strecke einen Fahrschein "via Brugg" löst, zahlt 23.00 Franken, hat allerdings Glück im Unglück.

Er darf dann die Tarifzonen 110, 111, 117, 154, 184, 530, 550, 551, 560, 570, 571 und 572 befahren. Wer dies mit Variante 1 "via Mel Heitersberg" vergleicht, stellt fest, dass die gleichen Zonen und noch ein paar mehr befahren werden dürfen. In diesem Falle also ist man kein Schwarzfahrer. Man zahlt aber zuviel. Die Strecke via Brugg muss lösen, wer beispielsweise mit der S23 von Lenzburg nach Brugg oder Baden fährt und dann dort auf den Interregio oder die S12 nach Zürich HB umsteigt.

Bei dieser Variante ist also mindestens einmal umsteigen angesagt und man ist mindestens 52 Minuten und maximal 79 Minuten unterwegs.


Variante 3: "via Wohlen-Bremsgarten-Dietikon o Lieli"

Wer jedoch die Variante "via Wohlen-Bremsgarten-Dietikon o Lieli" mit 8 Zonen für 20.40 Franken wählt und dann die Strecke "via Mel Heitersberg" fährt, dem kann man nur wünschen, dass der Kontrolleur erstens ebenfalls keine Ahnung hat und zweitens diese Unkenntnis zum Vorteil des Kunden wird.

Denn diese 8-Zonen-Variante berechtigt zu Fahrten durch die Tarifzonen 110, 154, 530, 531, 532, 573 und 574.
Wer tatsächlich diesen Weg fahren will, kommt erst nach zweimaligem Umsteigen ans Ziel: zunächst mit der S26 von Lenzburg nach Wohlen, dann mit der S17 weiter bis Dietikon und von dort mit der S12 nach Zürich HB. Die Fahrt dauert zwischen 69 und 73 Minuten.

Wie realistisch diese Idee ist, mag jeder selber entscheiden. Gerade vier Minuten Umsteigezeit in Dietikon dürften allerdings knapp werden. Und S-Bahnen warten keine Anschlüsse ab!


Variante 4: "via Fahrwangen-Wohlen-Bremgarten-Dietikon"

Des weiteren schlägt der Automat die Variante "via Fahrwangen-Wohlen-Bremgarten-Dietikon" vor:

10 Zonen zum Preis von 25.60 Franken. Die berechtigten Zonen sind in diesem Falle 110, 154, 512, 513, 530, 532, 533, 573 und 574. Um diesen Fahrweg auszuführen, müsste man per Bus von Lenzburg nach Fahrwangen, dort umsteigen auf einen Bus nach Wohlen und ab dort dann mit einer S-Bahn bis Dietikon und von dort mit einer weiteren S-Bahn dann bis ans Ziel. Über zwei Stunden ist man so unterwegs. Welchen Sinn diese Verbindung haben soll, wüsste ich auch gern.

Die Fahrplanauskunft schickt den geneigten Reisenden, der tatsächlich via Fahrwangen fahren will, nämlich nolens-volens wieder nach Lenzburg zurück, auf dass man ab dort die direkte Variante nehmen soll, um so in etwas weniger als zwei Stunden das Ziel zu erreichen. Der Fahrgast jedoch, der mit diesem Fahrschein via "Mel Heitersberg" fährt, gilt als Schwarzfahrer.

Auf die anderen vier Varianten will ich gar nicht zu sprechen kommen. Es sind wiederum Varianten, die eine Teilstrecke per Busfahrt beinhalten.


 

Verständlicherweise regen sich die Leute, die doch einfach nur einen Fahrschein kaufen wollen, über solche Zustände auf. Denn es braucht schon genau Kenntnisse nicht nur in Geographie sondern auch im Streckenverlauf von Eisenbahn- und Buslinien. Man muss also wissen, wo ein Zug oder Bus genau langfährt und sich danach den richtigen Fahrschein aussuchen. Das mögen Einheimische eventuell noch hinbekommen, als Auswärtiger hingegen ist man aufgeschmissen.

Ursache für dieses Chaos ist - wie so oft - eine eigentlich gut gemeinte Neuerung. In diesem Falle ist es der sogenannte Z-Pass. Durch ihn sollen mehrere aneinander grenzenden Tarifverbünde des Grossraums zwischen Aarau, St.Gallen, Schaffhausen und Schwyz mit durchgehenden Tarifen ermöglicht werden.

Sinn eines Tarifverbundes ist es ja, dass man bei der Fahrt von A nach B innerhalb des Verbundgebietes nur einen Fahrschein kaufen muss, auch wenn man vom Bus auf den Zug umsteigen muss. Wo früher also ein Fahrschein für den Zug und ein zweiter für den Bus nötig war, soll jetzt nur noch einer nötig sein. An sich eine gute Sache, denn es sollte ja so alles einfacher werden... SOLLTE!

Nun ist es so, dass der ZVV (Zürcher Verkehrsverbund) gleich an mehrere Nachbarverbünde angrenzt: im Norden an den Flextax (Schaffhausen), im Osten an den Ostwind (Sankt Gallen, Thurgau), im Süden an den Schwyzer und den Zuger Verbund und im Westen an die A-Welle (Aargau, Solothurn).
Fährt ein Fahrgast vom Ort eines Verbundes in den Ort eines anderen Verbundes, dann ist dies in der Regel nicht mit einem Fahrschein möglich. Er muss einen Fahrschein innerhalb des ersten Verbundes, einen weiteren innerhalb des anderen Verbundes und meist noch einen dritten für die Strecke des "Grenzübertrittes" lösen.

Praktisch sah das im Falle Lenzburg-Zürich bis Dezember 2012 so aus: man löste einen Fahrschein für den Bus in Lenzburg, um mit diesem bis zum Bahnhof Lenzburg zu fahren (A-Welle-Fahrschein). Für den Schnellzug nach Zürich löste man ein Billett zum SBB-Tarif. Und in Zürich kam dann noch ein ZVV-Fahrschein für den letzten Abschnitt vom Bahnhof bis ans Ziel hinzu.
Ein Stück der Strecke war also kein Zonentarif sondern ein Kilometertarif.

Alternativ hätte man auch einen A-Welle-Fahrschein von Lenzburg nach Killwangen-Spreitenbach, einen SBB-Fahrschein von Killwangen-Spreitenbach nach Dietikon und dann einen ZVV-Fahrschein von Dietikon bis Zürich lösen können. Mit dieser Kombination hätte man sämtliche Verkehrsmittel zwischen Lenzburg und Killwangen-Spreitenbach einerseits und zwischen Dietikon und Zürich andererseits nutzen können, nur zwischen Killwangen-Spreitenbach und Dietikon wäre man an die S-Bahn gebunden gewesen, für welche ein Kilometertarif zu zahlen war. Der Haken an dieser Alternative: eine Nutzung des Schnellzuges wäre mit dieser Kombination nicht erlaubt gewesen.

Nun ist es aber so, dass der ZVV mit den benachbarten Verbünden Abkommen geschlossen hat, damit nun grenzüberschreitend Fahrscheine verkauft werden können, die in allen Verkehrsmitteln genutzt werden können. Und es braucht eben nur noch EINEN Fahrschein statt dreien. Soweit, sogut.

Durch die Zusammenschaltung der Verbundgebiete fiel nun aber das Stück Kilometertarif weg. Demzufolge musste nun definiert werden, welche Fahrwege von A nach B möglich sind. Und hierbei haben die Planer gewaltig an den Bedürfnissen der Nutzer vorbeigeschossen und teilweise recht unsinnig Fahrwege als Alternativen in die Automaten einprogrammiert. Dass der üblichste/schnellste Fahrweg in der Regel zu oberst steht, mag eine Faustregel sein, aber die muss nicht immer stimmen.

Noch viel verwirrender für die Kunden ist die Tatsache, dass auf den neuen Fahrscheinen auch keine Start- und Zielorte mehr stehen sondern nur noch Nummern für die Tarifzonen, die mit dem entsprechenden Fahrschein befahren werden dürfen.

Aber es kommt noch besser: die Anzahl der aufgedruckten Zonen stimmt oftmals nicht mit der preisentscheidenden Zonenanzahl überein!

Ich komme dazu nochmal auf das Beispiel Lenzburg-Zürich zurück.
"via Wohlen-Bremgarten-Dietikon o Lieli" zahlt man ACHT Zonen, darf aber nur SIEBEN Zonen befahren (110, 154, 530, 531, 532, 573, 574).

Dafür gibt es tatsächlich eine logische Erklärung: wer als Fahrgast die Tarifzonen 110 (Zürcher Stadtgebiet) oder 120 (Winterthurer Stadtgebiet) befährt oder durchfährt, muss für diese Zonen doppelt bezahlen; eine Art Grossstadtzuschlag, wenn man so will. Markiert wird dies durch das Sternchen in der Zone 110 resp. 120 auf den Tarifzonenplänen.

Aber auch den umgekehrten Fall gibt es: man erhält mehr Zonen als man bezahlt!

Lenzburg-Zürich "via Mel Heitergsberg" kostet den Preis von SIEBEN Zonen, auf dem Billett aber sind die Zonen 110, 111, 117, 154, 184, 530, 551, 571, 572 aufgedruckt sind, also NEUN Zonen.
"via Brugg" zahlt man NEUN Zonen, bekommt aber die Berechtigung für sogar ZWÖLF Zonen! (110, 111, 117, 154, 184, 530, 550, 551, 560, 570, 571, 572)

Zur Orientierung nochmal die Tarifzonenkarte:

Ein Schildbürgerstreich?
Ja, könnte man so sagen; jedenfalls passt dieser Vergleich immer dann sehr gut, wenn die Politik ihre Hände im Spiel hatte. Und eben die sorgte mit Sicherheit dafür, dass einerseits das Shoppingcenter Spreitenbach in eine eigene Tarifzone (184) fiel; andererseits aber sollten die Auswärtigen nicht durch zu hohe Tarife von der Benutzung des ÖV abgehalten werden. Also gibts die Zone 184 einfach mal extra dazu. Und auch die Zonen 111 und 117 ergeben nur in dieser Hinsicht Sinn. Oder ob da vielleicht auch der Golfpark Otelfingen noch eine Rolle spielte? Wer weiss...

Wer nun aber diese tariflichen Stilblüten für das Non-plus-Ultra hält, täuscht sich gewaltig.

Denn die wohl stossendste Ungerechtigkeit hat es bislang noch nicht in die Presse und die Onlineforen geschafft. Und das sind die unterschiedlichen Tarifausgestaltungen der Verbundtarife, die beim Z-Pass schliesslich zu völlig absurden Preisen führen.

Beispiel: Wer von Killwangen-Spreitenbach nach Seuznach fahren will - eine Fahrt ohne Umsteigen in der S12 -, hat die Wahl zwischen 9 Zonen für 23.00 Franken oder 10 Zonen für 25.60 Franken, in beiden Fällen ist der Fahrschein zwei Stunden gültig.

Wer jedoch erst eine Station später, ab Dietikon nach Seuznach fahren will, muss für den Fahrschein nur 16.60 Franken bezahlen. Auf dem Fahrschein wird er die Hinweise "alle Zonen" und "zwei Stunden gültig" finden.

9 Franken Preisunterschied für nur etwa 5 Kilometer Distanzunterschied?
"alle Zonen" gibts für weniger Geld als 9 oder 10 Zonen?

Auch für diesen Widerspruch gibt es eine logische Erklärung, jenachdem, wie tiefschürfend man antworten will.
Die fundamentale Antwort lautet: Dietikon liegt im Kanton Zürich, Killwangen-Spreitenbach jedoch im Aargau.


Die einfachere Antwort ergibt sich auf dem Tarifzonenplan:

Dietikon liegt wie Seuzach auch im Verbundgebiet des ZVV (in Blautönen eingefärbtes Gebiet) . Und wer im ZVV mehr als sieben Zonen befährt, zahlt den Preis "alle Zonen".
Killwangen-Spreitenbach aber gehört zum Verbund A-Welle(in Rottönen eingefärbtes Gebiet). Und für Fahrten zwischen ZVV und den Nachbarverbünden greifen die Z-Pass-Regeln. Und diese sehen für Fahrten zwischen A-Welle und ZVV vor, dass erst ab elf befahrenen Zonen der "alle Zonen"-Tarif gilt.

Naja, fast... Für Fahrten in die Tarifverbünde Schwyz/Zug gibts den "alle Zonen"-Tarif erst ab 14 befahrenen Zonen!

Da bleibt die bange Frage, wie es wohl aussieht für all jene, die aufgrund der täglichen Fahrten mit dem ÖV ein Abo gelöst haben. Hat da der Z-Pass nicht doch gewisse Vorteile gebracht?

Nun ja, im ZVV-Gebiet wird bei Einzelfahrscheinen - wie eben erwähnt - ab der 8.Tarifzone der Preis gedeckelt. Für Inhaber eines ZVV-Abos gilt die "alle Zonen"-Regelung bereits ab 6 Zonen. Man zahlt dafür in der persönlichen Variante 236 Franken im Monat oder 2124 Franken im Jahr (12 Monate zum Preis von 9). Der Fahrgast von Dietikon nach Seuzach zahlt also nicht mehr als derjenige, der nur die Teilstrecke von Zürich nach Winterthur fährt.

Und wie sieht es nun aus mit der Strecke Killwangen-Spreitenbach nach Seuzach?
Für den Z-Pass gibts "alle Zonen" zwischen zwei Verbünden erst ab 10 Zonen. 9 Zonen kosten 313.-, alle Zonen 329.- Immerhin gibts auch hier die 12-für-9-Regelung beim Jahresabo. Dieses schlägt dann aber mit 2817.- bzw. 2961.- Franken zu Buche.
Ein Unterschied von knapp 700 bis 850 Franken nur wegen 5 Kilometern Distanz!
Da stellt sich dann auch die Frage nach der Sinnhaftigkeit eines solchen Tarifes.

Wer ein Abo des Z-Pass für 9 Zonen kauft, muss sich zudem auf die zu befahrenden Zonen festlegen. Da zahlt man doch lieber noch knapp 150 Franken mehr für "alle Zonen" und kann innerhalb von A-Welle und ZVV fahren wie man will.

Aber auch der Sinn des "alle Zonen"-Tarifes lässt sich schnell in Zweifel ziehen. Denn wer statt 2961.- Franken bereit ist, 3550 Franken zu investieren, kann sich dafür ein Generalabonnement kaufen. Und dieses bietet dann Freifahrt nicht nur im ZVV und der A-Welle sondern in der gesamten Schweiz. Und Grübeln und Studieren, ab welchem Bahnhof man nun bei Fahrten in andere angrenzende Verbünde wie FlexTax oder Ostwind einen Fahrschein lösen muss, erledigen sich so von vornherein.

Ist der Z-Pass nun wegen all dieser Ungerechtigkeiten zum Scheitern verurteilt?

Nicht unbedingt, aber mit diesen unausgegorenen Tarifbestimmungen wird man das genaue Gegenteil von dem erreichen, was man eigentlich wollte. Zumindestens was die unterschiedlichen Tarife für unterschiedliche Reisewege von A nach B angeht, hätte man bei der Deutschen Bahn lernen können. Die kann gar nicht mehr anders als den Kunden zuerst nach der gewünschten Reiseverbindung fragen und ihm dann das passende Billett verkaufen.

Umgemünzt auf den Z-Pass bedeutet dies, dass der geneigte Fahrgast von Zürich nach Lenzburg zunächst die nächstmöglichen Verbindungen angezeigt bekommt und dann diejenige wählt, die er fahren will. Abenteuerliche Umwege mit mehrmaligem Umsteigen zu höheren Preisen gehören nur angezeigt, wenn der Kunde ein entsprechendes VIA-Ziel eingeben will.

Das Problem hierbei: der sogenannte Ticketshop der SBB, mit dem man verbunden wird, sobald man einen Fahrschein am Automaten oder per Internet kaufen will, übernimmt nur Start und Ziel aber keine VIAs.

Wer also beispielsweise die Umwegstrecke von Lenzburg über Wohlen nach Zürich fahren will und nun Preis/Kauf anklickt, bekommt nämlich wieder die Auswahl von 8 Reiserouten vorgesetzt, siehe oben. Genau hier muss zur Lösung angesetzt werden.

Ich bezweifele jedoch, dass dies getan wird. Zwar wurde angekündigt, dass bis voraussichtlich Juni 2013 die Z-Pass-Automaten eine benutzerfreundlichere Auswahl anzeigen werden. Ich fürchte jedoch, dass man im Fall Lenzburg-Zürich zwar künftig nur drei Fahrwege vorgesetzt bekommt aber wiederum alleingelassen wird mit der Frage, welche Zugverbindungen denn nun für welchen Reiseweg Gültigkeit haben.

Und solange genau dieses Problem bestehen bleibt, wird der potenzielle Fahrgast mit dem falschen am Automaten gelösten Fahrschein schnell zum Schwarzfahrer. Und diejenigen, die für dieses Chaos verantwortlich sind, fahren sowieso mit dem GA.

(15.April 2013)

 

Swissness mal auf die Spitze getrieben
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SWATCH als Uhrenhersteller ist weltbekannt.
Das Unternehmen setzt sich auch dafür ein, dass das Markenzeichen "made in Switzerland" strenger definiert wird. Und wohl auch als Seitenhieb auf gewisse andere Entwicklungen hat das Unternehmen nun seinen Jahresabschluss statt in Schriftdeutsch in einer schweizerdeutschen Fassung herausgebracht.

Ja, der Bericht ist wirklich seriös gemeint: http://www.swatchgroup.com/de/content/download/3970/143272/version/2/file/2012_annual_report_complete_ch.pdf

(06.März 2013)

 

Bekanntheit durch Tod
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Es gibt ja Leute, die leider erst durch den Tod überhaupt einer grösseren Öffentlichkeit bekannt geworden sind.

Von Vincent van Gogh etwa ist bekannt, dass er zu Lebzeiten bestensfalls ein Dutzend seiner insgesamt rund 900 Gemälde und über 1000 Zeichnungen verkaufen konnte. Wenige Monate vor seinem Tod wurde er zwar einem grösseren Publikum bekannt, weil es ihm gelang, seine Gemälde auf Ausstellungen zu präsentieren, aber erst nach seinem Tod begann man sich für sein Werk zu interssieren. Unnötig zu erwähnen, zu welchen Preisen heute ein van Gogh gehandelt wird.

Ein aktuelles, trauriges und mit van Gogh überhaupt nicht vergleichbares Schicksal erlitt die Südafrikanerin Reeva Steenkamp. Wenn man den Zeitungs- und Fernsehberichten trauen darf, war sie ein in Südafrika bekanntes Modell und eine ebenso bekannte Berühmtheit aus dem Fernsehen.

Naja, wenn man genauer nachliest, war sie Moderatorin bei einem Internet-Fernsehsender und wirkte nun in der fünften Staffel einer dieser Abenteuer-Fernsehshows mit, in denen nach dem beliebten Prinzip der "zehn kleinen Negerlein" einer nach dem anderen ausscheidet. Und als Modell wird man ja heutzutage auch nur noch berühnmt, wenn man sich in irgendwelche Skandale verwickeln lässt. Genau das hat sie aber nicht getan sondern sich seit Oktober 2012 an den durch die olympischen Spiele 2012 bekannt gewordenen Sportler Oscar Pistorius gehalten - was anscheinend ein tödlicher Fehler war.

Ein weiteres Indiz, warum sie bis zu ihrem tragischen Tod keine Berühmtheit gewesen sein kann, liefert übrigens die Wikipedia. Die Beiträge über Reeva Steenkamp in den Sprachen Englisch, Afrikaans, Französisch, Italien und Deutsch sind allesamt erst seit dem 14.Februar 2013 erstellt und vervollständigt worden. Zum Vergleich: die Beiträge über Oscar Pistorius wurden bereits im Zeitraum ab 2007 erstellt.

P.S.: Gut möglich, dass es vielleicht schon früher auch Versuche gab, Beiträge über Reeva Steenkamp in der Wikipedia zu erstellen. Sie müssen dann aber wegen Irrelevanz wieder gelöscht worden sein.

(20.02.2013)

 

Postbank-Geheimnisse rund um die SparCard
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Wer bei der Postbank ein Girokonto hat, hat zumeist auch eine sogenannte SparCard. Dieser elektronische Nachfahre der vormaligen Postsparbuchs zeichnete sich in der Vergangenheit dadurch aus, dass hier meist recht gute Zinsen bezahlt wurden und pro Monat maximal 2000 Euro verfügbar waren. Kommt hinzu, dass im Ausland bis zu zehn Geldbezüge mit dieser Karte spesenfrei waren. Aber selbst letzteres kann die Postbank nicht mehr garantieren.

Nun wurde zu Beginn der Nullerjahre das Erfolgsprodukt "SparCard" mehr oder weniger verwässert - in der Sprache des Unternehmens "diversifiziert". Neben der gewöhnlichen SparCard gabs nun eine "SparCard 3000 plus direkt", bei der man ab einem Kontostand von 3000 Euro bessere Zinsen bekam als bei der gewöhnlichen Variante. Sobald der Kontostand jedoch unter 3000 Euro sank, wurde der Zinssatz sehr mikrig.

Dann kam noch eine "SparCard Quartal" auf den Markt. Hier gabs dann den besseren Zinssatz auf einen Kapitalbetrag, der pro Jahresquartal nicht unterschritten wurde. Für den Betrag darüber waren die Zinsen dann aber wieder äusserest bescheiden.

Dann kam noch das "Postbank Gewinn-Sparen" und das "Dax Sparbuch", wo die Sternchen mit den Konditionen noch inflationärer auftauchten. Speziell beim Dax Sparbuch dürfte für so manchen die Grenze zur Verwirrung längst überschritten gewesen sein.

Man kann sagen: wer sein Geldausgabeverhalten recht gut planen konnte, hatte so die Möglichkeit, mehrfach zu profitieren.

Das perverse an dieser Strategie: die Postbank informierte auf ihrer Internetseite nur so lange über diese Finanzprodukte, wie diese aktiv vertrieben wurden. Sobald sie nicht mehr neu eröffnet werden konnten, verschwanden die Konditionen jeweils von der Privatkundenseite. Aber die Konten blieben für Bestandskunden nach wie vor bestehen, auch die Konditionen änderten sich immer mal wieder.
Wer nun die Konditionen einsehen wollte, musste selber aktiv werden: Postbank anrufen ODER am Schalter nachfragen ODER auf der Internetseite die Suchfunktion tätigen. Auf welchem Wege die jeweilige Informationsseite zu den Konditionen der genannten Sparkonten sonst noch zu finden war, entzieht sich meiner Kenntnis und bleibt wohl das Postbankgeheimnis.

So verschwanden auf diese Weise heimlich, still und leise die SparCard Quartal, das Dax-Sparbuch und die SparCard 3000 plus direkt wieder aus dem Sortiment. Dafür kam dann die SparCard direkt.

Und was geschah mit den Konditionen der alten SparCards?
Per 01.01.2012 etwa reduzierte sich der Zinssatz bei der Quartal-SparCard von 0,5% auf 0,05%. Wem fiel schon die eine Null mehr hinterm Komma sofort auf? Den meisten wohl erst, als ein Jahr später der Kontoauszug eintraf.

Und nun per 28.01.2013 sank der Zinssatz der SparCard 3000 plus direkt von zuletzt 1,2% auf 0,03%. Das fatale dabei: auf der Internetseite der Postbank wied die "SparCard direkt" nun mit 0,9% Zinsen beworben. So mancher wird sich sagen: "Naja, statt 1,2% nur noch 0,9%... was solls...". Aber das ist ein Irrtum um die den Faktor 30.

Da die Altbestandskunden auch nicht aktiv informiert werden, wird es bei der SparCard 3000 plus wieder genauso laufen: erst in einem Jahr beim Eintreffen der neuen Kontoauszüge wird man erstaunt sein, dass man beispielsweise auf 2000 Euro Kapital statt rund 20 Euro nur gerade mal 2.55 Euro erhalten hat: 2 Euro noch für den Monat Januar zu alten Konditionen und 0.55 Euro für die restlichen Monate des Jahres 2013.

Wer also klug ist, löst seine SparCards am besten auf und geht zu einer Bank, die ein bisschen offener und ehrlicher über ihre Sparkonditionen informiert. Dass es nämlich auch anders geht, zeigt beispielsweise die ING-DIBA, die über "Zinsanpassungen" ihre Kunden per elektronischer Post informiert.

(05.Februar 2013)

 

Weihnachtlicher Einheitsbrei
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Prinzipiell habe ich nichts gegen Weihnachten. Seitdem ich nicht mehr im Verkauf arbeite, ist sogar eine gewisse Last von mir gefallen. Denn wer im Verkauf arbeitet, kann sich doch über Weihnachten gar nicht freuen: ständig steigender Stress bis einschliesslich 24.Dezember, dazu noch verkaufsoffene Sonntage - von wegen Adventsstimmung!; und dann hat man tatsächlich mal zwei Tage am Stück frei, vielleicht ja sogar drei, wenn der 27.Dezember auf einen Sonntag fällt; danach geht das Gestürm wieder los mit Nachweihnachtsgeschäft. Ich habe das alles achtmal mitgemacht, ich weiss also, wovon ich rede.

Als Fahrdienstleiter hingegen muss man einfach damit rechnen, an den Feiertagen eingesetzt zu werden. Dieser Kelch ging dieses Jahr an mir vorbei. Dafür aber darf ich vom 27.Dezember 19 Uhr bis zum 3.Januar 4 Uhr morgens Nachtschichten schieben. Wird bestimmt auch eine interessante Erfahrung, mal den Jahreswechsel auf Arbeit zu verbringen.

Was mir dieses Weihnachten aber erstmals so richtig bewusst wird: wenn es um die musikalische Versinnbildlichung von Weihnachten geht, scheint das Repertoire sehr beschränkt zu sein. Nein, ich meine damit nicht, dass man nun schon seit einem Vierteljahrhundert im Dezember Whams LAST CHRISTMAS rauf und runter spielt und auch schon seit bald 20 Jahren Mariah Careys ALL I WANT FOR CHRISTMAS.

Nein, mir gehts um die Einfallslosigkeit derjenigen, die eigentlich für ihre Kreativität bezahlt werden: die Werbefritzen. Denn was fällt denen eigentlich zu Weihnachten noch ein? Da spielt man zum einen JINGLE BELLS, zum anderen... nochmals JINGLE BELLS... und dann vielleicht doch noch.... wieder JINGLE BELLS!!!

Achja, wenn man Glück hat, gibts statt JINGLE BELLS doch noch LET IS SNOW, LET IT SNOW, LET IT SNOW.

Was ist eigentlich mit den deutschsprachigen Weihnachtsliedern passiert?
Was ist geworden aus "Süsser die Glocken nie klingen", "Stille Nacht, heilige Nacht", "Still senkt sich die Nacht hernieder", "Oh, du Fröhliche" etc.?

Der Grund wird wohl sein, dass all diese Lieder zu wenig poppig, zu ruhig, zu andächtig, zu besinnlich sind, um noch in die heutige Radio- und Werbelandschaft passen, beides ist längst EINS.

Warum nur sagen dann alle Leute auf der Strasse immer wieder, ihnen sei der Ganze Kommerz eigentlich ein Gräuel, sie wünschten sich und ihren Verwandten, Bekannten und Freunden besinnliche und fröhliche Weihnachten... um dann allerdings vollgepackt weiterzuhetzen.

Und auch im Freundeskreis erlebe ich es immer wieder, dass gewisse familiäre "Wir-haben-es-an-Weihnachten-doch-immer-so-gemacht"-Zwänge nicht nur die Vorweihnachtszeit sondern auch die besinnlichen Tage vermiesen. So ist ein Bekannter im Badischen derzeit zweifelhaft auf der Suche nach einer Gaststätte, wohin er am 25.Dezember mit seiner Familie (9 Personen) essen fahren will. Das Problem: dem einen gefällt dieses Restaurant nicht, der anderen jenes nicht, die eine will nicht so weit fahren, der andere will nicht bei Schnee fahren, wieder einem ist es da zu laut, und einer anderen dort zu teuer. Und als man sich endlich auf ein paar kleinste gemeinsame Nenner einigte, musste man diese Woche feststellen, dass die gewünschten Lokalitäten längst ausgebucht sind.

Man ahnt es auch schon, dass diese Familie, wenn es dann am 25.Dezember doch noch geklappt hat, mal wieder rundum unzufrieden sein wird, weil eine Sache den familiären Frieden stört. Und das wird dann natürlich auch am Ort des Weihnachtsessens ausgetragen.

Muss man da nicht schon fast all jene Leute beneiden, die allein Weihnachten verbringen oder an Weihnachten arbeiten müssen?

Schaltet doch einfach mal in den ersten Gang runter, liebe Weihnachtsfetischisten. Und wenn ihr euch schon auf die christliche Tradition beruft, dann hämmert euch endlich mal in den Kopf: in der Bibel steht nirgends, dass man sich gegenseitig was schenken muss, wenn man schon alles hat. Beschenkt wurden diejenigen, die nichts hatten! Und von denen gibts leider immer mehr.

13.Dezember 2012

 

 

Wenn einer Schuld ist, dann sind es die SBB
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Zugegeben, die Überschrift ist widersprüchlich: während im ersten Teilsatz von einer Einzahl die Rede ist, wird im zweiten Teilsatz die Mehrzahl benutzt. Aber mit genausolchen Widersprüchen hat man es im Eisenbahnverkehr ständig zu tun; auch die Medien sind davor nicht gefeit.

Ich bin Abonnent des SALDO, einer Konsumentenzeitschrift der Schweiz.
Der Blickwinkel der SALDO-Journalisten ist daher natürlich immer sehr auf Verbrauchersicht konzentriert. Dabei wird dann immer wieder mal gern vergessen, dass auch die Seite der gescholtenen Unternehmen nicht zu kurz kommen sollte. Speziell zu Themen, die den Eisenbahnverkehr angehen, wird häufig immer erstmal auf die SBB eingeprügelt.

Das mag bei Schalter- und Bahnhofsschliessungen oder dem Rollmaterial berechtigt sein. Bei der Preisgestaltung hingegen schiesst SALDO hingegen auf den Flaschen - oder man könnte auch sagen: bellt den falschen Baum an.

Ganz aktuell erschien am 5.Dezember 2012 ein Beitrag über höhere Trasseegebühren, die als Vorwand für Fahrpreiserhöhungen von den SBB gebracht werden. Um meine Ausführungen dazu ein wenig zu verstehen, braucht es etwas tieferes Verständnis der Materie.

Zunächst muss man wissen, was Infrasturkturbetreiber (ISB) und was Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) sind.

Erstere sind die Betreiber der Eisenbahnstrecken, der Stellwerke, Signalanlagen etc.; letztere sind die Betreiber der Züge.

Trasseegebühren sind die Entgelte, mit denen die ISB ihre Netze finanzieren. Alle EVU müssen für jeden Zug, der über die Strecken der ISB fährt, den Betreibern ein Entgelt bezahlen, eben jene Trasseegebühren. Wen es interessiert, was die Fahrt eines Zuges kostet, kann dies bei http://www.onestopshop.ch sich mal durchrechnen lassen.

Nun ist es aber wichtig, zwischen ISB und EVU zu trennen. Genau das fällt aber den meisten Leuten - auch Journalisten - schwer, weil erstens mehrere Unternehmen in beiden Bereichen tätig sind und zweitens jahrzehntelang Schiene und Zug unter dem Begriff "BAHN" eine Einheit bildeten; diese Denkweise ist weiterhin vorherrschend für viele Menschen.

Die SBB etwa ist sowohl Infrasturkturbetreiberin als auch Eisenbahnverkehrsunternehmen. Das gleiche gilt aber auch für die BLS, die SOB, die Appenzellerbahn, die Jurabahn, die Matterhorn-Gotthard-Bahn, die Rhätischen Bahnen usw.usf.

Tatsächlich aber wird hier stets zwischen ISB und EVU strikt getrennt. Die Infrastrukturbetreiber sind verpflichtet, jedem EVU den Zugang auf ihrem Netz zu gewähren. Und deswegen zahlt auch die "SBB Personenverkehr" als Betreiber der Nah- und Fernverkehrszüge an die "SBB Infrasturktur" Trasseegebühren, auch wenn das nach einer Verschiebung im gleichen Konzern aussieht.

Desweiteren zahlt die SBB Trasseegebühren an die BLS für alle Züge, welche auf der Strecke zwischen Thun und Brig verkehren. Denn hier ist die BLS Infrastrukturbetreiberin. Eine Übersicht, welche Strecken in der Schweiz zur SBB gehören - und welche nicht - gibt es unter http://www.sbb.ch/sbb-konzern/ueber-die-sbb/zahlen-und-fakten/finanzen.html (=> Downloads, Streckennetzkarte).

SBB Infrasturktur aber hat es in den letzten Jahren bei weitem nicht geschafft, sich auch nur annähernd aus den Trasseepreisen zu finanzieren. Aber das geht letzten Endes allen ISB so. 70% der Aufwendungen für den Bau und Unterhalt von Gleisanlagen, Signalanlagen, Stellwerken etc. finanziert die öffentliche Hand über Steuergelder. Es ist nicht erlaubt, diese Fehlbeträge unternehmensintern durch die EVU-Bereiche zu subventionieren.

Der Bundesrat hatte 2011 beschlossen, dass hier nun künftig verursachergerechter abgerechnet werden soll. Also wurden die ISB zu einer Erhöhung der Trasseepreise verdonnert. Und das trifft letzten Endes auch alle EVU.

Nun wird gemeckert, die SBB erhöhe (ständig) ihre Preise, obwohl sie im Personenverkehr über 200 Millionen Franken Gewinn pro Jahr eingefahren habe. Es wird bei einer Preiserhöhung also immer auf die SBB geschimpft, weil sie nun mal das grösste EVU in der Schweiz ist. Aber letzten Endes kann so eine Erhöhung nicht allein von den SBB beschlossen werden; die anderen EVU müssen auch einverstanden ist. Denn sonst wäre kein einheitlicher Tarif in der Schweiz mehr möglich.

Diesen braucht es aber, wenn die Verkehrsmittel diverser EVU mit nur einem Fahrschein befahrbar sein sollen. Wer etwa von Wolhusen LU nach Zermatt VS fährt, nutzt die Züge von BLS, SBB und MGB. Man sieht also: es sind nicht die SBB allein, die die Preise erhöhen. Auch die BLS, die MGB, die RhB, die SOB etc. erhöhen die Preise gleichzeitig.

Wieso?
Es ist letzten Endes der VÖV (Verband öffentlicher Verkehr), der die Preisänderungen beschliesst. In diesem Verband sind 140 Anbieter von öffentlichen Verkehrsunternehmen zusammengeschlossen, unter anderem auch die drei eben genannten EVU. Und das letzte Mal hat der VÖV am 3.Februar 2012 eine Preiserhöhung beschlossen, die bei 5.6 Prozent im Schnitt liegen sollte aufgrund der vom Bundesrat verordneten höheren Trasseepreise. Er unterstrich übrigens auch, dass die volle Überwälzung der höheren Trasseepreise eine Erhöhung um 9 Prozent nötig gemacht hätte.

Auch die Preise für GA (Generalabonnement) und Halb-Tax-Abos als eher typische SBB-Erzeugnisse - schliesslich prangt das Signet der SBB auf ihnen - werden nicht von den SBB allein sondern vom VÖV bestimmt. Denn die Einnahmen dieser Abos werden unter den angeschlossenen Unternehmen aufgeteilt. Wer bei einem Büro der BLS ein Halb-Tax-Abo oder ein GA kauft, erhält es letzten Endes zum gleichen Preis wie ein SBB-Kunde. Einzig die Verkehrsverbünde haben die Möglichkeit, andere Tarife innerhalb ihrer Einzugsgebiete zu verlangen und auch die Akzeptanz des Halb-Tax-Abos und der GAs einzuschränken; genauso machen es übrigens auch viele Bergbahnen, auch wenn sie ordentliche Mitglieder im VÖV sind.

Ich fasse also zusammen: die Erhöhung der Trasseegebühren wurde vom Bundesrat beschlossen - nicht etwa von den SBB -, um die Finanzierung der Eisenbahninfrastruktur weniger durch die öffentliche Hand sondern vermehrt durch die Benutzer zu tragen. SBB Instrastruktur, aber auch die Pendants von BLS, SOB, MGB, RhB etc. vollziehen also nur eine Anordnung und verlangen von den EVU künftig mehr.

Die EVU wiederum könnten freilich auf Preiserhöhungen verzichten, doch hat jedes Unternehmen seine eigene Gewinn- und Verlustrechnung. Speziell die RhB beispielsweise haben in den letzten Jahren eher defizitär gearbeitet. Wenn Preiserhöhungen nun beschlossen werden, dann kann dies nur gemeinsam geschehen durch den VÖV und keineswegs im Alleingang durch die SBB. Und auch Abonnemente wie das GA und das Halb-Tax-Abo werden nicht im Alleingang durch die SBB verteuert sondern durch den VÖV.

Aber vielleicht muss sich die SBB ja geehrt fühlen, stets als Prügelknabe herhalten zu müssen. Es zeigt, dass man das bekannteste Unternehmen im Bereich Eisenbahnverkehr ist und als DIE Institution wahrgenommen wird, auch wenn längst nicht mehr der Fall ist.

Freilich kann man mir als Schreiberling dieser Zeilen vorhalten, ich als Angestellter von SBB Infrastruktur sei vorbelastet. Aber wenn meine dargestellten Inhalte nicht stimmen sollten, bin ich gern bereit, sie zu korrigieren.

04.Dezember 2012

 

Ein Plädoyer für synchronisierte Filme
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Als ich anno 2002 in die Schweiz kam, musste ich mich unter anderem auch an folgende Tatsache gewöhnen: die Schweizer mögen Kinofilme in der Originalsprachversion, egal ob das englisch, französisch, italienisch oder auch chinesisch ist.

Denn ich war mit synchronisierten Filmen grossgeworden, und das hat mich so auch nie gestört. Im Gegenteil: Untertitel lesen zu müssen, war für mich ein Greuel. Denn damit wurde ich schon als kleines Kind konfrontiert, wenn nachmittags im 2.Programm des DDR-Fernsehens russischsprachige Sendungen liefen, die deutsch untertitelt waren.

Als Sechsjähriger lernt man ja gerade mal lesen und kann den Buchstaben auch noch nicht so schnell folgen. Es gab übrigens sehr wohl auch Synchronfassungen dieser russischen Filme, aber die Sonntagnachmittage des 2.Programm waren - wie das so schön hiess - den "Freunden der russischen Sprache" reserviert. Dass ich mir diesen Teil des Nachmittagsprogramms trotzdem regelmässig angetan habe, hatte nur einen einzigen Grund: NU PAGADI! (zu deutsch: "Na, warte!"). Wem das jetzt nichts sagt, der darf sich gern schlaumachen...

Solche Zeichentrickfilme brauchten keine Synchronisation, vielleicht mal abgesehen von einigen in kyrillisch geschriebenen Bezeichnungen, die des besseren Verständnis wegens schon noch als Untertitel auf deutsch eingeblendet werden sollten. Insofern finde ich es auch idiotisch, dass in der Nachwendezeit tatsächlich synchronisierte Fassungen dieser Zeichentrickfilme mit Hase und Wolf auftauchten.

Aber ich glaube nicht, dass mir als Kind die tschechischen Märchenfilme wie "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel", "Die kleine Meerjungfrau" oder "Wie man Dornröschen wachküsst" ans Herz gewachsen wären, wenn ich sie mit Untertiteln hätte anschauen müssen. Das oft gebrachte Argument, dass in Synchronfassungen beispielsweise vieles vom Wortspiel der Originalsprache verloren geht, zieht für mich nicht. Was habe ich vom englischen Wortspiel, wenn ich es sowieso nicht verstehen kann bzw. ihm nicht folgen kann.

Dann wieder heisst es, dass die Synchronstimmen meist ganz anders klingen als das Original. Ja, wenn ich die Originalstimme sowieso nicht kenne, kann mir das auch egal sein, solange die Synchronstimme einigermassen zum Charakter passt.

Dass Synchronisationen einen so schlechten Ruf haben bei vielen, liegt wohl auch daran, dass sie oftmals schlecht gemacht sind.

Nur muss das nicht so sein.
Ein herausragendes Beispiel, wie eine im englischen Original völlig erfolglose Serie in der deutschen Version zum Kult wurde, ist "Die 2" (Originaltitel: The Persuaders!). In der deutschen Fassung wurden die Dialoge durch jede Menge flotte Sprüche ausgepeppt, die teilweise überhaupt nichts mit dem Original zu tun hatten.

Für das deutsche Fernsehen wurde also eine völlig neue Fassung geschaffen. Und sie hatte Erfolg!
Und der Witz daran: beim französischen Fernsehen synchronisierte man nicht das englische Original sondern die deutsche Machart - und es wurde ebenfalls ein Erfolg.

Ein Beispiel dafür, wie unterschiedlich Synchronfassungen sein können, sind die dänischen Olsenbanden-Filme.
Ab Beginn der 1970er Jahre wurden diese für das Publikum in der damaligen DDR von den DEFA-Synchronstudios ins Deutsche übertragen. Und dabei liess man auch ein wenig Kreativität walten. Bennys Spruch "Mächtig gewaltig!" wurde bald zum Alltagsspruch in der DDR, vor allem aber Egons Standardspruch "Ich habe einen Plan!" - aufgrund der Planwirtschaft in der DDR eine Anspielung per Excellence.
Dem ZDF war der Erfolg in der DDR nicht verborgen geblieben. Aber da man ja seinerzeit den Osten nicht unnötig mit Devisen beglücken wollte, erstellte der Mainzer Sender eine eigene Synchronfassung einiger Filme dieser Reihe. Das Ergebnis wurde zum Flop und wurde zuletzt irgendwann zu Beginn der 1990er Jahre mal auf 3sat ausgestrahlt.

Das war übrigens nicht der einzige Fall von Parallelsynchronisation Ost und West.
Viele Fernsehserien, die in der damaligen Tschechoslowakei entstanden, wurden ebenfalls separat vom West- und Ostfernsehen synchronisiert und hatten dann auch unterschiedliche Titel.

Ein extremes Beispiel ist jene Serie, die im tschechischen Original einfach nur "Arabella" heisst.
Das DDR-Fernsehen gab ihr den Titel "Die schöne Arabella und der Zauberer", in der ARD wurde daraus "Die Märchenbraut".
Während sich die ARD jedoch an die Serienfolge des Originals hielt - 13 Folge zu 30 Minuten - hat man beim DDR-Fernsehen daraus 16 Folgen zu 25 Minuten gemacht. Populär wurde die Serie im Osten wie im Westen.

Nicht zu vergessen: die deutsche Version der Serie US-Puppenserie "Dinosaurs", die bei uns "Die Dinos" heisst.
Im englischen Original ist die Serie gespickt mit diversen Anspielungen auf US-amerikanische Unternehmen, deren Witz sich im Deutschen kaum entfaltet hätte wegen Unbekanntheit. Einzig DNN (Dino Network News) als Anspielung auf CNN funktionierte. Dass der Name Sinclair eine Anspielung auf eine Tankstellenkette in den USA ist, die einen Dinosaurier als Markenzeichen hat, weiss in Deutschland kaum einer.

Stattdessen wurde die Serie auf die Befindlichkeiten im Deutschland der 1990er Jahre angepasst. So sind praktisch alle Firmen im Besitz einer grossen staatlichen "Treufuss"-Gesellschaft - als Anspielung auf die "Treuhand", welche die einst volkseigenen Betriebe der DDR privatisieren sollte - und dabei jede Menge kaputt gemacht hat. Und natürlich ist die Währung bei den Dinos die Dino-Mark.

Zum Schluss noch ein Blick auf einen Klassiker.
Shakespeare lässt in "Romeo und Julia" seine Helden im 2.Akt, 2.Szene sagen:

Romeo: "Wouldst thou withdraw it? For what purpose, love?"
Juliet: "But to be frank, and give it thee again."

Um dieses alte Englisch korrekt zu verstehen, braucht es fast schon ein Sprachstudium der Anglistik. Aus diesem Grunde sind im Laufe von über 200 Jahren sechs verschiedene Übersetzungen entstanden.

C. M. Wieland, 1762-66
Romeo:"Möchtest du dein Herz wieder zurücknehmen? Warum das, meine Liebe?"
Julia: Nur damit ich dir's noch einmal geben könnte"

August Wilhelm Schlegel, 1797-1810
Romeo:"Wollt's du mir ihn entziehn? Wozu das, Liebe?"
Julia: "Um unverstellt ihn dir zurückzugeben"

Friedrich Gundolf, 1925
Romeo: "Wolltst du ihn mir entziehn? Wozu das, Liebe?"
Julia: "Und ihm freimütig dir zurückzugeben"

Erich Fried, 1963-68
Romeo: "Willst du ihn denn zurück? Wozu, Geliebte?"
Julia: "Um frei zu sein, ihn nochmals dir zu geben."

Frank Günther, 1995
Romeo: "Zurückziehn willst du ihn? Wozu, mein Engel?"
Julia: "Um frei zu sein, ihn dir zurückzugeben."

Ulrike Fritz, 1999
Romeo: "Willst du ihn widerrufen? Wozu das, Liebste?"
Julia: "Nur um freigebig zu sein und ihn dir neu zu geben."

Dazu wird jeder seine eigene Meinung haben und die eine Version als Favoriten und die andere als abscheulich ansehen.
Die Sprache des Zeitgeistes darf in diesem Falle auch nicht unterschätzt werden. Und was das Original angeht: welcher Engländer redet heute schon noch so wie zu Shakespears Zeiten?

Filmsynchronisationen sind meiner Meinung nach nicht per se schlechter als Originale mit Untertiteln. Wer sich auf die Bildsprache konzentrieren will, den stören ständige Texteinblendungen. Mich speziell stören ohnehin Einblendungen jeder Art, siehe meinen Beitrag über Fernsehen. Und daher sehe ich in den Nachteilen, die Synchronfassungen mit sich bringen, ein weitaus geringeres Übel.

(21.November 2012)

 

Freifahrt für Asylanten
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Das Thema Asylanten war früher mal ein Tabuthema. Inzwischen aber ist es in allem Munde und es wird derzeit wieder heftig debattiert. So auch am 14.November 2012 im Grossen Rat zu Basel-Stadt. Da stand ziemlich am Schluss der Sitzung noch eine Abstimmung an.

Ursula Metzger hatte den "Anzug betreffend Einbezug der Kosten eines Umweltschutzabos in die Bedarfsberechnung von Menschen, die Nothilfe beziehen und von sozialhilfeabhängigen Asylbewerbern in laufenden Asylverfahren" eingereicht.

Jene ca. 70 Personen, welche als rechtskräftig abgewiesene Asylbewerber derzeit Nothilfe beziehen, sollen künftig das sogenannte U-Abo gratis erhalten, oder wie es im Text heisst: "den Grundbetrag resp. die Tagespauschale um die Kosten des U-Abos zu erhöhen". Das gleiche solle auch für jene ca. 370 Personen geprüft werden, die als "sozialhilfeabhängige Asylbewerber in laufenden Asylverfahren" gelten.

Alternativ sei auch eine verbilligte Abgabe des U-Abos zu prüfen.

Als Begründung wird genannte, dass gerade jene Leute zum Schwarzfahren verdammt seien, da sie gar kein Geld für den notwendigen Fahrschein hätten. Die im Falle des Erwischtwerdens fälligen Strafen könnten sie ebenso wenig bezahlen, müssten dann also in Haft. Das alles koste die Allgemeinheit mehr als wenn man das U-Abo gratis abgeben würde.

Vorbild dafür sei übrigens die Stadt Genf, die es bereits so vormache.

Nun ja, ob man Genf als Vorbild nehmen sollte? Ich habe da so meine Bedenken. Schliesslich hat es der Begriff "Genferei" sogar in die französische Sprache geschafft und meint zum Teil skandalöse Vorgänge, die sich dort auf Regierungs- und Verwaltungsebene in den letzten Jahren abgespielt haben.

Die Kosten für die Umsetzung dieser Idee wären ja gar nicht mal so hoch: knapp 32'000 Franken pro Monat bzw. 385'000 Franken im Jahr. Basel-Stadt - bekanntlich mit dem besten Theater Europas gesegnet - kann sich sowas locker leisten. Man müsste nicht mal den benachbarten Kanton Basel-Landschaft fragen, ob die nicht eventuell auch... Ich formuliere den Gedanken gar nicht erst weiter!

Aber welche politische Aussage wird damit ausgesendet?!?
Freuen werden sich vor allem all jene Schweizer, die von der Sozialhilfe leben; ihnen wird vorenthalten bleiben, was (abgelehnten) Asylbewerbern gratis zur Verfügung gestellt werden soll. Es werden am Ende jene Leute sein, die jetzt erst recht VA oder SVP gewählt hätten - siehe Wahlergebnis vom 28.Oktober.

Und wie sah das Ergebnis der Abstimmung am Ende aus? Ganz knapp mit 42 JA zu 41 NEIN wurde der Antrag an den Regierungsrat überwiesen. Der Regierungsrat muss sich nun also mit diesem Antrag befassen. Interessant auch zu sehen, wer wie abgestimmt hat. Interessant auch, wer gefehlt hat, zum Bespiel Sebastian Frehner von der SVP. Das Resultat gibt es auf den Seiten des Grossen Rates am Ende des verlinkten Dokumentes.

Oder auch hier.

JA sagten:

Bülent Pekermann (GLP, Kleinbasel), Beatrice Alder Finzen (Grüne, Grossbasel West), Brigitta Gerber(Grüne, Grossbasel West), Elisabeth Ackermann (Grüne, Grossbasel Ost), Eveline Rommerskirchen (Grüne Grossbasel West), Heidi Mück (Grüne Kleinbasel), Jürg Stöcklin (Grüne Grossbasel West), Markus Benz (Grüne Grossbasel West), Michael Wüthrich (Grüne Grossbasel Ost), Mirjam Balmer (Grüne Kleinbasel), Patrizia Bernasconi (Grüne Grossbasel Ost), Sibel Arslan (Grüne Grossbasel West), Talha Ugur Camlibel (Grüne Kleinbasel), Thomas Grossenbacher (Grüne Riehen), Urs Müller-Walz (Grüne Kleinbasel), Andrea Bollinger (SP Grossbasel West), Atilla Toptas (SP Kleinbasel), Beatriz Greuter (SP Grossbasel Ost), Brigitte Heilbronner (SP Grossbasel West), Christine Keller (SP Kleinbasel), Dominique König-Lüdin (SP Grossbasel Ost), Doris Gysin (SP Grossbasel West), Esther Weber Lehner (SP Grossbasel West), Francisca Schiess (SP Grossbasel Ost), Franziska Reinhard (SP Kleinbasel), Greta Schindler (SP Grossbasel West), Gülsen Oeztürk (SP Kleinbasel), Jörg Vitelli (SP Grossbasel West), Jürg Meyer (SP Grossbasel West), Kerstin Wenk (SP Kleinbasel), Maria Berger-Coenen (SP Grossbasel West), Martin Lüchinger (SP Kleinbasel), Mehmet Turan (SP Grossbasel Ost), Mustafa Atici (SP Kleinbasel), Otto Schmid (SP Grossbasel Ost), Philippe Pierre Macherel (SP Grossbasel Ost), Roland Engeler-Ohnemus (SP Riehen), Ruth Widmer Graff (SP Grossbasel West), Salome Hofer (SP Riehen), Stephan Luethi-Brüderlin (SP Grossbasel West), Tanja Soland (SP Kleinbasel), Ursula Metzger Junco (SP Grossbasel Ost)

NEIN sagten:

Helen Schai-Zigerlig (CVP Grossbasel West), Lukas Engelberger (CVP Grossbasel Ost), Markus Lehmann (CVP Grossbasel West), Pasqualine Balmelli-Gallacchi (CVP Kleinbasel), Remo Gallacchi (CVP Kleinbasel), Peter Bochsler (DSP Kleinbasel), Annemarie Pfeiffer (EVP Riehen), Christoph Wydler (EVP Grossbasel West), Andreas Zappalà (FDP Riehen), Baschi Dürr (FDP Grossbasel Ost), Christian Egeler (FDP Grossbasel West), Christine Heuss (FDP Grossbasel Ost), Christophe Haller (FDP Grossbasel Ost), Daniel Stolz (FDP Grossbasel West), Ernst Mutschler (FDP Grossbasel Ost), Giovanni Nanni (FDP Kleinbasel), Helmut Hersberger (FDP Bettingen), Urs Schweizer (FDP Kleinbasel), David Wüest-Rudin (GLP Grossbasel West), Dieter Werthemann (GLP Grossbasel Ost), Martina Bernasconi (GLP Grossbasel West), André Auderset (LDP Kleinbasel), Christine Wirz-von Planta (LDP Grossbasel West), Conradin Cramer (LDP Riehen), Heiner Vischer (LDP Grossbasel West), Thomas Mall (LDP Grossbasel Ost), Thomas Müry (LDP Grossbasel West), Thomas Strahm (LDP Riehen), Rolf von Aarburg (SP Riehen), Alexander Olivier Gröflin (SVP Grossbasel West), Andreas Ungricht (SVP Grossbasel West), Bruno Jagher (SVP Grossbasel Ost), Eduard Rutschmann (SVP Riehen), Heinrich Ueberwasser (SVP Riehen), Lorenz Nägelin (SVP Grossbasel Ost), Patrick Hafner (SVP Grossbasel Ost), Roland Lindner (SVP Grossbasel Ost), Rudolf Vogel (SVP Kleinbasel), Samuel Wyss (SVP Kleinbasel), Toni Casagrande (SVP Kleinbasel), Ursula Kissling-Rebholz (SVP Riehen)

ABWESEND waren:

André Weissen (CVP Grossbasel West), Felix Meier (CVP Grossbasel West), Oswald Inglin (CVP Grossbasel Ost), Felix W. Eymann (DSP Kleinbasel), Beat Fischer (EVP Grossbasel Ost), Roland Vögtli (FDP Kleinbasel) Aeneas Wanner (GLP Grossbasel Ost), Emmanuel Ullmann (GLP Grossbasel West), Andreas C. Albrecht (LDP Grossbasel Ost), Patricia von Falkenstein (LDP Grossbasel Ost), Christian von Wartburg (SP Grossbasel West), Sabine Suter (SP Kleinbasel), Sibylle Benz Hübner (SP Grossbasel Ost), Tobit Schäfer (SP Grossbasel West), Oskar Herzig (SVP Kleinbasel), Sebastian Frehner (SVP Grossbasel West)

16.November 2012

 

Verrechnetes Glück
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Am 8.März 2010 schrieb ich an dieser Stelle einen Beitrag über Lottogewinne und deren unterschiedliche Behandlung in Deutschland und der Schweiz. Es zeigte sich, dass Lottospielen in der Schweiz sich grundsätzlich weniger auszahlt als etwa in Deutschland. So sind nach Artikel 6 Verrechnungssteuergesetz der Schweiz sämtliche Lotteriegewinne über 50 Franken der Verrechnungssteuer unterworfen. Der Gewinn wird in dem Falle nicht zu 100% ausbezahlt sondern um 35% Verrechnungssteuer gekürzt. Als in der Schweiz Wohnender kann man diese Steuer dann über die Einkommensteuererklärung auf die Steuerschuld anrechnen lassen. Als nicht in der Schweiz Wohnender hingegen hat man Pech gehabt. Zum Vergleich: in Deutschland wird ein Lottogewinn stets zu 100% ausbezahlt, er gilt dort nicht als steuerbare Einnahme.

Diesen 35% Verrechnungssteuer unterlagen bis damals auch sämtliche Zinseinnahmen auf diversen Konten. Im Gegensatz zu Lottogewinnen gabs aber keine Freigrenze. Selbst einer Zinsgutschrift von 1.40 Franken wurden gnadenlos 50 Rappen Verrechnungssteuer abgezogen. Wohl auch, um den damit entstehenden Aufwand zu reduzieren, wurde mit Beginn des Jahres 2011 eine Freigrenze von 200 Franken eingeführt. Seither also werden erst Zinsgutschriften in dieser Höhe mit der Verrechnungssteuer belastet. Für Lottogewinne dagegen blieb es bei 50 Franken.

Nun hat der seit Jahren schwächelnde Euro dazu geführt, dass die Schweizer vermehrt ihr Geld im benachbarten Ausland ausgeben, von bis zu 8 Milliarden Franken pro Jahr ist die Rede. Bei so einem Einkauf wird sicher auch der eine oder andere ausländische Lottoschein ausgefüllt werden, womit sich zu den Verlierern dieses Einkaufstourismus zu MIGROS, COOP, MANOR etc. auch noch SWISSLOS gesellt.

Dem wollte man wohl nicht tatenlos zusehen. In der Juni-Session haben Nationalrat und Ständerat eine Änderung des Artikel 6 im Verrechnungssteuergesetz beschlossen, welcher per 1.Januar 2013 in Kraft tritt. Ab diesem Datum wird nun die Freigrenze für Lottogewinne kräftig angehoben: auf 1000 Franken. Ob das nun auch Ausländer dazu verführen wird, eher mal bei Swisslos einen Lottoschein auszufüllen?

Wohl eher nicht. Denn auch Swisslos ändert seine Spielregeln ein wenig. Die sogenannte Pluszahl am Fusse einer Tippkolonne, deren Ankreuzen bisher freiwillig war - und dann zusätzliche 2 Franken kostete - wird künftig obligatorisch. Der Sinn der Pluszahl liegt darin, dass man seinen regulären Gewinn mit der richtigen Pluszahl deutlich erhöhen kann. Und man gewinnt bei immerhin zwei Richtigen und richtiger Pluszahl wenigstens 2 Franken.

Für zwei Tippkolonnen zahlte man bisher 3 Franken ohne Pluszahl und 5 Franken mit Pluszahl. Künftig sind es also in immer mindestens 5 Franken. Geändert wird aber auch der Spielmodus: das bisherige "6 aus 45" wird zum "6 aus 42". Dafür aber wird die zu tippende Pluszahl künftig nicht mehr "1 aus 3" sondern "1 aus 6" zu tippen sein. Die Wahrscheinlichkeit auf den Hauptgewinn wird so reduziert.

Dann mal viel Glück.

(15.November 2012)

 

 

Warum mir Fernsehen inzwischen völlig verleidet ist
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Was waren das noch für Zeiten, als wir noch gern Fernsehwerbung gesehen haben. Es gab ja nur jeweils maximal 20 Minuten Werbezeit pro Tag bei ARD und ZDF, sonntags war (und ist immer noch) dort werbefrei. Ja, es war irgendwie schade, wenn man samstags abends kurz vor der Tagesschau die letzten Werbefilme präsentiert bekam, weil man nun wusste, dass es die nächsten erst wieder am Montagabend geben würde. Wer denkt schon gern an den Montag um diese Zeit.

Aber das war auch noch zu Zeiten, als wir nur vier Fernsehprogramme hatten (DDR1, DDR2, ARD, ZDF) und ausserdem die Werbung sowas wie ein Fenster in die Konsumwelten des Westens war, die für uns damalige DDR-Bürger unerreichbar war.

Das hat sich ab Januar 1990 dann schlagartig geändert, als plötzlich auch RTL(plus) und SAT.1 empfangbar waren. Plötzlich war die Werbung tagesübergreifend präsent. Jeder Film und jede Serienepisode wurde einmal(!!!) unterbrochen für Werbung. Serienfolgen unter 30 Minuten blieben unangetastet. Damit konnte mal leben.

Zunehmend unerträglich wurde es dann ab 1992, als plötzlich jeder 90-Minuten-Film zweimal unterbrochen werden durfte, jede Serienepsisode mit 45 Minuten Länge ebenfalls, jede 25-Minuten-Folge einmal. RTL nutzte dies schamlos aus, um Filme sogar viermal unterbrechen zu dürfen. Man definierte einfach den Begriff der "Filmreihe", wodurch ein Film als Serienepisode zu verstehen war, demzufolge auch nach Serienregeln unterbrochen werden durfte. Und als Filmlänge definierte man kurzerhand die Bruttolaufzeit: Filmlänge plus Werbung gleich Laufzeit. So wurden aus 90-Minuten-Filmen regelrechte Zweistünder.

Das war für mich schon damals Grund genug, den Konsum von privaten Fernsehprogrammen auf ein Minimum einzuschränken. Es gab ja noch die öffentlich-rechtlichen, die sich etwas zuschauerfreundlicher gaben - was aber wohl anscheinend mit altmodisch gleichgesetzt wurde.
Um moderner zu werden, übernahm die ARD bereits 1993 die ein Jahr zuvor von RTL eingeführte Unsitte, einen Filmabspann schneller laufen zu lassen und irgendwelche Programminformationen aus dem Hintergrund draufzusprechen. Die Programmmoderatoren (oder auch Ansager) wurden so überflüssig und verschwanden so nach und nach von der Bildfläche. Inzwischen gibt es keinen deutschen Sender mehr, wo man noch dieses menschliche Verbindungsglied besitzt.
Vielmehr ist man nun dazu übergegangen, den Moderator einer Sendung auf die Folgesendung hinweisen zu lassen.

Aber nochmal zum Filmabspann. Ich glaube, Kinder und Jugendliche wissen heutzutage gar nicht mehr, worum es sich dabei handelt. Denn inzwischen werden sie praktisch auf allen Sendern weggeschnitten, egal ob Film oder Serie. Das geht teilweise soweit, dass die Handlung in den letzten Sekunden einfach gekappt wird, mitten im Wort. Dann läuft ein Programmhinweise und irgendwo eingequetscht an der Seite läuft im Schnelldurchlauf eine Zusammenfassung der Schauspieler und Verantwortlichen der gerade eben gelaufenen Sendung. Geschmacklos, sowas!

Und der letzte Schrei in der Verhackstückung des Fernsehprogramms: es wird während der Sendung Werbung eingeblendet, entweder in eigener Sache oder fremdfinanziert. Split-Screen-Werbung nennt sich das ganze. Erlaubt ist sie schon seit dem Jahre 2000, aber erst seit zwei Jahren nimmt sie Ausmasse an, die den Genuss einer Fernsehsendung regelrecht zunichte machen.

Fast könnte man meinen, dass das einzig Unberührbare im Fernsehen die Fernsehwerbung selber ist, die durch nichts gestört werden darf. Aber denkste: Sogar Werbespots werden mit Split-Screen-Werbung gestört.

Immerhin: in der Schweiz gilt die Regelung, dass die SRG-Programme solche geteilten Bildschirme für Werbung nur bei Sportveranstaltungen nutzen dürfen, und zwar ohne Eingriff in den Ton. In Deutschland scheint das nicht der Fall zu sein. Man zahlt als Zuschauer pro Jahr 462 Franken für das Recht, fernsehen zu dürfen. Auch ich zahle sie, gezwungenermassen.

In Deutschland aber scheint man bei ARD und ZDF inzwischen jegliche Hemmung verloren zu haben, und das bei Ferngebühren von 215 Euro pro Jahr. Liebe Leute, wenn ihr mit eurem Geld wirklich kein Unterschichtenfernsehen finanzieren wollt, wird es langsam Zeit, dass ihr euch auf die Hinterbeine stellt und die Zuständigen in den Programmredaktionen mit euren Beschwerden bombardiert. Die schweigende Mehrheit hat schon oft dazu geführt, dass die falschen Leute die falschen Entscheidungen getroffen haben.

(4.November 2012)

 

Gedanken und Auswertungen zur Grossratswahl in Basel-Stadt vom 28.Oktober 2012
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Am 28.Oktober 2012 waren nun auch die Basler aufgerufen, über die künftige Zusammensetzung ihrer Regierung einerseits aber auch ihres Kantonsparlamentes andererseits abzustimmen. Nun gut, nicht nur die Basler, sondern auch die Riehener und Bettinger. Der Kanton Basel-Stadt besteht nun mal neben der Stadt Basel auch noch aus den Gemeinden Riehen und Bettingen, was gern mal vergessen wird. Aber aus Gründen der Einfachheit sei hier mal mit "Baslern" die gesammte Stimmbevölkerung des Kantons Basel-Stadt gemeint.

Im Gegensatz zur letzten Wahl vor vier Jahren gab es ein paar Änderungen. Durch die Veränderungen in der Einwohnerzahl verlor Grossbasel West ein Mandat, welches Kleinbasel zugute kam. Ausserdem wurde das Sitzzuteilungsverfahren geändert. Galt bislang das Hagenbach-Bischof-Verfahren, welches durch Abrundung der Sitzansprüche die schwächeren Parteien benachteiligte, wurde nun erstmal das St.Lague-Scheepers-Verfahren verwendet, bei welchem die sogenannte Standard-Rundung angewendet wird. Erstmals waren auch keine Listenverbindungen mehr möglich, jede Partei musste also auf eigene Faust Stimmen gewinnen.

Und erstmals fand das sogenannte getrennte 4%-Quorum seine Anwendung. Zuvor galt die Regelung, dass eine Partei in ALLEN Proporzwahlkreisen an der Sitzverteilung zu berücksichtigen ist, wenn sie in mindestens einem Wahlkreis 5% des Wähleranteils erreicht. Neu gilt nun, dass eine Partei bei der Sitzverteilung in einem Wahlkreis nur berücksichtigt wird, wenn sie genau dort auch mindestens 4% Wähleranteil erreichte.

Sämtliche Daten beruhen auf dem amtlichen Wahlergebnis von Basel-Stadt und daraus gezogenen eigenen Auswertungen

Wahlbeteiligung
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Im Gegensatz zu den Aargauern, von denen sich am vergangenen Wochenende nur 31.9% dazu bequemten, ihre Stimmen abzugeben oder einzuwerfen, haben sich die Basler doch etwas wahlfreudiger gezeigt; und das nicht nur im Vergleich zu den Aargauern sondern auch im Vergleich zu den Werten der Grossratswahl vor vier Jahren.

Insgesamt waren 107'311 Stimmberechtigte aufgerufen worden, an den Wahlen teilzunehmen. Das sind 700 weniger als vor vier Jahren, und das, obwohl die Einwohnerzahl per Jahresende im gleichen Zeitraum von 188568 auf 192304 zugenommen hat. Zugenommen hat die Zahl der Stimmberechtigten allerdings in den Wahlkreisen Kleinbasel und Bettingen. Im Kleinbasel hat zudem die Einwohnerzahl gegenüber dem Referenzwert vor vier Jahren soweit zugelegt, dass man im neuen Grossen Rat nun 27 Mandate zu besetzen hatte statt vormals 26. Der Wahlkreis Grossbasel West verlor im Gegenzug eins und hat nunmehr 34 Abgeordnete.

Von jenen 107'311 Wahlberechtigten Baslern haben sich diesesmal 44'676 zur Stimmabgabe bewegen lassen. Das sind 2'673 mehr als vor vier Jahren. Die Wahlbeteiligung stieg somit von 38.89% auf 41.63%.

Am stärksten gestiegen ist die Beteiligungsquote in Bettingen, von 43.00% auf 54.78%. Dies ist auch der höchste Wert aller Wahlkreise. Dafür gab es auch einen speziellen Grund: vor vier Jahren ging in Bettingen für das nur eine zu vergebende Mandat nur ein einziger Kandidat ins Rennen. Diesesmal bestand immerhin die Wahl zwischen zwei Kandidaten. Diese Herausforderung hat auch dem bisherigen Bettinger Abgeordneten Helmut Hersberger zusätzliche Stimmen verschafft, so dass er mit deutlichem Vorsprung vor seinem Herausforderer wiedergewählt wurde.

Es gab aber auch einen Gegentrend: in Riehen sank die Wahlbeteiligung von 48.25% auf 46.87% - was aber immer noch über dem Durchschnitt liegt. Am wahlfaulsten war man im Kleinbasel. Aber immerhin stieg dort die Beteiligung von 34.63% auf 37.83%.

Welche Parteien haben nun profitiert und welche verloren?
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Ich nehme bei meinen Ausführungen stets Bezug auf die sogenannte Wählerzahl, denn die Zahl der abgegebenen Stimmen allein ist nicht aussagekräftig: ein Wähler in Grossbasel West hatte schliesslich 34 Stimmen, ein Riehener hingegen nur 11. Die Wählerzahl ergibt sich, indem die Zahl der Parteienstimmen in einem Wahlkreis durch die Anzahl zu vergebender Mandate dividiert wird. Und die so erhaltenen Wählerzahlen sind ein vergleichbarer Wert dafür, wieviele Wähler eine Partei hatte.

SP
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Grosser Gewinner ist die SP. Sie konnte gesamthaft 13'253 Wähler für sich begeistern, ein Plus von 1'844. Gegenüber 2008 steigerte die SP damit ihren Wähleranteil von 28.19% auf 30.73%. Sie bleibt damit mit Abstand die stärkste politische Kraft im Kanton und baut ihren Vorsprung aus.

Den stärksten Zuwachs konnte sie im Wahlkreis Grossbasel West erzielen: von 32.60% auf 37.06%. Doch auf die Sitzzuteilung wirkt sich dieser Wählerzuwachs praktisch gar nicht aus. Für die SP bleibt es in Grossbasel West unverändert bei 13 Mandaten. Dies hängt damit zusammen, dass die SP das 35.Mandat erhalten hätte, wenn es dieses denn noch gegeben hätte. Dieses aber wechselte ja nach Kleinbasel.

Dort wiederum sorgt es für eine Kuriosität: in Kleinbasel, wo der Wählerzuwachs der SP von 31.26% auf 31.83% am geringsten ausfiel, erhält die SP ein zusätzliches Mandat. Es handelt sich um jenes 27.Mandat, welches neu in Kleinbasel zu vergeben war.Dieses sorgt dafür, dass die SP statt mit 32 künftig mit 33 Abgeordneten im Grossen Rat vertreten sein wird.

SVP
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Vom Wähleranteil her zweitstärkste politische Kraft ist und bleibt die SVP. Auch sie konnte die Wählerzahl steigern, von 5644 auf 6481, was im Ergebnis einem Wähleranteil von 15.03% entspricht, gegenüber 13.94% vor vier Jahren. Zwar konnte sie in allen Proporz-Wahlbezirken ihre Wählerzahl steigern, jedoch nicht im gleichen Masse wie die gestiegene Wahlbeteiligung.
In Kleinbasel sank der Wähleranteil daher von 15.38% auf 14.78%, in Grossbasel Ost von 14.68% auf 14.39%. In Riehen hingegen konnte der Anteil von 15.14% auf 19.97% gesteigert werden.Für ein zusätzliches Mandat in Riehen reichte dies jedoch nicht. Dies gelang ihr hingegen in Grossbasel West, wo sie ein fünftes Mandat bekam bei einem Wähleranteil, der von 12.18% auf 14.05% gestiegen war.
Gesamthaft wird die SVP künftig 15 Abgeordnete stellen.

Grüne
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Auf dem dritten Platz landet das Grüne Bündnis (GB). Es verbleibt es als drittstärkste Kraft im Kanton, hat aber bei dieser Wahl an Wählern verloren: 5085 Wähler gegenüber 5244 vor vier Jahren. Der Wähleranteil sank somit von 12.95% auf 11.79%.
Am stärksten war der Verlust in Grossbasel West, wo der Wert von 14.90% auf 12.55% sank. Gegen den Trend aber konnte man in Riehen leicht hinzugewinnen, allerdings auf niedrigem Niveau: von 7.20% auf 7.30%.
Und das GB hat Glück: entgegen ersten Trends am Wahlsonntag behält es alle 13 Mandate im Grossen Rat, die es bisher inne hatte.

FDP
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Platz 4 geht an die FDP. Entgegen dem eidgenössischem Trend der letzten Jahre, wo man eher Stimmen abgeben musste, konnte sich die FDP in Basel-Stadt verbessern. Einer Wählerzahl von 4080 im Jahre 2008 steht nun aktuell 4799 gegenüber. Die FDP kann damit ihren Wähleranteil von 10.08% auf 11.13% verbessern.
Den grössten Zuwachs holte sie dabei in Grossbasel Ost, wo sie sich von 12.92% auf 15.22% verbesserte - hier konnte sie auch einen zusätzlichen Sitz erringen. In den anderen Wahlkreisen fallen die Zuwächse bescheidener aus ohne Auswirkung auf die Sitzzuteilung.
Somit ist die FDP künftig mit 12 Mandaten im Grossen Rat vertreten.

LDP
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Es folgt die LDP, die zweite liberale Partei des Kantons. Auch sie konnte sich gegenüber der Wahl von 2008 im Wähleranteil verbessern: die Wählerzahl stieg von 3640 auf 4128. Im Wähleranteil resultiert eine Verbesserung von 8.99% auf 9.57%.
Gegen den Trend aber hat sie Wähleranteile in Grossbasel West verloren: 7.58% statt vormals 8.37%. Den grössten - und vor allem entscheidenden! - Zuwachs aber konnte die Partei in Kleinbasel verbuchen. Einer Wählerzahl von 310 bzw. 3.7% im Jahre 2008 stehen nun 660 bzw. 7.3% gegenüber. Entscheidend ist dies, weil die LDP mit dem alten Wahlergebnis in Kleinbasel an der nun geltenden 4%-Hürde gescheitert wäre.
Durch den Zugewinn aber konnte sie noch einen weiteren Sitz in Kleinbasel erobern. Zu verdanken ist dieser Stimmenanstieg wohl vor allem Felix Eymann, der vormals in der DSP politisierte, einer Abspaltung der SP. Die DSP-Fraktion hatte sich jedoch in der letzten Legislatur aufgelöst, Eymann wechselte zur LDP und hat hier nun das zusätzliche Mandat in Kleinbasel gesichert. Gesamthaft verbessert sich die LDP so von vormals 9 auf 10 Mandate.

CVP
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Auf dem sechsten Platz landet die CVP, und das nicht unbedingt glorreich. Denn sie muss deutliche Verluste hinnehmen. Die Wählerzahl sank von 3771 auf 3152, in Wähleranteilen ausgedrückt kommt die CVP auf 7.31% statt vormals 9.32%. Verloren hat sie dabei in allen Wahlkreisen. Aber sie hat Glück und profitiert vom neuen Sitzzuteilungsverfahren: auch künftig ist sie mit 8 Mandaten im Grossen Rat vertreten.

GLP
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Schliesslich folgt als Siebtplatzierter die noch verhältnismässig junge Partei der Grünliberalen. Gegenüber 2008 konnte man die Wählerzahl zwar ein wenig verbessern, von 2067 auf 2156, doch durch die höhere Wahlbeteiligung sinkt der Wähleranteil von seinerzeit 5.11% auf 5.00%.
Gegen den Trend sich verbessern konnte die GLP in Grossbasel West, von 5.35% auf 5.67%.
In Kleinbasel hingegen verliert sie entscheidende 0.40%-Punkte und kommt auf nurmehr 3.65%, was 332 Wählern entspricht. Sie verliert damit ihr Mandat in Kleinbasel. Bitter daran: mit 365 Wählern, also 33 Wählern mehr, hätte sie die Hürde geschafft und ihr Mandat verteidigt.
Verloren hat die GLP auch Anteile in Riehen: die Wählerzahl sank dort von 349 auf 293, der Anteil von 5.35% auf 4.73%. Doch profitiert sie hier vom neuen Sitzzuteilungsverfahren: sie gewinnt einen Sitz. Somit bleibt es unterm Strich bei 5 Mandaten im Grossen Rat.

EVP
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Der grosse Verlierer dieser Wahl ist die EVP. Die Wählerzahl sank von 2124 im Jahre 2008 auf nunmehr 1814, der Wähleranteil entsprechend von 5.25% auf 4.20%. Wären die Wähler gleichmässig über den gesamten Kanton verteilt, hätte das Bild deutlich besser ausgesehen. Jedoch scheitert die EVP mit jeweils 3.73% in Grossbasel Ost und West sowie 2.00% in Kleinbasel an der 4%-Hürde, die erstmals mit dieser Wahl Anwendung findet. Lediglich in Riehen steht sie mit 9.77% zwar recht gut da; verglichen mit dem Riehener Ergebnis von 13.79% vor vier Jahren ist aber auch dies ein grosser und entscheidender Verlust. Von beiden Mandaten in Riehen bleibt nur eins, das andere geht nun an die GLP.
Das verbliebene Riehener Mandat ist nun auch das einzige, mit dem die EVP künftig im Grossen Rat vertreten sein wird, statt vormals vier. In Grossbasel Ost konnte die EVP zwar ihre Wählerzahl steigern, aber der Anteil fiel von 3.86% auf 3.73% zurück. Mit einer Wählerzahl von 504 statt 469 hätte sie die 4%-Hürde erreicht und ihr Mandat in Grossbasel Ost behalten können. Dieses ging nun an die FDP verloren. In Grossbasel West hingegen gingen der EVP Wähler verloren, der Anteil sank hier entscheidend von 4.21% auf 3.74%. Somit geht das dortige Mandat verloren, wovon die SVP profiert. Mit einer Wählerzahl von 596 statt erreichten 557 hätte die EVP das Mandat halten können.

VA
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Eine Art (un-)heimlicher Gewinner dieser Wahl ist die VA, "Volksaktion gegen zuviele Ausländer und Asylanten in unserer Heimat", eine rechte Splittergruppe. Sie trat erstmals an und erreichte gesamthaft 1.2% Wähleranteil. Dies allein sagt aber noch nicht viel aus, denn die VA trat nur im Wahlkreis Kleinbasel an. Dort ereichte sie eine Wählerzahl von 497, was einem Anteil von 5.5% entspricht. Aus der Sitzverteilung ergibt sich, dass sie künftig mit zwei Mandaten im Grossen Rat vertreten sein wird. Die Frage, wem diese zwei Mandate verlorengehen, erscheint zunächst einfach zu beantworten. Der Wähleranteil der VA entspricht ungefähr jenem der DSP, welche bei diesen Wahlen aber nicht mehr antrat. Die zwei Mandate der DSP wechselten so gewissermassen zur VA. Dies heisst aber nicht, dass eine Wählerwanderung von der DSP zur VA stattgefunden hat. Denn die bisherigen DSP-Vertreter in Kleinbasel, Felix Eymann und Peter Bochsler, wurden ja wiedergewählt, für die LDP und die FDP. Die VA hat womöglich dazu beigetragen, dass die Wahlbeteiligung im Kleinbasel gestiegen ist, indem sie einige unzufriedene Stimmbürger zum Wählen animierte.

PP
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Etwas widersprüchlich zum Ergebnis der VA wirkt da das Ergebnis der Piratenpartei (PP), die erstmals in Basel in drei der vier Proporzwahlkreise antrat. Sie kam auf einen Wähleranteil von 1.27%, was 550 Wählern entspricht. Doch gelang es ihr nirgends auch nur annähernd, die 4%-Hürde zu erreichen. Den besten Anteil erreichte man in Kleinbasel mit 1.65% bzw. 150 Wählern. In Grossbasel Osten liegen die Werte bei 1.55% und 195, in Grossbasel West bei 1.37% und 204. Immerhin, ein Achtungserfolg.

 

Keine Sitzverschiebungen trotz deutlicher Gewinne und Verluste?
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Es fällt auf, dass es bei diesen Wahlen zu deutlichen Stimmengewinnen und -verlusten kam, die aber letztlich keine Auswirkungen auf die Sitzverteilung für die Parteien hatte. Die Ursachen liegen vor allem in den Veränderungendes Wahlrechts, speziell bei der Sitzzuteilung.

Einerseits wurde vom Hagenbach-Bischof-Verfahren (Abrundung der Sitzansprüche) zum St.Lague-Scheepers-Verfahren (Standardrundung der Sitzansprüche) gewechselt: dies wirkt sich vor allem für die SP aus, die als stärkste Partei im Kanton bisher systematisch bevorteilt wurde.
Durch den Wechsel hin zu einer gerechteren Sitzverteilung wirken sich die Stimmengewinne lediglich ausgleichend für den nun weggefallenen systematischen Vorteil aus.
Der genau umgekehrte Effekt tritt bei CVP, Grünen und GLP auf, die trotz Stimmenverlusten ihre bisherigen Mandate behalten können.

Eine weitere Rolle spielt aber auch die Einführung des 4%-Quorums getrennt für jeden Wahlkreis. Hätte weiterhin die alte Regelung gegolten, dass eine Partei nur in einem Wahlkreis mindestens 5% Wähleranteil benötigt, um in allen anderen Wahlkreisen zuteilungsberechtigt zu sein, hätte die EVP weiterhin 4 Sitze erhalten. Sie hätte aufgrund der Verluste in Riehen zwar ein Mandat verloren, hätte aber in Kleinbasel eines hinzugewonnen. Und auch die GLP hätte profitiert, weil sie ihr Mandat in Kleinbasel nicht verloren hätte. Sie wäre insgesamt auf 6 Mandate gekommen. Dem Grünen Bündnis hingegen wäre in Grossbasel West ein Mandat verloren gegangen.
Eine weitere Rolle spielt das Verschwinden der DSP, deren Stimmen nicht verschwunden sind sondern von den bisherigen DSP-Vertretern auf ihre neuen Parteien übernommen wurden. LDP und FDP haben davon profitieren können.

Kommt schliesslich noch hinzu, dass bis 2008 Listenverbindungen möglich waren, um die systematische Bevorteilung durch das Hagenbach-Bischof-Verfahren auszunutzen. Dies ist nun nicht mehr erlaubt.

Daher ist es sehr schwierig, Vergleiche anhand von Szenarien zu machen, da all jene drei Änderungen berücksichtigt werden müssten.

(29.Oktober 2012)

Zahlenspielereien zur Grossratswahl im Aargau vom 21.Oktober 2012
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Zum Kanton Aargau habe ich ja ein recht spezielles Verhältnis. Ich wohne zwar im Kanton Basel-Landschaft und arbeite im Kanton Basel-Stadt, doch die Bahnhöfe und Strecken, die ich zu überwachen und zu steuern habe, liegen allesamt im Kanton Aargau. Und auch mein Gehalt geht seit 2007 an die Aargauische Kantonalbank. Aber das mal nur so am Rande.

Die Aargauer hatten bis zum 21.Oktober 2012 Punkt 12 Uhr mal wieder die Wahl, über ihre 140 Volksvertreter auf kantonaler Ebene zu entscheiden. Nun denn, sie haben es getan - also diejenigen, die durften und auch gewollt haben.

Der Aargau hat aktuell 621'400 Einwohner. Stimmberechtigt waren am Sonntag 395'773, also 63.7% der Bevölkerung. Das hat vor allem damit zu tun, dass 22.4% der Bevölkerung Ausländer sind; die Differenz ergibt sich aus nicht stimmberechtigen Kindern und Jugendlichen mit schweizer Bürgerrecht.

Von diesen 395'773 Stimmberechtigten haben jedoch nur 126'413 von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, was einer selbst für schweizer Verhältnisse recht geringen Stimmbeteiligung von 31.9% entspricht - vor allem, wenn man mal bedenkt, dass am gleichen Tag auch die Wahlen für den Regierungsrat stattfanden!

Den niedrigsten Anteil in puncto Wahlbeteiligung gabs übrigens im Bezirk Rheinfelden, dort machten nur 27.7% von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Innerhalb dieses Bezirkes schwankte die Stimmbeteiligung zwischen 35.0% in Hellikon und gerade mal 16.8% in Mumpf. Und Mumpf war mit diesem Wert schliesslich auch die wahlfaulste Gemeinde im ganzen Kanton.

Die höchste Stimmbeteiligung auf Bezirksebene hatte der Bezirk Zurzach mit 36.8%, wobei hier die Werte schwankten zwischen 27.2% in Rekingen und 48.5% in Leuggern. Und Leuggern hätte damit auch beinahe den Spitzenplatz belegt, wenn es nicht vom kleinen Wiliberg (Bezirk Zofingen) in den Schatten gestellt worden wäre. Dort nämlich wurde eine Stimmbeteiligung von unschlagbaren 65.9% erreicht; 87 von 132 Stimmberechtigten gingen dort wählen.
Wie ist dieser Ausreisserwert zu erklären? Vor allem damit, dass der Spitzenkandidat der SVP für den Bezirk Zofingen, Thomas Burgherr, auch der Gemeindepräsident von Wiliberg ist. Er erhielt 702 Stimmen vor Ort, was 47 (von 87) Wählern entspricht. Interessant ist aber auch, dass GLP und BDP in Wiliberg überdurchschnittliche hohe Stimmenanteile erhielten.

Summa summarum also haben nur 20.3% der Bevölkerung über die neue Zusammensetzung des Grossen Rates entschieden. Nun gut.

Nachdem 2009 erstmals die Stzzuteilung nach dem "doppelten Pukelsheim" erfolgte, kam 2012 als Einschränkung erstmals ein sogenanntes Quorum zur Anwendung. Eine Partei wurde nur dann für die Sitzvergabe berücksichtigt, wenn sie ENTWEDER auf Kantonsebene mindestens 3% Anteil der Wählerzahl erreichen konnte ODER in mindestens einem Bezirk mindestens 5% der Parteienstimmen erhielt.

Gegen die Einführung dieses Quorums war im Jahre 2011 das Referendum erhoben worden; letzten Endes aber segneten die Aargauer die Gesetzesänderung mit deutlicher Mehrheit ab. Und das Quorum wirkte sich tatsächlich auch aus.
Die SD (Schweizer Demokraten), die bisher mit 2 Mandaten vertreten war, sind künftig nicht mehr im Parlament vertreten: 0.69% Wähleranteil und maximal 3.6% der Parteienstimmen im Bezirk Kulm waren einfach zu wenig.
Ebenfalls am Quorum scheiterte auch die SLB (Sozial-Liberale Bewegung) mit 0.49% Wähleranteil und maximal 1.5% der Parteienstimmen im Bezirk Kulm.

Beide Parteien hätten jedoch ohne Quorum jeweils ein Mandat erhalten: die SD eines im Bezirk Kulm, die SLB eines im Bezirk Aarau.
Aber welche Partei(en) hätte da nun Mandate verloren? Die Antwort darauf zeigt, dass dies eine kleine Kaskade an Veränderungen auslöst.

Gesamtkantonal nämlich wäre das SD-Mandat zulasten der EVP gegangen, die statt 6 nurmehr 5 Vertreter entsenden würde. Jedoch wäre das SD-Mandt im Bezirk Kulm zulasten der FDP gegangen, die dort ihr zweites Mandat eingebüsst hätte. Stattdessen hätte die FDP im Bezirk Lenzburg ein zweites Mandat erhalten, nämlich jenes, welches dort die EVP erhalten hat.

Und das Mandat der SLB hätte die Sozialdemokraten (SP) eines gekostet, also statt 22 nur 21 Vertreter. Das SLB-Mandat im Bezirk Aarau hätte aber erst einmal der dortigen SVP ihr fünftes Mandat gekostet. Stattdessen hätte die SVP im Bezirk Baden statt 8 noch ein neuntes Mandat erhalten, die SP dagegen ihr fünftes Mandat dort eingebüsst.

Bleibt noch zu erwähnen, dass die EDU mit 1.68% Wähleranteil eigentlich auch aus dem Parlament gefallen wäre, wenn sie nicht im Bezirk Kulm 5.2% der Parteienstimmen erhalten hätte. 160 Parteienstimmen oder 18 Wähler weniger und die EDU wäre ebenfalls nicht mehr im Parlament vertreten gewesen. Recht hohe Stimmanteile erhielt die EDU im Bezirk Kulm vor allem in Gontenschwil und Zetzwil.

Wäre es nun tatsächlich so gekommen, dass die EDU nicht mehr vertreten wäre, wer hätte nun davon profitiert?
Auf kantonaler Ebene hätte die SVP ein 46.Mandat erhalten und die Grünen ein elftes.

Und welche Verschiebungen hätte es in den Bezirken gegeben?

Im Falle des EDU-Mandats im Bezirk Kulm ist die Sache sehr einfach: die SVP hätte dort ein viertes Mandat erhalten.

Der Verlust des EDU-Mandats im Bezirk Zofingen aber hätte eine ganze Kaskade ausgelöst: es wäre der SP dort zugute gekommen, die ein drittes Mandat erhalten hätte. Dafür aber hätte sie im Bezirk Lenzburg eines verloren, welches der dortigen FDP zugute gekommen wäre. Aber die FDP wiederum hätte nun dafür im Bezirk Baden ein Mandat verloren, welches der dortigen SVP zugute gekommen wäre. Die SVP wiederum hätte im Bezirk Muri ein Mandat weniger erhalten, welches nun letztendlich den Grünen zugute gekommen wäre.

Wer dieses ganze hätte-könnte-wäre für reine Theorie und Zahlenspielerei hält, dem sei gesagt: bei einer Prüfung der Wahlergebnisse kann es durchaus zu derartigen Veränderungen kommen. Aber soweit mir bekannt ist, hat bisher noch keiner eine Beschwerde gegen das Wahlergebnis eingereicht :-)

(24.Oktober 2012)

 

Wahlrechtlichen Wohl und Wehe Teil 2
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(Fortsetzung von Teil 1, siehe weiter unten)

Das war lange Zeit in der Schweiz so, und es ist in vielen Kantonen nach wie vor der Fall.

Jedoch haben bundesgerichtliche Entscheidungen dazu geführt, dass einige Kantone ihre Wahlgesetze bereits ändern mussten, damit auch kleinere Parteien künftig bessere Chancen erhalten.

In Basel-Stadt wurde auf das Sitzzuteilungsverfahren nach Saint-Lague gewechselt, bei welchem Sitzansprüche nicht abgerundet sondern kaufmännisch gerundet werden. Die Zahl der Wahlkreise wurde zudem auf fünf reduziert, wodurch die Zahl der Vertreter pro Wahlkreis stieg und damit auch die de facto Sperrklausel sank.

In Basel-Landschaft versuchte man den Spagat, das alte zu bewahren aber etwas gerechter zu machen - mit dem Ergebnis, das alles sehr kompliziert wurde.
Die Anzahl der Wahlkreise beliess man bei 12 zusammen mit der Anzahl von mindestens sechs Vertretern pro Wahlkreis. Auch blieb es beim Hagenbach-Bischof-Verfahren. Jedoch wurden nun von den zwölf Wahlkreise jeweils zwei bis vier zu einer Wahlregionen zusammengefasst. Der Unterschied zu früher: die Wählerstimmen entfalten nun ihre Wirkung nicht mehr nur auf Wahlkreisebene sondern auf Ebene der Wahlregion. Es wird also geschaut, wie der Proporz in den Wahlregionen aussieht und so zunächst eine Oberverteilung an die Parteien errechnet: welcher Partei stehen wieviele Sitze pro Wahlregion zu. Der Kanton wurde so in insgesamt vier Wahlregionen statt vormals zwölf Wahlkreise aufgeteilt.

In der Unterverteilung muss da dann das Kunststück gelingen, in jeder der vier Wahlregionen separat den Parteien auf Wahlkreisebene die Abgeordneten so zuzuteilen, wie es den Wählerstimmen entspricht und gleichzeitig die festgelegte Anzahl an Mandaten pro Wahlkreis einzuhalten aber natürlich auch die errechnete Anzahl an Mandaten pro Partei zu gewährleisten. Es ist wirklich so kompliziert, wie es sich jetzt liest.

In den Kantonen Zürich, Aargau und Schaffhausen beschritt man gar völlig neue Wege.
Man beliess es zwar bei den bisherigen Wahlkreisen, jedoch brach man mit der Tradition, dass jeder Wahlkreis ein abgeschlossenes Gebiet darstellt. Stattdessen sollten künftig die Stimmenverhältnisse auf kantonaler Ebene - man spricht auch vom kantonalen Proporz - entscheidend sein. Und auch vom Sitzzuteilungsverfahren nach Hagenbach-Bischof verabschiedete man sich. Neu galt nun die "biproportionale Divisormethode mit Standardrundung", aufgrund ihres Entwicklers mkit dem griffigeren Ausdruck "doppelter Pukelsheim" bezeichnet.

Das aber macht die Sitzzuteilung nun so kompliziert, dass es ohne Computer nicht mehr geht. Es wird hier zunächst in einer Oberzuteilung aufgrund der Stimmverhältnisse im gesamten Kanton errechnet, wieviele Sitze welcher Partei zustehen. Das ist soweit noch die einfachste Übung, weil hier nur ein Divisor gefunden werden muss, der im Aargau beispielsweise den Namen "Kantonswahlschlüssel" trägt.

Für die Unterzuteilung jedoch, also welche Partei bekommt wieviele Mandate in welchem Wahlkreis, muss am besten eine Tabelle mit den Wählerzahlen erstellt werden. Für jede Partei muss dann ein eigener Listengruppendivisor und für jeden Wahlkreis ein Wahlkreisdivisor gefunden werden, welche die Wählerzahlen so teilen, dass am Ende sowohl die Sitzansprüche der Parteien kantonsweit als auch die Anzahl der zu vergebenden Mandate pro Wahlkreis stimmen.

Für mich als Zahlenfreak kein Problem. Aber wieviel Prozent der Bevölkerung verstehen wohl diesen Algorithmus?

Wenn aber der kantonale Proporz den Vorrang hat, kann dies teilweise zu verzerrten Ergebnissen auf Bezirksebene führen.
So war es bei den Wahlen im Jahre 2009 der Fall. Die GLP erhielt insgesamt 5 Sitze, die BDP 4. Jedoch erhielt die GLP im Bezirk Baden 2 Mandate mit 30882 Stimmen, während die BDP mit dort erhaltenen 41512 Stimmen nur ein Mandat erhielt.

(24.Oktober 2012)

 

Wahlrechtlichen Wohl und Wehe Teil 1
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Über politische Mehrheiten in den Parlamenten entscheiden ja nicht bloss der Wähler. Auch die Gesetzgebung spielt hier hinein, und wenn diese dafür sorgt, dass Stimmen nicht gewertet oder falsch gewichtet werden, wird der Wählerwille missachtet oder gar ad absurdum geführt. Das führte zur Situation, die seit einigen Monaten in Deutschland herrscht. Dort existiert derzeit kein gültiges Wahlrecht für den Bundestag. Das Bundesverfassungsgericht hatte nach einer ersten Entscheidung im Jahre 2008 den Gesetzgeber angemahnt, bis 2010 eine neue Regelung zu finden, welche sogenannte negative Stimmengewichte nicht mehr ermöglicht. Das neue Wahlgesetz aus dem Jahre 2011, durchgepeitscht von den Regierungsparteien CDU/CSU und FDP, wurde schliesslich vom Bundesverfassungsgericht gänzlich kassiert. Spötter meinen seither, dass sich die deutsche Bundesregierung nur deshalb halten könne, weil es derzeit kein gültiges Wahlgesetz gebe.

In der Schweiz sind sogenannte negative Stimmengewichte nicht möglich, da man hier das Phänomen der sogenannten Überhangmandate nicht kennt; sie sind schlicht und einfach unmöglich. Auch die bei Wahlen in Deutschland übliche 5%-Sperrklausel für den Sitzanspruch in einem Parlament gab es als solche lange Zeit nicht und sind erst in den letzten Jahren teilweise festgeschrieben worden.

De facto existierten Sperrklauseln (auch Quorum genannt) aber trotzdem. Denn in der Schweiz ist es lange Zeit nicht üblich gewesen, etwa bei Wahlen zu einem Kantonsparlament die Wählerstimmen innerhalb des gesamten Wahlgebietes in einen Topf fliessen zu lassen und daraus die Mehrheitsverhältnisse zu berechnen.

Vielmehr wurde ein Wahlgebiet stets in mehrere Wahlbezirke gegliedert. Für jeden Wahlbezirk wurde meist aufgrund der Einwohnerzahl - seltener aufgrund der Zahl stimmberechtigter Bürger - die Anzahl der zu wählenden Vertreter festgelegt. Die Wählerstimmen entfalteten ihre Wirkung stets nur auf Wahlkreisebene. War also ein Kanton (=Wahlgebiet) in zwölf Wahlkreise aufgeteilt, hatte man am Ende eigentlich zwölf verschiedene Bezirks-Ergebnisse, aufgrund deren die Verteilung der Mandate für jeden Bezirk getrennt erfolgte.

Und wenn ein Wahlbezirk sechs Vertreter zu wählen hatte, bekam jeder Wähler sechs Stimmen; bei zehn zu wählenden Vertretern waren es entsprechend zehn Stimmen. Entsprechend hoch oder niedrig war aber auch die Hürde für eine Partei, überhaupt ein Mandat zu erhalten. Bei sechs zu wählenden Vertretern musste also eine Partei etwa ein Sechstel der Wählerstimmen - also rund 17% - erhalten, um sicher im Parlament zu sein. Bei zehn Vertretern reichten bereits 10% aus. Je grösser der Wahlkreis also, desto besser die Chancen auch für kleinere Parteien. Die de-facto-Sperrklausel liegt also höher als in Deutschland.

Kommt hinzu, dass in den meisten schweizer Kantonen als Sitzzuteilungsverfahren das Hagenbach-Bischof-Verfahren angewandt wird. Dieses benachteiligt systematisch kleinere Parteien bei Sitzvergabe, da der Sitzanspruch einer Partei abgerundet wird. Die Hürden waren also noch grösser.

Um dieses auszugleichen, wurde den kleinen Parteien erlaubt, sogenannte Listenverbindungen einzugehen. Wenn also die kleine EVP mit der grossen FDP zusammen eine Listenverbindung einging, wurden die Stimmen beider Parteien zunächst zusammengezählt und bei der Sitzvergabe konnten solche Listenverbindungen mehr Sitze erhalten. Ob allerdings die kleine EVP dann tatsächlich einen Sitz erhalten hätte, hing dann wiederum von ihrer Stärke innerhalb der Verbindung ab. Es konnte sehr gut sein, dass die zusätzlich erhaltenen Sitze samt und sonders der FDP zufielen. Genau das ist auch der Fall bei den Listenverbindungen, in denen gerade die grosse Parteien oft neben einer Stammliste (mit den bekanntesten Kandidaten) noch mit einer Frauenliste, einer Jugendliste, einer Stadtliste, einer Landliste, einer Ausländerliste etc. antreten. Es sind oftmals reine Stimmensammelbecken, die aufgrund der Sitzzuteilung nach Hagenbach-Bischof letzten Endes nur den Vertretern auf der Stammliste zugute kommen. (Fortsetzung siehe Teil 2 weiter oben)

(24.Oktober 2012)

 

Von Islamisten, Bundesräten und (anderen) Veganern
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Man wird den Eindruck nicht los, dass dieser Tage die Welt verrückt spielt.

In der islamischen Welt schaffen es ein paar Fanatiker, tausende Menschen auf die Strassen zu treiben um gegen den Westen zu protestieren, weil man sich beleidigt fühlt wegen eines Filmes, den praktisch niemand gesehen hat.

In der Schweiz politisiert der Bundesrat zunehmend am Volk vorbei und hätte es eigentlich verdient, in den unbezahlten Ruhestand geschickt zu werden.

Und in Basel schafft es ein Deutscher namens Jens Hermes, den hiesigen Studierendenrat der Universität Basel mit seiner veganen Lebenseinstellung auf seine Seite zu ziehen: die Mensa der Universität soll künftig nur noch vegetarischer und vegane Kost servieren, aber kein Fleisch mehr. Und das ganze nickt der Studierendenrat auch ab. Wahrscheinlich hätte es ein Studentenrat nicht getan, denn der hätte noch Eier gehabt. Die haben dafür all jene Studenten, die nun auf die Barrikaden gehen und mit dem Referendum drohen, wie das hier in der Schweiz üblich ist.

Ich halte es bei solchen unüberlegten Schnellschüssen von selbsternannten Ernährungsaposteln mit einem leicht abgewandelten Zitat aus dem Kultfilm "Short Bus":

"Diese Personen da drin lecken dir den Arsch und lutschen Schwänze, und dann tauchen sie am Buffet auf und behaupten, sie wären Vegetarier!"

(21.September 2012)

 

Silvios Borniertheiten
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Für seinen Familiennamen kann keiner was. Dass meiner in der Schweiz nicht geläufig ist, zeigt ein Blick ins Telefonbuch aber auch die Notwendigkeit, ihn in Aussprache und Schreibweise teilweise mehrfach wiederholen zu müssen. So habe ich mir angewöhnt zu sagen: "Kraneis, wie Kran und wie Eis, wie Hebeinstrument und wie gefrorenes Wasser, aber bitte ohne Bindestrich". Und die normalverteilte Intelligenz sorgt dafür, dass in 95% aller Fälle ein Lachen auf der anderen Seite bestätigt, dass man es kapiert habe.

Derartige Probleme wird der vormals an der Basler Universität lehrende Volkswirtschaftler Silvio Borner wohl nicht haben. Allerdings löst seine Kolumne in der Weltwoche vom 26.Juli 2012 bei mir nur das in der Überschrift formulierte Wortspiel aus.

Herr Borner greift die Regulierung der Ladenöffnungszeiten an, wie so manch anderer in der Vergangenheit auch schon. Ich habe dazu an dieser Stelle schon vor bald zwei Jahren einen sehr langen Beitrag verfasst: "Das Märchen vom Wirtschaftswachstum durch längere Öffnungszeiten" vom 30.Oktober 2010.

Seither hat sich folgendes geändert: die Migros Hochbergerstrasse wurde Ende 2011 geschlossen, damit die Kunden in die Stücki-Migros gehen. Dort wiederum wurden Seiteneingänge geöffnet, damit man nicht mehr Riesenwege laufen musste, bis man endlich im Laden ist. Und auch die Migros im Stücki ist nicht mehr die gleiche: sie wurde deutlich verkleinert, der SATURN übrigens auch.

Ausserdem hat der Euro im Zeitraum seither deutlich an Wert verloren. Von Ende Oktober 2011 mit 1.37 CHF ging es bis August 2011 auf unter 1.10 CHF, um seit September bei 1.20 CHF verteidigt zu werden.

Von Wirtschaftswachstum durch längere Ladenöffnungszeiten ist daher auch keine Rede mehr.

Borner hingegen sieht volkswirtschaftliche Schäden durch die reglementierten Öffnungszeiten.

Aber gehen wir es mal der Reihe nach an.

Borner schreibt, es sind "...die Gewerkschaften verantwortlich, obwohl ihnen nur ein Bruchteil der Angestellten im Detailhandel angeschlossen sind. Ihnen geht es angeblich um das Wohl der Arbeitnehmer..."
Ich sage: die Gewerkschaften vertreten nur die Arbeitnehmerinteressen. Gesetze und Verordnungen werden von Regierung und Parlament erlassen. Das Volk hat aber allein in diesem Jahr schon wieder mehrfach deutlich NEIN zur Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten gesagt.

Borner schreibt: "Die allgemeine Flexibilisierung der Arbeitszeiten lässt diesem Argument sämtliche Luft raus, weil wir ja über strenge Arbeitszeitgesetze mit vorgeschriebenen Ruhezeiten haben." (Das ist der exakte Wortlaut in der Weltwoche!)
Ich sage: Vorschriften sind schön und gut, aber wer überwacht ihre Einhaltung? Von Media Markt Basel kenne ich noch die elektronische Erfassung der Arbeitszeiten auf die Minute genau. Bei COOP Megastore Oberwil aber ist dies nicht der Fall.

Borner schreibt: "Zudem gibt es immer mehr jüngere Leute oder Teilzeitbeschäftigte, die gern in den Abendstunden oder am Sonntag arbeiten möchten, weil dies besser in ihren Lebensrhythmus passt oder besser bezahlt ist."
Ich sage: von "möchten" kann oft keine Rede sein. Wer als Student etwas nebenher verdienen will, hat keine andere Wahl.

Borner schreibt, es sei "niemand gezwungen, zu lange offen zu haben, sondern profitorientierte Anbieter werden im eigenen Interesse die optimale Lösung finden."
Ich sage: Geschäfte wie Media Markt, Saturn, COOP Megastore etc. nützen jeden Spielraum, um so lange wie möglich geöffnet zu haben. Die "optimale Lösung" wird nicht in einer Beschränkung der Öffnungszeiten gesehen sondern das bestehende Personal wird über die längere Öffnungszeit verteilt. Es wird niemand zusätzlich eingestellt.

Borner schreibt, "dass dort, wo länger offen ist, auch in den Abendstunden hohe Umsätze erzielt werden."
Ich sage: Das stimmt nur teilweise. Es hängt sehr von den Wochentagen ab. Genau aus diesem Grund wird in der Basler Innenstadt montags bis mittwochs nur bis 18:30 Uhr geöffnet, donnerstags und freitags hingegen bis 20 Uhr. Im Stücki oder im Megastore in Oberwil hingegen ist wochentags immer bis 20 Uhr offen, allerdings herrscht gähnende Leere. Montags bis mittwochs eher zu schliessen, ist hier aber ein Sakrileg, auch wenn man Kosten sparen könnte. Denn es könnte als Eingeständnis gewertet werden, dass man sich bei der Kalkulation für dieses Einkaufszentrum einstmals doch gewaltig vertan hat.

Borner schreibt, "dass flexiblere Öffnungszeiten den Wettbewerb beleben und damit die Umsätze und die Beschäftigung erhöhen, weil wir längst viel mehr einkaufen, als absolut notwendig ist."
Ich sage: Solche selbstdiskreditierenden Worte aus der Feder einen Volkswirtschaftlers von Ansehen müssen ziemlich viel Bakschisch gekostet haben. Man muss nicht lange überlegen, um zu erkennen, was für einen Schwachsinn diese Worte darstellen. Jeder verdiente Franken kann nur einmal ausgegeben werden. Was wir heute darüber hinaus verkonsumieren, fehlt uns morgen. Und das Geld, was uns morgen fehlt, sorgt dann für fehlende Umsätze. Wir brauchen nur nach Griechenland zu schauen.

Borner schreibt: "In letzter Konsequenz erleiden jedoch die Konsumenten einen Nutzenverlust, weil sie in ihrem Einkaufsverhalten unnötig eingeschränkt werden. Die Möglichkeit, am Abend einzukaufen, hat einen gewissen Wert, der gerade für die produktivsten Mitbürgerinnen hoch ist."
Ich frage: Herr Borner, wen meinen sie mit den produktivsten Mitbürgern? Wirklich jene, die jeden Arbeitstag körperlich schuften; oder mit Überwachungs- und Steuerungsaufgaben dafür sorgen, dass alles reibungslos läuft; oder sich mit den Sorgen, Wünschen und Nöten der Mitmenschen auseinandersetzen müssen und dabei immer freundlich und geduldig bleiben, selbst wenn das Gegenüber jeglichen Respekt missen lässt? Oder sind eher jene Leute gemeint, die sich für ihre Visionen Millionengehälter bezahlen lassen, dann aber ganze Unternehmen versenken, sich selber jedoch vorher mit dem berühmten goldenen Fallschirm absetzen?

Borners abschliessende Worte: "Die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten ist die stärkste Waffe gegen den Einkaufstourismus und nützt vor allem den Konsumenten und der Umwelt."

Ich sage dazu nichts mehr :-)

Aber nach acht Jahren Arbeit im Verkauf und nun im Fahrdienst beschäftigt mit Arbeitszeiten auch nachts, an Wochenenden und Feiertagen, darf ich mit Recht sagen, dass es keine weitere Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten braucht.

 

27.Juli 2012

 

BananenRepublik Deutschland II
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Die Moderatorin der Tagesschau im Schweizer Fernsehen drückte es so: "Wären diesen Sonntag in Deutschland Wahlen, ja, dann gäbe es ein Problem: sie wären gar nicht mehr möglich."
Sie leitete damit einen Bericht über den Entscheid des deutschen Bundesverfassungsgerichtes ein, welches das Wahlrecht zum Deutschen Bundestag für verfassungswidrig erklärte.

Und die deutschen Verfassungshüter - es gibt übrigens in Deutschland keine "Verfassung" sondern ein "Grundgesetz" - haben in letzter Zeit wahrlich alle Hände voll zu tun, um die Fehler der Regierung zu korrigieren. So manche Entscheidung, die als Sachzwang im Sinne von EU und Euro gefällt wurde, verstiess ja bereits gegen das deutsche Grundgesetz, weil hier einfach Gesetze mit der heissen Nadel gestrickt wurden, siehe mein letzter Beitrag zum Meldegesetz.

In Bezug auf das Wahlrecht aber ist die Blamage noch um einiges grösser. Schon 2008 erklärte das Bundesverfassungsgericht das Wahlrecht zum Bundestag für in Teilen verfassungswidrig und mahnte die Politik an, bis Sommer 2011 ein grundgesetzkonformes Wahlrecht auszuarbeiten. Die Frist verstrich, Regierungs- und Oppositionsparteien wurden sich nicht einig; am Ende verabschiedete der Bundestag nur mit den Stimmen der Regierung ein neues Wahlgesetz, welches die eigentlichen Probleme aber nicht wirklich behob sondern alles nur noch mehr verkomplizierte. Kein Wunder, dass die Opposition vor dem Verfassungsgericht Klage erhob und nun auch gewonnen hat.

Wohlgemerkt: im Herbst 2013 soll ein neuer Bundestag gewählt werden. Bis wenigstens drei Monat vorher muss das neue Gesetz stehen. Geschieht dies nicht, können keine Wahlen durchgeführt werden. Wenn man so will, ist das natürlich auch ein genialer Schachzug der Regierung - und ein weiteres Argument dafür, dass das Kürzel BRD für Bananenrepublik Deutschland steht.

26.Juli 2012

 

BananenRepublik Deutschland I
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Irgendwie werde ich den Eindruck nicht los, dass meine alte Heimat nun definitiv zur Bananenrepublik verkommen ist. Eine ganze Reihe von politischen Entscheidungen und Machtspielereien verstossen gegen so ziemlich alle Grundsätze, welche lange Zeit als heilig galten. Und dass es einzig um die Rettung des Euro geht, kann man auch nicht sagen.

Aber eben mit dem Euro hat man als Deutscher zunehmend Probleme. Viele Deutsche sehen einfach nicht ein, warum sie die Zeche für die überschuldeten Partnerländer im Währungsverein zahlen sollen. Dies war schliesslich in den Verträgen von Maastricht ausdrücklich verboten worden. Zudem heisst es in den Statuten der Europäischen Zentralbank, dass der Kauf von Staatsanleihen verboten ist. Aber all das ist entweder bereits Tatsache geworden oder soll es werden.

Dass Proteste etwas bewirken können, hat der Entscheid über Stuttgart21 gezeigt. Die Bürger durften schliesslich abstimmen über das Megabauprojekt - und haben es abgesegnet. Jedoch war dazu erst ein Regierungswechsel von schwarz-gelb nach grün-rot notwendig.

Gegen die Währungspolitik aber ist bislang noch keiner auf die Strasse gegangen.

Erinnern wir uns an das sogenannte 9er-Gremium. 9 Abgeordnete wurden aus der Mitte des Bundestages gewählt, welche Eilentscheide der Regierung quasi legitimieren sollten. Es sollte keine langen Debatten im Parlament geben sondern möglichst schnell durchgewunken werden. Dieser Entscheid wurde vom Bundestag selbst so gefasst. Wir haben es also in der Mehrheit mit Abgeordneten zu tun, die sich lieber selber entmachten wollen. Wissen diese Leute eigentlich, was sie tun, wofür sie gewählt werden, wofür sie mit mehreren tausend Euro pro Monat alimentiert werden?

Das Bundesverfassungsgericht (BVG) hat dieses 9er-Gremium vor zwei Monaten verboten. Es könne nicht sein, dass Entscheidungen über dreistellige Milliardenbeträge von gerade mal neun Leuten gefällt werden. Mit Demokratie habe das nichts mehr zu tun.

Nun muss das Verfassungsgericht diese Woche entscheiden, ob die Gesetze zum Fiskalpakt und zum Rettungsfond ESM mit der Verfassung in Einklang stehen. Und eben wegen der zuletzt europakritischen Entscheidungen des BVG kriegen viele Politiker nun kalte Füsse und mahnen eine schnelle und vor allem positive Entscheidung der Verfassungshüter an. Man setzt also die höchsten Richter unter Druck, dass sie bitte so zu entscheiden haben, wie es die Politiker gern wollen.

Und es sind vor allem FDP-Politiker, die sich hier hervortun. Es wird gar von richterlicher Unkenntnis der Materie gesprochen. Interessanterweise ist dies exakt das gleiche Argument, mit dem in Deutschland Volksentscheide auf Bundesebene verwehrt worden sind. Das Volk habe bei komplexen Angelegenheiten überhaupt gar keinen Durchblick. Es ist sehr bezeichnend für das Demokratieverständnis von Politikern wie Alexander Graf Lambsdorff, Norbert Lammert, Rainer Brüderle oder Martin Schulz aber auch so manchem Hinterbänkler, die als gewählte Volksvertreter ihre Kontrollfunktion aus Bequemlichkeit lieber nicht wahrnehmen. Solche Leute haben in Parlamenten nichts zu suchen und gehören in den Abfalleimer der Demokratie.

Aber es sind nicht nur Entscheidungen zum Euro, die am derzeitigen Demokratieverständnis und dem Verantwortungsbewusstsein der Bundestagsabgeordneten zweifeln lassen. Denken wir zurück an die Entscheidung über das Betreuungsgeld.

Was war passiert?
Die Schriftführer des Bundestages waren nach einer anderen Abstimmung uneinig darüber, ob nun Befürworter oder Gegner die Mehrheit hatten. Daher wurde der sogenannte Hammelsprung beantragt, bei welchem die Abgeordneten den Saal verlassen und durch eine von drei Türen betreten müssen, jenachdem, ob sie mit JA, NEIN oder ENTHALTUNG stimmen.

Da in diesem Falle die genaue Anzahl der abstimmenden Abgeordneten ermittelt wird, gilt dies zugleich als Test über die Beschlussfähigkeit des Bundestages. Die Oppositionsparteien nutzten dieses aus und liessen ihre Abgeordneten vor dem Plenarsaal warten statt am Hammelsprung teilzunehmen. Am Ende waren nur 211 von insgesamt 620 Abgeordneten wieder im Saal - und Sitzungsleiterin Petra Pau musste Beschlussunfähigkeit feststellen und die Versammlung auflösen.

Das Fatale an der Sache: viele Abgeordnete der Regierungsparteien waren inzwischen schon abgereist, nicht einmal Familienministerin Schröder hatte es rechtzeitig aus ihrem Büro zum Hammelsprung geschafft. Beschlussfähig ist der Bundestag, wenn mindestens die Hälfte der Abgeordneten anwesend ist, siehe Paragraph 45 Absatz 1 der Geschäftsordnung des Bundestages.

Bei diesem taktischen Manöver zum Betreuungsgeldgesetz mag so mancher überrascht gewesen sein.
Und man muss sich wirklich fragen, wie oft schon Gesetze verabschiedet worden sind, obwohl die notwendige Beschlussfähigkeit des Bundestages gar nicht gegeben war?

Und genau da gehts auch schon weiter.

Ein noch viel dickerer Hund nämlich war die Abstimmung über das neue bundeseinheitliche Meldegesetz vom 28.Juni diesen Jahres. In nur gerade mal 57 Sekunden wurde in zweiter und dritter Lesung über das Gesetz abgestimmt und dieses schliesslich verabschiedet. Es waren keine 50 Abgeordneten da. Es ist offensichtlich, dass der Bundestag nicht beschlussfähig sein konnte. Trotzdem winkte Sitzungsleiterin Petra Pau dieses Mal den Beschluss durch, dass das neue Meldegesetz mit klarer Mehrheit verabschiedet ist.

Wo waren all die anderen Abgeordneten? Naja, sie haben gerade das EM-Halbfinalspiel Italien gegen Deutschland geschaut. Prekär ist dies vor allem, weil das neue Meldegesetz den Einwohnermeldeämtern erlaubt, die Daten der Bürger an sogenannte Adresshändler zu verkaufen. Es gibt zwar ein Widerspruchsrecht, aber dieses greift nicht, wenn eine Kundenbeziehung bereits besteht, die Firma also wissen möchte, ob die Adressen noch korrekt sind.

Noch präkerer: diese Form war zunächst gar nicht vorgesehen. Es hiess zunächst im Entwurf, dass jeder Bürger der Weitergabe seiner Adressdaten ausdrücklich zustimmen muss. Quasi in letzter Minute sei die Änderung von CDU und FDP eingereicht worden.
Nur damit es klar ist: jeder Bürger muss sich bei der zuständigen Behörde seines Wohnortes anmelden. Wer dies nicht tut, macht sich strafbar.

Ich bin zwar sicher, dass das neue Meldegesetz nach dem Aufschrei in den Medien den Bundesrat nicht in dieser Form passieren wird. Sollte es trotzdem geschehen, wird einmal mehr das Bundesverfassungsgericht entscheiden müssen. Und dieses hat bereits 1984 das Selbstbestimmungsrecht über persönliche Informationen des Bürgers als hohes Gut definiert. Aber ich würde vorschlagen, dass als Zeichen des Protestes gegen den Schlendrian im deutschen Bundestag schon jetzt ein jeder seine Werbepost an einen der Abgeordneten seines Wahlkreises weiterleitet. Einfach die eigene Adresse durchstreichen, Namen des Abgeordneten drauf und als Adresse: Deutscher Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin... und ab in den nächsten Briefkasten.

Übrigens: an jenem denkwürdigen Abend des 28.Juni 2012 standen wurden noch weitere Beschlüsse in zweiter und dritter Beratung gefasst, also Gesetze verabschiedet, beispielsweise die Besteuerung von Sportwetten oder das Übereinkommen des Europarates zur Bekämpfung von Menschenhandel.

09.Juli 2012

 

GESCHAFFT
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Nachdem ich nun knapp 8 Monate Ausbildung bei der SBB hinter mir habe und bereits am 25.Mai die theoretische Prüfung für den Fahrdienstleiter absolviert und bestanden habe, war nun heute die praktische Prüfung angesagt. In zwei Sequenzen zu 100 Minuten musste ich den Zugverkehr in einer Simulation aufrecht erhalten und dabei eingestreute Störungen möglichst gut managen. In der ersten Runde war der Bereich Sempachersee dran. Dort lief zunächst alles nach Plan, bis auf einmal der Lokführer einer S-Bahn eine Triebfahrzeugstörung meldete. Immerhin, er konnte sein Gefährt wieder zum Laufen bringen. Es folgte dann noch in der Gegenrichtung die Meldung "Schlag verspürt", jedoch ohne dass am Ende das Gleis total gesperrt werden musste. Und es gab schliesslich noch ein Rangiermanöver übers Einfahrsignal hinaus.

In der zweiten Sequenz war das Entlebuch zu steuern, jedoch nicht der ganze Abschnitt von Littau bis Wiggen sondern nur von Schachen bis Escholzmatt.
Hier wurde ich zunächst auf die Vorschriften übers Rangieren in Bahnhöfen ohne Zwergsignale geprüft, der Bahnhof Escholzmatt ist dafür prädestiniert.
Und dann meldete sich ein Sicherheitschef, der im Bahnhof Doppleschwand-Romoos Arbeiten an einem Isolator der Fahrleitung durchführen wollte und dafür die entsprechende Fahrleitung abschalten und das betreffende Gleis sperren lassen wollte. Der musste dann etwas länger warten, bis alles vorbereitet war. Denn es kam noch eine Achszählerstörung zwischen Doppleschwand-Romoos und Wolhusen dazu, welche zwei Züge mit Fahrt auf Sicht passieren mussten. Der entsprechende Papierkrieg und die Kommunikation mit betroffenen Zügen, für die es Folgeverspätungen gab, nahm recht viel Zeit in Anspruch.

Wie gesagt: das war alles nur per Simulation durchgespielt. Auf meiner Arbeit bin ich tätig für den Bereich von Möhlin bis Brugg. Aber da sei soviel gesagt: es gibt dieses Jahr jede Menge Bauarbeiten, nicht nur nachts sondern auch tagsüber. Ich steige also in eine wirklich herausfordernde Tätigkeit ein.

 

27.Juni 2012

 

Zahlenspielereien am seidenen Faden
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Fussball ist überhaupt nicht meine Welt.
Als ich noch in Deutschland lebte, war mir in der Hinsicht nur eines lieb: es sollte nicht immer Bayern München den Meistertitel holen.
Hier in der Schweiz läuft das nun analog auf den FC Basel raus, der sich in diesem Frühjahr gleich dreimal feiern liess: einmal, als bereits feststand, dass man uneinholbar in Führung ist und den Meistertitel gewinnen wird; dann ein zweitesmal, als auch noch der Schweizer Cup gewonnen wurde; ein drittesmal dann die offizielle Feier wegen des Meistertitels in der Schweiz.

Auch die Fussball-EM lockt mich nicht wirklich hinter dem Ofen vor.
Und auch wenn ich aus Deutschland komme, bin ich trotzdem nicht automatisch dafür, dass Deutschland gewinnt. Es ist sowieso egal, wer gewinnt. In jedem Falle wird am Finalabend mal wieder der gesamte Innenstadtbereich von Basel voll mit Menschen sein und der gesamte Verkehr zum Erliegen kommen. Da zeigt sich, dass Basel eben doch internationalen Flair hat.

Worum es mir aber eigentlich geht, sind die Berechnungen im Hintergrund, die über das Weiterkommen einer Mannschaft entscheiden, wenn Punktegleichheit herrscht. Und immer wenns um Zahlen und Berechnungen geht, werde ich hellhörig :-)

Der Europameister von 2008 wird es 2012 jedenfalls nicht mehr werden: Russland.

Durch ein einziges, entscheidendes Tor der Griechen wurden die favorisierten Russen nicht nur von der Spitze in ihrer Gruppe sondern gleichzeitig auch noch aus dem Viertelfinale gekickt. Denn im Ergebnis sieht es nun so aus, dass sowohl Griechenland als auch Russland die gleiche Punktezahl haben, nämlich vier: jeweils einmal gewonnen, einmal verloren, einmal unentschieden.
Die Tordifferenz der Russen aber ist besser: sie haben 5 Tore geschossen, 3 kassiert; die Griechen haben jeweils 3 Tore geschossen und kassiert. Aber wieso kommen nun die Griechen weiter und nicht die Russen, wenn letztere doch die bessere Tordifferenz haben.

Das liegt am Regelwerk der EM. Denn hier kommt als Entscheidungskriterium vor der Tordifferenz der sogenannte direkte Vergleich zum Zug. Das heisst, wenn zwei Mannschaften in der Tabelle Punktgleichheit haben, wird jenes Spiel betrachtet, in welchem die beiden betreffenden Mannschaften gegeneinander angetreten sind. Und das war just das gestrige Spiel, welches die Griechen mit - wie schon gesagt - einem einzigen Tor und das auch noch in der Nachspielzeit, für sich entschieden haben. Ein einziges Tor, das keiner für möglich hielt, hat so nun alle Erwartungen über den Haufen geworfen und die Platzierung in den Tabelle geradezu auf den Kopf gestellt. Ist doch faszinierend... Euro-Krise hin oder her.

(17.Juni 2012)

 

Das doppelte Lottchen

Wer derzeit die Nachrichten verfolgt, dem fällt vor allem eines auf: ein einziges Wort dominiert das Weltgeschehen und das auch noch doppelt und mit völlig gegensätzlichen Emotionen.

Zum Ersten ist da das Dauerbrennerthema der letzten Monate: DER EURO, die durch die Schuldenkrise mehrerer beteiligter Länder in Mitleidenschaft gezogen wurde.

Zum Zweiten haben wir die Fussball-Europameisterschaft, die eigentlich als "die EM" abgekürzt wird. Aber im Zuge der Internationalisierung von Abkürzungen wurde daraus "die EURO".

Es gibt eine ganze Reihe Gemeinsamkeiten und Unterschiede.

In beiden Fällen geht es um Milliardenbeträge, nur sind sie im ersteren Falle schon so hoch, dass sie eigentlich nur noch mit der Notenpresse gedruckte Luftbuchungen darstellen, also keinen realen Wert mehr darstellen.

In beiden Fällen wird kräftig gewettet, nur in einem Falle auf den Sieger (es kann nur einen geben!), im anderen auf die Verlierer (mit Sicherheit mehrere).

In beiden Fällen wird auf Zeit gespielt, nur hat man es im ersten Falle immer wieder geschafft, sich Zeit zu erkaufen.

In beiden Fällen will man (endlich) Ergebnisse sehen; im zweiten Falle können wir sogar davon ausgehen, dass diese bis spätestens 1.Juli vorliegen werden.

In einem Fall wissen wir auch, dass es für das Ereignis eine Neuauflage in vier Jahren geben wird. Im anderen Falle muss schon davon ausgegangen werden, dass es so die nächsten vier Jahren nicht mehr weitergehen wird - definitiv nicht in der bisherigen Verfassung.

Und in beiden Fällen ist die Schweiz nicht direkt beteiligt, jedoch durch die äusseren Umstände trotzdem sehr stark involviert. Von "Frank(en) und frei" kann da also nicht die Rede sein.

08.Juni 2012

 

Neuer Reisepass

Nachdem ich am 24.März (siehe Beitrag weiter unten) der Botschaft in Bern einen Besuch abgestattet habe, um einen neuen Reisepass zu beantragen, ist dieser nun auch am 2.Mai eingetroffen. Die Lieferzeit von maximal 6 Wochen wurde also eingehalten.
Das einzige, was mich am neuen Pass etwas wunderte: als Wohnort steht nur noch "Binningen" drin, ohne den Zusatz "(Schweiz)" wie vormals. Ist das eindeutig genug? Schliesslich gibts in der Eifel eine Gemeinde mit 700 Seelen, die ebenfalls so heisst. Aber womöglich spielt auch der Ausstellungsort des Passes eine Rolle. Und da steht "Botschaft Bern", ich muss also meinen Wohnsitz in der Schweiz haben.

03.Mai 2012

 

Tag der Arbeit 2012

Was tut man am Tag der Arbeit, wenn man zunächst doch für die Arbeit eingeplant wurde, einen Tag zuvor aber dann gesagt bekommt, es sei einem freigestellt, ob man kommt oder nicht (weil in Basel dies ein Feiertag ist)?

Richtig, man unternimmt ganz spontan was.

Und ich bin nach Schaffhausen gefahren; nein, nicht an den Rheinfall, da war ich schon zweimal.

Auf dem Weg dahin durfte ich einmal mehr erleben, dass der schweizer Bahnverkehr zwar sehr zuverlässig ist, jedoch auch etwas anfällig, wenn einer aus der Reihe tanzt: Personenunfall am Flughafen Zürich. Dass in der Nacht auf heute übrigens Bär M13 von einem Zug der Rhätischen Bahnen touchiert worden sein soll, sei mal nur am Rande erwähnt.

An alle, die es übrigens noch nicht wissen: Welcher Spruch steht auf dem Schwabentorturm zu Schaffhausen?

Hier gibts die Lösung :-)

 

01.Mai 2012

 

Was ist die Migros-Taste?

Wusstest Du eigentlich schon, dass die Triebfahrzeuge in der Schweiz eine sogenannte "Migros-Taste" haben?

Der Gag wird sich nur jenen erschliessen, welchen die Migros als grösster Detailhändler der Schweiz ein Begriff ist.
Die meisten Deutschen hingegen werden das grosse M wohl eher mit McDonalds in Verbindung setzen.

Tatsache ist aber, dass in allen Triebfahrzeugen der schweizerischen Bahnen im Bedienpult für den Lokführer eine Taste zu finden ist, auf der einfach nur ein grosses M steht. Und dieses ist in der Schriftart dem grossen M der Migros sehr ähnlich. Daher erhielt diese Taste im Fachjargon auch den Namen "Migros-Taste".

Aber was hat es mit dieser Taste auf sich?

Eigentlich steht das M für "Manöver".

Da denken die meisten nun wieder an Gefechte der Armee oder an politische Taktierereien.
Damit hat es aber nichts zu tun sondern mit der Bedeutung, welche sich aus dem französischen "manoevrer" bzw. dem italienischen "manovrare" ergibt. Und das hat in der Eisenbahnersprache die Bedeutung von "rangieren". Man manövriert bei der Eisenbahn eben mit Waggons und Zugseinheiten.

Und wozu braucht es nun diese Taste?

Das hat etwas mit der Zugsicherung zu tun, die verhindern soll, dass ein Zug ein Halt zeigendes Signal überfährt. Im einfachsten Falle gibts da nur eine akkustische Warnung an den Lokführer, dass er bremsen soll. Wenn er das dann nicht tut, dann krachts; so wie bei Olten im Herbst 2011.
In den verbesserten Sicherungssystemen hingegen wird bei Nichtbeachtung des Warnsignals nach einer bestimmten Zeitspanne eine Zwangsbremsung eingeleitet.
Aber nicht immer ist diese wirklich sinnvoll. Wenn zum Beispiel ein Zug wegen einer Störung an einem Halt zeigenden Signal vorbeifahren soll, dann muss er das können, ohne gleich wieder ausgebremst zu werden.
Noch viel wichtiger aber ist die Umgehung dieser Sicherung in den Bahnhöfen, wenn rangiert wird. Für die Rangierbewegungen haben die Hauptsignale keine Gültigkeit, sie bleiben auf Halt. Um also in beiden Fällen ohne Zwangsbremsung an einem Hauptsignal vorbeifahren zu können, wurde die Manöver-Taste in den Triebfahrzeugen installiert. Durch Drücken dieser Taste wird die Zugsicherung umgangen.
Aus Sicherheitsgründen gilt das aber nur für Geschwindigkeiten bis 40 km/h - das ist übrigens die maximal zulässige Rangiergeschwindigkeit. Wenn nun aber ein Zug auf der Strecke per Manöver-Taste an einem Halt zeigenden Signal mit mehr als 40 km/h vorbeifahren will, wird er wieder gnadenlos ausgebremst.

Bleibt noch eine Frage.

Wieso sagen wir im Deutschen "rangieren", was ja wohl eindeutig französischer Herkunft ist, wenn man im Französischen doch "manoevrer" sagt?
Ich weiss es auch nicht. Vielleicht hat das ja was mit der Mentalität der beiden Völker zu tun.
"manoevrer" steht nämlich noch für "lenken", "steuern", "bewegen", "vorgehen".
"ranger" hingegen, von dem sich das deutsche "rangieren" ableitet, steht für "aufräumen", "Ordnung schaffen."

Insofern kann man sagen, dass die Bezeichnung "Manövertaste" und die Kennzeichnung mit einem grossen M sehr konsequent ist. Denn mit dieser Taste wird ja rein betrieblich die Sicherungsordnung ein Stückweit ausgehebelt; ein kleiner Sieg der französischen über die deutsche Mentalität gewissermassen. Keine Ahnung, ob eine ähnliche Manövertaste auch bei deutschen Triebfahrzeugen eingebaut ist und wie sie dort beschriftet ist und im Fachjargon heisst. Aber ich lerne gern hinzu :-)

21.April 2012

 

"Alle gegen Bild" oder "Wenn Gutmenschen zu Profilneurotikern werden"

Im Juni 2012 wird es genau 60 Jahre her sein, dass der Axel-Springer-Verlag die BILD-Zeitung aus der Taufe hob.
Zunächst als Blatt gedacht, welches tatsächlich nur Bilder des Tages mit wenig Text präsentieren sollte, wurde dann schnell das berühmt-berüchtigte Revolverblatt draus, was es mit der Wahrheit nicht immer so ernst nimmt, gern mal Fakten verdreht oder absichtlich falsch darstellt.

Nun gut, es wird keiner gezwungen, diese Zeitung zu lesen.
Aber schon Heinrich Böll liess seine Katharina Blum auf die Worte: "Mach dir nichts draus, was in der Zeitung steht", etwas verzweifelt antworten: "Alle, die ich kenne, lesen die Zeitung!".
Und Tatsache: 2.7 Millionen Exemplare werden im Schnitt pro Tag verkauft.
Der Macht der gemachten Meinung kann man eben schnell mal zum Opfer fallen. Aber das Pressegesetz ist längst nicht mehr so stumpf wie noch in den 1970er Jahren.

Somit ist BILD einerseits das vermeintliche schwarze Schaf der deutscher Zeitungen nun mal auch ein nicht zu ignorierender Teil der Preselandschaft und der Meinungsmacher in Deutschland.

Daher plant die BILD-Redaktion, am 23.Juni 2012 eine grosse Gratis-Ausgabe. Alle rund 41 Millionen Haushalte in Deutschland sollen ein Exemplar erhalten.

Und was passiert?

Es regt sich Widerstand unter dem Motto "Alle gegen Bild". Per Onlineformular, Mail, Fax oder auch Brief soll man der einmaligen Gratiszustellung widersprechen.

Da frage ich mich jetzt wirklich: was soll dieser Schwachsinn?

1. Der Zeitung wird so mehr Aufmerksamkeit geschenkt als jedem anderen Medium!
2. Das Exemplar kommt gratis. Wer es nicht lesen will, wirft es eben weg!
3. Wer widersprechen will, muss seine Adresse der BILD-Redaktion angeben!

Und warum eigentlich haben diese Gutmenschen nicht schon längst eine Aktion gegen den Gratis-Empfang von Schrottsendern wie RTL(2) oder PRO7 gestartet? Dort wird jeden Tag auf pseudodokumentarischem Weg den Leuten eine Realität vorgegaukelt, die so nur in den Köpfen einiger Autoren existiert. Wer nun meint, dass doch eine solche Aktion unsinnig sei, dem kann ich nur antworten: EBEN!

Eigentlich könnte man meinen, die BILD-Redaktion selber steckt hinter diesem Feldzug.

Und mal so am Rande: derzeit läuft auf deutschen Strassen eine Aktion zur Verteilung von 30 Millionen Ausgaben des Koran. Keiner wird gezwungen, diesen mitzunehmen. Aber wer sich mal ein wenig mit dem Koran auseinandersetzt, wird merken, dass sich die Islamisten von heute genauso auf ihn berufen, wie seinerzeit die Kreuzritter, Konquestadoren und Inquisitoren auf die Bibel.

Und zum Vergleich: in Ungarn gibts die neue Verfassung für jeden Haushalt des Landes einmal gratis.

15.April 2012

 

Besondere Fahrzeuge

Das Zugunglück in der Nähe des hessischen Mühlheim am Main wirft bei Otto Normalbürger zunächst nur die Frage auf: wer stellt einem einfahrenden Zug einen Baukran in den Weg?
Das muss doch abgesprochen werden vorher!

Ich selber kann den Vorgang nur anhand der Bilder in den Medien und aus schweizer Sicht versuchsweise nachvollziehen.

Meine Vermutung: Der Baukran wurde ins Gleis gestellt, obwohl dazu keine Bewilligung erteilt worden war.

Der Kran, der sich im Gleis befand, stellt aus schweizerischer Fahrdienstvorschrift ein sogenanntes "besonderes Fahrzeug" dar, welches beim Eingleisen spezielle Sicherungsmassnahmen verlangt.
Tatsächlich hat ein Baukran, der eigentlich für Strassen und nicht für Schienen konstruiert ist, nichts im Gleis verloren. Wenn er trotzdem für Bauarbeiten benötigt wird und deswegen eingegleist werden muss, muss das betroffene Gleis vorher gegen weitere Zugfahren gesichert, also gesperrt werden.

Derartige Bauarbeiten werden aber stets vorher angekündigt, in der Regel mit der voraussichtlichen Sperrzeit von wann bis wann. Diese aber stellt letzten Endes noch keine Bewilligung dar.

Und wenn es dann soweit ist, bekommt der zuständige Zugverkehrsleiter (ZVL) einen Anruf vom Sicherheitschef vor Ort, in welchem dieser die Gleissperrung verlangt und ausdrücklich darauf hinweist, dass ein besonderes Fahrzeug eingegleist werden soll. Aufgabe des ZVL ist nun, das Gleis zu sperren und diese Sperre per Checkliste zu protokollieren, damit bei Schichtübergabe auch klar ist, warum da eine Sperre auf der Strecke ist. Denn eine Belegung des Gleises, die eine ankommende Zugfahrt behindern würde, existiert mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht.

Ist das Gleis nun vom ZVL gesichert, teilt er dies dem Sicherheitschef mit. Erst jetzt darf ein besonderes Fahrzeug eingegleist werden.

Dazu ein paar Erläuterungen:

Grundsätzlich ist es so, dass auf einem Streckenabschnitt sich immer nur ein Zug befinden kann. Dies wird durch die sogenannten Gleisfreimeldeeinrichtungen (GFM) sichergestellt.

Nur dank dieser Einrichtungen ist es überhaupt möglich, recht genau auf den Kontrollbildschirmen nachzuverfolgen, an welcher Stelle sich gerade ein Zug befindet. Denn die roten Zug-Bänder auf den weissen Streckengleisbändern, welche die Zugverkehrsleiter (ZVL) auf ihren Monitoren sehen, werden keineswegs per Satellitenortung (GPS) lokalisiert, wie das so mancher denkt. Mal abgesehen davon ist auch nur so die heutige Zugdichte überhaupt möglich.

Bei diesen Gleisfreimeldern existieren in der Schweiz zwei Typen: Achszähler zum einen und Isolierung per Gleisstromkreis zum anderen. In Deutschland ist noch ein dritter Typ im Einsatz: der Tonfrequenzgleisstromkreis.

Beim Achszähler wird an bestimmten Punkten jeweils die Zahl der Achsen eines Zuges gezählt und mit den Ergebnissen des vorangegangenen und des nachfolgenden Zählpunktes verglichen. Der Streckenabschnitt, der durch zwei Zählpunkte begrenzt wird, gilt also als belegt, sobald einer der beiden Zählpunkte Achsen eingezählt hat. Das ganze funktioniert elektromagnetisch.

Beim Prinzip der Isolierung fliesst auf einem festgelegten Gleisabschnitt ein leichter Strom durch eine oder beide Schienen, jedoch sind die Schienen gegeneinander isoliert - daher die Bezeichnung. Und auch die Gleisabschnitte sind durch kleine Unterbrüche gegeneinander isoliert. Die beiden Stromkreise fliessen also unabhängig voneinander.
Solange sie dies ungestört tun, gilt der Gleisabschnitt als frei. Befährt aber ein Zug den Gleisabschnitt, schliesst er wegen seiner stromleitenden Achsen beide Stromkreise kurz - es wird eine Belegung abgezeigt.

Zum Tonfrequenzgleisstromkreis kann ich nur soviel sagen, dass hier zusätzlich zum Stromkreis noch ein Tonsignal zum Einsatz kommt, welches bei freiem Gleis ungestört vom Signalempfänger empfangen werden kann. Sobald ein Zug das Gleis befährt, wird das Tonsignal gestört und das Gleis als besetzt angezeigt.

Jedes der Prinzipien hat seine Vor- und Nachteile. Isolierungen per Stromkreis reagieren direkt auf eine elektrisch leitende Belegung, sind aber recht anfällig für Störungen, die dann auch nicht so einfach behoben werden können. Achszähler hingegen können nur auf eine Bewegung reagieren, die an ihnen vorbeiführt. Sind sie gestört, besteht die Möglichkeit, sie zurückzusetzen.

Wird also irgendwo auf der Strecke ein Schienenfahrzeug von der Strasse aus auf ein Gleis gesetzt, dann reagieren Isolierungen sofort, Achszähler hingegen nicht! Egal welcher GFM-Typ eingesetzt wird: alle bewirken letzten Endes, dass bei einer Belegung des Gleises die Hauptsignale, die eine Fahrt in das Gleis regeln, auf HALT stehen bleiben. Erst, wenn das Gleis wieder frei gemeldet wird, bekommt ein Folgezug FAHRT angezeigt.

Allerdings haben Isolierung und Achszähler ein gemeinsames Problem: "besondere Fahrzeuge" können sie nicht erkennen, denn diese haben entweder keine stromleitende Achse, sind zu leicht oder mit Rädern versehen, die nicht metallisch sind oder überhaupt nicht für den Schienenverkehr gedacht sind. Beim Baukran in Mühlheim war das gemäss den Bildern definitiv der Fall!

Meine Vermutung daher: Als der Zeitpunkt der Gleissperrung gemäss Sperrzirkular herangerückt war, wurde der Baukran ins Gleis gesetzt, ohne dass die vorher zwingend zu tätigende Anforderung einer Gleissperre und deren Zustimmung durch den ZVL erfolgt war. Dass man eventuell vermutete, der letzte Zug (RB 15640) sei schon durchgefahren, ist dafür keine Entschuldigung.

Mich würde mal interessieren, ob die deutschen Fahrdienstvorschriften ähnliche Vorschriften vorsehen.

14.April 2012

 

Ein Nachtrag in Sachen Botschaft

Wie geht das normalerweise vor sich, wenn man als Inländer einen neuen Reisepass beantragt?

Ausser, dass man heute ein biometrisches Foto braucht und nun auch die Fingerabdrücke der beiden Zeigefinger eingelesen werden, dürfte sich weiter nichts geändert haben. Man geht ganz einfach zum zuständigen Einwohnermeldeamt - oder der Einwohnerkontrolle, wie das in der Schweiz heisst - und legt dort alle benötigten Dokumente vor.

Aber wie sieht das nun aus, wenn man als Ausländer zur Botschaft muss? Sicherlich auch nicht viel anders, möchte man meinen.
Nun ja, den Weg zur deutschen Botschaft in Bern zu finden, ist nicht das Problem. Auch das richtige der drei Gebäude zu finden, in dem die Passstelle untergebracht ist, bereitet keine Schwierigkeiten, wenn man lesen kann. Und morgens kurz vor 8 Uhr ist das Tor verschlossen und keine Menschenseele da, ausser dem Putzpersonal und vielleicht doch noch einem anderen deutschen Landsmann, der auch einen Frühtermin ergattert hat.

Stutzig macht einen vielleicht ein Schild mit der sinngemässen Aufschrift, man werde einer Sicherheitskontrolle unterzogen, was im beiderseitigen Interesse sei, also sowohl des Besuchers als auch des Personals. Tatsächlich tauchte auch bald eine junge Frau auf, die nach aussen deutlich als Sicherheitsbeauftragte zu erkennen war.

Und jetzt wirds spannend. Denn inzwischen war die Zahl der Wartenden inklusive meiner Person schon auf 4 bzw. 5 gestiegen, jenachdem, ob ich das Neugeborene eines jungen Paares nun mitzähle oder nicht. Die Sicherheitsbeauftragte trat zu uns heran, jedoch noch getrennt durchs verschlossene Tor, in der Hand eine Liste und fragte jeden nach dem Namen um mit der Liste abzugleichen. Also ohne Termin kam da keiner rein.

Glück gehabt, alle Anwesenden hatten einen solchen.
Und nun kam ein bisschen Flughafenatmosphäre auf: vor dem Eingang wurde jeder gebeten, metallische Gegenstände aus den Hosentaschen zu nehmen. Es folgte ein kurzer kontrollierender Blick in mitgebrachte Taschen, Rücksäcke usw. - und dann eine kurze Abtastung mit einem tragbaren Metalldetektor. Aha, das war also die per Schild angekündigte Sicherheitskontrollte.

Hat man auch diese bestanden, erhält man eine Wartenummer und den Hinweis: "Bitte rechts den Weg lang und dann die Treppe runter." Folgt man diesem Weg, kommt man zunächst in einen Warteraum, der sich allerdings schon mal durch wesentlich mehr Sitzmöglichkeiten auszeichnet, als derjenige des Konsulats in Basel. Schätzungsweise 15 Leute finden sitzend Platz. Und noch während ich ein wenig das Interrieur begutachte, ertönt auf einmal ein durchdringener Summton aus der Ecke.

Aha! Wartenummer und Schalter wurden da angezeigt. Das Ehepaar mit Kind durfte als erstes eintreten. Und keine zwei Minuten später wird nun meine Nummer in optisch hinreichend ansprechender, in akustisch wiederum durchdringer Weise angezeigt in Verbindung mit Schalter 1. Ich begab mich durch eine milchgläserne Tür in den Schalterraum.

Sieh an: fünf Schalter gibt es also, und drei waren besetzt. Da ich der zweite war, würde es sicher gleich nochmal im Warteraum "BEEEEEP!" machen. Tatsächlich dauerte es auch nicht lange, und ein weiterer Herr trat an den noch verbliebenen besetzten Schalter. Wie ich mitbekomme, will er gleich zwei Pässe beantragen, da er viel unterwegs ist. Und ausserdem sei ihm gerade in New York sein gültiger Pass gestohlen worden. (Wie ich neulich gelesen habe, kann man sich tatsächlich bis zu zehn gleichzeitig gültige Pässe ausstellen lassen, wenn es dafür gute Gründe gibt.)

Bei mir gehts nun so weiter, dass ich alle meine mitgebrachten Dokumente ins Wechselfach am Schalter lege. Ich gehe es in schöner Reihenfolge gemäss Merkblatt durch; die junge Dame auf der anderen Seite des Schalters hat Sinn für Humor und lächelt, weil ich stets immer noch zu jedem einzelnen Dokument betone "MIT KOPIE" oder "OHNE KOPIE". Das mitgebrachte Familienbüchlein für die eingetragene Partnerschaft kriegte ich gleich wieder zurück. Dies sei nur wichtig bei einer Namensänderung, was bei mir jedoch nicht der Fall ist. Jedoch fragte sie nach der Abmeldebescheinigung meines letzten deutschen Wohnortes, worauf ich ihr antwortete: die brauche ich doch aber nur, wenn noch kein schweizer Wohnort im Pass eingetragen ist. Und das habe ich vor zwei Jahren durch die Botschaft erledigen lassen.

Ach, ja, jetzt sehe sie es auch: "Binningen / Schweiz".
Ich nehms auch mit Humor. Als nächstes wurden nun meine Fingerabdrücke genommen; also nicht von allen zehn Fingern sondern nur von beiden Zeigefingern. Ich musste beide Zeigefinger nebeneinander auf ein Einlesegerät halten. Dreimal piepte es, anscheinend wurden drei "Fotos" gemacht. Schliesslich bekam ich einen grossen Briefumschlag mit einem Stempel der Adresse der Botschaft und wurde gebeten, ich solle da nun meine Adresse draufschreiben. Das sei das Rückkouvert, in welchem der Pass mir dann zugestellt würde.
Ja, genauso wars auch vor zwei Jahren: ich durfte seinerzeit meinen Pass zusammen mit einem an mich addressierten Rückkouvert einschicken. Meinen inzwischen abgelaufenen Pass bekam ich nun wieder durchs Wechselfach zurück: "ungültig" steht da nun gross drin gestempelt. Ausserdem wurde von der Plastikkarte der untere Teil abgeschnitten.

"So, das macht dann 105 Franken."
Die setzen sich wie folgt zusammen: 59 Euro für den neuen Pass sind 71 Franken.
Weitere 21 Euro werden als Auslandszuschlag fällig, macht weitere 26 Franken.
Und schliesslich noch 8 Franken für die Zusendung des Passes.

Nach 20 bis 25 Minuten war der Vorgang also abgeschlossen.

Ich kann resümierend sagen: ich bin bei der deutschen Botschaft sehr freundlich bedient worden. Dass man da nur unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen und nach Anmeldung hinein kommt, nehme ich mal in Kauf.

UND: anscheinend bestehen doch etwas höhere Kapazitäten bei der deutschen Botschaft, als ich zunächst dachte. Wenn ich den Zeitraum meiner Anwesenheit mal als Durchschnitt nehme (einerseits ist morgens weniger los, andererseits werden sicher auch mal alle fünf Schalter geöffnet sein), erhöht sich die Kapazität der von mir berechneten 3000 Termine auf immerhin das Dreifache, also 9000.

Das ist jedoch immer noch viel zu wenig im Vergleich zu den Aufgaben, die der Botschaft ab voraussichtlich 2013 erwachsen werden.

24.März 2012

 

 

Eine Botschaft in Sachen Botschaft sowie Pass- und Ausweisangelegenheiten

Wenn man als Deutscher in der Schweiz lebt, erhält man einen sogenannten Ausländerausweis. Ich zum Beispiel besitze einen Ausweis mit C-Bewilligung, also eine Niederlassungsbewilligung. Ich darf also bis an mein Lebensende in der Schweiz wohnen.

Soweit so gut.

Doch leider hat dieses Dokument zwei Nachteile. Es ist nur ein Papierdokument mit eingeklebtem Foto über welches dann noch ein Siegel des Amts für Migration gestanzt wurde. Und ein solches kostet im Kanton Basel-Landschaft rund 70 Franken, wenn es neu erstellt werden muss. Und Papier nutzt sich schneller mal ab als ein Plastikkärtchen, vor allem die aufgedruckte Schrift kann bei beständig hoher Feuchtigkeit verwischen.
Deswegen habe ich es mir abgewöhnt, diesen Ausweis in der Hosentasche zu tragen, nachdem mein erster Ausweis dieser Art schon nach anderthalb Jahren unleserlich wurde.

UND: dieser Ausweis hat nur Gültigkeit in der Schweiz!
Sobald ich ins Ausland fahren will - und von Basel aus ist das nur ein Katzensprung - benötige ich ein Dokument, welches man auch in Deutschland oder Frankreich anerkennt. Für mich sind das der deutsche Personalausweis oder der deutsche Reisepass.

Das Unglaubliche dabei: Bürgern aus Nicht-EU/EFTA-Staaten wird hingegen ein Ausländerausweis im Kreditkartenformat aus Plastik erstellt, ähnlich dem schweizerischen Personalausweis. Das ist allerdings erst der Fall, seit die Schweiz dem Schengener Abkommen beigetreten ist. Seitdem müssen Ausländer aus Nicht-Schengen-Staaten einen Ausweis besitzen, der ihnen die Einreise in die Schengen-Länder ermöglicht, ohne ein Visum beantragen zu müssen.

Noch bis vor ein paar Jahren aber hatte man als Deutscher nach einigen Jahren Aufenthalt in der Schweiz ein kleines Problem: der Personalausweis verlor wie der Reisepass nach spätestens zehn Jahren seine Gültigkeit, wurde aber im Gegensatz zum Reisepass nicht mehr neu ausgestellt. Denn für die Ausstellung eines Personalausweises sind die deutschen Einwohnermeldeämter zuständig, und zwar jeweils nur für Bürger, die im jeweiligen Zuständigkeitsbereich mit Wohnsitz gemeldet sind.
Als Deutscher mit Wohnsitz in der Schweiz ist man das aber nicht mehr. Somit blieb einem nach spätestens zehn Jahren nur noch der Reisepass als anerkannter Ausweis beim Grenzübertritt. Und der Reisepass hat nun mal gegenüber dem Personalausweis den Nachteil, etwas sperriger zu sein, von den Ausstellkosten und dem Prozedere dazu mal ganz zu schweigen, aber dazu später mehr.

Das entsprechende Gesetz wurde jedoch geändert: seit 2008 - ich bin mir jetzt nicht ganz sicher wegen der Jahreszahl - können Deutsche mit Wohnsitz im Ausland bei jedem deutschen Einwohnermeldeamt einen Personalausweis beantragen. Bis sich dies aber erstmal bei allen Einwohnermeldeämtern herumgesprochen hatte, verging einige Zeit und so mancher Auslandsdeutsche musste den deutschen Behördern arg Beine oder aber die Faust im Sack machen und es bei einem anderen Amt versuchen, bis er endlich sein Dokument erhielt. Noch bis Ende 2012 dürfen Auslandsdeutsche nach dieser Praxis einen neuen Personalausweis beantragen.
Was danach geschieht? Darauf komme ich noch zurück.

Beim Reisepass hingegen siehts anders aus. Für dessen Ausstellung ist stets die zuständige Vertretung des Heimatlandes vor Ort zuständig, für mich als Deutschen in der Schweiz also die deutsche Botschaft in Bern. Und lange Zeit war es auch noch so, dass die drei Konsulate ebenfalls Passanträge in Auftrag nehmen durften. Damit war es dann aber ab 2005 schlagartig vorbei, als die sogenannte Visa-Affäre in den Medien bekannt wurde. In vielen deutschen Konsulaten aber auch Botschaften sei es aufgrund einer Vorgabe des deutschen Aussenministeriums zu einer sehr laschen Visa-Vergabe gekommen, oftmals seien sogar Bestechungsgelder geflossen. Von der Förderung des Menschenhandels war sogar die Rede.

Ab diesem Zeitpunkt durfte das deutsche Konsulat in Basel keine Passangelegenheiten mehr bearbeiten. Selbst meinen Wunsch, endlich den tatsächlichen Wohnort Binningen im Pass eintragen zu lassen, musste mir der damalige wie auch heutige Konsul Thomas Preiswerk ausschlagen. Ich müsse den Pass nach Bern zur Botschaft einsenden. Immerhin benötigte ich für diese Antwort nur etwa zehn Minuten Wartezeit bei zwei weiteren Wartenden vor mir.

Nun kommt bei mir zusammen, dass in diesem Jahr sowohl der Reisepass als auch der Personalausweis ablaufen. Ich kann von Glück sprechen, dass ich nun wieder die Wahl zwischen Personalausweis und Reisepass habe.
Die Stadt Weil am Rhein beispielsweise bietet die Möglichkeit, immer donnerstags nach vorheriger Terminabsprache, einen Personalausweis zu beantragen. In Lörrach oder Rheinfelden gehe es sogar ohne Terminabsprache, wurde mir beschieden.

Richtig kompliziert hingegen wird die Neuausstellung des Reisepasses.
Aus dem Visaskandal hat man anscheinend sehr übereifrige Lehren gezogen - jedenfalls mutet es schon sehr als Farce an, Erinnerungen an DDR-Zeiten werden wach.
Der Antrag auf den neuen Pass kann bereits zu Hause ausgedruckt und ausgefüllt werden.
Seine zwei Seiten müssen jedoch doppelseitig ausgedruckt werden. Auszufüllen ist die Vorderseite, die Rückseite ist für die Behörde.
Dann benötigt man ein aktuelles biometrisches Foto, den bisherigen Reisepass in Original und Kopie, den Ausländerausweis in Original und Kopie, eine Geburtsurkunde in Original und Kopie, einen Auszug aus dem Familienbuch in Original und Kopie - und falls der schweizerische Wohnort noch nicht im Pass eingetragen ist eine Abmeldebescheinigung des letzten Wohnortes in Deutschland, natürlich in Original und Kopie.

Und was kostet der Spass?
80 Euro kostet der neue Pass, und 102 Euro werden fällig bei 48 Seiten Umfang. Zum Vergleich: der reguläre Pass wird von deutschen Ämtern für 59 Euro abgegeben. Aber gut, das ist eben der Auslandszuschlag. Übrigens muss der Preis dann in Schweizer Franken bezahlt werden. Euro werden nicht genommen. Aber das ist eher Lapalie, die mich nicht im Geringsten stört.

Nun gibt es eine überraschende Nachricht: wer auf den Seiten der deutschen Botschaft schon mal die benötigten Informationen gefunden hat in Sachen Passantrag, steht nun vor der Wahl, ob er zur Botschaft in Bern fahren soll oder ob er sich bei einem der drei Konsulate melden soll. Denn Passanträge sind nun doch wieder möglich beim Konsulat. Keine Ahnung, wie lange das schon der Fall ist.

Allerdings gibts Unterschiede: bei der Botschaft in Bern muss man einen Termin vereinbaren. Das ist per Internet problemlos möglich, Termine werden stets als 30-Minuten-Zeitfenster vergeben, immer montags bis donnerstags von 8:15 Uhr bis 12:15 Uhr und von 13:15 Uhr bis 16:15 Uhr, freitags nur von 8:15 Uhr bis 12:15 Uhr. Das macht nach Adam Riese: 40 Vormittagstermine und 24 Nachmittagstermine pro Woche, also hochgerechnet ungefähr 250 Termin pro Monat oder 3000 im Jahr. Diese Zahl gelte es nun im Hinterkopf zu behalten

Wer zur Botschaft nach Bern fährt, weiss also, wann er dran ist, muss nur eben die Fahrt mit Kosten und Zeit in Kauf nehmen.
Wer sich hingegen nicht nach Bern begeben will sondern im Einzugsgebiet eines Konsulates wohnt und dieses in Anspruch nehmen will, für den ändern sich die Regeln.

Grundsätzlich kann man sich als Deutscher mit Wohnort in den Kantonen Basel-Stadt oder Basel- Landschaft ans zuständige deutsche Konsulat wenden, welches passenderweise in der Nähe des Badischen Bahnhofs zu finden ist. Hier muss man auch keinen Termin abmachen. Immer montags und donnerstags werden zwischen 15 und 19 Uhr Passanträge in Auftrag genommen. Nach 18 Uhr ist jedoch mit längeren Wartezeiten zu rechnen, heisst es auf den Infoseiten.

Und nicht zu vergessen: die Antragstellung bei einem Konsulat kostet zusätzliche 50 Franken.

Nach meinem Erfahrungen der letzten zwei Besuche vor Ort kann ich nur sagen: "Vergesst es und fahrt lieber nach Bern!"

Mein erster Besuch beim Konsulat an einem Donnerstag im Februar 2012 so gegen 16 Uhr konfrontierte mich mit einer Schlange von rund 20 wartenden Leuten. Und nachdem ich rund zwanzig Minuten gewartet hatte, waren zwar noch drei weitere Wartende hinzugekommen, aber erst einer abgefertigt worden. Und da so ziemlich alle geduldig warteten und eine kleine Mappe oder ähnliches in der Hand hielten - ein Zeichen für die Menge an Papier, die für einen Passantrag mitzubringen ist - verhiess das für die weitere Wartezeit nichts Gutes. Und im Warteraum war es unangenehm warm.

Also ging ich wieder und versuchte es am 13.März abermals, diesmal Punkt 15 Uhr, also zu Beginn der Öffnungszeit.
Die gleiche Idee hatten aber auch schon andere Leute. Wieviel genau, das konnte ich nicht sehen, die Schlange fing diesmal schon vor der Tür an. Eine Frau kam raus, setzte sich auf die Treppe und meinte nur, es sei da drin wie im Tigerkäfig.
Ich nahm mir vor, diesmal etwas geduldiger zu sein. Das war ich dann auch.
Aber nach 40 Minuten Wartezeit und nur drei Leuten, die wieder rauskamen und ihres Weges gingen - ob sie bedient wurden oder einfach nur bedient waren, war nicht ersichtlich - beschloss auch ich nun definitiv, dem Konsulat den Rücken zu kehren und mir stattdessen einen Termin in Bern zu besorgen.

Der Hinweis auf den Seiten der deutschen Vertretung in der Schweiz, dass beim Konsulat in Basel Passanträge möglich sind, muss also als Konjunktiv verstanden werden, was durch das Wörtchen "möglich" ja auch zum Ausdruck kommt. Der weitere Hinweis jedoch, dass nach 18 Uhr mit längeren Wartezeiten zu rechnen ist... *Einmal tief Luft holen*... Ja, ich erspar mir den Kommentar dazu.
Die 50 Franken für den zusätzlichen Service des Konsulats investiert man sinnvoller für eine Bahnfahrt nach Bern.

Damit bin ich aber noch nicht am Ende. Wie schon gesagt: es besteht die Möglichkeit, sich einen Personalausweis bei einem deutschen Einwohnermeldeamt ausstellen zu lassen. Wer keine Interkontinentalreise plant, benötigt auch keinen Reisepass. Aber: die Möglichkeit zur Ausstellung eines Personalausweises in Weil am Rhein, Lörrach oder Rheinfelden ist nur noch bis Ende 2012 gegeben.

Ab dem Jahre 2013 wechselt die zuständige Behörde.
Und ich will ja niemandem Angst machen, aber dreimal darf man raten, wo künftig auch die Personalausweise beantragt werden dürfen...
RICHTIG: bei der deutschen Botschaft und ihren Konsulaten.

Zum Abschluss noch eine kleine Berechnung in diesem Zusammenhang.
Gemäss schweizerischem Bundesamt für Statistik lebten per Ende 2010 263'300 deutsche Staatsbürger in der Schweiz - bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt dürften wohl nochmals etwa 15'000 hinzugekommen sein, wenn nicht noch mehr. Sicher haben nicht alle von ihnen die Absicht, auf ewig zu bleiben. Aber irgendwann einmal läuft die Gültigkeit deren Ausweise ab. Das heisst bei normalverteilter Gültigkeitsdauer, dass jährlich ein Zehntel aller Ausweise neu erstellt werden muss, egal wie lange man als Deutscher schon in der Schweiz ist oder noch zu verbleiben gedenkt; macht ungefähr 27'000 mögliche Ausweis- oder Passanträge pro Jahr.

Und einige Absätze weiter oben habe ich ja mal überschlagsweise berechnet, wieviele Anträge die deutsche Botschaft in Bern pro Jahr gegenwärtig maximal bearbeiten kann.
Na???
Richtig... 3000!

Aber ich bin mir sicher, dass die Deutschen schon einen genialen Plan in der Tasche haben, wie sie dieses Problem lösen werden.
Genial wäre ja die Idee, bilateral zu vereinbaren, dass auch EU/EFTA-Ausländer von der Schweiz künftig einen Schengen-tauglichen Ausländerausweis bekommen.

Ich für mich habe meine eigene Lösung: 2012 wird voraussichtlich das letzte Mal sein, dass ich die Ausstellung einen deutschen Pass in Auftrag geben werde. 2014 werde ich die Möglichkeit nutzen und das schweizerische Bürgerrecht beantragen.

 

16.März 2012

 

Weltwoche II
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Man merkt, ich bin ein eifriger Weltwoche-Leser, nicht erst seit gestern sondern seit mittlerweile zehn Jahren.Das heisst aber noch lange nicht, dass ich jede Ansicht der Weltwoche-Schreiberlinge teile. Ein Beispiel für einen Beitrag, den ich als eher lächerlich empfinde, ist "Zwei Papis oder zwei Mamis" von Beni Frenkel.

Er kritisiert die politische Arbeit der Homosexuellen aufgrund dessen, dass nun die Möglichkeit der Adoption von Kindern durch Schwule und Lesben ermöglicht werden soll. Frenkel eröffnet seinen Beitrag mit der Schilderung einer möglichen morgendlichen Szene einer Familie mit zwei Vätern:

*******
Karl steht in der Küche und bereitet das Frühstück vor. Der 43-jährige pfeift vergnügt eine Melodie und streicht vier Butterbrote. Gerade hat er mit seinem Lebenspartner Roli, 47, eine Dreiviertelstunde lang lebensbejahenden Morgensex gehabt. Und wenn die beiden Informatiker zur Sache gehen, geht das selten still über die Bühne. Die Wohnung zittert ob des Stöhnen und Jaulens, und die Nachbarin hämmert beim Höhepunkt häufig an dier ringhörige Wand. Die beiden Adoptivkinder von Karl und Roli sind mittlerweile auch wach geworden. Müde trotten Boris, 12, und Jolanka, 14, beide geboren in Weissrussland, ins Wohnzimmer und sehen, wie ihr Vater Roli den Po von Vater Karl tätschelt und ihm versonnen "Du kleiner Rammler" ins Öhrchen flüstert.
*******

Frenkel schreibt nun, dass solche Szenen sicher nicht im Sinne des Bundesrats waren, als eine Motion des Ständerats in Teilen für gutgeheissen wurde, durch welche homosexuellen Paaren in der Schweiz generell des Recht auf Adoptivkinder zugesprochen werden soll. Der Bundesrat stimme dem Vorschlag allerdings nur im Falle einer bereits bestehden Adoption zu. Für ein gemeinsames Sorgerecht für homosexuelle Paare würde also nur dann die bewilligung erteilt, wenn der eine Partner bereits die Aufsicht für ein Kind inne hat.

Frenkel quittiert diese Worte mit der Meinung: "Glücklich, wer einen Doktor in Logik hat und diesen Entscheid versteht!" - bevor er sich dann weiter über vermeintliches Kindswohl auslässt und schliesslich meint, die Mehrheit der Kinder solcher Familien würde sich spätestens in der Pubertät für ihre Eltern schämen müssen und wünschen, die Politiker von heute hätten es nie soweit kommen lassen. Für Kinderfreunde gebe es ja ausserdem Alternativen wie Unicef, World Vision, SOS-Kinderdorf oder der Kauf von Pro-Juventute-Briefmarken.

Ich muss mich fragen: sind diese Worte wirklich ernst gemeint? Anscheinend schon.

Mein Eindruck ist eher dieser:
Entweder hat Herr Frenkel schon lange keinen richtigen Sex mehr haben dürfen, jedenfalls nicht so, wie er es gern wollte. Die Schwulen dagegen können ja rumficken, was das Zeug hält und werden nicht mal schwanger, höchstens HIV positiv.
Oder aber
er musste die Konsequenzen aus solchen Erlebnissen nicht nur ziehen sondern auch schieben - oder gar Alimente zahlen. Da bietet sich ein sehr einfältiger Rundumschlag gegen die Homosexuellen doch geradezu an.
Als eingetragene Partner sind die ja den Eheleuten praktisch gleichgestellt. Wozu sollen die noch Kinder wollen?

Nur denken scheint nicht Frenkels Stärke zu sein.
Es gibt vor allem lesbische Paare, in denen eine Frau ein eigenes Kind in die Beziehung mitbrachte. Die Partnerin kann dann höchstens als Gotte (schweizerdeutsch: Patentante) auftreten, darf aber kein Erziehungsrecht wahrnehmen. Was dann passiert, wenn die leibliche Mutter durch einen Schicksalsschlag nicht mehr für ihr Kind sorgen darf, die andere aber keine Rechte wahrnehmen kann, das kann sich jeder leicht ausmalen. Nur daran denkt Herr Frenkel nicht.

Und unsauber recherchiert er übrigens auch noch. Er schreibt, die Homosexuellen hätten "massive politischer Lobbyarbeit geleistet, die 2007 in der gewonnenen Abstimmung über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare gipfelte."

Fakt ist: das Partnerschaftsgesetz der Schweiz trat per 1.Januar 2007 inkraft. Die Volksabstimmung über dieses Gesetz aber wurde bereits am 5.Juni 2005 abgehalten - und gewonnen.

Ich selber bin übrigens nicht für die bedingungslose Adoption fremder Kinder in homosexuellen Partnerschaften. Aber ich finde es eine sehr vernünftige Entscheidung, wenn auch die Erziehungsrechte für ein in die Partnerschaft mitgebrachtes Kind dem anderen Partner zugestanden werden.

(4.März 2012)

 

 

Weltwoche I
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Die Weltwoche titelt, die Romands seien die Griechen der Schweiz.

Und was passiert?

Unter anderem auf BaZ-Online/Newsnet wird im Politblog darüber berichtet, wie nun das Titelbild der Weltwoche von anderen persifliert wird, unter anderem von Antonio Hodgers, Nationalratsmitglied für die Grünen aus dem Kanton Genf.

Zu sehen war auf dem Titelbild ein Büroarbeitsplatz mit sich türmenden Ordnern (als Sinnbild für aufgelaufene Arbeit) und einem hinter dem Schreibtisch sitzender, die Beine auf den Tisch legender, unrasierter und zerknautscht wirkender (Sinnbild für niedrige Arbeitsmoral) aber nicht ganz unattraktiver verhältnismässig junger Mann (Sinnbild für den Latinlover), der zudem noch mit einem Weinglas dem Leser zuprostet (Sinnbild für Lebensfreude).

Und darunter heisst es: "Die Griechen der Schweiz - Warum die Romans weniger arbeiten und höhere Renten beziehen"

Soll das nun wirklich ein Aufregerthema sein?

Auf den ersten Blick ja schon, wenn man nur die Schlagzeile liest.

Der Beitrag ist an sich recht solide gemacht, stützt sich auf diverse Studien, Statistiken etc. der letzten Jahre und Jahrzehnte, in denen Umfragen oder wirtschaftliche Daten über die 26 Kantone ausgewertet wurden.

So liegt die Arbeitslosenquote in den welschen Kantonen stets höher als in der restlichen Schweiz. In den Kantonen Jura und Neuenburg werden statt 400 sogar 520 Taggelder für Arbeitslose bezahlt.

Und die Universitäten Zürich und Lausanne fanden in einer Studie heraus, dass entlang des Röstgrabens - also von Biel/Bienne über Freiburg/Friburg bis nach Sion/Sitten bei gleichen politischen Bedingungen für Arbeitsmarkt und Sozialwesen der Wille, eine Arbeit zu finden, bei den Welschen deutlich schwächer ausgeprägt war. Die Welschen sind auf Arbeit schneller gestresst, nehmen auch viel häufiger Medikamente gegen den Stress zu sich, trinken auch häufiger mal Alkoholisches auf Arbeit.

Noch eindrücklicher sind die Wirtschaftszahlen: bezogen auf die Verschuldung in Bezug auf die Staatseinnahmen steht Genf an trauriger Spitze. Die Verschuldung des Heimat-Kantons vieler internationaler Organisationen beträgt 162% der jährlichen Steuereinnahmen. Neuenburg folgt auf Platz 2 mit "nur" 81%.

Hingewiesen wird auf die Negativschlagzeilen der letzten Wochen aus Genf, wo Regierungsrat Mark Muller nach diversen Affären nun zurücktreten musste, aber auch auf die Alkohol-Eskapaden einer Valerie Garbani, die als Neuenburger Stadträtin 2009 den Posten aufgeben musste, weil sie in angenüchtertem Zustand Polizisten angegriffen hatte - und das, obwohl sie Polizeivorsteherin in Neuenburg war. Und auch der Tessiner Ständerat Filippo Lombardi findet Erwähnung, weil er schon mehrmals betrunken am Steuer erwischt wurde.

Auch die Pensionskassen der westschweizer Kantone sind arg unterkapitalisiert: Genf mit nur 59,4% und Neuenburg mit 60,9% wiederum die traurigen Schlusslichter.

Und Genf hat die höchste Quote an Sozialhilfeempfängern: 13,8% im Vergleich zum schweizer Durchschnitt mit 5%.

Es folgen noch diverse andere Beispiele, auf die ich hier nicht weiter eingehen will.
Erwähnt wird aber auch, dass durch den interkantonalen Finanzausgleich die welschen Kantone nicht bloss profitieren sondern die Waadt mit 29 Millionen Franken und der Kanton Genf mit sogar 246 Millionen Franken Nettozahler sind.

Jedoch hat der Beitrag auch ein paar handwerkliche Fehler. Nicht aufgrund der hohen Arbeitslosenzahl sondern wegen der hohen Arbeitslosenquote liegen die Taggelder in den Kantonen Jura und Neuenburg höher, abgesegnet vom Bundesrat.

Auch, dass die meisten Kantone der Deutschschweiz im Rating der Zürcher Kantonalbank ein AAA mit Leichtigkeit erreichen, wie geschrieben wird, stimmt nicht: Es sind gemäss Grafik nur Zürich, Schaffhausen, Sankt Gallen, Zug, Schwyz, Nidwalden und der Aargau.

Ja, und?

Ist das ganze nun wirklich so beleidigend oder ehrenrührig?

Die nackten Zahlen sprechen nun mal für sich.
Über die Verfehlungen gewisser Politiker kann man geteilter Meinung sein, denn auch diesseits des Röstigrabens dürfte sich so manches verirrte weisse(!!!) Schaf finden.

Jedenfalls ist Antonio Hodgers Sujet-Persiflage - er lässt sich in der oben beschriebenen Pose ablichten - noch als Sinn für Humor einzustufen. Sein ebenfalls im Nationalrat einsitzender (ebenfalls) Genfer Kollege Christian Lüscher, der allerdings das FDP-Parteibuch besitzt, leistet sich eine Peinlichkeit als wolle er dem Beitrag noch das Klischee der Oberflächlichkeit hinzufügen, indem er schreibt:

"Die ‹Weltwoche› vergisst, dass Genf zu den acht Kantonen gehört (die Waadt inbegriffen), die hunderte von Millionen Franken in den interkantonalen Finanzausgleich einbezahlt".

Ja, hätte er den Beitrag gelesen... oder besser: hätte er lieber ganz geschwiegen und sich stattdessen anderen Themen, für die er bezahlt wird, mit mehr Hingabe gewidmet.

(4.März 2012)

 

Der Schweizer Bundesrat
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Am 14.Dezember 2011 war es einmal wieder soweit. Der gesamterneuerte Nationalrat wie auch der ebenfalls gesamterneuerte Ständerat traten in der Bundesstadt Bern zur Bundesversammlung zusammen. Es stand die Gesamterneuerungswahl des Bundesrates an. Wegen all der Taktierereien im Vorfeld in Bezug auf Fraktionsstärken und Fraktionseinigkeit aber auch möglichen Angriffen auf bestehende Bundesräte durch sogenannte Sprengkandidaten trägt die Nacht vor einer solchen Wahl den nicht gerade schönen Namen "Nacht der langen Messer".

Wie so oft wurde auch bei dieser Gesamterneuerungswahl schon lange im Vorfeld gesagt und geschrieben, wer mit Sicherheit Bundesrat bleibt und wer nicht. Denn die sogenannte Zauberformel "2+2+2+1" als quasigeheiligte Grundlage der Konkordanzdemokratie sollte wiederhergestellt werden, zumindestens soweit, dass die stärkste Partei der Schweiz - die SVP - nun wieder zwei Vertreter im Bundesrat haben sollte.

Das Problem war nur, dass man einerseits gar nicht so recht wusste, welche Partei dafür einen Bundesratssitz abgeben sollte. Der durch den Rücktritt der Sozialdemokratin Micheline Calmy-Rey freigewordene Sitz sollte auch wieder der SP zukommen, gemäß Konkordanzvorgabe. Sicher galt lange Zeit, dass Evelin Widmer-Schlumpf von der BDP abgewählt werden würde, da ihre Partei mit gerade mal 5% Wahlergenis keinen Anspruch auf Vertretung im Bundesrat hat; doch hat sie sich in vier Jahren Amtszeit eine große Popularität erworben, so dass ihre Abwahl eigentlich nur noch von der SVP angestrebt wurde - für die sie heiklerweise vor vier Jahren sogar in den Bundesrat gewähl wurde, als Sprengkanddatin gegen Christoph Blocher. Die Annahme der Wahl vor vier Jahren führte schließlich zur Abspaltung zweier kantonaler SVP-Sektionen und zur Neugründung der BDP und dem daraus folgenden Kuriosum, dass eine so kleine Partei einen Bundesratssitz innehat.

Bestanden hätte auch noch die Möglichkeit, Johann Schneider-Ammann abzuwählen. Dieser war erst im November 2010 ins Amt gewählt worden und seither recht farblos geblieben, obwohl er als Wirtschftsminister durchaus hätte Akzente setzen können, zumal er aus Unternehmerkreisen kommt. Die gleichzeitig mit ihm gewählte Simonetta Sommaruga hingegen, die als Nichtjuristin das Justiz- und Polizeidepartment übernehmen musste, hat die Bewährungsprobe in diesem Zeitraum bereits bestanden. Ein Angriff auf Schneider-Ammanns Bundesratssitz aber wäre einem Angriff unter Verbündeten gleichgekommen. Hat doch die FDP sich vehement dafür ausgesprochen, dass die SVP wieder zwei Bundesräte stellen soll.

Nicht zuletzt auch das eher mäßige Wahlergebnis der SVP hat wohl die meisten Parlamentarier dazu bewogen, dass die SVP auch weiterhin nur einen Sitz im Bundesrat behalten soll, Konkordanz hin oder her.

Somit ist der neue Bundesrat letzten Endes fast der gleiche wie der alte. Abgewählt wurde niemand, im Gegenteil, alle Bisherigen wurden sogar schon im ersten Wahlgang mit der nötigen absoluten Mehrheit aller Stimmen wiedergewählt. Einzig bei der Nahfolge von Micheline Calmy-Rey waren zwei Wahlgänge nötig. Hier setzte sich dann der Freiburger Sozialdemokrat Alain Berset durch, der als gemäßigter und solider Politiker gilt.

Bleibt noch zu erwähnen, dass der Gesamtbundesrat derzeit ein sehr niedriges durchschnittliches Amtsalter hat. Per 1.Januar 2012 mit dem Amtsantritt von Alain Berset wird das durchschnittliche Amtsalter der sieben Bundesräte bei 2,42 Jahren liegen, also 2 Jahren, 5 Monaten und 1 Tag. Einen niedrigeren Wert gab es letztmals am 2.Februar 1989, als Kaspar Villiger die Nachfolge der zurückgetretenen Elisabeth Kopp antrat: 2,38 Jahre, also 2 Jahre, 4 Monate und 17 Tage.
Und mal abgesehen vom Gründungsjahr des modernen Bundesstaates Schweiz lag der überhaupt niedrigste Wert des durchschnittlichen Amtsalters für den Gesamtbundesrat bei 1,90 am 1.Januar 1988. Adolf Ogi und René Felber traten damals ihren Dienst an; die Amtskollegen Arnold Koller und Flavio Cotti waren zu diesem Zeitpunkt auch gerade erst ein Jahr im Amt, Elisabeth Kopp seit drei Jahren, Jean-Pascal Delamuraz seit vier Jahren und Otto Stich als Amtsältester seit fünf Jahren.

Von letzterem sind jetzt ürigens die Memoiren herausgekommen unter dem Titel "Ich blieb einfach einfach" - was seine damaligen politischen Gegner sowohl bestätigen als auch verneinen können, denn sie haben sich an diesem Mann mitunter die Zähne ausgebissen. Bleibt noch zu erwähnen, dass der 1995 zurückgetrene Otto Stich der bislang letzte Bundesrat war, der aus der Nordwestschweiz kam.

 

15.Dezember 2011

 

Mysterium "COOP-Depositenkasse"
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Kunden der COOP-Depositenkasse erhielten dieser Tage ein Schreiben, in welchem auf Änderungen im Regelement hingewiesen wird, welche ab dem 1.Januar 2012 in Kraft treten. Die davon mit Abstand wohl wichtigste lautet, dass Geldeingänge aufs Depositenkonto ab dem 1.Januar 2012 für sechs Monate gesperrt bleiben. Über jenen Betrag, der per 31.Dezember 2011 auf dem Konto ist, kann aber weiterhin täglich bis zur Grenze von 20'000 Franken pro Kalendermonat verfügt werden, darüber hinaus mit drei Monaten Kündigungsfrist.

Für die meisten Kunden heißt dies: was bis Ende des Jahres 2011 eingezahlt wurde, kann auch 2012 täglich abgehoben werden. Wird nun aber eine Einzahlung am 3.Januar 2012 in Höhe von beispielsweise 2'000 Franken getätigt, dann bleiben diese 2'000 Franken bis zum 3.Juli 2012 gesperrt.

Mit den derzeitigen Turbulenzen an den Finanzmärkten hat das Ganze nichts zu tun. Wenn überhaupt, dann handelt es sich eher um eine recht späte und indirekte Konsequenz aus den Turbulenzen auf den Finanzmärkten vom Herbst 2008. Es sei an die Diskussionen über die faktische Staatsgarantie für Großbanken ("Too big to fail") erinnert.

Nun ist die COOP-Depositenkasse keinesfalls systemrelevant und erst recht keine Bank - auch wenn sie ein wenig so daherkommt. Immerhin 1,265 Milliarden Franken waren per Ende 2010 auf einem COOP-Depositenkonto gelagert, und das zu einem Zinssatz, der den Rest der Bankenwelt ziemlich geizig dastehen lässt. Gut möglich, dass genau deshalb auch die Bankenwelt kräftig beim Bundesrat lobbyiert hat.

Der Bundesrat wiederum hat eine Einrichtung wie die COOP-Depositenkasse überhaupt erst durch eine Ausnahmeregelung in der Bankenverordnung ermöglicht mit dem Zweck, dass Gelder gezielt einem Unternehmen zufließen sollen und dort auch unternehmensintern investiert werden sollen. Der entsprechende Passus findet sich im Artikel 3a Absatz 4 Buchstabe d der Bankenverordnung. Und dieser wurde bereits im Oktober 2009 mit Wirkung auf den 1.Januar 2010 um entscheidende acht Worte verlängert.

Er lautet nun:
"Keine Publikumseinlagen sind Einlagen von [...] Einlegern bei Vereinen, Stiftungen oder Genossenschaften, sofern sie nicht im Finanzbereich tätig sind, einen ideellen Zweck oder die gemeinsame Selbsthilfe verfolgen, die Einlagen ausschliesslich dafür verwenden und die Laufzeit der Einlagen mindestens sechs Monate beträgt."

Mit einfachen Worten: Kundengelder bei Instituten, die unter jene Sonderregelung fallen, müssen künftig mindestens sechs Monate auf dem Konto liegen, damit sie nicht als Publikumseinlage gewertet werden. Publikumseinlagen dürfen laut Bankengesetz Artikel 1 Absatz 2 nur von Einrichtungen mit einer Banklizenz der FINMA entgegengenommen werden. Tatsächlich aber wird noch im gleichen Absatz dem Bundesrat ermöglicht, in einer Verordnung zum Bankengesetz gewisse Ausnahmen zu ermöglichen.

Genau von einer solchen Ausnahmeregelung hat die COOP-Depositenkasse bisher profitiert, eben jenem Artikel 3a Absatz 4 Buchstabe d in der alten Fassung. In diesem aber war von einer sechsmonatigen Laufzeit noch nicht die Rede. Begründet wurde diese Änderung schließlich damit, dass der beabsichtigte ideelle Zweck oder die gemeinsame Selbsthilfe wieder stärker in den Vordergrund treten sollen. Zuletzt habe man mit den sehr vorteilhaften Zinsen vor allem nur Neukunden gewinnen wollen. Wer sein Geld von einem Tag auf den anderen wieder abheben kann, handle in diesem Sinne nicht nachhaltig sondern spekulativ. Also wurde eine Sperrfrist von 6 Monaten beschlossen.

Bleibt noch eine Frage: wenn diese Verordnung nun schon seit Januar 2010 in Kraft ist, wieso reagiert die Depositenkasse erst jetzt? Die Antwort findet sich im Artikel 62b der Bankenverordnung, der Teil der Gesetzesänderung ist; denn der Bundesrat hat den betroffenen Vereinen, Genossenschaften und Stiftungen eine zweijährige Übergangsfrist eingeräumt, die nunmehr als Publikumseinlagen anzusehenden Gelder zurückzuzahlen.

COOP interpretiert dies sehr liberal: Guthaben per 31.Dezember 2011 bleiben auch danach täglich verfügbar.
Strenggenommen aber hätte COOP anders handeln müssen: bereis per 1.Juli 2011 hätten die Kunden informiert werden müssen, dass ab diesem Datum eingehende Gelder bis spätestens Ende des Jahres frei verfügbar bleiben, ab dem 1.Januar 2012 jedoch vom Tag ihres Eingangs an rückwirkend einer sechsmonatigen Sperre unterliegen.

Dies hätte jedoch zu noch mehr Rückfragen Verunsicherter geführt. Vor allem hätte wohl so mancher Kunde folgende Situation als paradox empfunden: 2000 Franken, beispielsweise am 20.Oktober 2011 einbezahlt, hätten bis 31.Dezember 2011 täglich abgehoben werden können; ab dem 1.Januar 2012 aber wären sie plötzlich gesperrt und erst per 20.April 2012 wieder verfügbar gewesen. Insofern hat COOP mit der liberalen Interpretation seinen Kunden noch eine zusätzliche Übergangsfrist von weiteren sechs Monaten eingeräumt, die laut Verordnung an sich unzulässig wäre. Aber versuche mal einer, einem verunsicherten und erregten Otto Normalbürger eben jenes im vorangegangenen Absatz dargestellte Problem mit wenigen Worten befriedigend zu erklären. Insofern sehe ich die von COOP gefundene, sehr kundenfreundliche Lösung als den besten Kompromiss an.

29.November 2011

P.S.: Und wer jetzt als Nichtschweizer nur Bahnhof verstanden hat, findet hier eine detailliertere Erklärung. :-)

 

Geographie-Tag
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Nachdem wir nun also gestern erstmal ausführlich planen durften, in welcher Art und Weise wir nun das Streckennetz kennenlernen wollen, kam nun heute der Tag der Wahrheit.

Als erstes begutachteten wir zwischen 8:15 Uhr und 8:40 Uhr den Zustand des Bahnhofs Basel SBB in puncto Ordnung und Sauberkeit an diversen Orten. Man muss sagen: dafür, dass von Betriebsbeginn bis zum aktuellen Zeitpunkt schon enorme Menschenmassen den Bahnhof passiert haben müssen, sah es sehr sauber aus. Naja, die Kaugummireste am Boden lassen sich halt nur einmal pro Schaltjahr mit einem Spezialgerät entfernen.

Auch die sanitären Anlagen wurden begutachtet. Die sind in Basel an McClean ausgelagert und die Preise sind happig. Kein Wunder dass dieser Bereich 1A aussieht.

Unsere erste Fahrt ging von Basel nach Brugg. Dort endet tatsächlich auch der Fernsteuerbereich auf der Bözberglinie in Richtung Zürich. Allerdings mussten wir dort zum Zentrallager, Sicherheitsschuhe holen, die wir für eine in den nächsten Wochen noch anstehende Gleisbegehung unbedingt benötigen. Da wir nun niht genau wussten, ob schon eine Bestellung erfolgt war und wir auch keine Kostenstellennummer im Kopf hatten, fürchteten wir erstmal, mit leeren Händen wieder gehen zu müssen. Aber siehe da: die Personalnummer reichte aus und der Herr, der uns da bediente, war auch ein ganz lässiger Typ.

Daraufhin wurde dann der Bahnhof Brugg ausgiebig inspiziert. Als Bahnhof einer Agglomeration mit eventuell 50'000 Einwohnern kommt ihm natürlich nicht die gleiche Bedeutung zu wie dem von Basel. Aber Sprichwörter wie "Klein aber fein" oder "Klein aber oho" haben ja irgendwoher ihre Gültigkeit und werden auch gern auf die Schweiz bezogen. Also Brugg ist wirkt im Unterführungsbereich ein wenig trist, auch wenn da sicher schon so manches getan wurde. Sehr negativ fielen die sanitären Anlagen auf, wobei "auffallen" das falsche Wort ist: beim Betreten des Herren-WCs stieg ein arg penetranter Geruch in die Nase. Das ist der Preis, den man bezahlt, wenn man sonst nichts für die Nutzung zahlen muss. Und das bläuliche Licht, was in sehr hoher Frequenz zu flackern scheint, wirkt auch nicht gerade angenehm. Fabio meinte, das mache man wegen der Junkies, damit sie im blauen Licht keine Vene finden können. AHA! Der Bahnhofsvorplatz glänzte durch Bauarbeiten. OK, es passiert also was. Jedoch standen hier und da und dort einige Materialien etwas ungesichert herum. Nein, dass etwas geklaut werden könnte, bezweifelten wir nicht. Aber dass eine Palette aufrecht stehend abgestellt wird, ist sicherheitstechnisch ein Unding. Das Bahnhofsgebäude im Inneren wirkte auf jeden Fall sehr sauber, kein Grund zur Reklamation. Dann gings weiter mit Pünktlichkeitsstudien: wie pünktlich fahren über einen Zeitraum von 30 Minuten die Züge ein und aus. Die Verspätungen, wenn man es so nennen will, betrugen maximal zwei Minuten, betroffen waren etwa ein Viertel der Züge. Nach SBB-Kriterien ist das eine Pünktlichkeit von 100%. Auch Kundeninterviews sollten wir führen. Gar nicht so einfach, nicht jeder mag gern angesprochen und befragt werden. Eine ältere Dame meinte etwa in Bezug auf Informationen zu Zügen, dass sie vor allem wegen ihrer Augen die Bildschirme in erster Linie nutzt; die Lautsprecherdurchsagen beachte sie auch, wenn es denn mal welche gibt. Tatsache: S-Bahnen werden gar nicht mehr angesagt sondern nur noch Fernverkehrszüge. Ein anderer jüngerer Herr meinte, dass in den aufgezählten Informationsqeullen der Online-Fahrplan fehle, den er vor allem nutze. STIMMT! Ob man uns mit dem Fehlen dieses Punktes testen wollte? Zur Rückfahrt nach Basel wollten wir nun eine Führerstandsmitfahrt machen; diese ist ja normalerweise nicht gestattet. Es braucht eine blaue Karte, um die Berechtigung zu signalisieren. Die Lokführer wissen dann sofort bescheid. Dummerweise standen wir bei der Einfahrt des Zuges am falschen Ende. Also gings regulär nach Basel zurück. Nach einer halben Stunde Mittagspause gings weiter mit Analysen im Bahnhof Basel zu Pünktlichkeiten und Informationen sowie der Suche nach aufgeführten Schildern, bei denen wir aufschreiben sollten, wo diese zu finden sind. Bei einem wurden wir einfach gar nicht fündig: "HALT! Überschreiten der Gleise erst nach Einfahrt des Zuges gestattet." Da konnten wir uns keinen Reim drauf machen. Wir fragten eine Zugbegleiterin, die kannte dieses Schild jedoch auch nicht, meinte, das könne eher nur im Straßenbahnbereich der Fall sein, da das Überschreiten der Gleise normalerweise gar nicht erlaubt ist. Ein Lokführer war zunächst auch ratlos, kam aber nach zwei Minuten zu uns gelaufen und meinte, das könne an Bahnhöfen zu finden sein, die keine Unterführungen haben, was sehr selten geworden ist. Wenn Leute zu einem Zug auf einem Gleis wollen, zu welchem man gar nicht anders kann als über ein anderes Gleis zu laufen. Da müsse dann abgewartet werden, bis eventuell einfahrende Züge auf diesem Zwischengleis angehalten haben. Wie wir später noch erfahren sollten, nennt man diese recht gefährliche Situation in der Bahnfachsprache, dass zwei Züge sich so in einem Bahnhof ohne Unterführung kreuzen, "Hackfleischkreuzung". Ja, dieser zynische Ausdruck rührt genau daher, weil im Falle eines Unfalls dann von einem Unfallopfer nichts anderes übrig bleibt. Nachdem auch dies geklärt war, nahmen wir die Strecke nach Sissache in Angriff. Wir hatten dazu eine S-Bahn auserwählt. Mit dieser durften wir dann auch im Führerstand mitfahren.

 

Erster Tag im OBZ
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Es gibt viele Abkürzungen, vor allem bei den SBB. Was hat es mit dem Kürzel OBZ auf sich?
"OB" bietet ja laut Werbung Sicherheit an kritischen Tagen; die "BZ" wird im Allgemeinen mit einem Medium gleichgesetzt, dass aus dem Druck kommt.
Nee, so wird das nichts...

Also: OBZ steht für operatives Betriebszentrum - am Eingang steht allerdings "Zentrales Stellwerk", damit kann man schon eher was anfangen. Und von hier aus wird seit nunmehr zehn Jahren der gesamte Bahnverkehr der SBB in der Nordwestschweiz gesteuert. Das sind die Strekenabschnitte von Laufen nach Basel, von Tecknau bis Basel und von Laufenburg und Brugg bis Basel.

Der erste Tag stand erstmal ganz im Zeichen des Kennenlernens und Herumführens.
Dicke Wände zeichnen das Gebäude aus, allesamt in Rotbraun gehalten. Ein ähnliches Gebäude Herzog-de-Meuronscher Gedankenwelt findet sich ja in der Nähe des St.Johanns-Tores in Basel. Das Architektenduo soll dort glaub ich seinen Sitz haben. Äußerst bemerkenswert: in einem Stockwerk hängt eine grosse Flagge des Kantons Bern mit diversen Autogrammen drauf. Ich muss mal fragen, was es damit auf sich hat.
Es ist ürigens gar nicht so düster im Gebäude, wie man aufgrund der mit Metalllamellen bestücken Fassade annehmen könnte. Aporpos: Kennst du ein Wort, in welchem man eine Kombination aus Doppel-L und Dreifach-L findet? METALLLAMELLE!

Das Herzstück der Steuerung findet sich im dritten Geschoss; und in der Steuerzentrale saßen auffallend viele Leute. Ja, es sind derzeit mehrere da, die eine Ausbildung machen, wurde uns gesagt. Und wir kommen nun ab Ende November auch noch dazu.
Das war dann auch der Grund, warum auch der Pausenraum recht gut besetzt war, als wir ihn erstmals inspizierten.

Innerlich lachen musste ich, als ich den Kühlschrank für die Getränke sah: "Vorsicht beim Öffnen, klemmt! Und drauf Achten, dass er wieder richtig schließt!" - Hersteller: INDESIT. Nun ja, der läuft wohl nur noch auf Verschleiß :-)

Den auf Gastrobetrieb ausgelegten Kaffeevollautomaten aus dem Hause SCHAERER sollte man vielleicht mal bei Gelegenheit etwas in den Einstellungen optimieren. Ich habe bisher nur einen normalen Kaffee probiert... Schlagartig war mir klar, warum da im Büro des Schichtleiters und der Einteilungsplanerin eine Nespressomaschine stand ;-)
Ich setze meine Hoffnungen nun auf die Espresso-Taste bzw. die Kaffee-Extra-Taste. Vielleicht ist da ne bessere Einstellung drauf.

Die Kollegen jedenfalls erinnern mich teilweise an meine Media-Markt-Kollegen, allesamt mit Sinn für Humor ausgestattet. Und man ist per Du, selbst gegenüber den Chefs.

Worin bestand nun der heutige Geographie-Tag? Wir sollten für den kommenden Tag eine Reise planen um das Streckennetz unseres Fernsteuerbereiches kennenzulernen. Zusätzlich sollten am Zentrallager in Brugg Sicherheitsschuhe abholen, die wir für ein paar Gleisrundgänge benötigen. Kommt hinzu, dass wir an mehreren Bahnhöfen Pünktlichkeitsstudien machen sollten und zudem noch Informationsangaben auf ihre Art und Weise, Vollständigkeit, Verständlichkeit etc. prüfen sollten. Das ganze noch gespickt mit ein paar Kundenbefragungen in Bezug auf Sicherheits, Pünktlichkeit, Sauberkeit und Informationsfluss.

Zu guter Letzt sollte noch erwähnt werden: meine beiden Ausildungskollegen und ich hatten heute unseren ersten Tag eim OBZ, ein anderer älterer Herr dort seinen letzten, nach 45 Jahren. Eigentlich wäre der 1.Februar 2012.der Stichtag bei ihm, aber angesammelte Ferienzeiten und Überstunden hätten das vorzeitige Ende auf Novemer 2011 verlegt. Immerhin: 45 Jahre! So lange gibts noch nicht mal Media Markt in Deutschland ;-)

Also ich kann nur sagen: ich freue mich auf die künftige Zusammenarbeit.

P.S.: Ich weiss nun bis Jahresende, wie ich arbeiten muss. Bei Media Markt wusste an so manchem Samstag nicht, wie der Plan für kommende Woche sein soll.

 

8.11.2011

 

Lauter neue angenehme Leute
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Dank einer Einladung ins deutsche Kandern lernen Hugo und ich gleich mehrere neue Leute kennen, die allesamt auch noch einen ganz lieben Eindruck machen. Nein, es hat ausnahmsweise mal nicht mit meiner neuen Tätigkeit bei den SBB zu tun.

Tja, und da der obligatorische Spaßvogel in der 10er Runde nicht fehlte, war für allgemeinde Erheiterung den ganzen Nachmittags lang gesorgt. Nein, ich bin damit nicht gemein gewesen. Und diesmal waren die Deutschen in der Überzahl, auch wenn vor dem Haus nur Autos mit schweizer Kennzeichen standen :-)

Bemerkenswert: ein Paar, wo beide den gleichen Namen tragen, nämlich Martin. Ob das innerhalb der Beziehung problematisch sein könnte? Hm, ich glaube nicht, solange es der eigene Partner ist, der "Maaaartin" ruft. Allerdings ist einer von diesen beiden der Spaßvogel gewesen; man konnte ihm perfekt die Wortbälle zuspielen, er passierte sie elegant zurück, und umgekehrt.

Und das tolle Essen noch dazu in Form von Salat und diversen Kuchen... Mann-oh-Mann, bis jetzt hat der November mich für die Umtriebe der letzten Monate voll entschädigt :-)

 

06.November 2011

 

5.November 2011
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Der heutige Tag ist ein Samstag, und mal ein freier Tag. Das gab es für mich als bis vor kurzem noch im Verkauf Arbeitender eher selten. Nicht zu vergessen, dass am Sonntag, den 30.Oktober, verkaufsoffen war. Was ich davon halte, habe ich an dieser Stelle bereits vor einem Jahr recht ausführlich dargestellt, siehe weiter unten.

Und erfreulich war dieser Tag für mich auch noch aus einem anderen Grund: endlich halte ich mein GA in den Händen, welches SBB-Angestellte erhalten, wenn sie es nicht ausdrücklich ablehnen. Der einzige triftige Grund für eine solche Ablehnung ist übrigens rein steuerrechtlicher Natur, denn im Jahreslohnausweis wird das GA als Teil des Einkommens ausgewiesen. Nicht die SBB hat dies so gewollt sondern die Steuerämter. Aber ich find das auch nur fair.

 

Dritter Ausbildungstag
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Der dritte Ausildungstag stand ganz im Zeichen der Sicherheit, also Sicherheitskultur der SBB.
Es gibt ja so manches Unternehmen, was Sicherheit gross schreibt, jedenfalls wenn es um das öffentliche Erscheinungsbild geht. Mein ehemaliger Arbeitgeber hat ja inzwischen recht penible Vorschriften, was etwa die Präsentation der Ware, die Sicherheit der Gestelle etc. angeht. Dumm nur, wenn die Verantwortlichen ständig wechseln, weil ihnen die eigentliche Arbeit, für die sie mal angestellt wurden, über den Kopf wächst.

Und da ein jeder einen Kurzvortrag darüber halten sollt, welche Erfahrungen er/sie bereits mit Sicherheitsvorkehrungen gemacht hat, konnte ich über die Vorschriften bei Media Markt aus den Vollen schöpfen - und hab angesichts der geschilderten Erlebnisse für Erheiterung gesorgt. Dabei hatte ich die schlimmsten Sachen noch gar nicht mal erwähnt.

Bei den SBB gilt der Grundsatz: "Wir leiten Züge sicher, pünktlich und wirtschaftlich ans Ziel."
Und genau in dieser Reihenfolge werden auch die Prioritäten gesetzt, also Sicherheit ist erstes Gebot. Das erscheint vernünftig, vertrauen sich doch jeden Tag fast eine Million Reisende den Zügen der SBB an. Und jeder Störfall findet dank mobiler Kommunikation und Twitter oder Facebook umgehend seine Verbreitung in der Öffentlichkeit.

So lernten wir auch zum Thema elektrischer Strom noch ein paar nette Kleinigkeiten kennen.
OK, dass das Netz der SBB mit 15000 Volt Wechselstrom bei 16 2/3 Hertz Frequenz betrieben wird, ist sicher schon vielen bekannt. Aber was ist der Unterschied zwischen "stromlos", "abgeschaltet" und "spannungslos".
Was sich so gleichbedeutend anhört, ist durch himmelweite Unterschiede gekennzeichnet.
So ist eine Spannungsleitung "stromlos", wenn kein Verbraucher angehängt ist. Die Leitung steht also sehr wohl unter Spannung, es fließt einfach nur kein Strom. Das kann sich aber schnell ändern, sobald man die Leitung berührt. Ist die Leitung "abgeschaltet", dann wurde sie von der Spannungsquelle getrennt. Bis jedoch die Restspannung in der Leitung agebaut ist, dauert es eine Weile. Die Berührung kann also nach wie vor äußerst gefährlich sein. Erst, wenn die Leitung "spannungslos" ist kann sie problemlos berührt werden; dieser Zustand ist erst sichergestellt, wenn die abgeschaltete Leitung geerdet wurde.

Jahrelange habe ich mich auch immer wieder gefragt, was eigentlich genau diese Zahlen auf orangen Tafeln aussagen sollen, die man stets an Tanklastzügen findet. Nur sieht man sie meist nur kurz; und dann gilt: aus den Augen aus dem Sinn. Selbst mein Vater, der jahrelang in der hemie arbeitete, hat mir das schon Ende der 1980er nicht genau sagen können.
Jetzt weiss ich es endlich: die obere Zahl ist ein zwei- bis dreistelliger Code für die Gefahr, die vom gelandenen Gut ausgeht: brennbar, explosiv, oxidierend, erstickend, giftig, radioaktiv, ansteckend etc. Jede Ziffer steht dabei für einen Gefahrentyp; ist die Ziffer doppelt aufgeführt, bedeutet dies eine verstärkte Gefahr dieses Typs.
Die untere Zahl in Form eines vierstelligen Codes sagt aus, was genau geladen ist. Jedem Gefahrenstoff ist also ein vierstelliger Code zugeordnet.

Es kann also nicht schaden, wenn man ein wenig in Chemie aufgepasst hat.

Außerdem stand noch ein Überblick über die Fahrdienstvorschriften an. Diese sogenannte "blaue Bibel" der SBB bekamen wir ja bereits am ersten Tag in die Hand und durften die lätter drin ordnen. Aufgebaut ist sie wie jedes andere Regelwerk auch; wer ein wenig Rechtswissenschaften studiert hat, sollte keine Mühe mit dem grundsätzlichen Aufbau haben. Allen anderen sei gesagt: die allgemeinen Vorschriften stehen immer am Anfang, die präziseren Vorschriften für bestimmte Bereiche folgen dann im späteren Verlauf. Ein Stöbern in den Signalvorschriften von Bundesamt für Verkehr und SBB ließ mich dann auch stoßseufzen: die armen Lokführer, was die alles im Kopf behalten müssen!

04.November 2011

 

Zweiter Ausbildungstag
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Wir lernen den Konzern namens SBB genauer kennen. Aus welchen Divisionen besteht er, wofür sind diese im Einzelnen zuständig und zu welcher Division gehören wir. Antwort: Infrastruktur. Welche Bereiche und Abteilungen gehören zur Infrastruktur. Was unterscheidet einen Konzern wie die SBB in der Positionierung von anderen Konzernen gleicher Grösse wie etwa die Post oder COOP?

Am Nachmittag lernen wir noch die ZVL-Anwärter aus Zürich kennen. Deren Dozent für den GAV ist erkrankt, deshalb wurden sie zu uns nach Olten geschickt. Wir erhalten eine Einweisung in unsere Rechte als Mitarbeiter der SBB. Es ist in vielen Fällen wirklich kein Vergleich mit den - gelinde ausgedrückt - Zuständen bei Media Markt. Aber gut: hinter den SBB steht nun mal auch der Staat in Form von Bund und Kantonen.

Und nachdem mein Antrag aufs GA endlich eingetroffen ist, kann ich ihn auch abschicken: glücklicherweise hatte mein Freund noch ein Passfoto von mir. Was bloß hat die SBB mit den drei Fotos gemacht, die ich denen schon zugesendet habe? :-)

 

3.November 2011

 

Erster Ausbildungstag
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Heute nun also war mein erster Arbeitstag bei den SBB - naja, viele sagen lieber "bei der SBB", aber muss das nicht ein Plural sein?

Nach einer Kennenlernpräsentation, die jeder auf einem Flipchart-Blatt vorbereitet hatte, war ich mir nun bewusst: erstmals bin ich in einem Kurs der Älteste der Anwesenden. Eine weitere angehende Zugverkehrsleiterin ist immerhin nur weniger Monate jünger als ich, Gisela ist ihr Name. Der jüngste hat gerade seine Matur gemacht und heisst Dominic. Und ein bisschen Pech hatte er auch noch: sein favorisierter Ausildungsort Zürich war schon belegt, also wurde er nach Olten delegiert. Überraschend für mich, dass Ester, die ich am Stresstesttag in Bern kennenlernte, nun doch dabei ist. Ja, sie habe da was falsch verstanden damals. Das sei ihr ein paar Tage späte bewusst geworden, als der Brief mit der Zusage in der Post war. Zusammen mit ihr und noch einem, der Faio heisst, werden wir nun am Ausbildungsort Basel zu dritt sein. Weitere Namen sind Engin, Markus, Stefano und Patrik. Letzterer verdient einen Riesenrespekt: er ist ohne rechte Hand geboren worden und aufgewachsen.

Wir bekamen unsere Ausildungsunterlagen, einen dicken Ordner von Login mit den Ausbildungsaufgaben und allen Lernmodulen, wie das so schön heißt, und noch einen weiteren Ordner mit den Vorschriften für den Zugverkehr in der Schweiz im allgemeinen und denen der SBB im Besonderen. Es handelt sich dabei um eine Lose-Blatt-Sammlung, wobei die Sonderregelungen der SBB als grüngehaltene Blätter zunächst separat lagen und nun von uns an die korrekten Stellen eingeordnet werden mussten. Das war schon mal eine gute Übung, wenn auch sicher keine herausfordernde.

Die Herausforderungen kommen aber noch auf uns zu, nur wurden wir heute erstmal schonend drauf vorbereitet. Drei sogenannte Standortbestimmungen werden während der Ausbildungszeit durchgeführt, anhand derer man den Wissensstand überprüft. So weiss ich inzwischen bereits, dass ich zu zwei bestimmten Themen bis Anfang Dezember je eine Präsentation vorbereiten muss, von denen ich dann eine entsprechend einem FEX vortragen darf, der sie dann begutachtet. Achso: Fahrdienstexperte soll das heißen. Bei den SBB hat man halt einen AKÜFI... einen Abkürzungsfimmel :-)

Und wenn wir nächste Woche Geographie haben, werden wir gleich 9 Aufgaben erfüllen müssen; Abfahren der Strecken im Fernsteuerbereich, Begutachtung eines Bahnhofs aufgrund seiner Anschlussmöglichkeiten, seiner Sauberkeit, seiner Wege und Zeiten in puncto Umsteigen, der Pünktlichkeit der Züge auf die Sekunde genau; ja, sogar Kundeninterviews sollen wir durchführen.

Ja, es kommt einiges auf uns zu.

2.November 2011

 

's Roothuus vo inne
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Da ich zu den Leuten gehöre, welche die Wikipedia fleißig mit aktuellen Daten füttern, kam in zu der Ehre, vom Ratssekretär des Grossen Rats von Basel-Stadt ins "Roothuus" eingeladen zu werden. Der heutige 1.November war nach über drei Wochen der erste wirklich passende Termin - so als symbolischer Tag des Neubeginns in meinem Leben.

Ich bekam eine kleine Führung von ihm durch den altehrwürdigen Grossratssaal, der demnächst mit einer elektronischen Stimmabgabe ausgerüstet werden soll und in welchem es weiterhin keine Anlobung neuer Ageordneter geben wird, da dies von von über 60% der Parlamentarier als altmodisch angesehen wird, teilweise aus sehr emotionalen Gründen.

Schon interessant, dass der Raum eigentlich gar nicht so riesig wirkt, aber trotzdem imposant aufgrund seiner kunstvollen Holzverkleidungen. Witzig ist noch folgende Tatsache: wer einen Blick in den Garderobenraum nebem dem Grossratssaal wirft und auf dessen hinteren Teil mit den Schliessfächern, wird dort bei einem Blick nach oben feststellen, dass auf einem weiß gehaltenen Träger sich relativ schwach ein Schriftzug absetzt: "MACHT NICHTS" ist da zu lesen.
Was es damit auf sich hat? Tja, der Herr Ratssekretär wusste es auch nicht; ich hatte ihn auf etwas aufmerksam gemacht, was er zuvor noch nie gesehen hatte. Er meinte, er werde mal den Architekten fragen.

Auch das Zimmer, in welchem der Regierungsrat jeden Dienstag Sitzungen abhält, wurde begutachtet. Hier beißt sich dann alte Innenarchitektur mit modernem Mobiliar. Und dass der Kanton einige zehntausende Franken in eine Bildschirmanlage investiert hat, welche überhaupt nichts taugt, dürfte ja keine Basler Spezialität sein.

Den kleinen Balkon des Roothuus', auf dem früher der Herold neue Beschlüsse verkündete und der heute eher als Winke-Winke-Balkon für Größen wie Roger Federer dient haben wir dann mal auch noch betreten. Ja, so mancher Marktplatzpassant schaute gleich etwas neugierig oder irritiert zu uns hoch. Welche erhabenes Gefühl :-)

Inzwischen steht auch fest, wann die Basler wieder über die Zusammensetzung des Grossen Rates abstimmen können: Auf 12.Oktober 2012 sind die nächsten Grossratswahlen angesetzt. Listenverindungen sind keine mehr gestattet. Die Sitzzuteilung wird nicht mehr nach dem Hagenbach-Bischof-Verfahren stattfinden. Von einer Einführung des "doppelten Pukelsheim", wie in Zürich, dem Aargau oder Schaffhausen hat man in Basel aufgrund der Komplexheit und Schwerverständlichkeit abgesehen. Stattdessen wird das Zuteilungsverfahren nach Saint Lague eingeführt.

Hoffentlich werden bei dieser Gelegenheit auch jene zwei von 100 Abgeordneten abgewählt, die es immer wieder fertig bringen, schon morgens um 9 Uhr "mit einer Fahne" im Plenum zu erscheinen, um sich dann eine halbe Stunde später wieder zu entfernen.

 

1.November 201

 

 

Goodbye Media Markt
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Nun war es heute also endlich soweit: ich hatte meinen letzten Arbeitstag bei Media Markt Basel. Nach acht Jahren und drei Monaten Arbeit.

Er verlief nicht sonderlich spektakulär oder überraschend.
Als erster in der Abteilung du
rfte ich wie immer die am Boden liegenden Preisschilder wieder befestigen.
Ich durfte warten, bis die immer lahmer werdenden Computer an den Arbeitsplätzen hochgefahren und das Warenwirtschaftssystem geöffnet hatten. Und obwohl im Lager nach wie vor Ausnahmezustand herrscht - Chaos und Unübersichtlichkeit prägen den Anblick - treffen mehrere Paletten mit Aktionsware ein. Nur zu, mich störts nicht mehr. Das darf ab morgen jemand anderes verräumen.
Ein letztes Mal verräume ich Dolce-Gusto-Kapseln, wo ich bisher immer stolz sagen durfte, dass Media Markt Basel das komplette Sortiment hat (über 20 Sorten)- im Gegensatz etwa zum viel grösseren COOP Megastore in Oberwil oder dem erst vor zwei Monaten in der Güterstrasse eröffneten COOP Südpark, dem grössten in Basel (nicht ganz 10 Sorten).
Ob diese Sortimentskompetenz so bleiben wird?
Diese Frage stelle ich mich auch, als ich letztmals Staubsaugerbeutel verräume, für deren Sortiment und Bestand ich seit 2004 verantwortlich war. Dumm nur, dass seit der Ladenumstellung alles so hoch steht, dass selbst ich teilweise nur mit Mühe an gewisse Haken herankomme, um Ware aufzuhängen. Aber das kann mir jetzt egal sein.

Irgendwann um die Mittagszeit ruft mein Chef an, wie lange ich denn noch vorhabe, dazubleiben. Nicht, dass es ihn störe, aber ich hätte ja meinen letzten Tag. Naja, ich werde gehen, sobald ich nicht mehr allein in der Abteilung bin, habe ich ihm pflichtbewusst gesagt. Wäre ja noch schöner, alles einfach stehen und liegen zu lassen.

Dann ist es schliesslich soweit, ich gehe mit meinem Chef in die Büroetage.

Abschlussgespräch oder sowas? Von wegen! Keiner da, der dafür zuständig wäre, und der Geschäftsführer hat seinen freien Tag - es sei ihm gegönnt, denn gestern war verkaufsoffener Sonntag und er war da. Also unterschreibe ich bei seinem Assistenten, der auch schon so lange wie ich mit von der Partie ist und nach eigenen Worten "eher die linke als die rechte Hand" des Geschäftsführers ist. Ich gebe meinen Badge ab - ab sofort bin ich nicht mehr zugangsberechtigt für die sensiblen Bereiche des Hauses - und den Schlüssel des Grossgerätelagers, der mir vor einigen Jahren anvertraut wurde.

Ich räume mein Kästli aus, gebe auch diesen Schlüssel ab. Und das wars dann auch schon fast von der Chefetage aus. Nun gut, mein nunmehr Ex-Chef meint, wir würden ja in Kontakt bleiben. Auf dem Weg nach unten treffe ich dann noch zwei weitere von der Chefetage und verabschiede mich von ihnen. Und nun beginnt mein Rundgang durch alle Abteilungen, um allen, die anwesend sind, Auf Wiedersehen zu sagen. Die meisten Worte wechsle ich mit einer Kollegin vom Kundendienst, die nun auch schon von Anfang an dabei ist und mit Wehmut zusieht, wie nun auch ich das Schiff verlasse - ich habe nicht "sinkend" geschrieben!

Am bewegendsten der Abschied von Veronica: sie hat gerade keine Kunden an der Kasse und kommt extra aus ihrem Kabuffchen raus und umarmt mich. Wie ein kleiner Engel ist sie, seit sie im März angefangen hatte; und sie war ebenso fast immer gut aufgelegt, auch wenn da oftmals eher zu Gegenteiligem Anlass geboten wurde.

Und auch eine andere Kollegin, die an der Information sitzt, nimmt mich in die Arme.

Der ungewöhnlichste Satz beim Verabschieden: "Du hattest doch Nummer 3 als Kästli? OK, dann frage ich mal, ob ich das kriegen kann." Das fragte jemand, der anscheinend genug davon hatte, sich immer im Kästliraum bücken zu müssen...

Der letzte, dem ich dann Tshüss sage, ich Mezud vom Lager; auch er einer der letzten der ersten Stunde. Und von ihm bekomme ich Worte zu hören, die ich so ähnlich des öfteren in letzter Zeit vernahm: "Ja, echt schade, dass Du gehst, aber schon gut so."

Und dann ist sie vorbei, die Ära Media Markt. Nur ein wenig mehr als 3000 Tage hat sie gedauert.

Nun beginn die Ära Schweizerische Bundesbahnen, kurz SBB. Am 2.November gehts los :-)

 

31.Oktober 2011

 

Geldspielereien => Wortspielereien
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Ein bekanntes Sprichwort sagt: "Regiert das Geld, so schweigt die Welt."

Nur, wenn dann Geld im Sinne von Guthaben sich in großen Unsummen plötzlich in Luft auflöst, werden die Gazettenschreiber wieder tätig - aber immer nur im Rahmen dessen, was politisch vertretbar ist.

So auch heute wieder, als der 2-Milliarden-Dollar-Verlust der UBS publik wurde, verursacht durch einen einzigen Investmentbanker - und sicher noch einer Handvoll Leute die nicht hin- oder absichtlich weggeschaut haben.

Schade, dass sich keiner getraut hat, die richtige Schlagzeile zu bringen.

Die hätte nämlich lauten müssen:

"WER HAT ANGST VORM SCHWARZEN MANN? - *GRÜBEL***GRÜBEL* - Die UBS!!!"

(16.September 2011)

 

Der 11.September
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Am 11.September 1949 endete in der Schweiz ein zehnjähriger demokratischer Ausnahmezustand; quasi erst an diesem Tag war auch für die Schweiz der 2.Weltkrieg beendet.

Was viele inzwischen vergessen haben: von 1939 bis 1949 waren die direktdemokratischen Instrumente in der Schweiz zugunsten der schnellen Beschlussfähigkeit der Regierung (Bundesrat) und Parlament (Nationalrat und Ständerat) weitgehend ausser Kraft gesetzt worden. Und nach 1945 sahen jene Institutionen auch keinen Grund, von der neugewonnenen Machtfülle wieder abzurücken, wen wunderts.

Also wurde von einem Kommittee die Volksinitiative "Rückkehr zur direkten Demokratie" per 1.Januar 1946 mit der Unterschriftensammlung gestartet, für die man 18 Monate Zeit hatte.
Bereits am 23.Juli 1946 konnte die Initiative eingereicht werden, da genügend Unterschriften gesammelt waren.
Per 3.September 1946 galt die Initiative offiziell als zustandegekommen, Bundesrat und Parlament mussten sich nun damit befassen. Der Bundesrat ließ sich sehr viel Zeit: erst am 27.Februar 1948 gab der Bundesrat seinen Entscheid bekannt, der wenig überraschend ausfiel: "Dem Volk und den Ständen wird die Verwerfung des Volksbegehrens beantragt".

Nochmals ein Jahr verging, bis sich auch das Parlament abschließend und mit gleichem Wortlaut wie der Bundesrat zu diesem Thema äußerte. Dann dauerte es bis zum 11.September 1949, bis das Volk darüber abstimmen durfte: 50,7% waren der Meinung, dass Regierung und Parlament zuviel Macht haben und stimmten "für die Rückkehr zur Demokratie".

Und auch insgesamt 14 von (damals) 25 Kantonen stimmten zu.
Warum erinnert man sich am heutigen 11.September 2011 auch bei uns im Lande nur der Terroranschläge in New York vor 10 Jahren, nicht aber jenes denkwürdigen (und erfreulichen) Ereignisses vor 62 Jahren?

http://www.admin.ch/ch/d/pore/va/19490911/det148.html

(11.September 2011)

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Es kommt Bewegung ins Spiel
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Wer mit mir regelmässig zu tun hat, wird es inzwischen schon wissen: ab dem 1.November wird sich einiges in meinem Leben ändern. Man wird mich ab diesem Datum nicht mehr am alten Arbeitsort finden.

Ich hab gekündigt!

Wo ich danach sein werde?

Hm, naja, mal schauen... vielleicht gebe ich noch eine Pressekonferenz dazu :-)

Ich werds bei Gelegenheit hier kundgeben.

(06.09.2011)

 

Zwei Abgänge in kurzer Zeit
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Es gibt Menschen, die hat man einfach gern, die muss man einfach gern haben, weil sie liebevolle Menschen sind oder einfach, weil sie vor Lebensfreude um Humor sprühen. Und man wünscht sich, man könne sie doch mal öfter sehen, aber irgendwie ergibt sich dazu nicht so oft die Gelegenheit. Umso mehr schmerzt es dann, wenn sie aus dem Leben scheiden. Genau dies ist nun bei mir der Fall: innerhalb von drei Wochen sind zwei Menschen verstorben, die ich in mein Herz geschlossen hatte, obwohl ich sie eher selten sah.

Von der einen, einer älteren Dame, werde ich die Worte: "Bisch immer gut zu nem!" in Erinnerung behalten, nachdem sie mir einen Kuss gab. Sie meinte ihren Sohn, zu dem ich immer lieb sein soll, just nach jenem Moment, als ich ihm und er mir anvertraut wurde. Sie wurde 74 Jahre alt.

Vom anderen werde ich sein Lächeln, seinen Sinn für Humor in Erinnerung behalten, und vor allem, dass er mir als "Thomas nnnn... naja..." vorgestellt wurde. Er verstarb im Alter von 45 Jahren.

Beide werden mir fehlen

:'-(

(17.August 2011)

 

Pi, Tau, Dao
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Wer kennt sie nicht, die Kreiszahl pi.
Man kommt gar nicht um sie herum. Im wahrsten Sinne des Wortes!
Selbst, wer einen großen Bogen um sie herum machen will, beschreibt damit einen Weg, zur Berechnung dessen Länge es diese transzendente/irrationale Zahl benötig
t. Gemeint ist mit diesen beiden Begriffen, dass pi eine gebrochene Zahl darstellt, deren Nachkommastellen keine Periode haben, also keine wiederkehrenden Ziffernfolgen. Pi kann also nicht exakt angegeben werden sondern immer nur annährend exakt.

Somit ist also bei einem Kreis die korrekte Angabe von Umfang UND Durchmesser gar nicht möglich, weil beide Werte immer zueinander in einem festen Verhältnis stehen, welches genau dem Wert der Zahl pi entspricht, welche ja nicht exakt angegeben werden kann.

Jedoch muss man immer auch die Unschärfe im Auge behalten: was nützt es, wenn man pi auf zehn Stellen nach dem Komma exakt benutzt (3,1415926535...), wenn die für ein Rechenergebnis übrigen nötigen Ausgangsgrößen lediglich auf insgesamt fünf zuverlässige Stellen (vor und nach dem Komma zusammen) kommen. Denn jeder Messwert ist grundsätzlich ungenau und nur zufällig richtig, weil Fehler beim Messen sowohl vom Menschen als auch vom Messgerät ausgehen können.

Aber das ominöse pi ist nach Meinung einiger Physiker und auch Mathematiker nicht korrekt gewählt, es solle abgeschafft werden. So jedenfalls titelte es Spiegel Online.
Nun ja, Schlagzeilen sind wie Messwerte: immer ein Fall von grober Unschärfe; es existiert keine Vorgabe einer Mindestzahl an zuverlässigen Ziffern, sprich: Informationen.

Tatsächlich geht es nur darum, dass es doch eigentlich viel praktischer wäre, statt des Verhältnisses von Umfang zu Durchmesser eines Kreises doch eher mit dem Verhältnis von Umfang zu Radius eines Kreises zu rechnen. Meint jedenfalls ein gewisser Michael Hart von der Universität im US-Bundesstaat Utah.
Und neu ist die Idee auch nicht, sie war anno 2001 bereits einmal vom US-Mathematiker Bob Palais publiziert worden. Und auch er griff lediglich eine Idee auf, die ungefähr 100 Jahre nach der Namenstaufe der Zahl pi von 1706 auftauchte.
Im Zeitalter der Schnelllebigkeit müssen eben Ideen immer schneller immer wieder hervorgekramt werden.

Diese (neue) Verhältniszahl ist nichts anderes als der doppelte Wert von pi, also 6,2831853071...
Und dieser Wert soll dann entsprechend mit einem neuen Buchstaben bezeichnet werden: dem griechischen Buchstaben tau. Deswegen ist auch von einer "Tau-Bewegung" und einem "Tau-Manifest" die Rede in Bezug auf jene Leute, die hier einige grundlegende Formeln der Mathematik künftig verändert sehen wollen.

Kreisumfang: statt u = 2*pi * r künftig u = tau * r

Kreisfläche: statt A = pi * r² künftig A = tau/4 * r²

Schon bei der Berechnung der Kreisfläche also ergibt sich das Gegenteil einer Vereinfachung.

Die Eulersche Identität, welche einen wunderbaren Zusammenhang zwischen den Naturkonstanten e und pi versinnbildlicht, würde lauten:
statt e^(i*Pi) + 1 = 0
künftig e^(i*Tau) - 1 = 0.

Vollständigerweise müsste sie eigentlich lauten:
e^(i*phi) = cos (phi) + i * sin(phi)
... weil so auch noch der viel wichtigere Zusammenhang zwischen der Trigonometrie und eulerscher Zahlenebene der komplexen Zahlen deutlich wird.

Für den Spezialfall, dass der Winkel phi den Wert pi hat - das entspricht exakt 180° - ergibt sich dann die weiter oben genannte Eulersche Identität.

Wenn nun der Winkel phi den Wert tau hat - also 360°, was einem Vollwinkel aber ebenso auch einem Nullwinkel mit 0° entspricht -, ändert sich das Ganze wie folgt:

e^(i*tau) = cos (tau) - i * sin(tau) = 1 - i * 0
e^(i*tau) = 1

Und um nun auch wieder die Zahl Null als besondere Zahl einfliessen zu lassen, wird der Gleichung äquivalent die Zahl 1 subtrahiert:

e^(i*tau) - 1 = 0

Et voilá!

Nun gut, wems gefällt?
Bitte schön, der soll halt so rechnen.
Ähnliche Veränderungen im Konstantensystem gabs übrigens schon mit dem Wechsel der Basiseinheiten vom CGS zum SI. Da musste beispielsweise die elektrische Feldkonstante statt als vormals einheitslose Zahl nunmehr mit der Einheit (Ampere*Sekunde)/(Volt*Meter) versehen werden, weil das Ampere als Basiseinheit definiert wurde.

Aber wieso eigentlich nun der Buchstabe tau?
Besonders einfallsreich ist das ja eigentlich nicht, denn dieser Buchstabe steht schon für eine ganze Reihe von mathematischen und physikalischen Größen wie etwa der Teileranzahlfunktion in der Zahlentheorie, der Zeitkonstante für Aufladungs- und Entladungsvorgänge oder die Schubspannung bei Kräfteberechnungen in der Mechanik; und auch der Franziskanerorden hat den großen griechischen Buchstaben Tau als Symbol für das Antoniuskreuz in Beschlag genommen.

Pi dagegen wird allgemeinhin als Kreiszahl wahrgenommen, auch wenn es noch ein paar weitere Verwendungen als Formelzeichen für diesen Buchstaben gibt. Aber das wäre wohl Gewöhnungssache.

Nun, ich habe da schon eine Idee, warum gerade Tau...

Vielleicht soll so analog der Eulerschen Identität ein Zusammenhang hergestellt werden zwischen altgriechischer Mathematik und konfuzianisch-chinesischer Philosphie. "Dao" bedeutet im Chinesischen "Straße" oder "Weg" aber auch "Methode", "Prinzip" und "rechter Weg". Es stellt nach dem altchinesischen Philosophen Laozi eine transzendente höhere Wirklichkeit und Wahrheit dar.

Naja, und pi bzw. tau sind ja nun mal auch transzendente Zahlen.
Eigentlich ein genialer Gedanke :-)

Aber mir fehlt der große Zugang zu derart transzendenten Gedankenwelten, dass auch ich lieber mit dem Vorliebe nehme, was ich kenne und weiterhin bei pi bleiben werde.

(29.Juni 2011)

 

Bruno Bozzetto
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... ist einfach genial :-)

http://www.youtube.com/watch?v=XkInkNMpI1Q (Europäer versus Italiener)
http://www.youtube.com/watch?v=RSIzWe33kpw (Deutsche versus Italiener)
http://www.youtube.com/watch?v=aeSzFtqLxQ4 (Falsches und Richtiges Autofahren)
http://www.youtube.com/watch?v=G1vu0q7D5As (Mann versus Frau)

(24.06.2011)

 

Madeira - Urlaubs - Einfall
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Diesmal nichts Aufgeschnapptes sondern spontan in den Sinn gekommen und für gut befunden...

"Sagen Sie, wo ist denn hier das Licht?" - "Fragen Sie doch am Schalter!"

(05.06.2011)

 

F (... dich)
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Ich bin ja anscheinend mit meiner sehr negativen Meinung über Facebook nicht allein, aber leider gehöre ich damit zu einer eher schweigenden Mehrheit, die einer recht (laut-)starken Minderheit gegenübersteht. Ich kanns aber langsam nicht mehr sehen.

Überall taucht nun dieses blöde blaue f auf und die Möglichkeit, ein "gefällt mir" zu hinterlassen. Was mich an letzterem stört, habe ich ja bereits vor ein paar Tagen hier beschrieben. Aber beim blauen f hatte ich heute morgen einen geistigen Querschläger.

Und ich denke mal, dass diesen jeder haben wird, der mal das Buch "1 Billion Dollar" von Andreas Eschbach gelesen hat. Eine Zusammenfassung dazu findet sich übrigens in der Wikipedia.
Die Firma, welche der Billionenerbe da gründet, lautet auf seinen Namen "Fontanelli Enterprises" - und hat als Signet ein F; obs ein blaues ist, weiss ich jetzt nicht mehr.
Nun ja, Marc Zuckerberg ist kein Milliardär. Er wäre es, wenn er sein Unternehmen heute verkaufen würde. Aber die Macht, die er mittlerweile in der Hand hat, weil ihm an die 500 Millionen Menschen weltweit ihre Daten anvertrauen, ist enorm.

Von so einem Datenpool persönlichster Informationen konnte der Staatssicherheitsdienst der DDR oder die berüchtigte Sicuritate in Rumänien seinerzeit nur träumen. Deswegen kann ich dem blauen F leider nur im Geiste auf Dach steigen und einen roten Dachziegel mit der Aufschrift "F... dich" entgegen schleudern.

(18.Mai 2011)

 

Wahlsonntag, 27.März 2011
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Gleich in drei deutschsprachigen Gebietskörperschaften werden heute die Parlamente neu gewählt.
Es sind dies die deutschen Länder Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und der schweizer Kanton Basel-Landschaft.

Aus gegebenem Anlass habe ich mal die Wahlsysteme der drei Gebiete miteinander verglichen, damit sich jeder selber seine Meinung darüber bilden kann, welches der drei recht unterschiedlichen Systeme das gerechteste ist.

 

Nichts Neues vom Mann auf dem Dach
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Siehe vorangegangenen Beitrag weiter unten.

Jetzt hat er nun schon die zweite Nacht in Folge auf dem Dach verbracht. Und Wasser hat er wohl auch keins mehr. Wie lange er da noch ausharren kann? Sicherlich wäre es gut, der Mann würde sofort aufgeben, dann könnte wieder alles den üblichen Gang gehen. Bleibt aber so oder so die Frage, was den Mann, 31 Jahre soll er alt sein, zu dieser Tat treibt.

Ich sehe es mal so: hätte er nicht angefangen, mit Dachziegeln zu werfen, wäre es wahrscheinlich niemandem aufgefallen, dass er da oben auf dem Dach steht. Interessanterweise hatte er die Ziegel am gestrigen Dienstag wohl erst geworfen, nachdem die Feuerwehr das gigantische Luftbett auf die Strasse geschoben hatte, in das er sich im Falle des Falles hätte fallen lassen können.

Vielleicht ist der Mann gar nicht so gestört, wie man es weithin annimmt. Vielleicht will er uns was sagen? Aber auch nur vielleicht. Vielleicht sollte man eine Solidaritätsaktion starten mit dem Titel "Basel steigt aufs Dach" - man müsste nur einen vernünftigen Grund dafür finden. Und dann stehen auf einmal auf Hunderten von Häusern die Leute.

Dummerweise aber würden dann wohl bald wieder irgendwelche Chaoten auftauchen und Dachziegel oder andere Sachen auf die Strassen werfen, einfach weils Spass macht. So ähnlich muss es ja neulich auch bei der Besetzung des Gebäudes gewesen sein, in welchem sich vormals das Kinderspital beider Basel befand. Die Aktionisten wollten für "Freiräume" in der Stadt protestieren, und alles endete in einer Chaosveranstaltung.
Naja, ich steige heute jedenfalls nicht aufs Dach sondern wieder ins Untergeschoss am Bahnhof, in dem ich arbeite :-)

(18.Mai 2011)

 

Aus aktuellem Anlass
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Wie wohl jeder in der Region Basel inzwischen wissen dürfte, erregt seit dem gestrigen 16.Mai 9 Uhr ein scheinbar geistesgestörter Mann jede Menge Aufsehen. Er ist aufs Dach seines Wohnhauses im Gundeldingerquartier geklettert und hat von dort einige Dachziegel herabgeworfen.
Aus Sicherheitsgründen wurde der Verkehr durch die betroffene Strasse gesperrt, auch der Tramverkehr ist betroffen.

Was genau diesen Mann zu diesem Verhalten treibt, darüber kann nur spekuliert werden. Aber intelligent genug scheint er ja zu sein: Auf von Gaffern skandierte Rufe, er solle doch springen, hat er nicht reagiert.
Also will er wohl ein Zeichen setzen.
Ich werde mich hier nicht an der Spekulation beteiligen. Aber falls mich jemand fragen sollte, was wohl mit dem Mann los sei, werde ich sagen:
"Es gibt Länder, da jagt man sich und andere Leute in die Luft, wenn man unzufrieden ist. Hierzulande steigt man eben auf ein Dach und deckt es ab." (17.Mai 2011)

 

Entnommen einem Online-Forum
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Anfrage der EU an Dänemark: "Warum führt ihr Grenzkontrollen ein?"
Antwort von Dänemark an die EU: "Weil wir es können"

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"Wer die europäische Idee angreift, hat nichts begriffen!"
"Stimmt, aber wer die EU in ihrer momentanen Form verteidigt, hat auch nichts begriffen."

(12.Mai 2011)

 

Meine Meinung zum Baz-Online-Bewertungssystem
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Mein Leserbrief an BAZ-Online.

Schönen Guten Tag, ich lese regelmässig die Online-Seiten der BAZ.
Seit einiger Zeit gibt es ja nun die Möglichkeit, Kommentaren mit "Daumen hoch" zuzustimmen.
Die Qualität eines Beitrages zu bewerten, geht also höchstens in Form einer Empfehlung bei Facebook, die natürlich auch nur positiv sein kann.
Das ist zwar an sich eine gute Idee, aber leider unvollständig. Wenn Sie hiermit Demokratie üben wollen, müssen Sie auch "Daumen runter" anbieten. Und ein schlechter Beitrag kann ja schliesslich immer noch als schlechtes Beispiel dienen. Sonst muss ich davon ausgehen, dass Ihnen die Facebook-Ideologie schon zu sehr zu Kopf gestiegen ist. Denn die kennt ja auch nur ein "Gefällt mir" - und dieser verwiegere ich mich konsequent.

Kommt hinzu, dass auch nicht jeder BAZ-Online-Beitrag zum Kommentieren freigegeben ist. Das Ganze erinnert mich sehr an Zeiten, die über 20 Jahre her sind: wo es in DDR-Zeiten nur möglich war, entweder zu allem "JA" zu sagen oder den Mund zu halten.
Leiten Sie diese Gedanken mal ans Newsnetz weiter.
Mit freundlichen Grüssen

(10.Mai 2011)

 

Mit Herz und Verstand - und nicht mit dem Holzhammer
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Das Migrosmagazin hat in der gestrigen Ausgabe ein heißes Eisen angepackt.
Es druckte ein Interview mit der deutschen Sprachwissenschaftlerin Luise Pusch ab, welche sich dafür einsetzt, dass die deutsche Sprache konsequent von Geschlechtskennzeichnungen befreit werden soll.

Ihre These: Frauen existierten in der Sprache lange Zeit gar nicht oder nur als Anhängsel "-in".
Ihr Vorschlag: etwa Berufsbezeichnungen wie "Lehrer", "Arzt", "Anwalt" etc. sollen auch mit dem weiblichen Artikel "die" benutzt werden, ohne dass am Ende noch die Endung "-in" angefügt wird. Als Beispiele, wo dies bereits wunderbar funktioniere, nennt sie "Vorsitzende", "Vorgesetzte".

Ich persönlich halte nichts davon, die Sprache im Sinne der Gleichberechtigung mit dem Holzhammer in die gewünschte Form zu pressen. Die Sprache kann nicht einfach durch Gesetze vorgeschrieben werden, sie muss sich durch ihre Nutzer weiterentwickeln. Dass eine Verordnung von oben auf geballten Widerstand stößt, zeigte die Rechtschreibreform von 1998 mehr als deutlich. Und hier ging es nur um minimale Anpassungen, die ich als logisch denkender Mensch übrigens auch begrüßt habe.

Wenn man/frau wirklich will, dass künftig jede weibliche Berufsbezeichnung oder Titelgebung ohne feministisches "-in" am Ende benutzt wird, dann wird sich das auch so ergeben.
Was aber keine Lösung darstellt, ist der zwanghafte Versuch, ein Substantiv durch substantiviertes Partizip zu ersetzen.
Wem das jetzt zu hoch ist, sei ein Beispiel genannt: in den Medien wird fast nirgends mehr von "Studenten" oder "Studentinnen" gesprochen. Es heißt immer "Studierende".
Letzteres leitet sich ab vom Partizip Präsens des Verbs "studieren": "studierend". Und daraus wird nun ein Substantiv geformt, welches mit dem bestimmten Artikel beider Geschlechter versehen werden kann, aber geschlechtsneutral daherkommt: der Studierende / die Studierende.
Und auch die Mehrzahlform ist neutral: statt "die Studenten" bzw. "die Studentinnen" heißt es nur "die Studierenden".

Das Dumme ist nur: Studierende sind im Prinzip alle, die gerade gedanklich in ein Thema vertieft sind.
Ein Student dagegen ist an einer Hochschule eingeschrieben, verbringt aber nicht 24 Stunden am Tag als Studierender; viele von ihnen sind ja auch Arbeiter... pardon: Arbeitende.

Man verdreht also durch die Suche nach Geschlechtsneutralität gewisse Tatsachen.
Was aber erst recht übersehen wird: eine wirkliche Lösung ist diese substantivierte Partizip-Präsens-Form nur so lange, wie sie als bestimmte Form benutzt wird. Sobald die unbestimmte Form benutzt wird, kommt schon wieder der kleine Unterschied zum Vorschein:
der/die Studierende
ABER
ein Studierender / eine Studierende

In der unbestimmten Mehrzahl sind es dann wieder "Studierende".
Da könnte man nun aber als Mann einwenden, dass man nun als Mann quasi untergeht. (Mann-oh-Mann!!!)
Will man nun deshalb die Grammatikregeln ändern und auch hier den kleinen Unterschied radikal ausmerzen?
Wenn dies die Gesellschaft will, wieso auch nicht.

Aber eines wird im ganzen feministischen Diskurs rund um geschlechtsneutrale Bezeichnungen ganz vergessen, weil man eigentlich nur als Ausländer oder als kleines Kind in der Schule auf diesen Sachverhalt aufmerksam wird. Schon Mark Twain hat über die deutsche Sprache polemisiert, sie sei eigentlich weiblich dominiert, wegen der bestimmten Artikel.
Die Einzahlformen lautet ja: der / die / das.
Und die Mehrzahlform?
Da gibt nur eine: die!

Also müsste man doch hier auch eine geschlechtsneutrale Form finden.
Wollen wir das wirklich?
Daher zum Abschluss ein kleines Wortspiel analog zu Frau Puschs Vorschlag:
Sitzen zwei Feministen am Frühstückstisch. Sagt der eine zur anderen: "Kannst du mir mal bitte die Salzstreuerin geben?"
P.S.: Was wäre eigentlich die geschlechtsneutrale Form von "Feministin"?

(08.03.2011 - FRAUENTAG!)

 

Theater ums Theater
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Seit dem 13.Februar - wenn man den Gazetten Glauben will - hat sich ein Riss durch den Kanton Basel-Landschaft manifestiert. Nämlich ein Stadt-Land-Graben. Aber sind die Landschafter wirklich so hinterwäldlerisch?

Was war geschehen?
Das Theater Basel ist 2009 und 2010 Opernhaus des Jahres geworden - bezogen auf den deutschsprachigen Raum versteht sich. Das ging freilich nur, weil sich das Theater die drei Sparten Schauspiel, Ballett und Oper leistet, was reichlich ins Geld geht, vor allem der Bereich Oper. 54 Millionen Franken kostete der gesamte Betrieb in der Saison 2009/2010.

An Einnahmen von Besuchern standen allerdings nur etwa 9,2 Millionen Franken gegenüber. Zwar hat man mit knapp 180'000 Eintritten eine Auslastung von 60% erzielt. Aber man muss nicht viel rechnen, um sagen zu können, dass selbst bei 100% Auslastung der Betrieb hochdefizitär ist und ohne Subventionen nicht überleben könnte.

Da nun aber auch viele ins Theater gehen, die nicht (mehr) in Basel(-Stadt) wohnen sondern im benachbarten Kanton Basel-Landschaft, zahlt letzerer seit Jahren eine sogenannte Kulturpauschale an den Stadt-Kanton. Anno 2010 waren es 4,4 Millionen Franken.
Der Stadtkanton seinerseits hat das Theater in der abgelaufenen Saison freilich weitaus stärker bezuschusst mit regulären 31,5 Millionen Franken. Hinzu kamen weitere 6,3 Millionen für Orchesterdienstleistungen. Macht 37,8 Millionen an Staatsbeiträgen des Kantons Basel-Stadt, wie es offiziell heißt. Zusammen bezuschussen also beide Kantone ganz offiziell das Theater mit 42,2 Millionen Franken.

Indirekt flossen vom Kanton Basel-Stadt jedoch noch 2,3 Millionen in Form gebundener Aufwendungen für die Liegenschaften; weitere 5 Millionen sparte das Theater, weil der Kanton die Kosten von Nutzung und Unterhalt der Liegenschaft vollständig übernimmt. Von diesen 7,3 Millionen an indirekten Zuschüssen aber redet kaum einer.

Und trotz allem resultierte aus dem Geschäftsjahr 2009/2010 ein Verlust von einer halben Million Franken. Damit der Betrieb in der bisherigen Form aufrecht erhalten werden könne, sollte sich der Kanton Basel-Landschaft stärker am Aufwand beteiligen. Die bisherigen Zuschüsse von 4,4 Millionen pro Jahr sollten quasi verdoppelt werden. Schließlich profitiere ja die gesamte Region vom Theater.
Der Landrat (das basellandschaftliche Parlament) und der Regierungsrat nickten das Vorhaben zwar ab, jedoch wurde gegen diesen Beschluss das Referendum ergriffen.
Und am 13.Februar wars dann soweit: der Bezirk Arlesheim, der Speckgürtel um die Stadt Basel auf landschaftlichem Gebiet, der mehr als die Hälfte der Einwohnerschaft Basel-Landschafts stellt, stimmte für die Subventionserhöhung; die anderen vier Bezirke in Basel-Land aber sagten Nein. Und der Anteil der Neinstimmen überwog letzten Endes im gesamten Kanton.

Sind die Landschaftler etwa Kulturbanausen oder haben sie einfach keine Ahnung von Kunst?
Nachzuvollziehen ist das Ergebnis schon: Basel-Landschaft ist zwar wirtschaftlich besser aufgestellt, als so mancher Bergkanton der Schweiz, aber bei weitem nicht so stark wie Basel-Stadt. Und die Finanzplanung der nächsten Jahre sagt ein Defizit in der Staatsrechnung voraus.
Kühle Rechner sagen sich da: wenn gespart werden muss, dann bitte konsequent, also auch beim Theater; deswegen keine zusätzlichen Zuschüsse in Richtung Stadt-Kanton.

Aber man kann die Rechnung auch anders aufmachen: jeder Einwohner zahlt für das Theater Unterstützung in Form von Subventionen ohne dass er selber dessen Dienstleistung genutzt hat. Er zahlt, weil der Betrieb des Theaters als "von öffentlichem Interesse" eingestuft wird. Würde ein jeder Basler einmal im Jahr eine Vorstellung besuchen, blieben für die Basel-Landschaftler bei insgesamt 270'000 möglichen Eintritten nur etwa 90'000 Eintritte übrig. Und Basel-Landschaft hat 280'000 Einwohner.
Wie kann also ein Kulturbetrieb von derart öffentlichem Interesse sein, dass ein jeder Bewohner des Nachbarkantons ihn mit knapp 15 Franken pro Jahr zusätzlich bezuschussen soll, ohne ihn überhaupt im großen Rahmen in Anspruch nehmen zu können.

Vielleicht sollte man in Basel ein wenig mehr überlegen zwischen dem, was man sich leisten will und dem, was man sich leisten kann. Der Stadtpräsident aber hat erstmal seine volle Unterstützung fürs Theater zugesagt und die Basler Zeitung wiederum hat ihre Leserschaft zu einer großen Spendenaktion aufgerufen.

Ich stelle hier mit nicht die Leistungen von Schauspielern, Sängern und anderen Künstlern in Abrede.
Die Frage ist vielmehr, ob im Theater Basel nicht zu viel Geld in den falschen Kanälen versickert. Denn nach der Abstimmung hieß es bereits, man habe nun Mühe, Nachfolger für die scheidenden Direktoren der Sparten Schauspiel und Oper zu finden; potenzielle Bewerber seien abgesprungen.
Und was eigentlich für jedes Unternehmen gilt, welches sich in einer ähnlich präkeren Situation befände, wird von Verantwortlichen des Theater Basel als Mitleidsmasche präsentiert: ja, man müsse da wohl nun Abstriche im Programm machen. Man werde die Eintrittspreise erhöhen müssen.
Es wird also genau das, was die Gesetze des Marktes verlangen, als unverantwortlich hingestellt.

Man stelle sich einfach mal vor, der Inhaber des Häbse-Theaters würde sich hinstellen und Millionen an Subventionen für sein privates Kleintheater im Kleinbasel verlangen. Schließlich schafft er es immer wieder, sein Haus voll zu bekommen, was ja anscheinend auch ein gewisses breites Interesse bezeugt.
Aber nein: er muss sich stattdessen auf die Suche nach publikumsträchtigen Theaterstücken oder bekannten Künstlern machen, die freilich weniger anspruchsvoll daherkommen, aber dafür den Geschmack der Massen treffen. Auch das ist Kunst; Kunst die verstanden wird. Kunst muss nicht immer unverstanden bleiben.
So brachte es das Häbse-Theater in seiner Vorfasnachtsveranstaltung "Mimösli" denn auch auf den Punkt: ein gewisser "Quiche Lorain", zunächst Arzt und dann Mitglied im Regierungsrat von Basel, wird schließlich zum "König vo dr Stadt am Bach" hochpersifliert.

Kein Wunder, waren die Vorstellungen ausverkauft.

01.März 2011

 

 

Das Ding mit dem Ring
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Nein! Auch wenn es die Überschrift suggerieren mag, es geht nicht um metallischen Intimschmuck; ich habe ja bereits schon früher an dieser Stelle erwähnt, dass ich jene Männer nicht verstehen kann, die aus ihrem besten Teil und dem ganzen Drum und Dran eine Sondermülldeponie machen müssen.

Es geht um was viel profaneres: den neue Fernsehwerbefilm von COOP.
Wer ihn noch nicht kennt: ein junger Mann will seiner Angebeteten einen Ring schenken, hat sich dafür ein lauschiges Plätzchen an einem See ausgesucht. Eine dumme Handbewegung und der Ring folgt der Erdanziehungskraft, plumpst ins Wasser.
Dumm gelaufen. Als nächstes geht der junge Mann einkaufen, holt sich bei COOP am Fischbuffet eine Forelle, um diese nun zu Hause seiner Herzdame zuzubereiten. Das klappt auch wunderbar. Der Fisch scheint ihr zu schmecken, nur dann beißt sie auf etwas... und man mag es kaum glauben: es ist der Ring, der ihr zu Beginn geschenkt werden soll. Beide sind arg überrascht.

Nette Geschichte.
Nicht wahr?
Ja!
Leider: nicht wahr!
Sie enthält nämlich zwei Fehler.

Fehler Nummer 1: Im Film ist zu sehen, wie der junge Mann direkt vorm Fischbuffet bei COOP steht und auf einen Fisch zeigt: das Buffet ist eine geneigte, rechteckige, mit Eis ausgestampfte Platte, auf welcher die Fische ausliegen. Und hinterm Buffet steht der COOP-Angestellte.
Aber das wird so in keinem Laden geschehen! Der Kunde muss aus hygienischen Gründen etwa in zwei Metern Abstand vorm Buffet warten, ein Absperrseil gibt die Abgrenzung vor. Nur der Verkäufer darf direkt ans Buffet, freilich nur mit Hygiene-Handschuhen ausgestattet. Wer sich überzeugen will: siehe COOP Megastore Oberwil.

Fehler Nummer 2: Der Ring kann nie und nimmer ZUFÄLLIG mit der Forelle zusammen zubereitet worden sein. Denn bevor eine frische Forelle bei COOP über den Ladentisch geht, werden ihr sämtliche Innereien entnommen, von der Gräte über die Organe bis zum Verdauungstrakt. Aber genau in diesem muss sich der Ring befunden haben.

Ja, manche Geschichten sind eben einfach zu schön, um wahr zu sein :-)

25.Februar 2011

 

Höhere Mathematik
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So, mal schauen, ob Otto Normalgayromeonutzer mit der folgenden Aufgabe was anfangen kann:
Welche Zahl darf für die Variablen x und y nicht eingesetzt werden?

f(x) = (4x) / (x-4)

g(y) = 4 / (3y + 2)

:-)

02.Januar 2011

 

Ich wünsch mir ja so sehr weiße Weihnachten, aaaaaaaaaaaber...
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... bitte erst, wenn ich dort angekommen bin, wo ich zu Weihnachten sein wollte. Und nach mir dann die Sintflut.

So ungefähr wird wohl derzeit so mancher denken, der auf Flughäfen festsitzt oder auf Bahnhöfen ausharren muss, bis der nächste Zug fährt.
Nicht zu fassen: da tritt mal das seltene Ereignis ein, dass Weihnachten mit Schnee begangen werden kann, und dann ist es am Ende auch wieder nicht recht, weil wir in unserem Lebensstandard eingeschränkt werden. Aber es ist ja auch wirklich ein Unding, dass ausgerechnet im Winter auf Flughäfen das Enteisungsmittel ausgeht.
Da kann man doch nun wirklich nicht damit rechnen, wo es doch immer heißt, uns droht die globale Erwärmung.
Naja, ist es nicht eher so, dass wir alle Sicherheit wollen, in jeder Hinsicht; eben auch, dass jede Stunde ein Zug von A nach B geht und eben auch ein Flug von C nach D.

Sicherheit aber hat ihren Preis. Und in Zeiten wie heute, wo man immer mehr auf funktionierende Infrastruktur angewiesen ist, um immer schneller an sein Ziel zu kommen, ausgerechnet in diesen Zeiten, wird in der Regel immer dort als erstes gespart, wo es gerade auf Sicherheit ankommt. Mag sein, dass die Schweiz mit dem Wintereinbruch besser zurechtkommt als Deutschland, wie es die BILD-Zeitung darstellt, aber hier in der Schweiz kommt nun die Rheinsalinen AG nicht mehr mit der Belieferung von Streusalz nach. Man hat es im Jahr 2010 nicht geschafft, die beiden "Salzdome" in Rheinfelden voll zu bekommen, als der Winter schon wieder Einzug hielt.
Bereits letztes Jahr gab es Lieferengpässe. Man muss dazu sagen, dass praktisch alle Kantone sich nur von dieser einen Firma mit Salz aus schweizer Herkunft beliefern lassen können, ein ominöses Monopol ist schuld dran.
Nun gut, ich bin nicht vom Winterchaos betroffen. Ich komme notfalls auch zu Fuss zur Arbeit. Vielleicht habe ich da gut reden im Vergleich zu anderen, die nun zu Weihnachten festsitzen. Aber vielleicht schafft ja dieser unfreiwillige Moment des Stillstandes ja, etwas Bewegung ins Denken zu bringen :-)

25.Dezember 2010

 

Das SF-Börsenspiel
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Seit dem 4.Oktober diesen Jahres läuft beim Schweizer Fernsehen mal wieder das Börsenspiel. Knapp 6500 Teilnehmer soll es geben. Auch ich mache mit. Nein, ich bin keiner, der aktiv an der Börse handelt. Ich habs einmal gemacht und bin dank Einsteigerglück unterm Strich mit einem Gewinn wieder ausgestiegen, und das ist inzwischen 10 Jahre her und ausgestiegen war ich, weil ich das Geld für andere Zwecke benötigte. Hätte ich damals meine Aktien noch ungefähr sechs Monate länger gehalten und dann verkauft, hätte ich Verluste von 50% realisiert.

Erstaunlich, wie es der derzeit Erstplatzierte schaffte, in etwas über einem Monat aus den gegebenen 10'000 Franken insgesamt 17'000 zu machen. Er hat halt ein glückliches Händchen gehabt und ALLES auf zwei Aktien gesetzt.

Bei mir sahs erstmal mies aus: ich habe die 10'000 Spiel-Franken auf 19 unterschiedliche Aktienwerte verteilt und lag damit zunächst bei einem Buchwert von 9'300 Franken und irgendwo im Bereich um Platz 5600.
Mein Motiv: man sollte das Risiko streuen.
Der Nachteil: 19 Börsentransaktionen verursachen eben auch mehr Kosten.
Und nachdem ich diese Investitionen getan habe, habe ich nur noch eines gemacht: NICHTS MEHR!

Nur ein- oder zweimal in der Woche habe ich mal nachgeschaut, was sich so getan hat.
Und es hat sich was getan: die erfolgloseste Aktie hat im Kurs 8% verloren, die erfolgreichste 22% gewonnen.
Unterm Strich ist mein Spieldepotwert auf knapp 10'200 Franken gestiegen, immerhin kein Minus mehr.
Was mich noch mehr überraschte: ich bin nun auf Rang 1348. Freilich kein Spitzenplatz aber ich liege im besten Viertel.
Ich vermute mal, dass ungefähr zwei Drittel aller Mitspieler einen Depotwert haben, der unter dem Einstiegswert liegt. Es ist eben ein Spiel und mag agiert ganz anders und kauft und verkauft drauf los - und verursacht somit jedesmal weitere Kosten, die den Depotwert drücken.
Man sieht also: die Börse ist eben nichts für Leute mit schwachen Nerven, am Ende gewinnt da nur die Bank ;-)
Wohlgemerkt: Es ist nur ein Spiel.

19.November 2010

 

Das Märchen vom Wirtschaftswachstum durch längere Öffnungszeiten
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Am morgigen Sonntag, den 31.Oktober 2010, ist es mal wieder so weit: in Basel ist verkaufsoffener Sonntag von 13 bis 18 Uhr. Und passend zu diesem Anlass haut der Chef der MIGROS Basel, Werner Krättli, ein paar Tage vorher kräftig in die Kerbe: die Regelung der Ladenschlusszeiten sei etwas, das veraltet ist und abgeschafft gehöre. Es sei ohnehin in Basel ein Anachronismus für den Detailhandel, zumal mal sich in Grenznähe befinde und so in Konkurrenz zu deutschen Geschäften stünde, die bis 22 Uhr offen haben. Also sollte dies doch auch endlich in Basel möglich sein.

Sprachs, und bekam in der Basler Zeitung auch gleich noch Schützenhilfe durch einen Kommentar von Daniel Schindler. Letzterer forderte "Schluss mit der Bevormundung" zu machen. Und die passenden (betriebswirtschaftlichen) Argumente für (noch) längere Öffnungszeiten der Detailhändler liefert er gleich noch dazu: "Sie haben aufgrund der teuren Verkaufsflächen hohe Fixkosten. Diese gilt es zu decken. Die Rechnung ist einfach: Je länger der Laden geöffnet ist, desto mehr Kunden kommen, desto höher sind die Umsätze, desto mehr Personal kann angestellt werden."

Und weiter schreibt Schindler, dies müsse doch ganz im Sinne der Gewerkschaften sein.
Der Mann muss Ahnung haben, er nennt auch ein treffendes Beispiel:die Migros am Basler Bahnhof SBB, die auch sonntags offen ist und die sich nicht darüber beklagen kann, arbeitswilliges Personal auch für Sonntagseinsätze zu finden. Es gäbe eine lange Liste. Letzteres hat ihm jedenfalls Herr Krättli so gesagt.

Soviel zum Populismus.

Gut möglich, dass die MIGROS am Bahnhof SBB tatsächlich unter Arbeitnehmern beliebt ist. Sie ist aber auch ein Sonderfall, weil der Bahnhof nun mal ein praktisch rund um die Uhr frequentiertes Areal ist und als EINZIGES großes Geschäft in Basel jeden Tag geöffnet haben darf. Aber lässt sich dieser Tatbestand einfach so auf andere Teile der Stadt oder gar der Region ausweiten?

Noch bis 2005 durften in Basel die Geschäfte wochentags nur bis 18:30 Uhr offen haben, donnerstags bis 20 Uhr, samstags bis 16 Uhr. In einigen wenigen Fällen, wie eben am Bahnhof SBB, gab es Sondergenehmigungen, auf deren Basis bis 20 Uhr oder länger geöffnet sein durfte, für die Reisenden.

Dann kam die Änderung und auf einmal durfte man wochentags bis 20 Uhr und samstags bis 18 Uhr geöffnet haben.
Fast alle übernahmen diese Zeiten.
Daher nun FRAGE NUMMER 1: Existiert überhaupt eine Nachfrage nach diesen langen Öffnungszeiten außerhalb des Bahnhofsperimeters? Etwa an einem so belebten Ort wie der Innerstadt rund um den Marktplatz?

Schauen wir uns mal die Öffnungszeiten der Läden an.

Beispiel Interdiscount XXL:
Mo-Mi 09:00-18:30
Do-Fr 09:00-20:00
Sa 09:00-18:00

Beispiel Globus:
Mo-Mi 09:00-18:30
Do-Fr 09:00-20:00
Sa 09:00-18:00

Beispiel COOP City:
Mo-Mi 08:30 - 18:30
Do-Fr 08:30 - 20:00
Sa 08:00 - 18:00

Beispiel COOP Pfauen:
Mo-Mi 08:30 - 18:30
Do-Fr 08:30 - 20:00
Sa 08:30 - 18:00

Sieht irgendwie nicht so aus, als wenn da wirklich Nachfrage danach bestünde, den gesetzlich möglichen Rahmen voll auszuschöpfen.
Selbst die Post scheint keinen Bedarf zu haben:
Mo-Mi 07:30 - 18:30
Do-Fr 07:30 - 19:00
Sa 08:00 - 17:00

Interessanterweise tanzt Herrn Krättigers Migros Märtplatz ein wenig aus der Reihe:
Mo-Fr: 08:00-19.00
Sa: 08:00-18:00

Man muss schon auf die andere Seite des Rheins schauen, um einen grösseren Laden zu finden, der wochentäglich bis 20 Uhr offen hat.
MANOR
Mo/Di/Mi/Do/Fr 08.30 - 20.00
Samstag 08.00 - 18.00

Und auch das Einkaufszentrum Stücki in Kleinhünningen hat bis 20 Uhr offen.
Ebenso hat auch der COOP Megastore in Oberwil wochentags stets bis 20 Uhr geöffnet.

Jedoch wenn in den letzten Monaten mal über das Stücki geschrieben wurde, dann nicht unbedingt wegen überragender Umsätze seiner Geschäfte, sondern eher dem genauen Gegenteil. Warum sonst trommelt die Migros regelmäßig mit Extra-Cumuluspunkten bei Einkäufen im Stücki-Markt? Und das Erstaunlichste: die kleine Migros Hochbergerstrasse nur 200 Meter vom Stücki-Zentrum entfernt hat nach wie vor genug Kundschaft, obwohl sie jeden Tag nur bis 18:30 Uhr offen und über Mittag sogar 90 Minuten geschlossen hat - und das ohne die Möglichkeit zusätzlicher Cumulus-Pünktchen.

Das führt zu FRAGE NUMMER 2:
Stimmt die Argumentationskette? Längere Öffnungszeiten => mehr Kunden => mehr Umsätze => mehr Personal?

Woher sollen MEHR Kunden kommen?
Es werden unterm Strich nicht mehr kommen als bisher, sie werden sich nur weiter über den Tagesverlauf verteilen.

Woher also soll dann MEHR Umsatz kommen?
Grundsätzlich gilt: jeder eingenommene Franken kann nur einmal wieder ausgegeben werden. Wer etwas anderes behauptet, lebt in einer Scheinwelt. Und man zeige mir bitte jene Leute, die durch längere Ladenöffnungszeiten mehr Geld ausgeben.

MEHR Personal?
Sicher nicht. Das bestehende Personal wird zwar nicht mehr arbeiten müssen als bishin, wird aber in seiner Freizeitgestaltung noch mehr eingeschränkt. Dann fängt man im COOP also einmal morgens um 6 Uhr an und darf um 15 Uhr heim, am nächsten Tag dagegen fängt man um 16 Uhr an und arbeitet bis 22 Uhr. Das würde sicher nicht jeder mitmachen, der seine geregelten Arbeitszeiten von 8 bis 17 Uhr gewöhnt ist.
Die Ladenöffnungszeiten am Marktplatz in Basel zeigen es recht deutlich: an umsatzschwachen Tagen wird das Personal eher nach Hause geschickt, um dann an stärkeren Tagen länger präsent zu sein.

Und mehr Personal an Sonntagseinsätzen?
Nun ja, Sonntagsarbeit lockt viele nur, weil die Arbeitgeber Zuschläge bezahlen - MÜSSEN!
Wird Sonntagsarbeit jedoch zur Gewohnheitssache, werden genau die Leute, die heute in den Öffnungszeiten eine Wettbewerbsbehinderung sehen, dann die Zuschläge mit dem selben Argument bekämpfen. Und mehr Leute werden auch bei Sonntagsarbeit nicht eingestellt. Denn die Umsätze verteilen sich dann eben von den sechs bisherigen Öffnungstagen auf den siebten. Wollte man mehr Personal einstellen, müsste man die Preise anheben. Aber damit wäre man nicht mehr wettbewerbsfähig.

Auf Dauer aber werden den Liberalisierungswahn am Ende wir alle zahlen müssen!
=> die Mitarbeiter, die durch die zunehmende Schichtarbeit schneller mal an ihre physische Grenze kommen und krank werden
=> die Kunden, die früher oder später höhere Preise zahlen müssen, weil nach ruinösem Wettbewerb nur noch wenige Megahandelskonzerne übrig sind, die sich den Markt aufteilen und dann die Preise absprechen
=> die Allgemeinheit, weil unser immer hektischeres Leben keine Auszeit in Form eines Sonntags mehr kennt, uns alle krank macht und die Krankheitskosten und damit am Ende auch die Prämien für Krankenversicherungen in die Höhe treibt.

In diesem Sinne allen noch einen schönen Sonntag.

(30.Oktober 2010)

 

Die Türkei in die EU?
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Es ist vielleicht schon drei Jahre her, als die EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei zunächst auf Eis gelegt wurden wegen unüberwindlicher Hindernisse. Ich fragte nach diesem Entscheid eine türkische Arbeitskollegin, die schon seit 20 Jahren in der Schweiz lebt: "Na, was meinst du, wer es eher in die EU schafft: die Türkei oder die Schweiz?"

Ja, nun haben sich die EU-Staaten wieder dazu aufgerafft, mit der Türkei zu verhandeln. Und die Gegensätze könnten nicht größer sein. Während der noch relativ frische britische Premierminister vehement für einen Beitritt wirbt, sieht der deutsche Außenminister derzeit keine Chance. Allerdings scheint der britische Premier David Cameron auch nicht 100%ig überzeugt zu sein. Er forderte jedenfalls, dass man "zusammen eine Straße von Ankara nach Brüssel bauen solle".
Wohlgemerkt: nach Brüssel - nicht nach London!

(27.Juli 2010)

 

Ein Zitat und Seitenhieb zugleich
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Doris Leuthard, schweizerische Bundespräsidentin verteilte beim Treffen mit den Spitzen der EU in Brüssel einen Seitenhieb:
"Wir erfüllen die Maastricht-Kriterien, sollten sie noch existieren"
(Gegen 24 der 27 EU-Staaten, darunter auch Deutschland, laufen Defizitverfahren wegen einer überhöhten Neuverschuldung)

(19.Juli 2010)

 

Mal wieder was Aufgeschnapptes
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Nach 30 Jahren treffen sich die 4 besten Freunde aus gemeinsamen Schulzeiten das erste Mal wieder ...

Nach einigen Gläsern verabschiedet sich einer von Ihnen in Richtung Toilette.
Die anderen fangen an über ihren ganzen Stolz zu berichten!

Der Erste meint: "Mein Sohn ist mein ganzer Stolz! Er war sehr fleissig in der Schule, hat jahrelang studiert, seinen MBA gemacht und ist heute Präsident einer der größten Firmen Europas! Er ist mittlerweile so reich, dass er mal eben seinem besten Freund zum Geburtstag einen Mercedes Kompressor geschenkt hat!"

Da meint der Zweite: "Nicht schlecht! Auch mein Sohn ist mein ganzer Stolz ! Auch er war sehr fleissig und hat studiert. Er fing ganz klein als Pilot einer der größten Fluggesellschaften der Welt an und heute gehört ihm ein Teil davon! Er ist so unglaublich reich, dass er seinem besten Freund zum Geburtstag einen Boeing 737-700 geschenkt hat!"

Der Dritte pfeift anerkennend: "Nicht übel meine Herren! Aber auch mein Sohn ist unsagbar reich geworden durch puren Fleiß! Er hat Ingenieurwesen studiert, eröffnete dann später eine Baufirma und diese arbeitet mittlerweile weltweit! Er schenkte seinem besten Freund zum Geburtstag ein Haus mit über 1000 m2, speziell für ihn gemacht, mit allem drum und dran !"

Die drei beglückwünschten sich untereinander, als der Vierte von der Toilette wiederkam und sich erkundigte, was er verpasst hätte.

"Wir sprachen gerade über unsere Söhne und wie stolz wir auf sie wären! Apropos... Was macht eigentlich Dein Sohn?"

"Der ist schwul! Er arbeitet als Stripper und Callboy in einer Diskothek. An seinen freien Tagen verdient er sich mit Schwulen-Pornos noch etwas dazu!"

"Oh mein Gott, das ist ja grauenhaft ! Du Ärmster... Das muss Dir doch unglaublich peinlich sein!"

"Nein, wieso? Überhaupt nicht! Er ist mein ganzer Stolz und Glück hat er auch noch! An seinem Geburtstag bekam er mal eben einen Mercedes Kompressor, eine Boeing 737-700 und ein auf ihn zugeschnittenes Haus von seinen 3 besten Liebhabern!"

(15.Juli 2010)

 

Fußball-WM vorbei
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Ja, also seit Sonntag Abend, den 11.Juli 2010, steht der neue Fußball-Weltmeister fest.
Und das ist obendrein auch noch der Europameister von 2008: Spanien.
Ungeschlagen... außer von den Schweizern :-)
Als Trost für die Holländer, die nun Vizeweltmeister sind, gibts von mir einen niederländischen Songtext:

Edsilia Rombley - Hemel en aarde

Nederland was koel en kil
en dan vooral het weer
De wind die laat nooit stil
en mijn liefdes leven des te meer
Wat ik in jou ogen las
ontsnapte bij mij het vuur
Zo word nog wel is onderschat
de kracht van de natuur

Hemel en aarde bewegen
als jij voor mij staat
Het is voor mij bewezen
dat het lot bestaat.
Hemel en aarde gaan open
als jij mij aanraakt
Ik wilde nooit geloven
maar er is meer tussen
hemel en aarde

Zwarte luchten breken
open aan de horizon
Nu zal ik me warmen
aan de stralen van de zon.
Ik heb de liefde geprobeerd
maar het was nooit wat het leek
Maar ik zag de toekomst toen
ik in jouw ogen keek

Hemel en aarde bewegen
als jij voor mij staat
Het is voor mij bewezen
dat het lot bestaat.
Hemel en aarde gaan open
als jij mij aanraakt
Ik wilde nooit geloven
maar er is meer tussen
hemel en aarde.
Als jij voor mij staat,
dat het lot bestaat

Hemel en aarde gaan open
als jij mij aanraakt
Ik wilde nooit geloven
maar er is meer
Als jij voor mij staat,
dat het lot bestaat
Hemel en aarde
Ik wilde nooit geloven,
maar er is meer
tussen
hemel en aarde

(12.Juli 2010)

 

Mysterium Oberwilerstrasse
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Es ist schon ein paar Wochen her, als ich einmal zu Fuss in Bottmingen unterwegs war; da fragte mich eine Frau auf der Strasse: "Entschuldigen Sie bitte, können Sie mir sagen, wo hier die Oberwilerstrasse ist?" Anhand ihres sehr reinen Hochdeutsch und der etwas unsicheren Stimmlage entnahm ich, dass sie fremd in der Gegend sein musste.
Ich überlegte kurz, schaute mich um, und zeigte auf ein Strassenschild keine zehn Meter von uns entfernt, auf dem "Oberwilerstrasse" stand. Direkt daneben zeigte ein weiteres Strassenschild in die entgegengesetzte Richtung an, dass man sich in der "Binningerstrasse" befindet.
"Schauen Sie, die fängt gerade da vorne an", fügte ich noch hinzu.
"Achsooo...", antworte sie etwas verwundert und lief in Richtung Oberwilerstrasse weiter.
Auch ich ging meinen Weg weiter und kam nun ins Grübeln wegen ihres verwunderten "Achsooo...".

'Moment mal', ging es mir dann durch den Kopf, 'womöglich meint sie ja gar nicht DIESE Oberwilerstrasse sondern eine andere'. Aber da hatten wir uns bereits aus den Augen verloren.

Was sich jetzt so eigenartig anhört, von wegen "andere Oberwilerstrasse", ist eine verwirrende Tatsache hier in der Region Basel. Denn obwohl bereits viele Gemeinden aufgrund reger Bautätigkeit der letzten Jahrzehnte hier schon zu einem Siedlungsband zusammengewachsen sind, existieren nach wie vor politische Grenzen. Gemeindefusionen sind hier kein Thema. Und so kommt es, dass eine Strasse mitten im Wohngebiet plötzlich ihren Namen wechselt, weil sie von einer Gemeinde in eine andere übergeht. Und an zentralen Plätzen, wo mehrere Strassen zusammenlaufen, erfolgt dann wiederum eine Namensänderung.

Und besonders krass fällt dieser Namenswandel auf einem etwa sechs Kilometer langen Strassenverlauf aus, welcher vom südlichen Basel bis nach Therwil führt:

Basel, Oberwilerstrasse, 800 m (Dorenbachkreisel, Zooeingang)
Binningen, Hauptstrasse, 950 m (Monteverdi-Ausstellung)
Binningen, Oberwilerstrasse, 800 m
Bottmingen, Binningerstrasse, 160 m (hier begegnete mir die Frau)
Bottmingen, Oberwilerstrasse, 800 m
Oberwil (BL), Binningerstrasse, 650 m
Oberwil (BL), Hauptstrasse, 290 m
Oberwil (BL), Mühlegasse, 400 m
Oberwil (BL), Mühlemattstrasse, 700 m
Therwil, Oberwilerstrasse, 500 m

Und besonders verwirrend ist gerade der Abschnitt zwischen Binningen und Bottmingen: dort folgen auf 800 m Oberwilerstrasse 160 m Binningerstrasse, dann wieder 800 m Oberwilerstrasse und dann wiederum eine Binningerstrasse, diesmal 650 m lang. Dieser Namens-Zick-Zack wird zudem noch von beiden Seiten durch je eine Hauptstrasse begrenzt, einmal 950 m und einmal 290 m lang. Womöglich suchte die Frau also gar nicht die Oberwilerstrasse in Bottmingen sondern die in Binningen, weil sie etwa zur Monteverdi-Ausstellung wollte, oder vielleicht sogar die in Basel, weil der Zoo dort einen Eingang hat. Ich werde es nie erfahren. (10.Juli 2010)

 

Ein paar wohlstandskritiske Gedanken
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Alle Welt kauft sich heute ein iPhone, weil es ja so furchtbar angesagt ist - und merkt nicht, dass man sich mit der achso großen Vielfalt an "Äpps" eigentlich nur veräppeln lässt, weil man nur Dinge erwerben kann, die dem großen Bruder Apple auch zusagen. Und der weiß dann am Ende mehr über seine naiven Kunden, als die überhaupt zu denken im Stande sind. Dass man mit dem neuen iPhone 4 ohne zusätzliche Schutzhülle kaum ein Telefonat zustandebringen kann, weil die Antenne per Fingerdruck kurzgeschlossen werden kann, wird da wohl kaum stören. Oder kauft man sich etwa ein iPhone, um damit zu telefonieren?!?

Ich dagegen habe mir dieses Jahr ein Nokia N97 zugelegt. Die aufschiebbare Tastatur erleichtert das Schreiben von SMS ungemein - und das Verschieben des Bildschirminhalts per Fingerbewegung beim Lesen von Internetseiten ist ebenso möglich - ja, ich lese vielleicht ein bisschen mehr als andere Leute. Und die Nokia-Geräte haben bei mir bisher immer mindestens zwei Jahre gehalten.

Alle Welt kauft sich Nespressomaschinen, weil ja der Kaffee aus den kleinen Maschinchen so wahnsinnig viel besser ist als aus der einfachen Espressomaschine oder dem etwas teureren Kaffeevollautomaten. Und sie sind so einfach zu handhaben. Und keiner merkt, dass Nespressomaschinen von heute quasi als Wegwerfartikel konzipiert sind. Gab es bei älteren Geräten noch die Möglichkeit, den Kaffeeauslauf mit ein paar geschickten Handgriffen herauszunehmen und in Reinigungslösung zu legen, um die Verkrustungen zu beseitigen, besteht diese Möglichkeit heute nicht mehr. Aber bei Preisen unter 200 Franken und völlig neuen Designs alle drei Jahre wäre man ja wirklich von gestern, würde man seiner alten Maschine treu bleiben wollen. Dumm nur, dass der Preis pro Kapsel von einstmals 44 Rappen auf inzwischen 50 bis 57 Rappen angezogen hat - und die Dinger nach wie vor nur über exklusive Vertriebskanäle erhältlich sind.

Und ich? Habe mir im Oktober 2009 eine JURA J5 gekauft, die mit Kaffeebohnen funktioniert und inzwischen schon über 1200 Bezüge gezählt hat. Kaffeebohnen gibts schließlich auch zu guter Qualität und vernünftigen Preisen JEDERZEIT und ÜBERALL zu kaufen. Und das Vorgängergerät, eine JURA F70, bekam nach 5 Jahren Dauereinsatz eine neue Brüheinheit für summa summarum 270 Franken und funktioniert wieder, ist derzeit aber in Wartestellung :) Ja, selbst der Geschäftsführer meiner arbeitgebenden Firma hat seinem Kader nach mehrjährigem Nespressostreichelkonsum und mehreren verschlissenen Maschinen eine JURA verordnet, um Kosten zu sparen. Dass die im Einsatz befindliche - und für über 30 Tassenbezüge pro Tag nicht unbedingt konzipierte - ENA3 seit Dezember 2008 problemlos läuft, liegt auch daran, dass ich sie regelmäßig warten darf - im Rahmen der Arbeitszeit versteht sich. Denn das Starten eines Reinigungsprogramms oder den korrekten Austausch eines Filters hinzubekommen grenzt ja schließlich schon an übermenschliche Fähigkeiten...

Und es ist wohl die Schnittmenge aus jenen oben genannten aller-Welts-Leuten, die regelmäßig zu jammern beginnt, wenn am Ende des Geldes noch so viel Monat und obendrein noch eine unbezahlte Steuerrechnung übrig ist. Aber irgendwie schaffen es diese Leute dann doch noch, jeden Tag etwa von Riehen oder Allschwil aus nach Basel auf Arbeit zu fahren - und zwar mit dem eigenen fahrbaren Untersatz um dann auch noch die Kosten fürs Parkhaus zu berappen. Und in den Arbeitspausen wir gequalmt wie ein Schlot und der Vending-Automat regelmäßig um Dutzende Red-Bull-Dosen zu überhöhten Preisen erleichtert und an den Wochenende auf Partys gesoffen wie ein Loch. Es sind die gleichen Leute, denen vor allem in den USA Kredite von Banken vergeben wurden, obwohl sie gar nicht mehr kreditwürdig waren - und zwar aus dem Grund, weil die Banken durch Risikoaufschläge viel besser an ihnen verdienen konnten als an "gesunden" Risiken. Und wenn doch mal was schief gehen sollte, springt eben der Staat ein, der dann mit dem Geld der Steuerzahler alle sich auftuenden Löcher wieder stopfen darf - ja, man verdient sogar noch dran, wenn derselbe Staat zahlungsunfähig wird, weil man gegen ihn mit Hilfe von Kreditausfallversicherungen für Staatsanleihen gewettet hat. Dumm nur, dass es inzwischen Löcher gibt, die sich nicht mehr mit Geld stopfen lassen, am Grunde des Golfs von Mexiko etwa.

Aber den geneigten Leser, der sich bis hierher durchgekämpft hat, interessiert ja ganz was anderes: Ja, mein Freund und ich leben ohne Auto, fahren jeden Tag mit dem Tram zu Arbeit. Er raucht immer mal wieder; und abends genießen wir meistens ein Glas Roten. Unser Lieblings-Laster hingegen ist kostenlos :-)

(06.Juli 2010)

 

Der Einheitssatz wird kommen... oder auch nicht
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Der Bundesrat - die schweizerische Bundesregierung - hat heute nun beschlossen, dass der Regelungswust bei der Mehrwertsteuer gelichtet werden soll. Dazu sollen diverse Ausnahmeregelungen verschwinden und es künftig nur noch einen Mehrwertsteuersatz geben. Und der soll bei 6.2% zu liegen kommen.
Zur Erinnerung: in der Schweiz liegt der reguläre Satz derzeit bei 7.6% bzw. 8.0% ab nächstem Jahr und 2.4% bzw. 2.5% ab nächstem Jahr ist der reduzierte. Außerdem haben Gastgewerbetreibende einen Sondersatz von 3.8%.
Man ahnt es schon: es wird auf jeden Fall Widerstand geben. Die einen werden bemängeln, dass die Ärmsten noch stärker belastet werden weil ja Lebensmittel dem bisher reduzierten Satz unterliegen. Und das Gastgewerbe wird ebenfalls jammern wegen zusätzlicher Belastungen. Aber soviel ist sicher wie das Amen in der Kirche: dieser Einheitssteuersatz wird nicht ohne Volksabstimmung über die Bühne gehen können.
Nicht, weil ohnehin jemand mit dem Referendum drohen wird. Nein, sondern weil in der Schweiz die Grundlagen für die Mehrwertsteuer in der Bundesverfassung festgeschrieben sind. Und diese müssen entsprechend abgeändert werden.
Und jede Verfassungsänderung muss vom Volk abgesegnet werden.
Spätestens jetzt versteht man wohl auch all jene Baden-Württemberger, die nach einem eher politischen Jux von vor zwei Wochen liebend gern ihr Bundesland als Teil der Schweiz sehen würden :)

(21.Juni 2010)

 

Eine Fußball-WM der Überraschungen
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Die Franzosen flogen raus mit Schimpf und Schande. Ob sie inzwischen schon wieder daheim sind, weiß ich nicht. Wenigstens 1 Tor haben sie schießen können. Und das bei den Salären...
Die Italiener flogen heute ebenfalls raus, weniger mit Schande, allerdings haben sie kein einziges Spiel gewonnen und das letzte verloren... und das auch noch gegen die Slowaken.
Der Sieg der Schweizer gegen die Spanier war also nur ein Vorgeschmack auf ungewöhnliche Ergebnisse :-)

(24.06.2010)

 

Auto-Zug-Unglück
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Auf der Arlbergstrecke, der einzigen Zugverbindung zwischen der Schweiz und Österreich, ist heute ein Autozug verunglückt. Mit 120 statt erlaubter 60 km/h fuhr er durch eine Kurve; menschliches Versagen wird jedoch ausgeschlossen. Ergebnis mal abgesehen vom Sachschaden: die Zugstrecke ist für ein paar Tage blockiert. Reisende müssen ein Stückweit mit einem Ersatzbus chauffiert werden. Daher wird empfohlen, eine Stunde mehr Reisezeit einzuplanen.

Dazu kann ich - und jeder andere, der mal auf dieser Strecke unterwegs war - nur sagen: eine Stunde zusätzliche Fahrzeit hätte man auch ohne Streckensperrung einkalkulieren müssen. Jedenfalls habe ich es so erlebt auf meiner Fahrt nach Wien und zurück im April diesen Jahres.

(16.Juni 2010)

 

Fußball-WM
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Ich bin ja kein Fußball-Fan und somit stört mich der Krach von Vuvuzelas auch nur, wenn mir einer damit was blasen will. Aber dass die Schweizer nun die Spanier in der Vorrunde besieht haben, gleicht wohl einer Sensation. So sensationell, dass es nicht einmal die Deutschen glauben wollten und gleich ein Haar in der Suppe zu finden meinten: das Tor sei im Abseits zustande gekommen. Na, was solls: der Schiedsrichter hat den Spaniern 95 Minuten Zeit gelassen, auch ein Tor zu schießen - mehr als genug :-)

(16.Juni 2010)

 

Heute wirds grotesk
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Es mutet geradezu grotesk an, was dieser Tage in Helvetien durch den Blätterwalt geistert: der Vulkan Eyjafjallajökull auf Island (klingt in der korrekten Aussprache ein wenig nach "...flatla...", hat aber nichts mit Flatulenz zu tun) nebelt die Athmosphäre über Europa eher unsichtbar aber umso wirkungsvoller ein, so dass ein Großteil des Kontinents den Flugverkehr einstellen muss, aus Sicherheitsgründen.
So verkündete auch das Bundesamt für zivile Luftfahrt am vergangenen Freitag die Sperrung des Luftraumes über der Schweiz.

Nach knapp vier Tagen konnte am heutigen Dienstag der Flugverkehr in der Schweiz wieder aufgenommen werden. Die Flugunternehmen klagen bereits über Umsatzausfälle. Noch viel mehr aber klagten die Flughafenanwohner - über plötzlich hereingebrochene unerträgliche Stille.

Und ausgerechnet nun an diesem vom Aschewolkenmedienwirbel geprägten Wochenende enthüllt eine Sonntagszeitung, dass auf dem Grund eines Schweizer Sees mehrere Urnen gefunden wurden. Nein, keine Wahlurnen - sonst wärs ja nicht grotesk - nein, Urnen, die einstmals menschliche Asche enthielten!
Die aufgefunden Gefäße waren teilweise bereits zerbrochen. Und der Fund wurde auch nicht - wie man vielleicht vermuten könnte - im Urnersee gemacht sondern im Zürisee bei Küsnacht, der Goldküste der Schweiz gewissermaßen.

Es wurde auf jeden Fall schon mal Entwarnung gegeben: die Urnen im Wasser seien unbedenklich. Ein mulmiges Gefühl dürfte aber vielleicht schon für den einen oder anderen bleiben.

Allerdings ist die Schweiz, was Urnenbeisetzungen angeht, weitaus weniger reglementiert als Deutschland, wo etwa Urnen aus Kunststoff erlaubt sind, jedoch die Aufschrift tragen müssen: "Keine heiße Asche einfüllen!" und in jedem Falle auf einem Friedhof beigesetzt werden müssen. Und das kostet - nicht einmal das früher übliche Sterbegeld reichte mehr aus, deswegen wurde es wohl auch abgeschafft.

In der Schweiz dagegen darf die Urne an jedem Ort beigesetzt werden, ja, der Inhalt kann sogar verstreut werden. Dazu braucht es keine Genehmigung, nicht einmal vom Bundesamt für zivile Luftfahrt.

Aber zurück zum See: in Küsnacht wissen die Behörden von vereinzelten Fällen, in denen Urnen im See bestattet wurden. Allerdings in der Unmenge wie nun vor Küsnacht, das bereitet dann selbst den Küsnachter Verwaltern ein wenig Unbehagen. Die Kantonsbehörden - zuständig für alles, was mit dem See zu tun hat - wussten dagegen angeblich noch von keinerlei solchen Vorgängen im See - und haben daher Anzeige gegen Unbekannt wegen Störung des Totenfriedens erstattet.

Im Strafgesetzbuch der Schweiz heißt es dazu aber nur: "Wer [...] die Asche eines Toten wider den Willen des Berechtigten wegnimmt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft."
Wenn die Urnen also von den Berechtigten versenkt wurden, könnte sich dann höchstens einer strafbar machen: nämlich die Ur(nen)heber selber - und das sind ausgerechnet die derzeitigen Untersuchungsbehörden.

Der Verdacht geht daher nun Richtung Dignitas, jener Sterbehilfeorganisation, die in den letzten Jahren für Schlagzeilen sorgte. Hat Dignitas etwa die Urnen der freiwillig aus dem Leben geschiedenen im See entsorgt ohne dass dies deren letzter Wille gewesen ist; und das just an jenem Ort, von dem bekannt war, dass dort ohnehin schon ein paar Gefässe versenkt wurden?

Oder ist die Antwort vielleicht viel, viel profaner: bekanntermaßen ist die Goldküste des Domizil vieler schwerreicher Schweizer und Nichtschweizer. Aber auch die leben nicht ewig. Und ein Sprichtwort sagt ja: "Bei den Reichen lernt man das Sparen!" Wozu ein herkömmliches teures Grabfeld, wenn der See vor der Haustüre liegt?

Machen wir uns da mal nicht zu viele Gedanken über die Urnen im Zürisee. Wir alle gehen früher oder später in jenen Zustand über, der derzeit in der Athmosphäre für Turbulenzen sorgt - und keiner kann was dagegen tun! Zwar predigt die Kirche: "Erde zu Erde, Asche zu Asche, Staub zu Staub" und nicht "Asche zu Wasser" - aber mit der Interpretation der Worte "Liebe deinen Nächsten" hat es die Kirche ja auch nicht so eng gehalten.

Die einzigen, die sich derzeit wohl nicht so sehr - oder vielleicht gerade umso mehr - über unfreiwillige Popularität freuen dürften, könnten übrigens die Urnerinnen und Urner sein. Das gleiche könnte auch für die glarner Gemeinden Oberurnen und Niederurnen gelten...

Wem ich mit all diesen Worten zu nahe getreten sein sollte: Asche auf mein Haupt!

(20.April 2010)

 

Verspäteter Aprilscherz oder grüner Dünnschiss?
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Heute meinte doch tatsächlich der für die Genfer Grünen im Nationalrats (ein)sitzende Antonio Hodgers, die Deutschschweizer sollten gefälligst Hochdeutsch sprechen. Nur in der Familie und in einiges Kulturvereinen solle der Dialekt noch erlaubt sein.

Ja, hat er das wirklich ernst gemeint? Naja, vielleicht leiden die Welschen (so nennt man die französischsprachigen Schweizer hierzulande) unter einem Minderwertigkeitskomplex. Denn die haben ihre frankoprovenzalischen Dialekte - genannt Patois - längst zugunsten der zentralisierten Pariser Variante des Französischen aufgegeben.

Und bemerkenswert ist dabei, dass ausgerechnet die inoffizielle Hymne des Kantons Genf mit dem Titel "Cé qu’è lainô" im alten Genfer Dialekt verfasst ist - den heutzutage kein Genfer mehr versteht. Also ernst zu nehmen ist Herr Hodgers wirklich nicht.

08.April 2010

"Arme" Lottomillionäre in der Schweiz
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Sage und schreibe 35,4 Millionen schweizer Franken stehen derzeit für einen glücklichen Gewinner von Swisslotto zur Verfügung. Wie immer in solchen Fällen animiert das Ganze nun weit mehr Leute als sonst, mal ihr Glück zu versuchen. Aber sechs Zahlen allein richtig haben reicht natürlich nicht aus. Für diesen Gewinnrang stünden "nur" 21,2 Millionen Franken als Gewinnsumme an. Um den ganz großen Wurf zu machen, muss auch noch die richtige Pluszahl angekreuzt werden: 1, 2 oder 3.

Nur leider hat die Sache noch einen gewaltigen Pferdefuß. Gilt die Schweiz ja sonst als eher steuergünstiges Land, so muss dies im Falle von Lottogewinnen verneint werden. In Deutschland etwa sind Lottogewinne zwar nicht per se steuerfrei. Lottogewinne sind schlicht und einfach nach den Buchstaben des Einkommensteuergesetzes keine Form von Einkommen also auch nicht steuerbar.

In der Schweiz dagegen müssen Lottogewinne versteuert werden, und das wird gnadenlos durchgezogen: Lottogewinne ab 50 Franken werden um 35% Verrechnungssteuer gekürzt ausbezahlt bzw. überwiesen. Das heißt, dass von den potenziell 35,4 Millionen höchstens 23 Millionen überwiesen werden.

Nun hat der "Blick am Abend" vom vergangenen Freitag, 5.März 2010, geschrieben, dass man sich diese Steuer zurückerstatten lassen kann, wenn man den Lottogewinn ordentlich in der Steuererklärung angibt. Die Steuer reduziere sich dann je nach Wohnort auf etwa 15 bis 30 Prozent der Gewinnsumme.

Im Prinzip hatte die Zeitung ja recht, aber wie sie auf jene 15 bis 30 Prozent kommt, ist mir schleierhaft, vor allem die 30%. Etwa in Basel würde man auf die Rekordgewinnsumme 13,2 Millionen Franken Steuern bezahlen müssen. Konkret heißt dies, dass die bereits eingezogene Verrechnungssteuer gar nicht ausreicht, um die komplette Steuerschuld zu decken.

Wie also kommt der "Blick am Abend" auf 30%?
Ganz einfach: die Bundessteuer wurde vergessen!
Sie wird von den meisten Bürgern des Landes gar nicht so richtig wahrgenommen. Aufgrund der hohen Abzugsmöglichkeiten und niedrigen Steuersätze in den unteren und mittleren Einkommen fällt sie meist sehr viel niedriger aus als die Staats- und Gemeindesteuern. Folglich wird sie auch gern mal unter den Teppich gekehrt bei Berechnungen. Aber bei hohen Einkommen wie im Falle eines Millionengewinns macht sie sich bemerkbar: egal, wo man in der Schweiz wohnt: von den 35,4 Millionen Franken müsste ein jeder rund 4,07 Millionen nur allein an den Bund abgeben. Es empfiehlt sich im Falle eines hohen Lottogewinns umgehend sein Domizil in einen steuergünstigen Wohnort zu verlegen, solange das Steuerjahr noch nicht zu Ende ist. Das ist das einzigste, was man effektiv tun kann.

Wer nun in Deutschland wohnt und meint, ihn kann das ganze gar nicht kratzen, er sei ja als in Deutschland Wohnender nicht schweizer Steuergesetzen unterworfen und kriege den Gewinn voll überwiesen, sei eines Besseren belehrt:
1. Auch Ausländern wird die Verrechnungssteuer auf schweizerische Lottogewinne abgezogen. und noch viel schlimmer:
2. Eine Rückforderungsmöglichkeit für diese Verrechnungssteuer im Ausland besteht nicht. Die Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und den anderen Staaten schließen genau diesen Punkt ausdrücklich aus!

(08.März 2010)

 

Stillos, geschmacklos, anstandslos - aber man will es ja so... anscheinend
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Ich bin wohl anscheinend Angehöriger einer Minderheit, nämlich jener, die es doch lieber vorziehen selber zu entscheiden, wann ein Film zu Ende ist: nämlich dann, wenn er bis zu Ende gelaufen ist mit dem Abspann.
Es gab ja mal eine Zeit - die Älteren werden sich noch dran erinnern, da gehörte es zum guten Ton, dass jeder Film und jede Serie bis zum Ende gespielt wurde. Man behielt die Melodien im Kopf und es war jedesmal wie ein Stück Ausklingen-lassen.

Seit 1992 der Sender RTL damit anfing, systematisch bei allen Filmen und Serien die Enden wegzuschneiden, ist es vorbei damit. Was zunächst noch als Unsitte von anderen Sendern, vor allem ARD und ZDF, gebrandmarkt wurde, ist inzwischen längst auch bei den Sendern Usus, für deren Empfang man bezahlen muss, auch wenn man sie gar nicht schaut - weil sie ja einen öffentlichen Auftrag erfüllen.

Und da gemäss Zuschauerzahlen der GfK Fernsehzuschauer wegschalten, wenn ein Abspann läuft, wird sowas eben weggeschnitten und lieber mit Werbung verkleistert. Und da öffentlich-rechtliche Sender spätabends keine Werbung senden dürfen, wird halt kräftig in eigener Sache geworben. Wer es noch gewohnt ist, am Ende eines Tatort-Krimis mit der üblichen Melodie und dem Fadenkreuz-Abspann verabschiedet zu werden, sollte besser Sender wie Südwest-Fernsehen, Westdeutschen Fernsehen oder Norddeutsches Fernsehen meidet. Dort kennt man einfach keine Gnade mehr. Da sitzt eben noch Kommissarin Lena Odenthal gedankenversessen - und plötzlich flimmert eine Programmvorschau ins Bild: "Und das sehen Sie im nächsten Tatort..." heißt es dann noch.

Beschwehrt man sich über solche Unarten, heißt es dann etwa vom Norddeutschen Rundfunk:
"Es ist richtig, dass wir seit Herbst 2009 bei einigen Fernsehproduktionen den Abspann zeitlich einkürzen. Inhaltlich geht Ihnen als Zuschauer dabei natürlich nichts verloren. Dies ist mittlerweile eine gängige Praxis im Deutschen Fernsehen, die von vielen Zuschauern auch begrüßt wird. Die Qualität unseres Programms wird unseres Erachtens dadurch nicht beeinflusst"

Aha, es wird von einer Mehrheit also begrüßt?
1. Erinnere ich mich nicht, jemals gefragt worden zu sein, ob mir diese Unart gefällt. Im Gegenteil: ich habe seit Mitte der 1990er Jahre immer wieder gegen derartige Filmkastrationen protestiert aber stets die gleichen Antworten erhalten, dass ich einer Minderheit angehören würde. Gemeint ist wohl die schweigende Mehrheit, die aber auch nicht gefragt wurde.
2. Gibt es doch einen gravierenden Unterschied zwischen "etwas begrüßen" und "etwas hinnehmen". Genau das setzt man aber bei den Fernsehsendern gleich.

Dass Protest aber hin und wieder doch mal hilft, nämlich, wenn er geballt auftritt, hat sich wenigstens beim Sonntags-Tatort im Ersten und bei der Lindenstrasse gezeigt. Nun ja, wenn es nicht anders geht: ich verfasse hier gern einen Standardprotestbrief mit den Emailadressen aller betroffenen Fernsehsender, für die wir Gebühren bezahlen, damit jeder, der ähnlich denkt wie ich, mal seine Meinung kundtun kann. Alles, was nötig wäre, wäre ein einfaches Control+C und Control+V und das Einsetzen des eigenen Namens. Aber schon das dürfte wohl den meisten hier zu viel Arbeit sein. Die Scheinwelt macht ja schließlich mehr Spaß.

Ein trauriger Andreas

(05.März 2010)

 

21.März - verkaufsoffener Sonntag in Basel
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4 Sonntage pro Jahr dürfen in Basel verkaufsoffen sein, zwei davon in der Vorweihnachtszeit, die beiden anderen sind frei wählbar. Und da sich in der Zeit um den 21.März mal wieder alles in Basel sammelt, was Geld hat, weil Uhren- und Schmuckmesse ist, will der Detailhandel davon auch profitieren. Nur während es andere Geschäfte schon vor zwei Monaten(!) ihren Mitarbeitern kommunizierten, dass der 21.März offen sein wird, ist das bei uns erst heute geschehen. Ich hatte ja große Lust, schon vor etwa einem Monat mal vorsichtig zu fragen, ob wir dann offen haben werden. Aber ich wollte keine schlafenden Hunde wecken ;-)

Heute nun also kams bei uns heraus und ich konnte nur noch sagen: Tud mir leid, aber am Sonntag vor meiner Ferienwoche gehts nicht, da bin ich bereits unterwegs. Und mein Kollege Tristan kommentierte die Frage, ob er kommen wolle, mit der Gegenfrage: "Ahja, un wieso machet die denn scho widr uff. Was isch da bsonderes? Hundsverlochete?"

Nun ja, all denen, die kein Baseldütsch können: "Hundsverlochete" bedeutet auf hochdeutsch "Hundebegräbnis" und man meint damit Ereignisse, die nicht wirklich wichtig sind. So gibts den Spruch: "Der goht wirkli au an jede Hundsverlochete!" für jemanden, der wirklich überall dabei sein muss.

(03.März 2010)

 

Über Basel regnets Räppli - und Häme über die ganze Schweiz!?
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Seit Montag, 22.Februar 4 Uhr morgens sind sie mal wieder zu erleben: die "drey scheenschte Dääg z'Basel" - also die Fasnacht in ihrer ganz typischen Basler Ausprägung.
Entweder man mag sie oder man flüchtet vor ihr. Wer sie erstmals als Tourist erlebt und sich zu schade ist, wenigstens 8 Franken für eine Fasnachtsplakette springen zu lassen, braucht sich nicht zu wundern, wenn er (und vor allem auch sie) ständig mit Räppli (baseldeutsch für "Konfetti") apliziert wird, und zwar ganz gezielt. Gut möglich, dass dies so mancher Aussenstehender jetzt als weitere Ausprägung der Fremdenfeindlichkeit versteht, welche ja gemäss internationalen Pressemeldungen in der Schweiz immer stärker um sich greift.
Überhaupt: das die Schweiz sich von einem kleinen Paradies zu einem Hort der Unfreundlichkeit gewandelt habe, dass die Züge heute ständig verspätet seien, dass die Städte immer dreckiger würden, dass überhaupt alles teurer würde usw. usf. Aber wenn man es mal genau nimmt: solche Feststellungen sind Allgemeinplätze, die genausogut für Deutschland, Frankreich, Großbritannien, die Niederlande, Italien, Spanien oder auch Griechenland gelten können. Es hat nur bislang kein anderes Volk dieser Welt die Möglichkeit gehabt, per Abstimmung kund zu tun, wie weit Toleranz in Sachen Islamisierung gehen soll. In allen anderen genannten Ländern findet dieses Thema in der Regel nur an Stammtischen statt - wenn man mal von Frankreich absieht, welches ein Burkaverbot einführen will.

Nehmen wir das Beispiel Züge der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB): die sind sicherlich auch nicht mehr so pünktlich wie schon in früheren Zeiten. Allerdings hat die Schweiz das dichteste Eisenbahnnetz der Welt. Auf den Hauptverkehrsstecken fährt jede Viertelstunde ein Zug, auch Nebenstrecken werden zumeist einmal pro Stunde bedient.
Während vor allem Zugsausfälle aus Frankreich wegen der französischen Streiklust gemeldet werden, sind es aus Deutschland vor allem verspätete ICEs, die eigentlich dann noch bis Interlaken oder Chur weiterfahren sollen. Und das traurigte Beispiel ist der Cisalpino aus Mailand, der in vier von fünf Fällen verspätet ist - nicht, weil die Schweizer unfähig sind, sondern weil auf italienischer Seite die Infrastruktur nördlich von Mailand in Rom niemanden interessiert und die Züge dort Bummelzugtempo fahren müssen.

Während es in der Schweiz aber kein Problem darstellt, mit einem verspäteten Zug im Notfall einen späteren Anschluss zu nehmen, wirds in Italien kompliziert: wer dort den Fernverkehrszug "Eurostar" nutzen will, ist an eine Reservierung gebunden - und muss diese dann im Notfall vor Ort umbuchen lassen, bevor er sich in einen anderen Zug setzen kann. Da kann man nur viel Glück und viel Spaß wünschen. Vielleicht sind die Zeitungsschreiberlinge in aller Welt einfach nur neidisch darauf, dass die Schweiz trotzdem funktioniert, obwohl man in den letzten zehn Jahren mit so einigen Mythen aufgeräumt hat. Und dass die Schweiz wirklich ausländerfeindlich sei, ist übertrieben: von jenen 6.4 Millionen Einwohnern im Alter von über 15 Jahren sind allein 30% mit Migrationshintergrund, wie das so schön heißt. Und das kleine Land mit seinen 26 Kantonen hält trotzdem friedlich zusammen.

Werfen wir einen Blick in andere EU-Staaten: so schwelt in Belgien schon seit Jahrzehnten der Konflikt zwischen Flamen und Wallonen. In Nordirland sind es nach wie vor Spannungen zwischen Katholiken und Protestanten, die das Leben nicht unbedingt einfach machen. Und auch die Größe eines Landes scheint bedeutend zu sein, was die Wichtigkeit in den Medien angeht: während Ungarn gebrandmarkt wurde, weil es die Probleme mit den Roma kaum in den Griff bekommt, wird über das viel größere Italien mit den gleichen Problemen praktisch nie etwas geschrieben. Die Befindlichkeiten eines Herrn Berlusconi sind stets wichtiger.

Aber vielleicht ist es genau das, was der Schweiz fehlt: eine Art Führerpersönlichkeit, die mit ihren Eskapaden für Ablenkung sorgt. Denn die Schweiz hat kein Staatsoberhaupt per se. Die Bundesregierung, die hierzulande Bundesrat heißt, wählt zwar einen Bundespräsidenten aus ihrer Mitte, aber der wechselt jedes Jahr und man ist eben zurückhaltend.

(23.Februar 2010)

 

Die neue Mobilfunktransparenz ab Juli
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Wer ins Ausland fährt und sein Mobilofon mitnimmt, sollte sich ja eigentlich immer VORHER erkunden, was ihn (oder auch sie) die mobile Freiheit im Ausland kostet. Vor allem jene Leute, die gern mal ins mobile Internet gehen, erhalten dann einige Zeit nach dem Urlaub noch ein teures Andenken in Form der Mobilfunkrechnung, weil im Ausland nun mal andere Tarifierungen gelten.
Aber auch schon die Frage, was das einfache Versenden einer SMS oder ein eingehendes Mobiltelefonat kosten, wissen die meisten gar nicht wirklich zu beantworten.

Nun hat der schweizer Bundesrat im November 2009 eine Abänderung der Fernmeldediensteverordnung beschlossen. Per 1.Juli 2010 gilt, dass die schweizer Mobilfunkunternehmen ihre Kunden beim Wechsel in ein ausländisches Netz unentgeltlich, unverzüglich und leicht verständlich über die maximal anfallenden Kosten von fünf Roamingdiensten informieren müssen.
Diese sind Anrufe in die Schweiz, ankommende Anrufe, Anrufe vor Ort, Versand von SMS und Datenübertragung inkl. Versand von MMS. Da dürfte es dann beim Netzwechsel einigemale hintereinander Piepsen, um all diese Informationen zu übermitteln. Immerhin: die Verordnung hat auch an jene Leute gedacht, die in Grenzgebieten wohnen und öfter mal ins andere Netz wechseln. So heißt es weiter, dass diese Benachrichtigung einfach und unentgeltlich zu deaktivieren aber natürlich auch zu reaktivieren sein muss. Über die Möglichkeit zum Ein- und Abschalten dieser Tarifinformationen muss das Unternehmen seine Kunden aber mindestens einmal jährlich und beim Vertragsabschluss informieren.
Bleibt die Frage, warum das Ganze erst auf den 1.Juli in Kraft treten soll. Andere Änderungen der Verordnung traten nämlich bereits per 1.Januar in Kraft.

(11.Februar 2010)

 

Ein bisschen Populismus
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Am gestrigen Montag hat "Report München" mal den Blick in die Schweiz gewendet - und ein düsteres Bild über die dort lebenden Deutschen gezeichnet. Schenkt man dem Tenor des Berichtes Glauben, dann müssen die Deutschen in der Schweiz wirklich schlimm dran sein. Und an allem sei vor allem die Politik der SVP schuld, die den Fremdenhass schüre.

Da wird als Beispiel auch die Moderatorin Kathrin Wilde genannt. Sie war einige Zeit bei Radio Energy in Zürich im Morgenprogramm zu hören. Doch empörte Reaktionen auf ihre hochdeutsche Aussprache bis hin zu Sachbeschädigungen und Drohungen sahen sie dazu veranlasst, sich eine andere Arbeit zu suchen - nunmehr beim Saarländischen Rundfunk.

Es ist in der Tat ein Extrembeispiel.
Frau Wilde selber hat überhaupt nichts falsch gemacht. Radio Energy ist schlicht dem Irrtum erlegen, dass man der Zürcher Hörerschaft schon frühmorgens auf dem heimatlichen Sender eine fremdanmutende Stimme zumutet.
Das Radio ist nun mal DAS Medium in der Schweiz, in welchem der Dialekt gepflegt wird. In der Zeitung gehts ja nun mal nicht, da ist alles schriftdeutsch. Im Fernsehen gehts nur beschränkt: programmbeherrschende Filme und Serien werden ja schließlich nicht in schweizerdeutsch synchronisiert!
Da wird ein hochdeutschsprechender Moderator eben wir ein Eindringling empfunden. Und dann auch noch im Morgenprogramm, wo man ja eigentlich froh gelaunt in den Tag starten will. Das ist schlicht und einfach ein Unding.

Wer nun als Deutscher meint, das sei doch diskriminierend: wie tolerant wäre wohl ein Saarländer oder ein Schwabe oder ein Bayer, wenn in seiner Morgensendung im Radio jemand berlinern oder sächseln würde - oder schlimmer noch - im Jugo-Akzent moderieren würde. Und zwar nicht als satirische Einlage sondern die ganze Zeit immer wieder.
Möge mir keiner sagen, das sowas auf Dauer geduldet würde!
Ganz realistisch gesehen: man würde es ja gar nicht soweit kommen lassen, so jemanden moderieren zu lassen. Klares Hochdeutsch ist in der Regel Standardvoraussetzung. In der Schweiz aber, wo Dialekt nun mal Identifikationsmerkmal ist, gilt diese Regel nicht mehr. Und daran wird sich so schnell auch nichts ändern.
Vielleicht hätte Frau Wilde bei einem Sender in der Region Basel etwas weniger Pech gehabt. Dort ist man den Kontakt zu den Deutschen eher gewöhnt und freut sich vielleicht auch ein wenig über den Zuzug vom großen Nachbarn. Weil man wohl insgeheim hofft, dass man im Kleinbasel eines Tages wieder Deutsch als vorherrschende Sprache auf der Straße antreffen wird...

Bleibt noch zu ergänzen, dass Radio Energy Zürich im vergangenen Jahr fast den Betrieb hätte einstellen müssen. Denn bei der Neuvergabe der Sendefrequenzen ging der Sender aufgrund seines Profils leer aus. Dies hatte zu einem Proteststurm bei der Hörerschaft geführt und Diskussionen über die Sinnhaftigkeit der Frequenzvergabekriterien geführt. Dass Radio Energy Zürich am Ende doch noch weitersenden konnte, verdankte man der Tatsache, dass ein neuer Konzessionsinhaber es sich ander überlegte, und seine Konzession an Radio Energy verkaufte.

(09.02.2010)

 

Ein Blick auf Riehen BS
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Im (wahrsten Sinne des Wortes im) Dunstkreis von Basel liegt die Stadt Riehen. Sie grenzt direkt an Basel und hat es bisher geschafft, sich größtenteils auch geografisch vom großen Nachbar durch Wald und Grünflächen abzugrenzen. Das besondere an dieser Stadt - und das wissen wohl auch viele Schweizer nicht: sie gehört zum Kanton Basel-Stadt, auch wenn der Kantonsname was anderes suggeriert.
Mit rund 20'600 Einwohnern liegt Riehen auf Rang 33 in der Schweiz. Das hört sich erstmal nicht so enorm an, aber in der gesamten Region Basel ist es die zweitgrößte Stadt! Sämtliche Gemeinden der Nachbarkantone Basel-Landschaft, Solothurn, Aargau und Jura haben weniger als 20'000 Einwohner!
Ja, und in Riehen wurde am Wochenende gewählt: ein neuer Einwohnerrat (Gemeindeparlament) und ein neuer Gemeinderat (Gemeinderegierung). Und die Riehener sorgten für eine Überraschung: im Einwohnerrat konnte die SVP einen erdrutschartigen Sieg verbuchen und stellt mit nunmehr 8 statt 4 Vertretern die stärkste Fraktion. Die bisherige stärkste Kraft, die LDP dagegen wird statt 9 nur noch 5 Vertreter entsenden, die FDP bleibt bei 6.

Noch schlimmer siehts im Gemeinderat aus: alle Bisherigen sind im ersten Wahlgang gescheitert!
Und das Beste: auch der bisherige Gemeindepräsident Willi Fischer blieb nicht verschont. Auch er erhielt nicht die nötigen Stimmen, um im ersten Wahlgang wiedergewählt zu sein.
Schlimmer noch: ein politischer und parteiloser Niemand namens Hansjörg Wilde erhielt nur 700 Stimmen weniger als der Favorit. Nun ja, frischer Wind kann nicht schaden. Man könnte das ganze so interpretieren, dass sich die Riehener bewusst weiter rechts positionieren wollen, um dem eher links-grün geprägten Basler Großrat Paroli zu bieten.

Tatsächlich aber hatten aber zwei ganz andere Gründe die Riehener auf die Palme gebracht: der Gemeinderat beschloss im letzten Jahr zum einen die Errichtung eines Naturbades als Ersatz für jenes Freibad, welches durch den Bau der Zollfreistraße abgerissen werden musste. Ein gewöhnliches Freibad wäre vielen lieber gewesen.
Und zum anderen beschloss der Gemeinderat die Schließung des Gemeindespitals und Umwandlung in ein Gesundheitszentrum. Speziell aber der Protest gegen die Umwandlung des Gemeindespitals in ein Gesundheitszentrum ist Dickköpfigkeit hoch drei gegen den gesunden Menschenverstand. Natürlich war das kleine Spital näher bei den Bürgern und weniger anonym als eine Bettenburg a la "Universitätsspital". Aber dass es unterm Strich zu viele Spitäler in der Schweiz gibt und deswegen die Krankenkassenprämien immer weiter steigen - und die Einwohner des Kantons Basel-Stadt schon heute die höchsten Beiträge zahlen müssen - wurde da vergessen. Kam noch hinzu, dass das Spital Riehen ohnehin aus dem Kreis jener Spitäler herausgefallen wäre, für welche die Krankenkassen hätten Verträge abschließen müssen. Spätestens dann wäre die reguläre Kundschaft weggefallen. Aber naja: Hauptsache, man hat es denen da oben mal so richtig gezeigt. Schaden kann es ja nicht - hoffe ich doch mal für Riehen :-)

(08.Februar 2010)

 

Sprachlos
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Die Nachricht ging um die Welt: Boa Sr verstarb im Alter von 85 Jahren und mit ihr starb die Sprache "Bo" aus. Nicht nur das Aussterben einer Sprache allein ist tragisch. Das Schicksal jener Frau war es letzten Endes ebenfalls. Dass sie schon seit vielen Jahren sehr zurückgezogen lebte, lag auch daran, dass sie niemanden mehr hatte, mit dem sie in ihrer Muttersprache reden konnte. In der Muttersprache können wir nun mal immer noch am besten unsere Gefühle und Probleme beschreiben und teilen.

Bemerkenswert an der Nachricht ist, dass sie es überhaupt in die Schlagzeilen schaffte. Wen interessiert denn sowas auch?!?

Als ich Mitte der 80er Jahre ein Buch über die Völker der Erde las und da auch geschätzte Zahlen über deren Angehörige fand, war da auch das Volk der Andamanesen aufgeführt. Es ist vielmehr eine Volksgruppe auf den Andamanen-Inseln, die sich in mehrere Stämme mit ihren ganz eigenen Sprachen aufteilt, vergleichbar den Rätoromanen in der Schweiz.

Und die Andamanen-Sprache wurde dabei in eine besondere Kategorie eingeteilt: isoliert dastehende Sprachen. Das heißt, man konnte nach damaligem Wissensstand gar nicht sagen, mit welchen anderen Sprachen die Andamanesen verwandt sein könnten. Und es wird wohl ein Geheimnis bleiben, da diese Sprache ausstirbt, noch bevor sie genau erforscht werden kann.
Einen ähnlichen Status, so lernte ich es vor über 20 Jahren, haben auch die Sprachen der Keten im Jenissei-Gebiet, das Jukagirische in Jakutien, das Buruschaski in Pakistan, das Ainu in Japan, das Niwchische auf der Insel Sachalin und auch das an der französischen und spanischen Biscaya gesprochene Baskische.
Inzwischen hat man zwar ein wenig neue Klassifizierungen in der Sprachwissenschaft gefunden aber am Status quo hat sich nichts geändert.

Man muss auch gar nicht soweit weg schauen, um sterbende Sprachen zu finden: in Lettland gibt es vielleicht nur noch etwa 100 Menschen, welche die livische Sprache beherrschen. In Polen ist die Sprache der Kaschuben vom Aussterben bedroht: ein Denkmal wurde dieser Sprache durch den Roman "Die Blechtrommel" von Günther Grass gesetzt.
In der Schweiz ist das Rätoromanische auf dem Rückzug, auch wenn der Sprache inzwischen viel Pflege zukommt. Es gibt sogar inzwischen eine rätoromanische MS-Office-Version.
Im Osten Deutschland ist das Sorbische am Verschwinden. Während das Obersorbische in Sachsen noch durch gelebte Bräuche einigermaßen vital bleibt, ist das Niedersorbische im Spreewald vom Aussterben bedroht.
In Nordwestdeutschland gibt es noch einige zehntausend friesischsprechende Menschen, vor allem auf den friesischen Inseln und auf Helgoland. Auf dem Festland dagegen hat sich nur im ursprünglich durch Moorlandschaften abgelegenen Saterland das Saterfriesische erhalten können, das von noch höchstens 1000 Menschen gesprochen wird.

Und auch wir sollten auf unsere deutsche Sprache mehr Wert legen. Sicher ist es nicht verkehrt, die Sprache durch Fremdworte zu bereichern. Aber der Trend, alles Neue nur noch mit englischen Ausdrücken zu betiteln, ist bedenklich. Es zeugt schlicht und einfach von Einfallslosigkeit, Faulheit und auch zu wenig Respekt vor der eigenen Kultur. Aber wenn man von Kindesbeinen an praktisch nur noch englischsprachige Lieder im Radio präsentiert bekommt, muss man sich auch nicht wundern, wenn man zur eigenen Sprache ein distanziertes Verhältnis aufbaut.

(06.Februar 2010)

 

Het "K-Geld" ka Geld gnu-eg?
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In Deutschland ist die Zeitschrift "FinanzTest" zu einer Institution in Sachen Finanzberatung geworden, wie schon zuvor die Zeitschrift "Test" für Verbraucher ganz allgemein.

In der Schweiz gibt es im deutschsprachigen Bereich die Zeitschriften "K-Tipp" und "Saldo", die wöchentlich alternierend vom gleichen Verlag erscheinen und deren einziger Unterschied ist, dass "Saldo" gänzlich ohne Werbung auskommt.
Als Gegenstück zu "FinanzTest" gibt es in der Schweiz sechsmal im Jahr die Zeitschrift "K-Geld". Aber irgendwie hat man bei all den drei Druckerzeugnissen den Eindruck, dass vieles etwas oberflächlich recherchiert oder einfach 1-zu-1 unkritisch wiedergegeben wird; so nun auch wieder in der aktuellen Ausgabe 1/2010 von "K-Geld".

Auf Seite 5 wird eine Anzeige der deutschen Quirin-Bank nachgedruckt mit ein paar Kommentaren der K-Geld-Redaktion dazu.
Da heißt es im Inserat: "Lieber Herr Westerwelle, machen Sie es wie die Engländer: Schaffen Sie Provisionen ab!" - Es geht um die Provisionen beim Verkauf von Anlagefonds. Anlagebeater verkaufen nun mal lieber jene Fonds, wo sie mehr dran verdienen, als wirklich das Beste für den Kunden zu suchen. Man soll auf www.provisionsverbot.de der Petition zustimmen.
Des weiteren ist das Inserat natürlich auch Werbung in eigener Sache für die Quirin-Bank.

Und was schreibt K-Geld dazu?
" 'Schaffen Sie die Provisionen ab!' Diese Forderung an den deutschen Finanzminister Guido Westerwelle stammt von der Quirin Bank aus Berlin."

Aber Herr Westerwelle ist deutscher Außenminister! Finanzminister ist Wolfgang Schäuble, den man aufgrund aktueller Ereignisse wirklich als das personifizierte Rollkommando gegen Steuerflüchtlinge bezeichnen könnte. Bei der Quirinbank hat man den Fauxpas wohl entdeckt und richtet sich inzwischen nicht mehr an Herrn Westerwelle sondern direkt an Frau Merkel mit der Petition. Also stellt sich die Frage im bayerischen Dialekt: "Het K-Geld ka Geld gnu-eg fir a vernümftigi Recherchen?" :-)

(05.Februar 2010)

 

Staatlich begünstigte Steuerhinterziehung?
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Viele Leute in Deutschland fordern derzeit, der deutsche Finanzminister solle die 2.5 Millionen Euro springen lassen für die CD mit Datensätzen von Steuerhinterziehern, die ihr Vermögen bei der britischen Bank HSBC in der Schweiz versteckt hätten. Schließlich würden ja 100 Millionen Euro an Steuereinnahmen winken.

Aber mit gestohlenen Dingen Geschäfte machen, ist jedem redlichen Bürger ja verboten, und zwischenstaatlich genauso verpönt. Es sei denn, es handelt sich um Spionage. Aber da wird ja in der Regel auch nicht öffentlich drüber berichtet.
Nun ist das deutsche Steuersystem auch nicht gerade fair seinen Bürgern gegenüber.
Wer Einkommen aus nichtselbstständiger Arbeit erzielt, hat keine Möglichkeit, sich dem Fiskus zu entziehen. Wer dagegen Einkommen aus Kapitalanlagen erhält, kommt durch Zahlung der Abgeltungssteuer (max. rund 29%) unter Umständen viel besser weg. Diese Abgeltungssteuer ist sogar niedriger als die Schweizer Verrechnungssteuer: 35% werden in der Schweiz allen Zinserträgen erst einmal abgezogen - auch Lottogewinne ab 50 Franken zählen dazu.
Nur Sparkonten blieben größtenteils verschont, wenn weniger als 50 Franken an Zinsen im Jahr aufliefen. Und wohl genau wegen dieser Diskrepanz haben schweizer National- und Ständerat reagiert und eher heimlich, still und leise die Verrechnungssteuerbestimmungen etwas gelockert.
Es bleibt bei 35%. Aber statt bislang 50 Franken Zinseinnahmen sind nun grundsätzlich 200 Franken an Zinseinnahmen verrechnungssteuerfrei. Und auch die Bedingung, es müsse sich um ein Sparkonto handeln, wurde fallengelassen. Das Gesetz spricht nurmehr von "Kundeneinlagen". Und ob diese einem Inländer oder Ausländer gehören, ist völlig egal.
Bei den Lottogewinnen dagegen bleibts bei der 50-Franken-Grenze.
Sinnvoll ist das ganze durchaus. Denn der Aufwand wird deutlich reduziert. Schließlich war auch jedes Gehaltskonto mit seinen extrem bescheidenen Zinserträgen von der Verrechnungssteuer betroffen. Das millionenfache Umbuchen und Wiederverrechnen von Kleinstbeträgen unter 10 Franken dürfte bei Banken und Steuerverwaltungen enormen Aufwand verursachen, der nun wegfällt.

Aber wissen würde ich eines schon gern mal: wieviele Konten nun wohl auf der Steuererklärung für 2010 als saldiert gemeldet werden, und deren Guthaben dann auf Neukonten transferiert wurde, welche nun aber nicht mehr deklariert werden (müssen), weil ja auch kein Anreiz besteht, einbehaltene Verrechnungssteuer zurückzufordern. Denn in der Schweiz gilt nach wie vor das Bankkundengeheimnis.

(01.Februar 2010)

 

German Möchtegern Swissfilz Club
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Nun sind also mal wieder die Deutschen dran und gut genug für diverse Schlagzeilen in den schweizer Zeitungen.
Die SVP meinte einen gewissen deutschen Filz an schweizer Universitäten ausgemacht zu haben und tat dies auch per Inserat in den großen Zeitungen kund.
Und was machten diesmal die deutschen Professoren und Obergescheiten und alle, die sich dafür hielten?
Sie sammelten Geld für eine Gegeneinzeige gleicher Größe, um in diesem Inserat der SVP gar Rassismus vorzuwerfen. Schon interessant, was man so alles unter dem bösen R-Wort so zusammenfasst.

Und nachdem alles wieder etwas ruhiger zu werden schien, kam gestern im BLICK die Meldung auf, dass eine schweizer FDP-Nationalrätin Vorsitzende einer Vereinigung ist, um Deutsche in die Schweiz zu holen und ihnen hier auch eine Art Plattform bieten soll. Ob das nun wirklich nötig ist, sei mal dahin gestellt. Ich persönlich empfinde eine solche Hilfsplattform als unnötig.

Ehrlich gesagt: ich kann sie nicht einmal ernst nehmen. Es soll eine Vereinigung für Deutsche sein, also Leute aus Deutschland, die der deutschen Sprache mächtig sind und in der Deutsch-Schweiz Arbeit finden sollen. Und genau deswegen nennt sich diese Vereinigung auch "Swiss German Club" (!!!)

Liebe Freisinnige Frau Markwalder und alle anderen Möchtegern-den-Deutschen-gegenüber-Aufgeschlossenen: benennt die Dinge auf Deutsch, wenn ihr ernst genommen werden wollt. Oder heißt "Freisinn" auf neudeutsch etwa "Non-Sense"?

(30.Januar 2010)

 

Gnadenlos aus der Bahn geworfen
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Der SPIEGEL schreibt in seiner Onlineausgabe, dass eine 16jährige auf der Fahrt von Berlin Alexanderplatz Richtung Groß Köris von einer Kontrolleurin aus dem Zug verwiesen wurde. Die Schülerin hatte den Fahrpreis von 7.20 Euro nicht bezahlen können, hatte nur 5.30 Euro dabei, was dem regulären Fahrpreis entsprochen hätte. Doch hätte die Kontrolleurin auf einen Nachlösezuschlag von 1.90 Euro bestanden, da man am Alexanderplatz wirklich problemlos einen Fahrschein hätte lösen können.

Das Fatale dabei: es waren draußen minus 18 Grad und noch 20 km Heimweg für die Jugendliche.
Der Fehler ist wohl auf beiden Seiten zu suchen. Die Zugkontrolleurin hätte etwa die Personalien aufnehmen können, um das Restentgelt einzufordern. Jemand, der den an sich korrekten Fahrpreis hätte bezahlen können, einfach aus dem Zug zu weisen, ist da unangemessen.
Die Schülerin wiederum hätte durchaus einen Fahrschein in Berlin Alexanderplatz lösen können, wo es schließlich Fahrkartenautomaten en masse gibt.

Auch ich habe mal einen ähnlich gelagerten Vorfall erlebt.
Nur bei mir war es noch ein bisschen extremer, allerdings bei eher milderer Witterung und Tageslicht.
Ich hatte den korrekten Fahrpreis bezahlt, aber es stand nicht der korrekte Endbahnhof auf dem Fahrschein.
Der Kontrolleur meinte, es könnte gar nicht sein, dass ein Fahrschein von A über B und C nach D genauso viel koste wie von A über B nach C - was aber gemäß des damaligen Regionaltarifs der Deutschen Bahn durchaus der Fall war. Obwohl ich also den korrekten Preis für meine Fahrt bezahlt hatte, wurde ich an der nächsten Station aus dem Zug geschickt.

Natürlich hat man sich dann später bei mir entschuldigt. Aber die nervige Geschichte mit der Fahrscheinlöserei fand erst ein Ende mit der Gründung des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes. Allerdings war das ein Jahr, nachdem ich nach Leipzig umgezogen war.

Wer nun aber dachte, in Leipzig sei es in dem einen Jahr wesentlich einfacher gewesen, von A nach B zu kommen, der irrt. Denn im Gegensatz zur Stadt Halle, die immerhin schon seit 1990 einen einheitlichen Tarif innerhalb ihrer Stadtgrenze für alle öffentlichen Verkehrsmittel kannte, gab es in Leipzig gleich vier verschiedene Tarife, jenachdem, womit man fuhr.
Aber das ist eine andere Geschichte :-)

(29.Januar 2010)

 

Vogel Gryff anno 2010
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Es ist faszinierend, was sich jedes Jahr in Kleinbasel stets an einem 13., 20. oder. 27.Januar abspielt.
Da legt vom Wild-Maa-Horst am Rhein gegenüber der Birsmündung ein Floß ab mit mehreren Leuten Besatzung, zu denen auch der "Wilde Mann" gehört, der dann während der Rheinabfahrt mit einer Tanne bewehrt und von Trommelklängen begleitet unablässig seinen Tanz ausführt, als Ehrung natürlich immer dem kleinbasler Ufer zugewandt.

Und während er diesen Tanz vollzieht, jubeln vom kleinbasler Ufer vor allem Kinder dem Treiben auf dem Fluss zu - und Kannoniere auf dem Floß sorgen für Böllerschüsse. Sobald das Floß die Wettsteinbrücke unterquert, beginnt auf der Mittleren Brücke die Glocke im Käppelijoch zu läuten. Es ist der einzige Anlass im Jahr, an dem diese Glocke gezogen wird. Und sie läutet so lange, bis das Floß des Wilden Mannes am "Kleinen Klingental" - einem ehemaligen Kloser in Kleinbasel - angelegt hat.

Dort benetzt der Wilde Mann seine Tanne mit Rheinwasser und versucht sich dann, so gut es geht, gegen die Kinderscharen zu wehren. Denn die haben es auf die Äpfel abgesehen, die er auf seinen Blätterkränzen trägt.

Ist der erste Ansturm vorbei, gibts dann eine Begrüßungszeremonie: denn der Wilde Mann begrüßt die beiden anderen Figuren Vogel Gryff und Leu. Alle drei sind Wappenhalter der sogenannten drei Ehrengesellschaften Kleinbasels, vergleichbar den Zünften in anderen Städten.

Und dann heißt es für die drei an diesem Tage zum Leben erweckten Symbolfiguren bis in den späten Abend hinein Tänze aufzuführen als Ehrerbietung für ausgesuchte Kleinbasler Ehrenwerte. Begleitet werden sie übrigens von jeweils drei Tambouren (Trommlern) und drei Fahnenträgern und natürlich noch vier Uelis (Narrenfiguren). Letztere laufen mit Sammelbüchsen herum und sammeln für diejenigen, denen es in Kleinbasel nicht so gut geht.

Für mich war es schon vor einem Jahr ein faszinierendes Erlebnis. Das wollte ich unbedingt auch dieses Jahr wieder erleben.
Warum nur habe ich in den Jahren von 2002 bis 2008 nichts von diesem Brauch mitbekommen oder auch nur erzählt bekommen? Nun, ich tröste mich mit der Tatsache, dass eine Arbeitskollegin - knapp 60 Jahre ist sie alt und in Basel seit bald 40 Jahren beheimatet - noch nie dem Spektakel beigewohnt hat.

Vielleicht muss man eben einen im Kleinbasel aufgewachsenen Freund haben, damit man von dieser Tradition angesteckt wird.

Und ich erlebte eine kleine Überraschung...

Der Vogel Gryff verneigte sich vor mir!

Gemäß Baslerstab-Ausgabe vom 26.Januar 2010 ist der Mann unterm Kostüm des Vogel Gryff ein Angestellter des Universitätsspitals Basel. Sollte er sich etwa an mich erinnern, als ich dort nach meiner Blinddarmoperation lag? Oder war das nur ein Gefallen, weil ich ihn aufgenommen habe?

Wie auch immer, eine nette Überraschung.

(27.Januar 2010)

 

Späte Abrechnung
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Für alle, die sich (noch) fragen (sollten), was es mit dem einen Foto auf sich hat, wo ich in einem Spitalbett liege:
Ende September 2009 war ich für eine Woche im Spital, weil mich unerträgliche Bauchschmerzen nicht einmal mehr schlafen ließen. Blinddarmentzündung war schließlich diagnostiziert worden und man empfahl die umgehende Operation.

Allen, die vor so etwas Angst haben sollten, sage ich nur eins: der Moment, in dem das Narkotikum in meine Adern floss und seine Wirkung entfaltete, war himmlisch... wirklich :-) Ich kann jetzt die Junkies gut verstehen, wie es ihnen geht, wenn sie sich einen Schuss setzen ;-)

Und dieser Tage nun erhielt ich eine Abrechnung vom Unispital Basel.
6308.10 Franken hat dieses meiner Krankenkasse in Rechnung gestellt.
Da hier nur von Tagestaxen die Rede ist, gehe ich mal davon aus, dass dies nur die Unterbringung und Betreuung im Krankenkaus umfasst. Die Untersuchungen und den Eingriff wird man sicher separat in Rechnung gestellt haben. Aber dazu habe ich bisher noch nichts erhalten. Oder weiß da jemand hier genauer bescheid? :-)

Auf jeden Fall freue ich mich heute auf mein zweites Mal "Vogel Gryff" seit ich hier wohne.

(27.Januar 2010)

 

Alles wieder im Lot
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Vielleicht sollte man ja stutzig werden, wenn ein Redakteur seinen Beitrag für die Zeitung nachts um halb zwei online setzt. Oder wars vielleicht ein Praktikant der BAZ, der da auf das Thema "Häuserzeile in Binningen vs. Tramgleisaisbau" angesetzt wurde?

Wie auch immer: es gab wohl diverse Anrufe bei der BAZ wegen des Beitrags vom Donnerstag. Und so sah sich die BAZ gezwungen, am Freitag einen ausführlicheren Beitrag, diesmal von einem anderen Verfasser, abzudrucken, der auch gleich einige strittige Punkte klärte.

Zum einen sind nicht alle Häuser "von Spiesshöfli bis Migros Gorenmatt" betroffen, so zum Beispiel auch der Block nicht, in dem ich wohne. Des weiteren waren eben nicht die Anwohner der Häuser informiert worden sondern wirklich lediglich die Land- und Hauseigentümer. Die wiederum waren im Großen und Ganzen auch einverstanden mit dem Landverkauf, teilweise sogar erfreut. Denn so manches der betreffenden Gebäude zeigt Altersschwächen und die Frage, ob man die nötigen Mittel für eine Sanierung nun aufbringen soll oder nicht, erübrigt sich damit.
Der nicht gerade sauber recherchierte erste Bericht ist inzwischen nicht mehr online zu finden.

Ja, und heute morgen hatte ich mal wieder die gleiche Idee wie vor exakt einem Jahr: meine Haare auf dem Kopf sind zu lang, also kürzer machen. Nur im Gegensatz zu damals ging heute alles gut. Vor einem Jahr lenkte mich ein Telefonanruf ab.
Als ich zum Haarschneiden zurückkam, vergass ich den Kamm auf die richtige Länge einzustellen... und musste dann im Ergebnis radikal kürzen. Die Worte und der Gesichtsausdruck meines Freundes bei meinem Anblick tags drauf werde ich auch nie vergessen: beide Hände vor Entsetzen vors Gesicht und "Jesses Gott!"

Eins weiß ich nun auch: der Panasonic ER2211 ist fürs Kürzen längerer Haare auf 20mm Länge recht mühsam; die Haare bleiben immer wieder im Kamm stecken. Aber ich habs geschafft. :-)

(24.01.2010)

 

Dumm gelaufen
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Am gestrigen 21.Januar war in der Onlineausgabe der BAZ zu lesen, dass nun voraussichtlich eine ganze Häuserzeile in Binningen abgerissen wird, damit ein eingleisiger Gleisabschnitt auf zweigleisig ausgebaut werden kann. Die Frage, wie man diesen Engpass beseitigen würde, wenn es mal dazu käme, geisterte mir auch schon durch den Kopf.

Des weiteren war zu lesen, man habe in einer Informationsveranstaltung am Mittwoch die Anwohner über die Abrisspläne informiert. Soweit so gut für den Leser von BAZ-Online.

Gar nicht gut für mich: weder habe ich eine Einladung noch sonst irgendeine Information erhalten; ich bin einer der betroffenen Anwohner. Tja, ich wills nicht verleugnen: will man eine Straßenbahnlinie, die vor allem morgens recht gut besetzt ist, vom 10-Minuten auf den 7.5-Minuten-Takt ausbauen, stören solche eingleisigen Abschnitte enorm, sie sorgen für Fahrplanunsicherheit.

Aber muss deswegen nun gerade ein 350-Meter-Abschnitt an Häusern im Sinne des öffentlichen Interesses weichen?
Man könnte ja alternativ auch die Straße verengen, wenn man doch damit rechnet, weniger Verkehr nach Basel zu generieren. Und ob nun speziell die Eigentümer des Wohnblocks, in dem ich wohne, zufrieden sein werden? Viele sind ältere Leute, die sich hier eine Eigentumswohnung zugelegt haben. Das ganze Gebäuse war erst vor etwa dreioder vier Jahren komplett saniert worden. Ich werde mich mal umhören, ob auch andere Bewohner dieses Hauses und auch anderer Häuser so "aus erster Hand" informiert worden wie ich.

(22.Januar 2010)

 

Mal wieder ein Fall von Doppelmoral
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Als ich mir vor gut zwei Wochen Fotos von zwei Freunden anschaute, die zusammen eine Kreuzfahrt durch die Karibik unternommen hatten, hörte und sah ich erstmals etwas vom Ort Labadee. Das ist eine Stadt an der Nordküste von Haiti.
Haiti?
Ja, das ist doch dieser bettelarme Staat dort, dessen Volk es zwar in den 1980ern gelang, eine Jahrezehnte herrschende Diktatorenfamilie aus dem Lande zu jagen, in den 1990er und auch den Nulljahren nicht aus den Negativschlagzeilen herauskam, ging es mir da durch den Kopf - und fragte meine beiden Freunde, ob die Menschen dort nicht furchtbar arm seien.
Ja, das sind sie in der Tat, aber man kommt mit ihnen und ihren Problemen auf der Kreuzfahrt natürlich nicht in Kontakt.

Denn die Kreuzfahrtgesellschaft Royal Caribbean Cruises hat sich in der Nähe der Stadt Labadee sowas wie einen Privatstrand gekauft. Das Gelände ist umzäunt; herein kommt man entweder nur als Gast einer Kreuzfahrt oder aber als Haitianer, wenn man den Touristen Andenken verkaufen will. Damit die Touristen aber nicht übermäßig gestört und belästigt werden, gelten natürlich rigide Vorschriften. Entsprechend begrenzt und umso begehrter sind die Zugangsberechtigungen für Haitianer.

Nun hat am 12.Januar 2010 ein Erdbeben der Stärke 7,0 den Süden von Haiti erschüttert. Die Bilder gingen um die Welt: die Hauptstadt Port-au-Prince und das gesamte ebenso dicht besiedelte Umland gleicht einem einzigen Trümmerfeld. Ständige Nachbeben verschlimmerten alles noch. Wenn sogar der Präsidentenpalast eingestürzt ist, muss man nicht weiter fragen, wie es sonst vor Ort aussieht.

Der Präsident den Landes äußerte zwei Tage nach der Katastrophe die Befürchtung, 100'000 Menschen seien wohl ums Leben gekommen; er hoffe aber, er irre sich mit dieser Zahl. In der Tat scheint er sich geirrt zu haben; man befürchtet inzwischen gar 200'000 Tote, nicht nur allein aufgrund des Erdbebens sondern auch wegen der Folgen von Trinkwasser- und Nahrungsmangel und Seuchengefahr und nicht zuletzt auch wegen der sich ausbreitenden Anarchie.

Mit diesen Bildern im Kopf hat natürlich so mancher Tourist der Royal Caribbean Cruises ein schlechtes Gewissen, wenn er in Labadee an Land geht, dort zwischen den Händlern herumläuft oder sich am Strand in die Sonne legt. Das könne man doch nicht machen, wenn hunderte Kilometer weiter südlich das Land im Chaos versinkt und menschliche Leichen sich in den Straßen auftürmen. Forderungen werden laut, Royal Caribbean Cruises möge die Landgänge im gekaufen Paradies auslassen.

Nun, was haben die Menschen in Haiti davon, wenn die Kreuzfahrtgesellschaft dieser Forderung nachgeben würde?
Gar nichts!
Eher noch viel weniger!
Den Menschen in den zerstörten Städten im Süden des Landes wird dadurch auch nicht schneller geholfen. Und jene Menschen in Labadee, die sich glücklich schätzen können, einen der Arbeitsplätze am kleinen Paradiesstrand zu haben, werden weniger Umsätze tätigen, also auch noch bestraft dafür, dass sie vom Erdbeben mehr oder weniger verschont wurden.
Royal Caribbean Cruises hat daher erklärt, die Landgänge in Labadee beizubehalten. Wer nicht will, kann ja auf dem Schiff bleiben. Außerdem spendet die Gesellschaft 1 Million US-Dollar für die Soforthilfe.

Wer nun mit dem Finger auf jene Leute zeigt, die ihren Aufenthalt in Labadee genießen wollen, vergisst einmal mehr die berühmten drei Finger, die auf ihn zurückzeigen.
Labadee liegt rund 150 km Luftlinie von Port-au-Prince entfernt. Wie weit muss man denn vom Ort des Grauens entfernt sein, damit man mit achso reinem Gewissen Sonne, Strand und Meer genießen kann?
300 km?
500 km?
1000 km?
Dann müssten ja praktisch auch sämtliche Touristen des Nachbarlandes Dominikanische Republik auf der Stelle das Land verlassen, sozusagen aus Anstand den Opfern in Haiti gegenüber!

Das sei jetzt aber absurd?
Nun, absurd war genauso die Idee, Titel wie "Die perfekte Welle" von JULI nicht mehr im Radio zu spielen, weil ein Tsunami an Weihnachten 2004 über 230'000 Menschen in den Tod gerissen hatte. Geholfen war damit auch niemandem. Übrigens genauso absurd wie die Idee, mit einem STOPP-Schild vor dem Betreten gewisser Internetseiten aktiv gegen Kinderpornographie vorgehen zu können.

(19.Januar 2010)

 

Merkwürdiger Fund
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Gestern schickte mich mein Chef bereits um 17 Uhr nach Hause. Gut so.
In der Herrengarderobe fand ich dann am Boden einen Kassenzettel, an sich nichts Ungewöhnliches, denn der Ordnungsinn vieler meiner Mitarbeiter lässt gerade an diesem Ort arg zu wünschen übrig.

Dieser Kassenzettel aber war dann doch etwas ungewöhnlich:

***********************
"GLOBUS
Marktplatz 2 in Basel"

PUMPS - 149.00 CHF

PUMPS - 199.00 CHF
Reduktion 30% 59.70- CHF

TROTTEUR - 249.00 CHF
Reduktion 30% 74.70- CHF

TOTAL - 462.60 CHF

Sie profitieren von Total Reduktion: 134.40- CHF

07.01.2010 16:34

**********************

Erstmal zur Erklärung: GLOBUS ist in der Schweiz eines der teuersten Häuser im Einzelhandel, stets an bester Lage in den Städten; keinesfalls zu verwechseln mit den GLOBUS-Baumärkten in Deutschland!
Was Pumps sind, dürfte ja klar sein. Trotteur sind quasi das bequeme Gegenteil dazu: flache und vor allem Straßenschuhe - das wusste ich bisher auch noch nicht.

Was ist nun so ungewöhnlich dran?
Also: 462.60 Franken für drei Paar Schuhe, die rulär sogar knapp 600 Franken gekostet hätten.
Welcher MM-Mitarbeiter kann sich sowas leisten?
Vielleicht eher nur ein Abteilungsleiter?
Und wieso Pumps, gleich zwei Paar?

Als Weihnachtsgeschenk kämen sie nicht mehr in Frage.
Vielleicht als Geburtstagsgeschenk?
Oder vielleicht... NEIN! Sowas denke ich jetzt nicht! ...aber interessant wärs schon...

Und die Zeit, zu der sie gekauft wurde: es muss ein Mitarbeiter gewesen sein, der gerade seinen freien Tag gehabt hat.
Denn Mittagspause um 16:34 ist eher ungewöhnlich und in einer Stunde vom Bahnhof zum GLOBUS und wieder zurück und dort noch drei Paar Schuhe aussuchen ist etwas knapp.
Also doch eher ein Abteilungsleiter?

Da sich derjenige - auch wegen des Umtauschrechtes - sicherlich sehr ärgern wird über den verlorenen Kassenzettel, sollte er ihn ruhig wieder zurückerhalten.

Meine Idee: ich kopiere den Kassenzettel, so wie er ist und befestige die Kopie an unser schwarzes Brett mit den Worten: "GEFUNDEN in der Herren-Garderobe. Das Original bitte an der Information abholen."

Dank der herausragenden Kommunikationsfähigkeiten unserer Mitarbeiterinnen an der Information ist es nur eine Frage der Zeit, wann auch ich dann erfahren werde, wer den Zettel verloren hat ;-)

(09.01.2010)

 

Mal wieder was Aufgeschnapptes
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Der Waggis als Basler Fasnachtsfigur ist ja eine grotesk überzeichnete Figur eines elsässer Gemüsebauern. Wie ich heute erfuhr, gibt es in Basel auch einen Spruch in Bezug aufs Elsässerdütsch: "Voulez-vour Schitli biege derière le Gardenhaag?" :-)

P.S.: Mein Freund hatte den kleinen König erwischt :-)

(07.01.2010)

 

Neujährliches
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Ja, ich bin gut ins neue Jahr gekommen. Allerdings von heftigen Rückenschmerzen geplagt. Diese fingen am Silvestertag recht plötzlich an, ließen sich selbst durch Wärmepflaster kaum beeindrucken - und ließen am Neujahrstag schlagartig nach. Sie waren zwar nicht ganz weg, aber dann doch um einiges erträglicher.

Immerhin: am Silvesterabend bin ich doch mal wieder seit längerem Auto gefahren. Und das auch noch durch zum Teil dichte Nebelwände. Sowohl ich als auch mein Freund haben kein Auto, es geht in unserer Region auch ohne sehr gut.

Apropos: meinem Freund gegenüber hatte ich einmal gewitzelt, ob der Jahreswechsel ohne Probleme stattfinden werde. Ob wirklich alle Computer 2010-fähig seien - in Anspielung auf die große Hysterie vor zehn Jahren.
Und siehe da: über 30 Millionen Plastikkarten deutscher Bankkunden funktionieren seit dem Jahreswechsel nicht mehr, wie sie sollen. Schon peinlich.
Aus der Schweiz habe ich bisher noch nichts drartiges gehört oder gelesen. Und meine Karten haben auch im neuen Jahr ihren Dienst nicht versagt :-)

Apropos Bank: die Isländer sagen NEIN zum Rückzahlungsgesetz. Und der Präsident des Landes hat dem Volkeswillen auch entsprochen und das entsprechende vom Parlament verabschiedene Gesetz nicht ausgefertigt. Das Gesetz war auf Druck von Großbritannien und den Niederlanden erstellt worden, weil Millionen Bürger dieser Länder bis Oktober 2008 Milliarden an britischen Pfund und Euro isländischen Banken anvertrauten und dann aufgrund der Beinahepleite der isländischen Banken erstmal nicht mehr an ihr Geld herankamen. Der britische und der niederländische Staat haben den eigenen Bürgern quasi aus eigener Tasche das Geld vorgestreckt und verlangen es nun von Island zurück. Ähnlich dürfte es wohl auch in Deutschland gelaufen sein, wo über 9 Monate lang die Einlagen der Kaupthing-Bank gesperrt waren. Nun, heißt es, drohe Island eine internationale Isolierung, wenn man seinen Verpflichtungen nicht nachkomme.

Moment: wieso soll der isländische Steuerzahler für etwas aufkommen, für das er nicht wirklich verantwortlich sein kann. Die isländischen Banken haben im Ausland Geschäfte gemacht, weil man sie dort hat Geschäfte machen lassen. Muss denn nicht jede Bank in jedem Land dazu bestimmte Auflagen erfüllen?
In der Schweiz etwa musste Kaupthing dem Einlagensicherungsfond der Bankiervereinigung beitreten - mit dem Ergebnis, dass Einlagen bis 30'000 Franken innerhalb von zwei Wochen nach der Sperrung zurückgezahlt wurden.
In Deutschland dagegen waren die Einlagen der Kunden nur durch den isländischen Einlagensicherungsfond abgesichert und nicht durch den deutschen. Ich schätze, so ähnlich wird es auch in Großbritannien und in den Niederlanden gelaufen sein. Also ist letzten Endes die zuständige Finanzaufsichtsbehörde verantwortlich - und damit letzten Endes der Steuerzahler des Landes, in dem die Kunden wohnen. Das jedenfalls ist meine Meinung. So, dann bin ich mal gespannt, wer heute den kleinen König im Kuchen finden wird: mein Freund oder ich? :)

(06.01.10)

 

(Vor-)Fasnächtliches
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Wie es sich anfühlt, vom Fasnachtsvirus befallen zu sein, kann nur empfinden, wer aktiver Fasnächtler ist – so wie mein Freund zum Beispiel. Aus gegebenem Anlass führte ich heute ein Interview mit ihm.

A: Sali Schatzi!
H: Hoi Schatzi!
A: Also, was isch da hüt gnau loos gsyy? Vorm Volkshuus sell sich ja so kurz vor di Elfi so viel Volk aagsammlet haa, wie glyychzyytig in der MANOR es Ströössli wyter füre. Z'DDR-Zyte het mer mit Sicherheit kenne sage: da gits Banane! Hets da öpis gratis gää?
H: Du bisch e Gloon!
A: Jo, das weiß i gäng oube hinnech scho!
H: Also... da isch hüüt e Präsentation vom Fasnachts-Comité gsyy. Und zwar händ sie die neui Blaggedde vorgstellt, un nadyrlig au es Motto von der Fasnacht 2010: E RUNDI SACH.
A: E rundi Sach?
H: Ja, s Fasnachts-Comité fyyret ja s Hundertjöörige Bschtoh. Us dem Aalass het der Herr Felix Rudolf von Rohr au emol e Rede ghalte, wo er die Lacher uf synere Syte gcha het.
A: Oha, i cha no nid gwüsst, dass s Fasnachts-Comité im wahrschde Sinn vum Wort es Sprooch-Rohr het.
H: Du bisch e Gloon!
A: Siicher! Und da sin denn alli vom Daig choo, um die Erschde z'sy, die es denn wüsse, wie s neui Motto isch und die neui Blaggedde uusgseht?
H: Nei! Vo allne Gligge het mer d'Obmaa und Obfraue yyglade...
A: ... ich cha denkt, es hiessi Obmanninne?
H: Bisch e Gloon! Also alli Oblüüt sind da gsy und no jewyls e Begleiter.
A: Aha, und da isch denn aifach nur die neui Blaggedde zeigt wurde?
H: Also erschdemol die neui Blaggedde und denn au dr Chünschtler, der s entwurfe het. Er isch aber e chly uffgregt gsy.
A: Aaschynend hed er nid damit grechnet, dass er dr Uuserwählte würde sy.
H: Vilycht. Er hets ja schonemol gschafft die letzschdi Joor.
A: Guet, und das isch denn au scho alles gsy?
H: Nei, die hend au no e Bsunderheit präsentiert. Wyl mer jetzt syt 100 Joor es Fasnachts-Comité hen, gits jetzt noch extra sones Aastecknödeli, was uusgseht wiene Ueli. So öppis hets ursprünglich vor 100 Joor emol gää. Das isch der Vorläufer vo de Blaggedde gsyy. Und e jeder Obmaa het e goldnigi Blaggedde überechoo, un zwar gratis.
A: Isch ja Wahnsinn. Und alli andere chönned die jetzt poschde?
H: Nei, das isch erst ab em 9.Januar meeglig.
A: Oh, da weiß mer also in de nägschde Daag, wer so ne goldige Blaggedde drait, isch e Obmaa oder Obfrau.
H: Jo, genau.
A: Sag emol, wieso het mer des aigentlich im Volkshuus gmacht? So vieli Altgrossbasler hen doch es bitzeli es Problem, ins Glaibasel übere z'choo.
H: Bisch e Gloon! Jo, ursprünglig isch die Vorstellig vonener neui Blaggedde in dr Safran-Zunft gsyy. Aber da isch es denn irgendwenn emol z'eng gworde. Und wyl dies Joor so vyli Lüt da gsy sin, het öpper scho gmeint, im nögschde Joor sellt mer der St.Jakobs-Park aamiete!
A: Na, so ne Gloon! So, und was hesch du da jetz no alles in dinere Guggi din?
H: No was Speziells...
A: Öppis anders hani au gar nid erwartet vomene Spezielle...
H: Bisch e Gloon! Also, da hets no gratis für alle Obmaa...
A: ... und natürli sicher au wieder Obmänninne...
H: ... sicher!!! ... e Vordruck vomene Erschddagsbryf gää. Au der chunnt erschd am 9.Januar uuse.
A: Leck du mir! Dr halbi Ufsichtsroot vo dene isch gange worde, aber fyr d Basler Fasnacht gits do glatt en Erschddagsbryf.
H: S chunnt no besser: dr Brief wird nid nur z' Basel z'poschde syy. Dr eini Chef vo dene, der das ganzi erklärt und verzählt het, het tatsächli au gmeint, mer würd der Brief au z'Züri bechoo, demit d'Zürcher nid müend uf Basel choo.
A: Richtig so. Schliesslich bechömmed mir z'Basel ja au Zürcher Gschnetzelts serviert.
H: Jo, also wenns dr recht isch, gönd mir jetzt erschd emol in es Baizli. I muess nämli emol ganz dringend.
A: Kei Wunder, wenns da veruusse so tuet schiffe. Also merci vielmol fürs uffschlussreichi un verständnisvolli Interview.

(29.Dez.2009)

 

Feiertage und Freitage
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Entweder auf die letzten Tage des alten Jahres oder auf die ersten Tage des neuen gibt es immer wieder jene Berichte in der Zeitung, in denen drauf hingewiesen wird, ob das neue Jahr ein arbeitgeber- oder ein arbeitnehmerfreundliches sein wird.
Gemeint ist die Anzahl an Feiertagen, die nicht auf ein Wochenende fällt. So hat sich dem auch heute die BAZ in ihrer Onlineausgabe angenommen:
http://bazonline.ch/basel/land/Weniger-Freitage-im-2010/story/17739238

Fazit: 2010 werden vier Feiertage auf ein Wochenende fallen. Wir erfahren noch, dass dies die Baselbieter Staatsangestellten ärgert, denn im Gegensatz zu ihren Basler Kollegen bekommen sie als Ausgleich nur einen zusätzlichen freien Tag.
In Basel dagegen gibt es dagegen eine Art Freie-Tage-Garantie für die Staatsdiener, und so werden die vier Feiertage, die auf ein Wochenende fallen durch vier zusätzliche Freitage ausgeglichen.

Nun fordert der VPOD (Verband Personal Öffentlicher Dienste) eine Anpassung der baselbieter Regelung, nicht zuletzt auch wegen der stetig steigenden Belastungen. Da staunt Otto Normalarbeitnehmer, denn für ihn existieren solche Vergünstigungen in der Regel gar nicht. Und man fasst sich an den Kopf, wieso die Staatsangestellten hier mal wieder eine Extrawurst gebraten bekommen (sollen/wollen).

Nun, einen Grund gibt es in der Tat: das Gesetz schreibt vor, dass jeder Arbeitnehmer Anspruch auf vier Wochen Ferien pro Jahr hat. Genau daran halten sich die kantonalen Verwaltungen auch. Viele Unternehmen dagegen haben ihren Angestellten schon längst fünf Ferienwochen von sich aus gewährt; auch bei meinem Arbeitgeber ist das der Fall.
In Basel will man den Staatsangestellten immerhin ab 2012 nun generell eine fünfte Ferienwoche gewähren statt der Garantie-Feiertagsregelung. Im Baselbiet dagegen will man eisern sparen und den Staatsdienern auch weiterhin nur vier Wochen plus einen zusätzlichen freien Tag geben.

Wer nun also meint, den Staatsangestellten gehe es doch tatsächlich schlechter, als uns Normalangestellten, der irrt sich gewaltig. All jene, die als Staatsdiener Büroarbeiten verrichten, haben ihre geregelte Arbeitszeit. Am Freitag spätestens um 17 Uhr ist Wochenende. Und zwar bis Montagmorgen! Wer dagegen im Detailhandel arbeitet, so wie ich, kann davon nur träumen. Zwar öffnen die meisten Läden erst um 9 Uhr, machen dafür aber zumeist um 20 Uhr zu. Man hat als Angestellter hier einen anderen Tagesablauf.

Aber in letzter Zeit wird es zur Spezialität einiger Firmen, auch mal morgens schon um 7 oder gar um 6 aufzumachen.
Außerdem: Samstagsarbeit ist da die Regel, und zwar zumeist bis 18 Uhr und Sonntagsarbeit wird zunehmend populär.
Und in den achso katholischen Kantonen wie Solothurn oder Aargau durften die Geschäfte dieses Jahr am 26.Dezember (2.Weihnachtsfeiertag) oder am 27.Dezember (Sonntag!) öffnen, weil ja drei Tage in Folge die Läden sonst geschlossen gewesen wären. Wäre einer der Staatsdiener denn bereit, samstags oder gar auch mal sonntags geschweige denn an einem Feiertag arbeiten zu gehen?

Natürlich haben wir Einzelhändler stattdessen einen Tag in der Woche frei. Aber zwei Tage frei, am Stück, das ist eher eine Seltenheit. Und so war es für uns Basler Angestellte schon ein kleines Wunder, mal drei Tage in Folge frei zu haben. Denn eines vergessen die meisten, die sich über geschlossene Läden an Sonn- und Feiertagen aufregen: es wird kein Extrapersonal angestellt, welches nur an Wochenenden arbeitet. Und die Möglichkeit, dem Weihnachtsstress zu entgehen, indem man einfach vom 22.12. bis 06.01. Ferien nimmt, besteht für Detailhandelsangestellte ebensowenig: Feriensperre! Und zwar für den ganzen Monat Dezember und die erste Januarwoche.

Mitunter gibts sowas auch mitten im Jahr aus gegebenen Anlässen. Die Arbeitszeiten allgemein schwanken zwischen 8:30 Uhr bis 18:45 Uhr und 10:15 bis 20:15 Uhr. Schön, wer damit leben kann, weil er keine Familie hat oder sonstige gesellschaftliche Verpflichtungen in Form von Treffen, die in der Regel abends zwischen 18 und 21 Uhr stattfinden. Ja, ok, es klingt, als habe ich mich jetzt regelrecht ausgekotzt. Aber vielleicht wusste das so mancher Sesselfurzer bisher noch gar nicht.

(29.12.2009)

 

Namen sind wie Schall und Rauch
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Ja, es ist so. Namen helfen uns bei der Orientierung aufgrund unserer Erfahrungen und Prägungen.
So erlebe ich es immer wieder, das manche Leute beim Kauf einer jener achso beliebten Nespressomaschinen lieber ein TURMIX-Modell statt eines KÖNIG-Modells nehmen. TURMIX habe für sie eben mehr Kompetenz in Sachen Kaffee als KÖNIG.
Je nach dem, ob ich Zeit dafür habe, erkläre ich solchen Leuten dann gern, dass TURMIX und KÖNIG heute nur noch zwei Markennamen einundderselben Firma sind, zu der auch ZYLISS gehört. Die Firma nennt sich DKB Household AG.

Und wenn ich noch mehr Zeit habe, erkläre ich den Leuten, dass genau die gleichen Maschinen in Deutschland unter den Namen KRUPS und DeLonghi verkauft werden - und dass sie letzten Endes alle (mit Ausnahme der Lattissima-Typen) von einundderselben Firma hergestellt werden, von der man aber praktisch nie was hört: Eugster-Frismag AG.

Ein anderer Fall liegt vor, wenn eine Firma ihren guten Ruf komplett verspielt hat. Das ist zum Beispiel bei der Telekommunikationsfirma Cablecom der Fall. Nachdem das Unternehmen mehrfach den Eigentümer wechselte und jeder Wechsel mit viel Chaos verbunden war, ist Cablecom zum Inbegriff eines Unternehmens geworden, bei dem nichts wirklich funktioniert.

Daher liest man seit einiger Zeit auf den Cablecom-Plakaten, für die sich Komiker Massimo Rocchi kaufen ließ, folgende Worte: "ein Unternehmen von UPC". Demnächst wird der Name "Cablecom" verschwinden und es steht nur noch UPC drauf. Ob dann auch noch Herr Rocchi zu sehen sein wird, bleibt offen. Nicht, dass auch sein guter Ruf noch Schaden nimmt, denn irgendwo hört ja der Spaß.
Vielleicht sieht man demnächst Tiger Woods auf den Plakaten. Der hat ja schließlich sehr viele Verbindungen parallel geführt und dass in den meisten Fällen zur vollsten Zufriedenheit. ;-)

Und auch im fernen Island will man nun mit der Vergangenheit aufräumen: die Kaupthing-Bank, welche vor einem Jahr, zwei Monaten und zwei Wochen verstaatlicht werden musste, weil sie sonst pleite gegangen wäre und vielen Anlegern in Deutschland monatelanges Bangen um ihr Geld beschehrte, hat sich inzwischen einen neuen Namen zugelegt: Arionbank. Der Name Kaupthing wird inzwischen nur noch in Bezug auf die Abwicklung fauler Geldgeschäfte benutzt. Vielleicht wäre ein ähnlicher Namenswechsel auch für einige andere Firmen ein Weg zu einem kompletten Neuanfang: zum Beispiel die UBS oder SAECO :-)

(20.12.2009)

 

Allschwil ist verärgert
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Ein wunderschönes Beispiel dafür, wie sich Kantönligeist auswirken kann, erlebt man derzeit hier in Basel.

Da ist einerseits die Stadt Basel, die zusammen mit zwei weiteren Gemeinden den Kanton Basel-Stadt bildet. Und da ist andererseits das angrenzende Allschwil, das mit 19'000 Einwohnern gar die größte Gemeinde im Kanton Basel-Landschaft bildet.
Die Kantons- und Gemeindegrenze ist anhand der Bebauung längst nicht mehr auszumachen. Wer allerdings in Allschwil wohnt, zahlt deutliche niedrigere Steuern und Krankenkassenprämien als in Basel. Also wächst die Allschwiler Einwohnerschaft bestätig.

Doch Allschwil hat ein Problem: es ist die größte Gemeinde der Schweiz, die weder einen Bahnhof noch eine direkte Tram- oder Busverbindung zu einem Bahnhof hat. Angedacht war bereits, die Tramlinie 8 nach Allschwil zu verlängern. Nur diese Kosten scheute man in Allschwil. Und wenn die Gemeinde nicht will, wird auch der Kanton nicht tätig.

Stattdessen aber hat man im Gebiet Bachgraben einen Industrie- und Gewerbepark aus dem Boden gestampft. Auch eine Buslinie fährt dorthin, seit gut einem Jahr ist sie sogar grenzübergreifend bis ins deutsche Wyhlen unterwegs. Und der Passagierstrom übertraf die kühnsten Erwartungen. Aber der Bahnhof SBB wird nicht bedient.

Nun also sollte eine neue Buslinie, die Linie 48, Entlastung schaffen und das leidige Thema Bahnhofsanbindung aus der Welt schaffen, wenigstens in der Hauptverkehrszeit. Das Dumme daran: die Linie sollte in Allschwil alle Stationen bedienen, durch Basel aber ohne Halt fahren. Und dafür sollte nach dem bisherigen Kostenverteilschlüssel Basel für den Streckenanteil bis zur Stadtgrenze zahlen.

Dagegen haben nun ausgerechnet linke Parteien und die SVP in Basel erfolgreich Opposition im Parlament gemacht: die zu bewilligenden Mittel im Etat wurden abgelehnt. Warum auch soll die Stadt Basel für etwas zahlen, was ihren Steuerzahlern überhaupt nicht zunutze sein wird und eher noch dazu führen wird, noch mehr Steuerzahler und Kaufkraft ans Umland zu verlieren.

Interessant ist dabei das Kirchturmdenken der SVP: die Allschwiler Fraktion war natürlich für die Buslinie, die Basler SVP dagegen. Die Stimmung ist übrigens schon gereizt, seit das Basler Stimmvolk entschieden hat, dass der Wasgenring rückgebaut werden soll. Dies war so vor über 10 Jahren beschlossen worden als Ausgleich für die sogenannte Nordtangente, die für eine Entlastung des Innerstadtverkehrs sorgt. Das Dumme daran: der Wasgenring ist sowas wie die Lebensader von Allschwil und verläuft fast parallel zur Stadtgrenze auf Basler Territorium und meist keine 100 Meter zur Grenze von Allschwil entfernt.

So machte die Gemeinde auch gegen den Rückbau Druck und bemühte sogar die Kantonsregierung in Liestal, diesem Vorhaben Einhalt zu gebieten. Erfolglos. Ich sage dazu klar und deutlich: liebe Allschwiler, euer Gemeinderat hätte den Preis "Kirchturmdenker des Jahres" verdient, wenn es ihn denn geben würde.

(15.12.2009)

 

Endlich wieder mal ne Maus
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Nicht zu fassen: seit nunmehr Februar 2004 bin ich Schlepptopnutzer und seither ohne Maus ausgekommen. Heute nun habe ich mir doch mal wieder eine gekauft, und dann auch noch gleich ein Superteil von Logitech mit einstellbarer Mausgeschwindigkeit und regulierbarem Gewicht. Und da musste ich unweigerlich an jene Anekdote denken.
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"Als ich neulich mal nach Moskau gefahren bin, hat mir vorher einer gesagt, ich solle mir unbedingt das Mausoleum anschauen. Na gut, dachte ich mir, warum nicht. Dann werde ich mir auch mal ne Maus kaufen. Als ich nun dort am Mausoleum ankam, stand da eine Riesenschlange davor. Habe ich mich also angestellt und ewig gewartet. Und als ich endlich dran war, war der Verkäufer tot!" *****************

(11.12.2009)

 

Menschenrechte
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In Zürich demonstrieren sie auf dem Bürkliplatz anlässlich des Tags der Menschenrechte. Und auf BAZ-Online sind auch Fotos zu sehen, neun Stück. Und wer ein bisschen genauer hinschaut, stellt fest, dass es immer wieder die gleichen Leute sind. http://bit.ly/8iu7Kx
Wenn es also anscheinend ein Menschenrecht gibt, Minarette aufstellen zu dürfen, gibt es eigentlich auch ein Menschenrecht gegen mediale Volksverdummung?

(10.12.2009)

 

Werbeplakate
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Über Geschmack lässt sich streiten, über guten wie über schlechten.
Da aber manche Zeitgeister meinen, genau zu wissen, was schlechter Geschmack ist und verboten gehört, existiert seit vielleicht ein oder zwei Jahren ein Gesetz, welches rassistische, sexistische oder diskriminierende Werbeplakate verbietet; jedenfalls in Basel-Stadt.

Genau dieser Passus wurde von der Basler Stadtverwaltung auch herangezogen, als es um die Plakate zur Minarett-Initiative ging. Sie wurden von Amtswegen verboten, weil sie den Tatbestand von Rassismus und Diskriminierung erfüllten. Letzte Woche nun schob die Regierung in einer Erklärung nach, das ganze sei so auch rechtens gewesen. Das ist genauso glaubwürdig wie eine Antwort auf die Frage an den Präsidenten der Bauernvereinigung, ob es denn legal ist, wenn die Landwirte nach mehr Subventionen vom Bund rufen.

Und es kommt noch besser: die Plakataktion, in der zunächst nur Vorurteile über Behinderte zu lesen waren, sei keineswegs diskriminierend. Behindertenverbände hatten sich über diese Aktion beschwehrt, weil wochenlang zu lesen war: "Behinderte liegen uns nur auf der Tasche" oder "Behinderte sind ständig krank" - bis dann schließlich als Auflösung stets ein Ergänzungssatz zu lesen war, etwa "... wenn wir ihre Fähigkeiten nicht nutzen!" oder "... sind aber morgens immer die ersten auf Arbeit!"

Und auch die Plakate für die Messe "Erotika 09", auf denen eine nackte Frau mit leicht kaschierten Brüsten zu sehen war, sei keineswegs sexistisch. Naja, die Werbung für neuen Energydrink, auf denen mal ein Frauenpo und mal ein Männerkörper zu sehen war, war demzufolge auch nicht sexistisch.

Also, ganz ehrlich: wenn ich derzeit eine Werbeplakataktion verbieten würde, dann jene aktuelle von H&M. Die abgelichteten Models der Sonia-Rykiel-Kollektions-Kampagne sehen aus wie die Desperate Housewives auf Entziehungskur mit Botoxbehandlung. Dermaßen künstlich und krankhaft ist die Ausstrahlung, da hat schon so manche männliche Schaufensterpuppe mehr Anziehungskraft bewiesen. Übrigens kann man die Fotos auf der H&M-Homepage nicht im Grossformat anschauen ohne Passwort. Man könnte glatt meinen, H&M wolle seine Internetnutzer nicht zu sehr schocken. Gut, so bleibt beim Betrachter im Gegensatz zu den abgebildeten Models wenigstens die letzte Mahlzeit dort, wo sie hingehört!

Aber warum darf diese Geschmacklosigkeit dann auf öffentlichem Grund gezeigt werden? Und wieso sagt keiner - und vor allem KEINE - etwas dagegen? Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass heterosexuelle Männer sowas sexy finden - oder um mal Gaby Köster zu zitieren: "Wer fickt so etwas!?!" Und hetero- wie homosexuelle Frauen wollen sich doch von sowas weder angezogen und schon gar nicht dargestellt fühlen. Wenn man so will ein Fall von Diskriminierung des weiblichen Geschlechts.

(7.12.2009)

 

Ein Sonntag in Arosa
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Ich habe derzeit auf Arbeit die Angewohnheit, das von Frau Iseli alias Birgit Steinegger geprägte, in berndeutsch gesprochene "Sicchhherrr!" inflationär zu benutzen - und stecke damit schon einige Leutchen an; so auch eine Demofrau, die am Samstag bei uns für Remington beratend tätig war.
Als sie erfuhr, dass ich am Santiglaus-Sonntag nach Arosa fahre, entspann sich folgender Dialog:

R: "Du goosch am Sunntig uf Arosa?"
I: "Ja, sicher!"
R: "Warum goosch da nid scho hüt?"
I: "Sicher nid! Wyl i denn z'mitts in dr Nacht aachumm!"
R: "Un was wötsch do?"
I: "I gang ufs Humorfestival vo Arosa! Sicher!"
R: "Ufs Humorfestival? Trittsch da uf?"
I: "Nei!!! Meinsch, ich hätt des Züg dazu?"
R: "Ja, sicher!"

Es war schon noch ein witziger Sonntag dort. Aber es brauchte erstmal 4 Stunden Zugfahrt hin und auch wieder 4 Stunden zurück. Allein für die Strecke von Chur bis Arosa braucht der etwas mehr als eine Stunde.
Es lag jede Menge Schnee dort. Als Fußgänger tat man gut daran, nicht zu nah an den Hauswänden entlang zu laufen: es brachen ständig Dachlawinen ab.
Zum Festivalsort selber wars dann noch ein Stückchen weiter: erstmal mit der Bergbahn zur ersten Zwischenstation und von dort dann noch etwa zehn Minuten Fussweg zwischen den Pisten durch.
Man denkt, das Zelt müsste man doch von weitem sehen können.
Aber denkste. Gut ausgeschildert war es jedenfalls nicht.
Wer also dahin wollte, brauchte nicht nur Sinn für Humor sondern auch für Orientierung :-)

Die Veranstaltung, die ich zusammen mit meinem Freund und einer Bekannten besuchte, war auch sehr humorvoll, kam fast ohne Worte aus, bestand vor allem aus Gestiken und Pantomimik. "BP Zoom" heisst das Komikerduo.

Am Ende bekamen wir noch von einem der Verantwortlichen gesagt, wir könnten gern auch noch die Vorstellung um 17 Uhr besuchen, gratis, da hätten sich zuwenige angemeldet. Naja, aber irgendwann wollten wir ja auch noch nach Hause. Man denke an die lange Zugfahrt.

Eins würde ich noch gern wissen: am Bahnhof von Arosa steht ein Behälter, der auf den ersten Blick einer der üblichen Streusandbehälter sein könnte. Tatsächlich steht aber "Pferdemist" drauf! Fällt der dort in so rauen Mengen an?

(6.12.2009)

 

Kauft euch keinen Schoggibrunnen!
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Die letzte Verrücktheit, die sich mein Chef auf Arbeit erlaubt, um was Originelles in der Ausstellung zu präsentieren, war ein Schoggibrunnen.
Wohlgemerkt: War.

Das Experiment wurde nach drei Wochen wieder abgebrochen.
Das erste Gerät wurde von einem Kollegen an einem Samstag in Betrieb genommen. Erst wurde die Schokolade drin langsam schmelzen gelassen und weil es gar nicht so richtig laufen wollte, wurden noch mehrere Deziliter Öl dazugegeben. Immerhin, dann lief die Schoggi einigermaßen flüssig im Gerät.

Damit keiner reingreift, wurde noch ein Plexiglas drübergestülpt mit der Aufschrift "Bitte nicht berühren!".
Mein Vorschlag, doch stattdessen zu schreiben: "Achtung: enthält Rizinusöl!" wurde per demokratischem Entscheid abgeschmettert, dem ich mich auch fügte.

Nach einer Woche wollte die Pumpe nicht mehr pumpen, es floss keine Schoggi mehr. Das Gerät ist halt nicht auf Dauerbetrieb ausgelegt. Also wurde das zweite Gerät in Betrieb genommen, diesmal immer mit der Maßgabe, es regelmäßig abzuschalten. So ein Quark: als ob wir auch noch Zeit hätten, Babysitter für dieses Gerät zu spielen.

Gestern nun stieg auch das zweite Gerät aus und mein Chef entschied, das Schoggibrunnenvorführprojekt abzubrechen.
Mein Kollege, der den Schoggibrunnen einst in Betrieb nahm, durfte nun das Flüssigschoggiölgemisch entsorgen, aber schöööön vorsichtig, damit ja nichts auf den Boden tropfte. Und am Ende standen beide kaputten Vorführgeräte im Lager herum, noch schön mit einer brauen Schicht verziert.

Als nun heute ein anderer Kollege sich aufmachte, mal wieder für etwas Platz im Lager zu sorgen, hörte ich nur, als ich auch ins Lager kam, wie er vor sich hinfluchte: "Gopferdammi nonemal!!! Das werde ja immer mehr vo dene schyyss Gaggibrünne!!!"
Wer nun für den Rest des Tages mit mir zu tun hatte, musste darauf gefasst sein, dass ich ab und zu mal zu lachen anfangen musste oder aber zumindestens rote Augen hatte. Schön, wenn man noch sagen kann, dass einem wenigstens das Lachen auf Arbeit nicht vergeht.

(4.12.2009)

 

Was kommt eigentlich noch alles?
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Langsam kann man ja nur noch mit dem Kopf schütteln, weil immer noch auf die Schweiz(er) eingedroschen wird wegen des Entscheids zur Minarett-Initiative. Eindreschen tun aber immer nur staatliche oder überstaatliche Institutionen.

So zum Beispiel auch die UNO, die im Minarettverbot eine rassistische Entscheidung sieht und auf eine Einhaltung der Menschenrechte pocht. Auf die Frage, warum denn dann in anderen Ländern Kirchen ebenso verboten sind wie auch nur der Besitz einer Bibel, gibts die Antwort: "Die Menschenrechte gelten überall"
Soll wohl heißen: mehr als kluge Worte können wir auch nicht bringen.
Und wenn man noch bedenkt, dass die UNO derzeit von Libyen präsidiert wird...

Auch die Türkei und der Iran haben auf einmal die Menschenrechte entdeckt. Dazu lohnt es sich nicht, noch mehr zu schreiben.

Otto Normalbürger in Deutschland oder Johny Sixpack dagegen fragen sich, was daran rassistisch sein soll, wenn das Volk lediglich den Bau von Minaretten verbietet. Die Zustimmung zum Minarettverbot ist ungebrochen im In- und Ausland.

Die schweizer Bundesregierung - der Bundesrat - zeigt jedoch erstaunlich wenig Rückgrat. Der scheidende Bundespräsident Rudolf Merz meint gar, man werde wohl künftig ähnliche Abstimmungsvorlagen gar nicht mehr zur Volksabstimmung zulassen.
Soll heißen: das Volk ist zu dumm für solche Fragen.
Dabei ist man anscheinend zu erfolgsverwöhnt aus der Vergangenheit. Denn wenn es um das Schengenabkommen oder die Erweiterung der bilateralen Verträge mit der EU ging, hat das Volk bisher immer noch JA gesagt - quasi nach Meinung des hohen Rates vernünftig entschieden.
Mit einer solch aroganten Art wird man nur eines erreichen: das Volk wird noch mehr polarisiert und der SVP eine Steilvorlage bei den nächsten National- und Ständeratswahlen geliefert - mit dem Ergebnis, Anspruch auf einen dritten Bundesratssitz zu erheben - oder aber konsequent auf Blockadepolitik schalten. Dann bliebe den hohen Politikern, die ja anscheinend die Vernunft für sich gepachtet haben, nur noch, was Bertold Brecht einst vorschlug: Wenn die Regierung mit dem Volk nicht mehr zufrieden ist, dann soll sie halt das Volk auflösen und sich ein neues wählen.

(02.12.2009)

 

Was am Sonntag völlig unterging...
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Die Zeitungen doppeln zwei Tage nach der Minarettentscheidung immer noch nach.
Und natürlich immer schön getreu dem Motto: 57% der Schweizer sind politisch den Unkorrekten aufgesessen.
Heute ließ man prominente islamische Mitbürger zu Wort kommen, unter anderem die Basler Grossrätin Sibel Arslan, die nun gar von einer Zweiklassengesellschaft spricht: für die einen gelten alle Rechte, für Muslime nur ein Teil davon.
Weiter meinte sie, die symbolische Debatte habe mit Minaretten gar nichts zu tun gehabt. Für die meisten islamischen Vereine sei ein Minarett kein Thema gewesen.
Ja, Frau Arslan, wo bitte ist dann das Problem?
Und wo waren sie im Abstimmungskampf? Sie und all die fortschrittlich gesinnten Anhänger des Islam, um mal eine argumentativ gut abgestützte Breitseite gegen jene Leute zu führen, welche die Ängste der Bevölkerung aufgegriffen haben?
Nehmen Sie sich ein Beispiel an Necla Kelek, die in der Sächsischen Zeitung Klartext sprach.
http://www.sz-online.de/nachrichten/artikel.asp?id=2294086
Der Beitrag hat zwar nichts mit Minaretten zu tun, wohl aber mit den drastischen Worten eines Herrn Sarrazin zu Problemen in der deutschen Hauptstadt Berlin in Sachen Integration. Dass die Schweizer eben auch mal der Regierung die Gefolgschaft aufkündigen, hat man nach gewonnenen Abstimmungen über die Freizügigkeit und Kohäsionsmilliarde etc. anscheinend ganz vergessen.

Ganz vergessen ging übrigens die Tatsache, dass das Stimmvolk auch der Regierung in Obwalden einen Denkzettel verpasst hat. Diese nämlich hatte vor, die zehn schönsten Parzellen des Landes "Familien mit hohem repäsentativen Status" zu überlassen.
62% sagten Nein zum teilweisen Ausverkauf der Heimat an den Geldadel.
Aber warum soll man auch darüber berichten? Es wäre ja ein unwillkommen positives weil gerade politisch korrektes Beispiel für den Erfolg der direkten Demokratie - und obendrein noch ein zweites Beispiel dafür, wie die Elite vom Volk abgewatscht wird.

(1.Dezember 2009)

 

1.Advent
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Die von mir hier am 7.November geschriebenen Gedanken, wie ich am heutigen 29.November abgestimmt hätte, wenn ich denn gedurft hätte, sind genauso eingetroffen. Vor allem die Annahme des Minarettbauverbots sorgt nun für Diskussionen.

So fordern bereits die Grünen, der Europäische Menschengerichtshof solle darüber entscheiden, ob die Schweiz dieses Minarettverbot so in der Verfassung verankern darf.
Ich frage mich: Hat einer jener Leute, die sich immer wieder auf die "Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten" jemals einen Blick in dieses Abkommen getan?
Da heißt es im Artikel 9:
"(1) Jede Person hat das Recht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit; dieses Recht umfasst die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu wechseln, und die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung einzeln oder gemeinsam mit anderen öffentlich oder privat durch Gottesdienst, Unterricht oder Praktizieren von Bräuchen und Riten zu bekennen.
(2) Die Freiheit, seine Religion oder Weltanschauung zu bekennen, darf nur Einschränkungen unterworfen werden, die gesetzlich vorgesehen und in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sind für die öffentliche Sicherheit, zum Schutz der öffentlichen Ordnung, Gesundheit oder Moral oder zum Schutz der Rechte und Freiheiten anderer."

Nun kann man unter "Praktizieren von Bräuchen und Riten" durchaus auch das Errichten eines Minaretts fassen - oder auch das Beschneiden von Säuglingen, das Schächten von Schlachttieren, das Tragen des Tschadors usw. usf. Aber es ist eben auch die Rede von gesetzlichen Einschränkungen, die in einer demokratischen Gesellschaft notwendig sind zum Schutze der Rechte und Freiheiten anderer. Ist das Errichten des Minaretts also ein Menschenrecht?
Ich bleibe bei meinen Worten: es ist dies ebensowenig wie das Recht auf einen Kirchturm.

(29.11.2009)

 

Was ist ein Demokratieindex wert?
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Die Redaktion der Zeitschrift "The Economist" ist eine Institution von mehreren, die alljählich versuchen in Zahlen auszudrückt zu vergleichen, welche Staaten sich zu recht als demokratisch bezeichnen können und welche eher von autoritären Regimen beherrscht werden.
Der letze Demokratieindex aus dem Jahre 2006 - http://www.economist.com/media/pdf/DEMOCRACY_INDEX_2007_v3.pdf - lässt Schweden, Island und die Niederlande aufs Treppechen steigen. Es folgen die nordischen Demokratien Norwegen, Dänemark und Finnland gefolgt von Luxemburg, Australien und Kanada.

Wo ist die (direktdemokratische) Schweiz? Auf Platz 10.

Das Gesamtergebnis setzt sich dabei aus fünf Einzelergebnissen zusammen.
Politische Kultur: Platz 10 - Bezogen auf das Gesamtergebnis ist Confoederatio Helvetica hier besser als Norwegen aber schlechter als Irland.
Politische Teilhabe: Platz 12 - Hier liegen neben den Vorreitern aus dem Gesamtergebnis Irland und Neuseeland vor der Schweiz.
Funktionsweise der Regierung: Platz 9 - Australien liegt hier hinter der Schweiz
Wahlprozess und Pluralismus: Platz 12 - Hier liegt Kanada weit abgeschlagen auf Platz 38, sogar hinter der Ukraine(!!!), dafür sind einmal mehr Neuseeland und Irland besser und - man lese und staune! - Uruguay!
Und in Sachen Bürgerrechte liegt die Schweiz auf Platz 13 - einmal mehr hinter den besten 9 als auch Neuseeland, Irland und wiederum Uruguay.

Wie kommt man auf solche Zahlen?
Und speziell Uruguay soll bessere Bürgerrechte haben als die Schweiz?

Ich könnte jetzt hier das berühmte Zitat über Statistiken bringen, aber das ist schon so ausgelutscht.

Also zitiere ich Jan Woischnak von der Konrad-Adenauer-Stiftung zu den Vorwahlen in Uruguay aus dem Jahre 2004:
"Allerdings hat das neue Wahlrecht von 1996 den früher oft erzählten Witz kaum relativiert, in Uruguay seien die Wahlen so geheim, dass selbst der Wähler nicht wisse, wen er eigentlich gewählt habe. Das Wahlrecht ist immer noch höchst kompliziert und lässt sich zu allerletzt als bürgernah qualifizieren."

Manchmal ist es eben doch besser, auf den gesunden Menschenverstand zu vertrauen.

Immerhin: die Schweiz liegt stets vor Deutschland und Österreich.

Hier noch die Werte für Deutschland (D) und Österreich (A):
Gesamt: 13 (D) und 14 (A)
Politische Kultur: 10 (D) und 11 (A)
Politische Teilhabe: 12 (D) und 13 (A)
Funktionsweise der Regierung: 14 (D) und 16 (A)
Wahlprozess und Pluralismus: 14 (D) und 16 (A)
Bürgerrechte: 19 (D) und 30 (A)

In puncto Bürgerrechte liegen zwischen der Schweiz und Deutschland etwa Hongkong, Chile und Taiwan.
Zwischen Deutschland und Österreich sogar noch Kostarika, Indien, Brasilien beispielsweise.

Dazu möge sich jeder seine eigene Meinung bilden.

(26.11.09)

 

Tag 2 nach Pandemrix
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Ein gewisses Unwohlsein schlich sich am gestrigen Dienstag immer wieder in mir hoch.
Es äußerte sich auch schon mal in einer leicht verschnupften Nase und einem Kratzen im Hals. Aber was solls: mich hat weder ein umgestürzter Kran getroffen noch wurde ich von einem anscheinend besoffenen oder aber anderweitig geistig halbumnachteten Mitmenschen dumm angemacht oder gar bedroht.
Dies geschah in einem Bus der Linie 30 auf dem Weg zum Bahnhof. Mehrere junge Männer konnten den Pöbler in Schach halten, bis der Bus am Bahnhof SBB ankam. Ob der Typ nun aus dem Verkehr gezogen wurde, konnte ich nicht mehr nachvollziehen.
Jedenfalls bekam ich nur mit, wie am Bahnhofseingang ein anderer etwas randständig Aussehender dem aus dem Bus bekannten Pöbler zurief: "Ich gang lieber in d'Kischt..." Zwei Polizisten standen daneben, als hätten sie die Sache unter Kontrolle.
Hut ab vor den jungen Männern, die im Bus die Situation vor einer Eskalation bewahrten!

Und heute spürte ich nur noch meinen Arm ein wenig und einen gewissen Muskelkater, wenn ich schnelle Schritte machte. Genau das hatte man mir auch angekündigt. Also wenn das alle Nebenwirkungen sind, dann solls mir recht sein :-)

(25.11.09)

 

Pandemrix - mein heutiger kleiner Zustupf :-)
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Heute morgen so zehn nach 9 Uhr bekam ich meine Impfung gegen die Schweinegrippe.
Eigentlich hätten da ja noch zwei andere Arbeitskollegen dabei sein sollen. Aber der eine konnte nicht erscheinen, weil er seinem Vater aus der Patsche helfen musste: jener war mit seinem Auto irgendwo im Elsaß oder Sundgau liegengeblieben. Und der andere hatte wohl guten Grund, jeden Kontakt zu bisherigen Arbeitskollegen zu meiden. Nicht, weil er krank war, sondern weil er am Samstag wegen Diebstahls fristlos entlassen wurde. Acht iPhones soll er geklaut haben - wohl in der Hoffnung, der Verdacht könne auf die Bauarbeiter gelenkt werden, die wochenlang ihrer Arbeit im Lager nachgingen, um ein neues Belüftungssystem und neue Sicherheitstüren zu installieren.

Jedenfalls blieb ich nach dem kurzen Stupf - Pandemrix wurde mir verabreicht - noch zehn Minuten beim Arzt, für den Fall, dass doch was passieren sollte. Aber es geschah nichts, ich ging also normal zur Arbeit.
Auch nach drei Stunden war nichts zu spüren. Ebenso gegen 14 Uhr, wo bereits eine Kollegin meinte, ihr werde der linke Arm schwer und sie fühle sich ständig müde, nachdem sie um 11 Uhr geimpft worden war.

So gegen 17 Uhr spürte ich meinen linken Arm dann doch. Wenn ich ihn anhob, spürte ich ein leichtes Drücken an der Einstichstelle. Den ganzen Tag über aber war ich auf Arbeit recht gut gelaunt und auch sonst guter Dinge.
Am Abend dann auf dem Weg nach Hause fühlte ich mich schon ein wenig matt. So ein typisches Gefühl im Hals, das ich kenne, wenn eine Erkältung aufzieht, und die Einstichstelle am Arm machte sich nun ständig durch leichten Druck bemerkbar. Und im Moment kommt noch ein leichtes Schnupfengefühl dazu.
Aber richtig mies fühle ich mich nicht. Jedenfalls noch nicht. Mal schauen, wie es morgen sein wird. Da habe ich immerhin frei :)

(23.11.2009)

 

Schweiz nicht mehr so erstklassig?
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Die CMA ist eine Gesellschaft, die ihr Geld damit verdient, Analysen über die Zahlungsfähigkeit aller möglichen großen Schuldner zu erstellen.
Nein, die CMA ist nicht die Centrale Marketinggesellschaft der deutschen Agrarwirtschaft sondern eine in London ansässige Firma. Und diese hat nun die Bonität der Schweiz ein wenig schwächer eingestuft. Dass 5jährige Staatsanleihen ausfallen könnten, dafür hat die CMA ein Risiko von 3,6 Prozent für die Schweiz ermittelt. Damit landet die Eidgenossenschaft auf Platz 13 und ist nicht mehr unter den besten zehn.
Die Liste der besten zehn verwundert aber schon ein wenig. Auf Platz 3 stehen die USA! Kaum ein anderes Land kann es sich derzeit leisten, so fleißig Schulden zu machen, wie die US-Amerikaner. Kein Wunder: die Welt ist ja, entgegen allen Ankündigungen, nach wie vor bereit, US-Dollar als Bezahlung zu akzeptieren. Selbst China, welches bereits mehrfach ankündigte, man werde die Währungsreserven zugunsten des Euro umschichten. Aber auch die Chinesen bleiben zunehmend auf einem Berg von US-Dollar sitzen. Bezogen auf ihre Wirtschaftsleistung waren die USA anno 2008 mit knapp 66% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) verschuldet.
Deutschland, welches in der CMA-Analyse gleichauf mit Frankreich auf Platz 4 liegt, kommt auf eine Staatsverschuldung von 63% des BIP, Frankreich auf 64,4%. Belgien auf Platz 9 ist sogar mit 82% des BIP verschuldet.

Zum Vergleich: die Schweiz hatte einen Schuldenstand von 44% des BIP.
Immerhin: auch Japan hats aus der Besten-10-Liste gehauen. Mit 182% Verschuldung in Höhe des BIP ein nachvollziehbarer Schritt. Wohlgemerkt, diese Zahlen sind von 2008. Es wurden aufgrund der Weltwirtschaftskrise seither Unsummen neuer Schulden aufgenommen.

Aber die Schweiz kann sich trösten. Das Scheichtum Dubai, welches ja in den letzten Jahren mit Superlativen in Sachen Bautätigkeit glänzte, rangiert gar am unteren Ende der Kreditfähigkeit, gleich nach Litauen und Island - letzteres stand vor einem Jahr vor dem Staatsbankrott! Also ganz so schlimm scheints um die Eidgenossenschaft dann doch nicht zu stehen :)

(20.11.2009)

 

Studentenprotest oder Studierendenbesetzung?
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Nachdem in Österreich die Studenten nicht auf die Straße sondern in die Hörsääle gegangen und diese aber besetzt haben, ist ähnliches nun auch in Basel geschehen. Hier wurde die Aula besetzt und bleibt es wohl noch bis zum heutigen Tage.
Wenn ich das richtig verstanden habe, sind die Besetzer gegen die Studiengebühren, gegen die Präsenzkontrollen und verlangen die Abschaffung des Unirates. Interessant dabei ist, dass die Besetzer für sich in Anspruch nehmen, die Interessen der Studenten zu vertreten, am 16.11. von einer "Vollversammlung" sprachen, bei der ganze 70 Leute anwesend waren - von 15'000 Studenten der Universität Basel insgesamt. Mit (schweizer) Demokratieverständnis hat man anscheiend wenig am Hut.

Wie ich das verstanden habe, wäre etwa die Präsenzkontrolle gar nicht Sache des Unirates sondern eine Angelegenheit, die jede einzelne Fakultät selber entscheiden dürfe.
Ich habe den Eindruck, dass viele Studenten durchaus unzufrieden sind, aber letzten Endes keine Lust haben, sich entsprechend in den bestehenden Organisationen einzubringen. Das war zu meiner Studienzeit auch nicht anders: die damaligen regelmäßig stattfindenden Wahlen zum Studenten- und Fachschaftsrat waren ein Witz, da die Beteiligung stets im einstelligen Prozentbereich lagen, ja, sie wären eigentlich an der 5%-Hürde gescheitert, wenn es eine gegeben hätte.
Zweimal gab ich bei einer solchen Wahl meine Stimme ab und schrieb jeweils noch einen weiteren Wahlvorschlag auf den Zettel, was auch so gewollt war. Ergebnis war jedesmal, dass derjenige, den ich da vorgeschlagen hatte, mit meiner einen Stimme gewählt wurde.

Was die meisten Studenten wohl aber tatsächlich stört, ist die Bologna-Reform, die eigentlich dazu führen sollte, dass man semesterweise auch an anderen Universitäten, etwa im Ausland, studieren kann. Genau an deren Umsetzung aber hapert es gewaltig, da es hier keine zentrale Institution gibt sondern Kantönligeist herrscht. Und was mich an der Berichterstattung sehr stört: Warum ist zunehmend die Rede von "Studierenden", wenn man doch "Studenten" meint?
Ein Student ist ein Schüler einer Hochschule, der dort eingeschrieben ist. Ein Student ist man dann quasi 24 Stunden pro Tag. Ein Studierender dagegen ist jemand, der sich gedanklich mit einem Thema eingehend befasst, indem er lernt. "studierend" ist ja das Partizip Präsens, die Verlaufsform des Verbes "studieren". Auch ein Student ist ein Studierender, aber eben nur solange, wie er sich mit seinem Lernstoff oder Semesterarbeiten befasst; und das ist keinesfalls 24 Stunden pro Tag der Fall.
Ein Studierender kann man aber auch sein, ohne an einer Hochschule eingeschrieben zu sein. Und ein Student, der eine Aula besetzt, um gegen gewisse Missstände zu protestieren, ist kein Studierender.

Warum diese Wortwahl: "Studierender" statt "Student"?
Ganz einfach: politische Korrektheit lautet das Stichwort. Werden alle Studenten als "Studenten" bezeichnet, könnten sich ja die Studentinnen benachteiligt fühlen oder um mal das schöne Wort zu benutzen: diskriminiert.
Beim "Studierenden" ist das zwar in der Einzahl auch so, aber die Mehrzahl von "der Studierende" und "die Studierende" ist nun mal "die Studierenden" und wirkt neutral.

Welch absurde Blüten die vermeintliche Gleichstellung beider Geschlechter in der Schriftsprache treibt, wird einem spätestens dann deutlich, wenn man sich mal einige Gesetzestexte ansatzweise durchliest. Wenn da von einem bestimmten Amtsposten die Rede ist - etwa eines Richters oder eines Nationalrates - dann wird (wirklich) immer und jedesmal von "Richterinnen bzw. Richtern" oder "Nationalrätinnen oder Nationalräten" geschrieben. An den Anfang des Gesetzestextes zu schreiben, dass der Ausdruck "Richter" sinngemäß auch für Personen weiblichen Geschlechts anzusehen ist, verstößt anscheinend gegen den Gleichheitsgrundsatz der Bundesverfassung. Nur welcher Mensch redet denn so?!?
Das sollte jenen Leute zu denken geben, die sich wundern, warum die Deutschschweizer das Schriftdeutsch oft als Fremdsprache empfinden.

(18.11.2009)

 

Persona non grata?
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Könnte es sein, dass ich zumindestens beim Newsnetz, der vereinigten Onlineausgaben von Basler Zeitung, Berner Zeitung, Zürcher Tagesanzeiger, Berner Bund und Thurgauer Zeitung zur Persona non grata deklariert wurde? Ich habe jedenfalls den Eindruck.

Denn wenn ich in letzter Zeit mal die Möglichkeit nutzte, einen Kommentar zu einem Beitrag zu verfassen, wurde dieser letzten Endes nicht veröffentlicht. Newsnetz behält sich vor, ob man einen Beitrag publiziert, vor allem, wenn er ehrverletzend, rassistisch, unsachlich oder themenfremd ist. So hieß es gestern in einem Beitrag auf Newsnetz, dass die Schweiz in letzter Zeit in deutschen Printmedien immer häufiger schlecht und in die Krise geschrieben werde und das auch noch von Autoren, die aus der Schweiz stammen. Es entstehe ein völlig falsches Bild von der Schweiz.

Dazu verfasste ich sinngemäss folgenden Kommentar: "Es wundert mich, dass die BAZ überhaupt mal dieses Thema aufgegriffen hat - und nicht zum Beispiel die Tatsache, dass in der Nähe des Polizeipostens Clarastrasse auf einer Rollwerbung das auf öffentlichem Grund in Basel verbotene Plakat der Anti-Minarett-Initiative immer noch zu sehen ist. Nicht, dass mich selber beides stören würde. Wohlgemerkt, es wundert mich nur :-)"

Veröffentlicht wurde er nicht. Ich vermute, er fiel unter die Kathegorie "unsachlich". Aber naja, dafür habe ich letzte Woche statt freitags auch noch samstags die BAZ gratis im Briefkasten gehabt. Mein Freund hat sich über den beigelegten Kalender gefreut, auf welchem unter anderem der Termin für den "Vogel Gryff"-Tag zu finden war :-)

(16.11.09)

 

Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät?
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Russlands Präsident Medwedew hatte eine Idee. Die Wirtschaft seines Landes würde sicherlich besser laufen, wenn sie in einheitlicherem Zeittakt ticken würde. Konkret: elf Zeitzonen seien zuviel, der daraus resultierende zusätzliche Aufwand in der Verwaltung ließe sich enorm reduzieren.
Auf wieviele Zeitzonen er Russland künftig gern verteilt hätte, ließ er allerdings offen, erwähnte allerdings, dass doch die USA auch mit 4 Zonen auskämen.

Nun ja, die USA haben eine Ost-West-Ausdehnung von 4500 km, wenn man Alaska und Hawaii mal außen vor lässt; Russland dagegen erstreckt sich über rund 9000 km.
Das allein sagt aber noch nichts aus. Wichtiger ist, wie sehr sich diese Landmasse über das topographische Gradnetz der Erde verteilt. Bei den USA sind es 60 Längengrade, bei Russland dagegen über 170.

Was bedeutet das konkret?
Pro Längengrad verschiebt sich die Ortszeit um 4 Minuten. Nach 15 Längengraden beträgt der Zeitunterschied eine Stunde. Wenn also an der Ostküste der USA die Sonne ihren Mittagspunkt erreicht hat, ist es an der Westküste gerade erst 8 Uhr morgens. Die Verteilung über vier Zeitzonen entspricht also ziemlich genau jenen vier Stunden Zeitunterschied zwischen Ost und West.

In Russland dagegen siehts anders aus. Wenn die Sonne an der Beringstrasse im äußersten Osten des Landes im Mittag steht, ist es im äußersten Westen in Kaliningrad gerade ein Uhr nach Mitternacht.
Auch China erwähnte Medwedew, dort gibts nur eine Zeitzone, die ungefähr der Ortszeit von Schanghai entspricht. Der äußerste Westen Chinas mit 45 Längengraden Entfernung hinkt also drei Stunden hinterher. Die Sonne steht dort nicht um 12 Uhr im Zenit sondern erst um 15 Uhr. Entsprechend verschoben ist dort der Tagesablauf.

Die Zeitzonen in Russland auf vier zu begrenzen, wie gemunkelt wird, halte ich für übertrieben. Würde man Kaliningrad etwa nach Moskauer Zeit ticken lassen, ergäbe sich folgendes Kuriosum: am Dreiländereck von Litauen, Polen und Bezirk Kaliningrad träfen gleich drei Zeitzonen aufeinander: während es in Polen 12 Uhr ist, ist es in Litauen 13 Uhr und in Kaliningrad 14 Uhr.

Einsparpotenzial gibts in Russland aber trotzdem: die Bezirke der Städte Samara und Ishewsk sind die einzigen in Russland, die der Zeitzone "Greenwich +4 h" angehören. Die könnten entweder der Moskauer Zeit oder der Uralzeit angeschlossen werden.
Auch das Gebiet mit den Städten Omsk und Novosibirsk könnte der Uralzeit angeschlossen werden.
Die Zeitzone von Jakutsk könnte der Baikalseezone angeschlossen werden.

Übrigens, auch all jene Europäer, die sich nach der Mitteleuropäischen Zeit richten, sind Punkt 12 Uhr mittags in den meisten Fällen nicht wirklich am Puls der Zeit sondern eher hinterher. Wirklich nach Ortszeit leben nur jene, die auf dem Längengrad der deutsch-polnischen Grenzstadt Görlitz leben. In Barcelona dagegen ist es erst um 13 Uhr wirklich Mittag, an der westspanischen Küste nochmals eine halbe Stunde später.
Und wahrscheinlich ist wohl genau das der Grund, warum man die mitteleuropäische Sommerzeit eingeführt hat: die Uhren um eine Stunde vorstellen, damit man im Benelux, Frankreich und Spanien "realistischere" Zeiten im Sommer hat. Dann sind schließlich auch die meisten Deutschen, Schweizer und Österreicher dort.

(15.11.2009)

 

Das Volk hat mal wieder zu entscheiden
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Mein Freund bekam dieser Tage wieder einmal die Abstimmungsunterlagen zugeschickt, denn am 29.November ist einmal mehr eidgenössischer Abstimmungstag.
Und angesichts dessen, was da so alles ansteht, fühlt sich mein Freund, wie so mancher Schweizer auch: überfordert.

Konkret sieht es so aus, dass hier in Binningen Kanton Basel-Landschaft sieben Abstimmungsvorlagen und eine Wahl zur Entscheidung vorgelegt wurden.

Zwei Abstimmungen betreffen nur die Gemeinde. Eine betrifft den Beschluss des Gemeinderates, künftig Nachmittagsbetreuungen für Kinder anzubieten. Ein sinnvoller Beschluss, der meine Unterstützung findet. In der zweiten Abstimmung gehts um eine Initiative, die verhindern will, dass mehrere Schulhäuser zusammengelegt werden, so wie dies bereits geplant ist. Die Schulhäuser sollen im Quartier bleiben. Das Problem: es gibt immer weniger Kinder, demzufolge ist ein Zusammenschluss von Schulen letzten Endes eine Entscheidung der Vernunft. Ich würde NEIN sagen zu dieser Initiative.

Auf kantonaler Ebene geht es um zwei Gesetzesvorlagen, welche die Gewalt bei öffentlichen Sportveranstaltungen eindämmen sollen. Beide finden meine Zustimmung. Schließlich gilt es auf Bezirksebene die 18 Richterposten zu wählen. Jaja, in der Schweiz werden die Richter vom Volk gewählt.

Drei Abstimmungen findet bundesweit statt, also alle Schweizer dürfen dazu sagen, ob sie wollen oder nicht - ich darf nicht, ich bin Ausländer.

Diese drei Abstimmungen lauten:

1.Spezialfinanzierung Luftverkehr: Sollen künftig die Einnahmen aus der Besteuerung von Flugtreibstoffen halbe-halbe in die Bundeskasse und die Luftfahrt(sicherung) fließen, oder soll es so bleiben wie bisher: halbe-halbe zwischen Bundeskasse und Strassenbau? Aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, diese Vorlage anzunehmen.

2. Volksinitiative "Für ein Verbot von Kriegsmaterial-Exporten": die GSoA, die bereits vor einigen Jahren (erfolglos) eine Schweiz ohne Armee forderte, will nun die Rüstungsexporte verbieten, indem ein entsprechender Passus in die Bundesverfassung Eingang findet. Die Argumente sind sofern klar: schweizer Waffen töten im Ausland Tausende von Menschen. Derzeit seien vor allem in Pakistan viele solcher Waffen im Einsatz. Da von den Rüstungsexporten etwa 5000 Arbeitsplätze direkt abhängen, sollen zehn Jahre lang betroffene Regionen vom Bund Ausgleichszahlungen erhalten. Regierung und Parlamente halten dagegen: die Schweiz muss zur Verteidigung des eigenen Landes eine eigene Rüstungsindustrie haben und darf nicht von ausländischen Importen abhängig sein. Vom einheimischen Markt aber könnte dieser Industriezweig nicht überleben. Zudem habe die Schweiz schon heute eine sehr strenge Waffenausfuhrkontrolle. Man mag mich verurteilen, aber ich würde zu dieser Initiative auch NEIN sagen, zumal das Ganze wieder auf Subventionen hinausläuft, die eben nicht bloß auf zehn Jahre beschränkt bleiben werden.

3. Volksinitiative "Gegen den Bau von Minaretten": diese Volksinitiative verlangt, dass der Bau von Minaretten künftig verboten ist. Ein entsprechender Passus würde in der Bundesverfassung verankert. Basels Stadtpräsident Guy Morin meint, Kirchenglocken oder Muezzinruf, das sei doch im Prinzip dasselbe. Und es sei doch etwas Wunderschönes, wenn ein Mensch zum Gebet rufe. Der Himmel über der Schweiz sei groß genug. Der Mann ist übrigens Grüner.
Genauso, wie Nationalrat Bastien Girot, der vor einigen Tagen eine Zuwanderungsbegrenzung forderte, weil dies letzten Endes auch Folgen auf die natürlichen Ressourcen der Schweiz habe. Der Himmel mag unendlich sein, der Boden ist es eben nicht. Girot wurde von seinen Parteikollegen entsprechend gescholten weil er so nur den rechten Parteien Auftrieb gebe.

Als Neunjähriger stand ich erstmals vor einem Minarett, jenem in der ungarischen Stadt Eger. Es ist das nördlichste osmanische Bauwerk in Europa, die dazugehörige Moschee existiert nicht mehr. Für die Bewohner von Eger ist es einerseits ein Wahrzeichen der Stadt; es erinnert sie aber auch daran, dass die Stadt im 16.Jahrhundert zweimal durch die Türken belagert wurde und schließlich 91 Jahre unter deren Herrschaft stand. Ein genehmigter Muezzinruf vom dortigen Minarett aus wäre undenkbar.

Ich würde in dieser Frage dem Verbot zustimmen. Einen Verstoß gegen die Menschenrechte sehe ich darin nicht. Es gibt kein Menschenrecht auf ein Minarett ebensowenig wie ein Menschenrecht auf einen Kirchturm. Die Muslime in der Schweiz haben Moscheen in Kulturzentren oder teilen sich Räumlichkeiten mit anderen örtlichen Vereinen, in Basel in mindestens einem Fall mit einem Guggemusikverein, deren Eingang durch ein symbolisiertes Minarettsymbol gekennzeichnet ist. Damit kann jeder leben.

(07.November 2009)

 

Mal wieder was Aufgeschnapptes
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"Ich habe ihr viel zugetraut. Was ich ihr nicht zugetraut habe, waren die Ellbogen. Lange dachte ich, dass die West-Ministerpräsidenten – die Wulffs, Rüttgers und Kochs – cleverer und härter seien. Aber die Fähigkeit zum Aussitzen hat sie von Kohl offensichtlich gut gelernt. Selbst international: Ich hab mal erlebt, wie sie Putin auf Russisch angeschnauzt hat, weil er eine Stunde zu spät eintraf: «Das machst du mir nicht ein zweites Mal!» Putin hat richtig die Hacken zusammengeknallt."
(Lothar de Maizière in einem Interview über Angela Merkel)

(03.11.2009)

 

Was ist eine Burka?
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http://bazonline.ch/schweiz/dossier/die-islamdebatte/Unterm-Schleier-Der-BurkaTest/story/19680123

Da schickt das Newsnetz also eine junge Frau testweise in Zürich mit einer Burka auf die Strasse um zu testen, wie die Leute drauf reagieren und vor allem aber auch, um mal aus eigener Erfahrung zu beschreiben, wie das ist, derart verhüllt herumlaufen zu müssen.

Was die Journalisten nur nicht wissen: die Verhüllung war gar keine Burka.
Und das, obwohl man doch aus kompetenter Hand (Modeboutique "Dar El Manar") die Textilien bezog.

Also: vor etwa 20 Jahren hätte noch keiner etwas mit dem Begriff "Burka" anfangen können. Erst durch das Taliban-Regime in Afghanistan mit seiner Auslegung des Islams, wie er lust- und lebensfeindlicher kaum sein könnte, schaffte es auch "die Burka" ins Bewusstsein der europäischen Öffentlichkeit.
Dass Frauen in Ländern mit konservativer Auslegung des Islams nur verschleiert auf die Strasse dürfen und natürlich auch nur in Begleitung eines Mannes, ist eigentlich nichts Neues. Das Schlimme an Afghanistan war, dass ein durch die Kommunisten immerhin modern orientiertes Land plötzlich durch die Taliban in die Steinzeit zurückkatapultiert wurde. Frauen, die vorher als Ärztinnen arbeiten und ihr Gesicht zeigen durften, musste nun zu Hause bleiben und durften nur noch mit einem Ganzkörperumhang aus dem Haus. Dieser Ganzkörperumhang, der nur eine Art Sichtgitter auf Augenhöhe hat, das ist eine Burka.

Keine Burka ist dagegen, was viele heute dafür halten - auch die Journalisten von "Newsnetz": der sogenannte Tschador in Kombination mit einem Nikap oder Tscharschaf. Der Tschador ist ein zeltartiger Mantel, der bis auf das Gesicht den Körper verhült - ähnlich dem Gewand der Maria Muttergottes übrigens.
Der Nikap bzw. Tscharschaf (beides eingedeutschte Schreibweisen) ist jenes Teil, was letztes Endes den eigentliche Schleier darstellt, der das Gesicht bedeckt, aber doch immerhin dem Gegenüber einen Blick auf die Augen gewährt.

Das Wort "Burka" ist anscheinend so trendig geworden, dass jetzt alles unter diesem Begriff zusammengefasst wird, was mit Verschleierung zu tun hat. So sprachen sowohl Befürworter als auch Gegner des Plakats der Anti-Minarett-Initiative von einer "Frau in einer Burka", die da abgebildet sei und nun eben (nicht) rassistisch sei. Dabei enthält die Darstellung der verschleierten Frau eben keine Burka. Es ist der Tschador mit dem Tscharschaf, den auch die junge Testfrau in Zürich trug.

Das hätte ihr die Geschäftsführerin des "Dar El Manar"-Modegeschäftes auch sagen müssen. Aber vielleicht ist das auch der wahre Grund, warum sich die Frau Geschäftsführerin nicht hatte im Bild zeigen lassen wollen - im Text hieß es sinngemäss, der Islam verbiete es ihr, vor die Kamera zu treten :-)

(22.Oktober 2009)

 

Mein spontaner Gedanke dazu
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Am vergangenen Wochenende fanden in der Schweiz gleich zwei Parteitage statt: der von der FDP in Stans (Nidwalden) und der von der SP in Schwyz. Warum gerade beide in der Innerschweiz stattfanden, bleibt ein Rätsel :)

Die FDP verabschiedete sich vor allem von ihrem bisherigen Bundesrat Pascal Couchepain, der zuletzt Sozialminister war.
Mein spontaner Gedanke dazu war eine recht treffende Karrikatur in einem Buch über die Schweiz. 6 Bundesräte standen da in einer Reihe beschriftet mit ihrem Ressort. Nur ausgerechnet beim Sozialministerium sah man ein rundes schwarzes Loch...

Die SP dagegen wollte vor allem ihre Kräfte sammeln. Denn vergleichbar ihren deutschen Kollegen hat auch die Sozialdemokratie der Schweiz schon glorreichere Zeiten gesehen. Das gab ihr Chef Christian Levrat auch unumwunden zu und gab sich kämpferisch; man werde mit zwei Volksinitiativen wieder vermehrt Präsenz zeigen und um Stimmen kämpfen. Soweit, so gut.

Doch dann trat der (derzeit) dienstälteste und bei vielen auf der Abschussliste stehende Bundesrat Moritz Leuenberger ans Pult - und hatte nichts besseres zu tun, als das leidige Thema "EU-Beitritt" wieder aufs Tapet zu bringen. Die Schweiz müsse beitreten; wenn nicht heute und auch nicht morgen, dann halt übermorgen.
Mein spontaner Gedanke dazu: Leuenberger will in die EU? Bitte sehr, er kann gerne gehen! :-)

(19.Oktober 2009)

 

Ein kleiner Denkanstoß
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Es gibt einen Stadtstaat auf dieser Welt, der preist sich als weltoffen für alle Bürger dieser Welt. Aber im Inneren wird das Leben bestimmt durch eine Vielzahl von Verboten und Restriktionen, die natürlich alle nur einem Ziel dienen: dem friedlichen Nebeneinander der unterschiedlichen Kulturen in jenem kleinen Stadtstaat.
Und weil schon allein das Lesen einer Zeitung aus dem Nachbarland dazuführen könnte, den Religionsfrieden zu (zer-)stören, ist der Import von Zeitungen an diesem Nachbarland verboten.

Gemeint ist Singapur.
Wer sich aber die Pressemeldungen der letzten Tage so durchgelesen hat, könnte sehr wohl auch den Eindruck haben, es könnte auch Basel-Stadt sein.

(09.Oktober 2009)

 

Endlich ein Hörgenuss, wenn auch nur auf Zeit
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Da Radio Basel One angeblich bis zu 100'000 Hörer in der Region hatte, wird der Sendeschluss vom 30.September 2009 Punkt 18 Uhr nicht ganz unbemerkt geblieben sein. Immerhin berichtete ja auch Telebasel eine Stunde später drüber.
Natürlich ist es schade um die Mitarbeiter, die sich ins Zeug gelegt haben. Aber ich muss ganz ehrlich sagen: seit dem Sendeschluss hat die Hörqualität deutlich zugelegt!
Ja, das meine ich ernst!
Ob das ein Witz sei?
Nein!
Denn gesendet wird ja weiterhin, allerdings nur noch Musik im Dauerlauf. Und das schöne daran: jeder Titel wird von Anfang bis Ende gespielt. Es quatscht keiner hinein.
WO HAT MAN DAS DENN HEUTE NOCH???
Leider ist mit dem Hörgenuss am 24.Oktober 2009 wieder Schluss. Dass startet nämlich Radio Basel. Naja, es soll ja ein etwas intellektuelleres Programm geboten werden, wie Radiomacher Christian Heeb versprochen hat. Ob die neuen Moderatoren dann ein bisschen mehr Respekt vor der Musik zeigen werden, bleibt abzuwarten - ob man so Geld verdienen wird, ebenso.

(02.10.2009)

 

Berliner S-Bahn
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Es gibt nicht gerade ein tolles Bild von der deutschen Hauptstadt, wenn sie sich die Blöße geben muss, den S-Bahn-Verkehr drastisch zusammenstreichen zu müssen, weil man nötige Wartungsarbeiten unterlassen hat. Das Geld an sich war ja da und auch bezahlt worden. Nur, so wie es aussieht, hat es die S-Bahn-Berlin GmbH gleich an den Mutterkonzern Deutsche Bahn AG weitergereicht, die ja selber unbedingt im besten Licht dastehen wollte, weil sie an die Börse wollte - woraus dann nichts wurde, wie man inzwischen weiß.
Mein Kommentar dazu frei nach den Worten eines gewissen Herrn Wowereit: Berlin ist zwar arm dran mit seiner S-Bahn, hat aber einen sexy Hauptsitz der Deutschen Bahn zu bieten.

(20.Juli 2009)

 

Grundgesetzliche Sprache
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Bei Deutschlands Politikern kochen derzeit die Emotionen mal wieder hoch, nicht wegen Finanzkrise, Wirtschaftskrise oder sonstigen ohnehin kaum lösbaren Problemen sondern nur, weil aus der CDU der Vorschlag kam, im Grundgesetz klar und deutlich festzulegen, dass Deutsch Amtssprache in Deutschland ist.
Ja, es ist wirklich so: Deutsch ist nur de facto Amtssprache. Festgeschrieben ist das nirgends.

Widerstand regt sich vor allem von linker Seite: das sei Schwachsinn, absolut unnötig, ohne Deutsch komme man doch in Deutschland nicht weiter, jeder wisse das. Das Grundgesetz selber sei ja auch in Deutsch verfasst.
Widerstand regt sich auch von einigen Verbänden ausländischer Mitbürger, die darin einen Angriff auf die grundgesetzlich verbriefte Anti-Rassismus-Norm sehen, da niemand aufgrund seiner Sprache benachteiligt werden dürfe. Und das ganze wird dann noch garniert mit Polemiken, welche den Lesern weismachen wollen, dass eine solche Regelung auf ein Sprachreinheitsgesetz hinauslaufe; also künftig kein "Döner" mehr sondern "Grillfleisch am Drehspieß" usw. usf.

Meine Meinung dazu: Warum denn nicht?
1. In so ziemlich jedem anderen europäischen Land steht in der Verfassung drin, welche Sprache Amtssprache ist - nur im Vereinigten Königreich von Großbritannien nicht, denn da gibts keine Verfassung im eigentlichen Sinne. Und in der Schweizer Bundesverfassung ist einmal von den vier Landessprachen die Rede (Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch) und dann von den Amtssprachen, in welchen Mitteilungen auf Bundesebene kommuniziert werden müssen, wiederum Deutsch, Französisch und Italienisch; Rätoromanisch in erster Linie nur mit Bürgern rätoromanischer Sprache. Und auch wenn das Grundgesetz in Deutsch verfasst ist, ist das rein juristisch kein Indiz für die Amtssprache, denn es lässt sich in jede andere Sprache übersetzen.

2. Wie gut man in Deutschland aber auch in der Schweiz sich inzwischen durchs Leben schlagen kann, ohne Deutsch zu können, erlebt jeder, der entweder im Verkauf oder auf (Sozial-)Behörden angestellt ist. Eine Gruppe von Ausländern profitiert von den guten Englischkenntnissen auf beiden Seiten, hält daher Deutschlernen für unnötig. Und die andere Gruppe schlägt sich durchs Leben, weil es man halt immer jemanden kennt, der behördlichen Kram übersetzen kann. Dass zum Beispiel die Deutsche Telekom schon seit einigen Jahren eine Auskunft in türkischer Sprache anbietet, sagt ja schon vieles. So kanns aber auf Dauer nichts werden mit der Integration.

3. Was hat die Forderung nach einer schlichten und einfachen Festlegung der Amtssprache mit Sprachpurismus zu tun? In der Schweiz hat über die Änderung der Bundesverfassung letzten Endes das Volk zu entscheiden, IMMER. Auch die Entscheidung, dass das Rätoromanische zur Amtssprache im Umgang mit Personen dieser Nation benutzt werden muss, wurde vom Schweizervolk mehrheitlich abgesegnet; und das, obwohl die Rätoromanen nur etwa 50'000 Sprecher zählen. In Deutschland dagegen braucht es eine Zweidrittelmehrheit des Bundestages, um einen Artikel ändern zu können. Die beiden großen Parteien müssen sich also einig sein. Aber da politische Grabenkämpfe auch in Zeiten Großer Koalitionen nicht enden, ist das ein schwieriges Unterfangen.

Ich meine, man sollte Deutsch als Amtssprache ruhig ins Grundgesetz festschreiben, solange man das noch politisch durchsetzen kann. Denn wer heute auf die Schulhöfe so mancher Großstadtschulen schaut und dem Unterricht lauscht, wird den Eindruck nicht los, dass Deutsch letzten Endes nur noch die Lehrer sprechen. Anpassung an die Sprache sollte nicht nur für uns Deutsche im Ausland gelten!

(4.Dezember 2008)

 

Es weihnachtet sehr
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Dass es auf Weihnachten zugeht, ist ja schon seit Wochen in den Läden nicht mehr zu übersehen: überall Weihnachtsgebäck und Schokoweihnachtsmänner - von denen ja so mancher Scherzkeks behauptet, es seien unverkaufte und umgegossene Osterhasen aus dem Frühjahr.
In Basel kann man seit heute auch wieder in der Innenstadt die Weihnachtsdekoration bewundern, noch bis ins neue Jahr hinein wird man den Lichterglanz genießen können.
Nicht jeder kann es genießen. Manchen ist der ganze Rummel um Weihnachten und übermäßige Beleuchtungsorgien zu einem wahren Gräuel geworden.

Aber bei Weihnachten fällt mir als Geographieverrücktem immer auch die Weihnachtsinsel ein - die ja politisch zum Australischen Staatenbund gehört. Und diese Insel hat immer im November etwas zu bieten, was nichts für sensible Gemüter und fast schon wie eine Apokalypse daherkommt. Wie aus dem Nichts tauchen da auf einmal Millionen und Abermillionen roter Landkraben auf und kennen nur eine Richtung: ans Meer. Und da kann ihnen im Wege stehen, was will, sie überwinden alles. Nur beim Überqueren einiger Straßen bleibt so manche auf der Strecke. Am Meer findet dann die große Arterhaltung statt.

Nein, nicht jeder mit jeder, schön gesittet paarweise, aber eben doch recht beengt. Wer sich davon mal einen Eindruck vor die Augen holen will, der schaue sich einfach mal folgenden Filmbeitrag an. http://www.metacafe.com/watch/80129/christmas_island_red_crabs/

Weihnachtlich gehts da jedenfalls nicht zu :-)

(25.November 2008)

 

Wie man mit der Dummheit der Menschen Geld verdienen kann Kapitel 29423
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Wasser aus dem Wasserhahn ist ja nicht immer das Beste, wenn im Haus noch veraltete, schwermetallige Armaturen verbaut wurden. Und der Verbrauch von Wasser lässt die eigene Wasseruhr ticken, jedenfalls in Deutschland ist das der Fall. (In der Schweiz gibts in vielen Miethäusern nur einen Zähler für alle Mietparteien!)

Und jetzt kommt da eine Firma aus Kanada - diesmal also nicht aus den USA! - daher, und will mit einer angeblichen Sensation die Wasserversorgung der Menschheit sicher stellen. Und zwar soll das Wasser nicht aus dem Hahn mehr sprudeln sondern aus der Luft kommen.
Ja, aus der Luft.
Jaaa, das geht tatsächlich, man glaubts kaum.

Aber mussten da wirklich erst ein paar Kanadier die Köpfe zusammenstecken, um auf diese Idee zu kommen? So mancher Physikstundenfensterplatzinhaber wird das wohl nun glauben. ...und wird sicher auch bereit sein, für so ein geniales Maschinchen genannt "WaterMill" den geforderten Preis von 1'299 US-Dollar zu bezahlen. Man akzeptiert übrigens nur VISA! http://www.elementfour.com/products/the-watermill# http://www.wired.com/promo/wiredstore/#menuName=brand&menuOptionID=82&productID=87

Aber all die Eiligen, die da jetzt bestellen wollen, sollten sich das nachfolgende Kleingedruckte durchlesen, unbedingt:
1. Dieses Gerät verbraucht etwa 300 Watt elektrische Leistung, ist also ohne Strom gar nicht nutzbar
2. Dieses Gerät kann nur dort wirklich gut funktionieren, wo die Luftfeuchtigkeit über 30% beträgt.
Bedingung 1 und 2 schließen also eine Bewässerung der Sahara aus!
3. Das Gerät kann (leider) nicht in geschlossenen Räumen benutzt werden, muss also einen Luftzugang nach außen haben. Also Loch durchs Fenster? Da macht doch der Vermieter gar nicht mit!
4. Mehr als 10 bis 12 Liter wird dieses Gerät pro Tag nicht sprudeln lassen. Aber angeblich arbeiten die Tüftler an einem Gerät namens "WaterFall", welches deutliche größere Mengen liefern soll.

Ja, und? Kommt uns das alles nicht irgendwie bekannt vor?
Wenn ja, dann kannst du als Leser bis zur Rautenreihe vorrollen.
Wenn nicht... ja.... Na OK, dann will ich die Unwissenden nicht weiter auf die Folter spannen.

Was die kanadische Firma Four Elements da als achso geniale Wasserschöpfung aus der Luft anpreist, ist das Prinzip eines Luftentfeuchters. Dazu wird Luft angesaugt und kräftig unter Druck gesetzt. Dabei passiert was ganz eigenartiges: die zusammengepresste Luft erhitzt sich. Diese Wärme wird dann einfach, etwa durch einen zweiten Luftstrom, abgeleitet. Die gepresste Luft kühlt sich so ab. Und als nächstes hebt man den hohen Druck auf die Luft wieder auf... und dann kühlt sich die Luft wie von Geisterhand drastisch ab, weit unter jenen Wert, mit dem sie einst eingesogen wurde.
Und dabei wird dann Feuchtigkeit, also Wasser, frei, weil kalte Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann als warme Luft. Und die kalte Luft wird dann mit dem vorhin schon erwähnten zweiten Luftstrom, welche die Wärme abtransportierte, vereint, so dass unterm Strich nun deutlich trockenere und ein wenig erwärmte Luft das Gerät verlässt.

Wohlgemerkt, das ist das Prinzip des Luftentfeuchters. Bleiben die beiden Luftströme (warm und kalt) voneinander getrennt, dann trägt dieses Gerät einen anderen Namen: Monoblock-Klimagerät!

So! Und es wird doch keiner ernsthaft sagen wollen, für einen Luftentfeuchter über 1000 US-Dollar bezahlen zu wollen, wo es dieses Geräte schon so ab 200 Euro oder 300 Franken zu akzeptabler Qualität gibt. Das gleiche gilt für Klimaanlagen. Der einzige Unterschied zum Luftentfeuchter liegt darin, dass das frei werdende Wasser bei WaterMill noch gefiltert wird, damit es wirklich keinen Staub enthält. Aber das kann man auch mit dem Wasser aus einem Luftentfeuchter oder sogar aus einem Kondensationswäschetrockner tun, indem man es durch einen simplen Wasserfilter (BRITA, LAICA, WAL usw.) laufen lässt.

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Wenn heute der 1.April wäre, könnte man das Ganze als hervorragenden Aprilscherz abtun.
Aber nein: das Ganze ist Ernst gemeint, gilt als Innovation!!!
Naja, sogenannte strukturierte Produkte in der Finanzwelt hatten diesen Ruf bis vor kurzem auch noch...

(23.11.2008)

 

Italianità!!!
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Es soll ja Leute geben, die sich wuenschen, dass in den Strassen der schweizer Innenstaedte mehr italienische Athmosphaere herrschen solle, um so die Fussgaengerzonen deutlich aufzuwerten. Nun ja, da ich gerade in Rom weile und die sprichwoertliche Italianità am eigenen Leib erleben darf - deswegen auch die ersetzten Umlaute - erklaere ich hiermit, dass mir die Schweiz ganz lieb ist, so wie sie ist.

Wer mehr Italianità will, der muss schliesslich auch die Schattenseiten der ganzen Angelegenheit akzeptieren - die leider nur allzugern ausgeblendet werden. Der Strassenverkehr braucht wohl keiner besonderen Erklaerungen. Gefahren wird gerade so, wie es eben passt.
Rechtsueberholverbot? Porca miseria, was soll dieser Unsinn?!?
Gruene Ampeln fuer Fussgaenger und rote fuer Autofahrer? Sollen doch die Fussgaenger hinmachen und nicht ewig die Strasse blockieren!
Der oeffentliche Verkehr? Ohje, man sollte bloss keine Informationen erwarten, wann und wo die vielen Buslinien und auch die eine oder andere Tramlinie hinfahren. Da kann es aufgrund eines lokalen Staus vorkommen, dass nach ewiger Wartezeit endlich mal ein Bus kommt, der dann hoffnungslos ueberfuellt ist. Wer schlau ist und den Takt kennt, wartet einfach. Denn der naechste wird kurz danach kommen und dafuer recht leer sein. Vielleicht kommt sogar noch ein dritter.

Der Eisenbahnverkehr in der Hauptverkehrszeit ist ein Erlebnis fuer sich. Wer sich ueber volle Basler Trams aufregt und Nahverkehrszuege aufregt, der hat hiesige Verhaeltnisse noch nicht erlebt. Fast wie in China. Schichtverkehr muss da als regelrechtes Einschichten der Leute in die Zuege verstanden werden. Man nimmts mit Humor.

Naja, und ich sage mir, dass ich sowas gern mal im Urlaub erlebe, aber nicht unbedingt jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause. Ich koennte noch mehr schreiben, aber meine Zeit laeuft ab... Madonna mia. Ich werde schon wieder heil zurueckkommen. Bis dann

(13.11.2008)

 

 

 

 

Mehrwertsteuer II
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Dass Mehrwertsteuer und Umsatzsteuer eigentlich das gleiche sind, ist nicht unbedingt jedem klar.
In Deutschland heißt die Steuer, die wir bei so ziemlich jedem Einkauf und vielen Dienstleistungen zahlen müssen, laut Gesetz Umsatzsteuer. In der Schweiz dagegen heißt sie Mehrwertsteuer.

Gemeinsam haben sie in beiden Ländern, dass sie einen gewaltigen Aufwand verursachen; weniger durch ihre Erhebung als viel mehr durch die Ausnahmen, wann der reduzierte Satz oder gar kein Ansatz Anwendung findet.

So beträgt der Satz in Deutschland regulär 19% und reduziert 7%. Wo überall der reduzierte Ansatz zur Anwendung kommt, findet sich im Paragraphen 12 Absatz 2 des Umsatzsteuergesetzes (UStG). Er besteht aus 451 Worten und 3264 Zeichen. Und speziell der Unterabsatz 2 verweist auf eine Liste von Gegenständen, die wiederum in der Anlage 2 des UStG zu finden sind. Selbige besteht aus einer Tabelle mit insgesamt 2176 Wörtern und 20579 Zeichen.

Und natürlich ist auch geregelt, wo überall keine Umsatzsteuer verlangt wird; nachzulesen im Paragraphen 4. Dieser enthält sage und schreibe 35 Unterabsätze, die sich auf 3296 Wörter mit 25385 Zeichen summieren.
Trotz dieses Regelungswustes, der noch ergänzt wird durch eine Umsatzsteuerdurchführungsverordnung, auf deren Umfang ich hier nicht weiter eingehe, blieben trotzdem ein paar Knackpunkte offen oder waren nur indirekt erklärbar.

Zum Beispiel der Fall des Kinderüberraschungseis, bei dem ja Lebensmittel (7%) mit Spielzeug (19%) kombiniert wird. Es war ein Schreiben des Bundesfinanzministeriums nötig, um diesen Sachverhalt wie folgt zu klären: wenn der Schokoladenanteil größer ist als der des Spielzeugs und das Produkt nicht mehr als 20 Euro kostet und bereits fertig bezogen wurde, dürfen 7% angesetzt werden.

Und auf die Spitze getrieben wird das Ganze durch die versteckte Unterscheidung zwischen Händler und Gastgewerbebetreiber. Wer als Kunde Lebensmittel kauft und vor Ort konsumiert, gilt als Gast. Der Händler wird somit zum Gastgewerbler und damit zu 19% steuerpflichtig. Verlässt der Kunde dagegen den Ort und konsumiert an anderer Stelle, gilt dies als Handel und wird nur mit dem reduzierten Satz besteuert. Das heißt also, dass ein Bäcker, der nicht in diese Falle tappen will, die Ware so verpacken muss, dass sie nicht zum sofortigen Verzehr gedacht ist. Genau daran aber haben sich viele Bäcker in Deutschland nicht gehalten und erhielten nun saftige Umsatzsteuernachforderungen.

Werfen wir nun einen Blick in die Schweiz.
Auch das schweizerische Mehrwertsteuergesetz hat es in sich! So wird unterschieden zwischen Steuerausnahmen und Steuerbefreiungen. Bei "Ausnahmen" darf kein Vorsteuerabzug vorgenommen werden, bei "Befreiungen" dagegen schon.

Die Liste an Ausnahmen findet sich im Artikel 18, 25 Unterabsätze lang mit 1273 Wörtern und 10476 Zeichen; die Befreiungen stehen im Artikel 19, Absatz 2, 9 Unterabsätze lang, 332 Wörter und 2509 Zeichen umfassend. Schließlich regelt dann noch der Artikel 36, wie hoch die drei Prozentsätze sind und wann sie Anwendung finden: 360 Wörter, 2720 Zeichen lang.

Konkret zahlt man in der Schweiz regulär einen Satz von 7,6%, der reduzierte Satz liegt bei 2,4%. Fürs Hoteleriegewerbe gilt ein spezieller Satz von 3,6%.

Für Fälle von kombinierten Erzeugnissen schweigt sich das Schweizer Gesetz aus. Speziell das Kinderüberraschungsei wird aber COOP, MIGROS und Co. als Lebensmittel verkauft.

Den gemeinen Fall der Unterscheidung zwischen Lebensmittelhändler und Gastgewerbler kennt man zwar auch in der Schweiz. Aber wenigstens ist er klar und deutlich in den Bestimmungen zu den Steuersätzen aufgeführt.

Und seit nunmehr zwei Jahren wird um eine Vereinfachung der Vorschriften zur Mehrwertsteuer gerungen. Es ist geplant, einen Einheitssteuersatz von 6,1% einzuführen, die reduzierten Sätze würden also wegfallen. Ebenso sollen auch viele Ausnahmen entfallen.

Der radikalste Vorschlag ging gar soweit, künftig alles der Umsatzsteuer zu unterwerfen. Dann wäre der Satz vielleicht bei 5,5% ansetzbar gewesen, jedoch wären Arztbesuche, Krankenhausrechnungen aber auch Bankgeschäfte, zum Beispiel der Kauf von Aktien, Obligationen, Sparbriefen etc. mit der Umsatzsteuer belastet. Das aber wäre Gift gewesen für den Bankenplatz Schweiz, also bliebs nur bei dem Gedankenspiel.

(16.09.2008)

 

Mehrwertsteuer I
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Diese Woche erhielt ich auf Arbeit mal wieder einen Anruf, wo ich im Verlauf des Gesprächs davon ausging, dass es am Ende heißt: "Entschuldigung, aber hier ist das Sinnlos-Telefon von Radio Schlagmichtot" oder so ähnlich.

Der Mann am anderen Ende der Leitung fragte mich zunächst, was denn das MWST und vRG auf seinem Beleg bedeuten soll. Das ist die Mehrwertsteuer und die vorgezogene Recyclinggebühr, antwortete ich.

Ja, aber warum müsse er die denn zahlen, fragte er mich nun. Nach einem verdutzten Moment antwortete ich: "Die vorgezogene Recyclinggebühr zahlen Sie, weil wir im Gegenzug elektrische Altgeräte kostenlos von Ihnen entgegennehmen müssen zur Entsorgung. Die Mehrwertsteuer zahlen Sie, weil es der Gesetzgeber so im Mehrwertsteuergesetz vorschreibt."

Anscheinend war der Herr wirklich nicht von der hellsten Sorte und wollte weiter am Telefon herumdiskutieren, worauf ich ihm ganz ehrlich sagte: "Hören Sie, ich habe hier Kunden im Laden, die bedient werden wollen und mit diesen Abgaben keine Probleme haben. Wenn Sie damit ein Problem haben, können Sie gern eine Volksinitiative zur Abschaffung dieser Abgaben starten. Aber wenden Sie sich dafür bitte nicht an den Media Markt sondern an die Bundeskanzlei in Bern." und legte auf.

Insgeheim hatte ich befürchtet, dass die Sache noch ein Nachspiel hätte, aber es gab keinerlei Beschwerden, weder von meinem Chef noch von weiter oben. Aber vielleicht ist der Herr noch am Verfassen eines Beschwerdebriefes :-)

(07.09.08)

 

Gehet in Frieden - oder mit einem Frosch
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Das Bozener Museum für Moderne Kunst zeigt sich standhaft, wenn es um die Verteidigung von Kunst geht.
Und das ausgerechnet in einer Angelegenheit, in welcher der Papst höchstpersönlich Anstoß nahm. Das Kunstwerk, an welchem sich (unter anderem auch) der oberste Hirte aller Katholiken emotional stieß, trägt den Titel "Zuerst die Füße" und zeigt einen grünen, ans Kreuz genagelten Frosch! Der Papst insistierte beim südtiroler Regionalrat Franz Pahl.
Der wiederum fand den Anblick des gekreuzigten Frosches gar so scheußlich, dass ihm der Appetit verging - nicht bloß auf Froschschenkel sondern gänzlich: er aß aus Protest nichts mehr und erlitt schließlich einen Schwächeanfall.
Der italienische Kulturminisiter Sandro Bondi hatte wohl einen etwas stärkeren Magen, aber trotzdem schwächere Nerven, als man es einem Berlusconi-Kabinettsmitglied doch zutrauen würde. Bondi meinte, die Skulptur würde auch den gesunden Menschenverstand und die Vernunft all jener beleidigen, die sich nicht mit dem Kreuz identifizieren. Herr Bondi, sollte vielleicht mal einen Buddhisten fragen. Schlechtes Karma?
Aber auch die Öffentlichkeit in Bozen ging auf die Straße, also vor allem vors Museum und protestierte. Der Frosch wurde aus dem Eingangsbereich in den 3.Stock verlegt. Weiter aber wollte der Stiftungsrat sich nicht drängen lassen und entschied, dass der Frosch so lange im Museum bleiben werde, wie dies vorgesehen sei.

Zur Entstehung des Werkes und über den Künstler heißt es, Martin Kippenberger habe es 1990 erschaffen und damit seinen Gemütszustand aus damaliger Zeit versinnbildlichen wollen. Er war gerade auf Alkohol- und sonstigem Drogenentzug. Es sei also eine Art Selbstporträt.

Also ich habe da noch eine ganz eigene Deutung:
"Gehet in Frieden" heißt auf ungarisch "Menjétek bekével." ("béke" ist auf ungarisch "der Frieden")
Im Vojvodina-Dialekt allerdings tendiert man zur etwas unkorrekten Aussprache, die nach "béka" klingt, so dass der Satz dann am Ende heißt: "Menjétek békával".
Und das heißt auf deutsch: "Geht mit einem Frosch!"

(29.08.2008)

 

Kindheitserinnerungen
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Was mussten wir in der Schule nicht alles an Gedichten auswendig lernen, die wir möglichst schnell wieder vergaßen, weil sie uns sowieso nicht gefallen hatten. Das folgende dagegen musste ich nicht lernen, aber ich fand es so ausnehmend witzig, dass ich es mir zumindestens stückweise gedanklich verewigen konnte. 25 Jahre dürfte das her sein. Nun stieß ich im Netz auf die Vollversion und stelle es daher hier hinein. Keine Ahnung, wer es wann verfasst hat. Ich weiß nur, dass es in einem Kinderbuch zu DDR-Zeiten veröffentlicht wurde.

***Fridolin, das Warzenschwein***

Fridolin, das Warzenschwein,
biß einem Känguruh in das Bein.
Das tat der Fridolin ganz aus Lust,
weil er nun grad mal beißen mußt.

Das Känguruh sprang voller Zorn
gleich zwanzig Meter weit nach vorn
und haut dabei mit seiner Pfote
auf 'ne Tomate, eine rote.

Ein altes Nashorn kam gerade
frisch gewaschen aus dem Bade.
"So", denkt es, "das wär geschafft."
Platsch!!! - rot wird es vom Tomatensaft.

Da schnauft es wild und stürzt sogleich
ein zweites Mal - schwapp - in den Teich.
Zweimal waschen an einem Tag -
das ist es, was es gar nicht mag.

Es prustet, spritzt und wälzt sich schwer
im ganzen Teiche hin und her.
Ein Elefant am Ufer spricht:
"He Fettwanst, das gehört sich nicht!

Du machst das ganze Wasser schmutzig!"
Das Nashorn aber wälzt sich trutzig
noch mehr im Teiche hin und her,
bis bald kein Tropfen sauber wär.

Da ärgert sich der Elefant,
der durstig dort am Ufer stand.
"Nun muß ich 1000 Meter laufen!
Das Wasser hier kann keiner saufen!"

Schon rast er, der graue Riese,
trompetet wütend durch´s Gemüse,
in dem ein Hase aß sich satt,
wobei er kaute Blatt um Blatt.

Der Hase fiel gleich um vor Schreck,
der Elefant jagt drüberweg.
Der Hase aber voller Zorn
springt einem alten Schaf auf´s Horn.

"Böö!" schreit das Schaf. "Was willst Du hier?
Was bist Du für ein böses Tier?"
Und schüttelt sich und wirft ihn bald
mit tollem Schwung rein in den Wald.

Ein Äffchen auf dem Baume schlief,
als seine Affenfrau ihn rief:
"Paß auf, mein allerliebster Mann,
ein großer Vogel fliegt heran."

Doch war´s kein Vogel, nein, ein Hase
der fiel dem Affen auf die Nase.
"Au!" brüllt vor Schreck der Affenmann.
"Man hat mir weh, weh, weh getan!"

Nun ist er wütend. Voll Verdruß
sucht er sich eine Kokosnuss.
Die wirft er, wieder völlig munter,
mit großem Krach den Baum hinunter.

Am Baume aber unten stand
ein Jäger, Flinte in der Hand.
Die Kokosnuß knallt auf das Rohr.
Pengpeng!!! Die Kugel schnellt hervor
und trifft, genau ins rechte Bein,
von Fridolin, das Warzenschwein!

Wenn böses Beispiel Schule macht - Gute Nacht!

(27.08.08)

 

Sommerlochauswüchse II: Erniedrigt? Für dumm verkauft?
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Der Schweizerische Beobachter ist eine zweiwöchentlich erscheinende Zeitschrift, die ich seit einigen Jahren lese.
An ihm scheiden sich die Geister in ähnlicher Weise wie an der Weltwoche, nur dass man dem Beobachter eher eine linke, den Gewerkschaften nahe stehende Position zuweist, während die Weltwoche eher rechtslastig argumentiere.
Dabei machen beide aber unterm Strich das gleiche: sie lassen beide Seiten zu Worte kommen. Allerdings nicht innerhalb einer Ausgabe sondern mit ein wenig zeitlichem Abstand. Der Unterschied liegt aber letzten Endes darin, dass in der Weltwoche zuerst die SVP-nahen Kreise zu Worte kommen, während beim Beobachter nicht selten die Gutmenschenfraktion das erste Worte hat.

So wurde im Beobachter schon oft über Probleme von Mietern berichtet, die mit ihren Vermietern über Kreuz liegen. Aber dass auch so mancher Vermieter mit sogenannten Mietnomaden seine liebe Not hat, sparte der Beobachter nicht aus. Ebenso wurden die Licht- und Schattenseiten des schweizerischen Betreibungsrechtes für beide Seiten dargestellt, wenn auch wieder in zwei separaten Ausgaben. (Betreibung = Zwangsvollstreckung).
Nicht zuletzt ehrt der Beobachter einmal im Jahr Personen mit dem Prix Courage für beherztes Durchgreifen und Mut zeigen in Situationen, wo jeder andere sonst klein beigeben würde.

Aber auch der Beobachter leidet anscheinend unter dem Sommerloch. Unter der Kategorie "SO NICHT" werden üblicherweise unfaire Geschäftspraktiken angeprangert, denen dann spiegelbildlich die Kategorie "BRAVO" auf der gleichen Seite mit entgegenstehenden Beispielen kontrastiert. In der Ausgabe vom 25.Juli 2008 waren allerdings gleich zwei "SO NICHT"-Fälle aufgelistet, wo man sich nun fragt, wer einem nun mehr leid tun muss: die Leserbriefautoren, die mit Name veröffentlicht wurden und sich recht gut blamierten oder die Redaktion des Beobachters, die sich anscheinend mangels Alternativen genötigt sah, diese Beiträge zu veröffentlichen.

Fall Nummer 1:
"Im COOP im Seedammcenter Pfäffikon kann man die Warenpreise mit einem Lesegerät selbst einlesen. An der Kasse muss man nur noch bezahlen. Ich registriere also sorgfältig jeden Artikel, packe alles ein und freue mich, dass mir vertraut wird. Doch: an der Kasse muss ich alles wieder auspacken und zusehen, wie jeder einzelne Artikel neu eingelesen wird - eine Stichprobe! Das dauert nicht nur lange, es ist auch erniedrigend. Ich gehe nie wieder zu COOP"

...schrieb Rouslan Partyka aus Altendorf.
Was der gute Herr nicht erwähnte: er hatte bei COOP Erfahrungen mit PASSABENE gemacht. Dabei erfassen die Kunden selbst die Ware mit einem Lesegerät und können am Ende an separaten Kassen bezahlen. Das geht in der Regel dann auch sehr schnell. Aber Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, und auch COOP muss dann und wann mal Stichproben machen, denn nicht jeder Kunde wie Herr Partyka, ist auch ein ehrlicher Kunde; in der Regel wird einer von zehn PASSABENE-Kunden überprüft. Auch ich habs schon mal selber erlebt, habe mich dabei aber nicht erniedrigt gefühlt. Wieso auch? Ich hatte ja nichts zu verbergen!

Was der gute Herr Partyka ebenfalls nicht erwähnte: es hat ihn keiner bei COOP gezwungen, PASSABENE zu nutzen. Denn dazu muss man sich separat anmelden und freigeschaltet werden. Sonst kriegt man auch kein Einlesegerät in die Hand. Aber vielleicht hat der gute Herr doch mehr Probleme mit der deutschen Sprache, als sein sauber geschriebener Leserbrief es suggeriert.

Besonders blauäugig ist Fall Nummer 2:
"Ich kaufte bei Companys im Sihlcity Zürich einen Rock. Auf dem Preisschild waren auch die Preise für das angrenzende Ausland angegeben. In Österreich und Deutschland kostet dasselbe Produkt 70 Euro, in der Schweiz 149 Franken - eine Differenz von fast 30 Prozent. Meine Bitte, die 70 Euro, die ich auf den Ladentisch legte, zu akzeptieren, wurde abgelehnt. Ein Beispiel, wie man in der Hochpreisinsel Schweiz für dumm verkauft wird."

...schrieb Marcel Kuriger aus Einsiedeln.
Als Innerschweizer ist Herr Kuriger natürlich weitab der Grenzen zum (vermeintlich) billigeren Ausland. Aber Herrn Kurigers Wunsch stehen gleich zwei Rechtsnormen entgegen. Da ist zum einen die Preisbekanntgabeverordnung. Die sagt klar und unmissverständlich, dass in der Schweiz alle Preise in Schweizerfranken angegeben werden müssen. Euro-Preise haben keine Gültigkeit! Zum anderen sagt das Bundesgesetz über die Währung und die Zahlungsmittel ebenso klar und deutlich, dass gesetzliche Zahlungsmittel in der Schweiz nur auf Schweizerfranken lautende Banknoten, Münzen und Sichtguthaben sind. Andere Währungen, auch der Euro, müssen nicht akzeptiert werden.

Hinzu kommt, dass schweizerische Händler nun mal an die Einkaufspreise der offiziellen Importeure gebunden sind. So hat etwa die Firma PHILIPS gar kein Interesse daran, dass über irgendwelche anderen Kanäle als eben ihre eigene Niederlassung in der Schweiz ihre Erzeugnisse bezogen werden können.
Die schweizerische Gesetzgebung machts möglich. Wo sich Parallelimportschlupflöcher auftun, werden sie umgehend verstopft. Ich fasse es mal so zusammen: Wer mit einem Prospekt des Media Marktes Freiburg im Breisgau (Deutschland!!!) zu uns nach Basel (Schweiz!!!) kommt und darauf besteht, den für Freiburg beworbenen Artikel hier in Basel zum gleichen Preis zu kaufen, hat keine Chance!
Nun werden sicher einige sagen, dass doch so etwas niemand versuchen würde. Tja, der Herr Kuriger aus Einsiedeln hat genau so einen Versuch unternommen. Statt über "dumm verkauft werden" zu meckern, sollte er sich lieber einer politischen Vereinigung anschließen, welche die Zulassung von Parallelimporten per Volksinitiative durchsetzen will.
Ein hartes Stück Arbeit: selbst die schweizerische Wirtschaftsministerin Doris Leuthard hat hier gewaltig zu kämpfen. Und über diese Problematik mit ihren Vor- und Nachteilen im allgemeinen wie im besonderen hat auch der Beobachter bereits öfter berichtet.

(26.08.08)

 

Sommerlochauswüchse I: Ach, du dickes Ei!
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Wir erleben es dieses Jahr mal wieder sehr eindrücklich: ein ausgeprägtes Sommerloch bestimmt die Medien und damit auch deren Berichterstattung.
Auch die legislative Ebene bleibt und blieb davon nicht verschont. Legendär etwa wurde jene Forderung in den 1990ern, die Insel Mallorca doch als weiteres Bundesland Deutschland einzuverleiben.
Tja, und statt einfach in die Ferien zu gehen, ging im diesjährigen August die Kinderkommission des deutsches Bundestages an die Medien: das KINDER-Überraschungs-Ei sei gefährlich, da hier Spielzeug mit Nahrungsmitteln kombiniert würden. Kleine Kinder könnten dies nicht unterscheiden und könnten zum Beispiel ersticken an beigelegten Plastikteilchen. Daher die Forderung: das Überraschungs-Ei gehört verboten!

Für die Medien ein gefundenes Fressen. Der Tenor war eindeutig: Die spinnen, die Politiker!
Naja, man könnte auch sagen, dass sie nun auch im Sommer was für ihr Geld tun, und zwar genau das, was sie eigentlich gar nicht können, aber wofür sie nun mal gewählt worden sind: ein Land vernünftig zu regieren. Denn tatsächlich ist trotz 34 Jahren Marktpräsenz und Milliarden verkaufter Überraschungseier die Anzahl der seither zu Tode gekommenen Kinder gleich NULL. Böse Zungen behaupten ja, diese Zahl decke sich mit der Anzahl vernünftiger Gesetzesvorschläge des Deutschen Bundestages dieser Legislaturperiode überhaupt.
Auch hier in der Schweiz konnte man über solche schwachsinnigen Forderungen nur mit dem Kopf schütteln. Und die Kinderkommission sah auch erstaunlich schnell ein, dass man mit dieser Forderung den Elefanten im Porzellanladen hatte wüten lassen und dementierte schon einen Tag später: Nein, man habe doch gar kein Verbot angestrebt, aber wenigstens einen deutlich(er)en Warnhinweis müsse es geben auf den Verpackungen.

Aber selbst Kinderärzte konnten sich nicht mal ansatzweise für ein Überraschungsei-Verbot erwärmen. Die Gefahren, die von einem in die Nase eingeführten Nuss(kern) ausgingen, seien aufgrund von ätherischen Ölen weitaus größer. Und es komme doch keiner auf die Idee, deswegen Nüsse zu verbieten.

(26.08.08)

 

Wie das Leben so spielt
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Ich verabredete mich mit einem Freund, den ich jetzt seit ein paar Wochen mal wieder nicht mehr gesehen hatte. Am 1.August wollten wir uns wieder sehen. Heute vormittag rufe ich ihn an, was wir machen wollen. Sein Vorschlag: ich soll doch mal wieder mit ihm auf seinem Boot ein paar Runden auf dem See drehen. Er sei im Moment auch gerade auf dem Weg dahin, da tolles Wetter sei. Abgemacht. Und heute Abend nun kriege ich von ihm die Meldung, dass er mit dem Leben davon gekommen ist. Sein Boot habe aus irgendeinem Grund angefangen zu brennen und stand ziemlich schnell in Flammen. Kann ich nun froh sein, dass dieser Unglücksfall nicht uns beide gemeinsam am Freitag getroffen hat?

(30.07.08)

 

Ein wenig Affirmation und Interpretation
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Der Song "Affirmation" der australischen Gruppe "Savage Garden" aus dem Jahre 2000 hat ja die Besonderheit, dass jeder Vers mit "I believe" ("Ich glaube") beginnt. Da passt der Titel wunderbar, denn "Affirmation" ist die "Bejahung", fast wie eine selbsterfüllende Prophezeihung :)

Einige Zeilen:
"I believe we place our happiness in other people's hands"
(Ich glaube, dass wir unser Glück in den Händen anderer aufbewahren)
Stimmt: egal, ob es Finanzen, Haustiere, Pflanzen, Bücher oder vielleicht auch Körperteile sind :-)

"I believe that junk food tastes so good because it's bad for you"
(Ich glaube, Fast Food schmeckt so gut, weil es schlecht für einen ist)
Stimmt nur zum Teil: unser Geschmack ist nun mal auf Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette ausgerichtet. Was fad schmeckt, ist eben gehaltslos. Und Fett ist nun mal ein Geschmackstäger.

"I believe you can't control or choose your sexuality"
(Ich glaube, wir können unsere Sexualität weder auswählen noch steuern)
Stimmt: wir tragen alle die Veranlagung für Homo- und Heterosexualität in uns. Was am Ende drauß wird, bestimmt unsere Umwelt. Ich bin Anhänger der Theorie, dass Homosexualität eine Folgeerscheinung dichter Bevölkerung und damit erhergehendem Stress und daraus folgender natürlicher Regulierung der Stressfaktoren durch Eindämmung der Reproduktionsrate ist.

"I believe that trust is more important than monogamy."
(Ich glaube, dass Vertrauen wichtiger ist als Monogamie)
Stimmt: Vertrauen ist der Anfang von allem. Man lebt aber nur einmal und sollte sich daher nicht in blinde Hörigkeit zu einem Anderen begeben.

"I believe your most attractive features are your heart and soul"
(Ich glaube, dass das Attraktivste an dir dein Herz und deine Seele sind)

Stimmt... aber als Schwuler wird man sich dessen erst bewusst, wenn man entweder alt oder körperlich eingeschränkt oder unheilbar krank oder alles zugleich ist.

"I believe the struggle for financial freedom is unfair I believe the only ones who disagree are millionaires"
(Ich glaube, dass der Kampf für den freien Kapitalverkehr unfair ist und die einzigen, die nicht so denken, Millionäre sind)
Stimmt: ganze Volkswirtschaften lassen sich zugrunde richten, wenn zuerst in Unmengen investiert wird und dann genauso schnell das Kapital wieder abgezogen wird, gleich den Heuschrecken. Nur während es bisher vor allem private Fondgesellschaften waren, sind zunehmen auch staatliche Fonds im Spiel.

"I believe forgiveness is the key to your unhappiness"
(Ich glaube, dass Vergebung die Ursache deiner Unzufriedenheit ist)

Stimmt: wer ständig allen vergibt, schluckt den Ärger nur runter und wird auf Dauer frustriert - und könnte sich eines Tages zu einer menschlichen Bombe entwickeln. Aber politische Korrektheit und Gutmenschentum stehen ja noch sehr hoch im Kurs. Ein Anfang sei gemacht: Der Kunde ist nicht König, er ist Gast!

"I believe you don't know what you've got until you say goodbye"
(Ich glaube, dass du erst begreifst, was du verlierst, wenn du es nicht mehr hast)

Stimmt: Davon kann wohl so ziemlich jeder ein Lied singen.

P.S.: Als ich November 2006 in Sydney (Australien) war, war man überrascht, dass uns Europäern "Savage Garden" ein Begriff war. :-)

(23.Juli 2008)

 

Inselgeschichtchen
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Welche ist eigentlich die größte Insel der Schweiz?
Nein, das ist keine Scherzfrage, auch die Schweiz verfügt über Inseln, wenn auch recht kleine.
Aber ich weiß darauf bisher keine genaue Antwort. Nur ist klar, dass es kleine Inseln in der Schweiz auch nicht einfach haben. Die St.Petersinsel im Bielersee etwa ist gar keine mehr. Durch die Gewässerkorrekturen im Jura sank der Seespiegel soweit ab, dass sich eine Landverbindung bildete, die hin und wieder aber doch mal unter Wasser steht. Dieses beschauliche Eiland taugt auch sehr gut für einen Wochenendausflug.

Weitaus weniger geeignet dazu ist Surtsey. Also in den 1960er Jahren dürfte diese Insel jedem ein Begriff gewesen sein. Sie tauchte im November 1963 vor Islands Südküste auf, als Folge eines Vulkanausbruchs. Mit einigen Unterbrechungen dauerten die Eruptionen bis 1965 an, die Insel war bis dahinauf etwa 2,5 km² angewachsen und dürfte die Petersinsel in den Schattel gestellt haben, was die Größe anging.
Seither jenem Jahr aber ist es ruhig geworden auf Surtsey, nur der Zahn der Zeit, also eigentlich der der Meeresbrandungen, hat an der Insel genagt und sie auf etwa die Hälfte der Fläche reduziert. Aber sie hält sich hartnäckig, denn inzwischen ist sie in ihrer Konsistenz gefestigt. Für Island ist das von Wichtigkeit: Surtsey stellt den südlichsten Punkt der Republik Island dar!

Weniger dauerhaft war dagegen das Inselchen Ferdinandea - und daher wohl auch den meisten kein Begriff. Das Eiland entstand im Juli 1831 vor der Südwestküste Siziliens. 63 Meter Höhe und 5000 Meter Umfang soll sie erreicht haben. Und noch im Dezember des gleichen Jahres war sie wieder verschwunden, da das lockere Material vom Meer wieder abgetragen wurde - was zugleich auch ein politisches Problem beseitigte. Denn auf dieses Inselchen erhoben seinerzeit das Königreich Neapel, aber auch die britische Krone und schließlich auch noch Frankreich Anspruch.

Wenn doch nur alle politischen Wirrungen sich so schnell in Luft auflösen würden... Nur einige Schiffe mussten fortan gut aufpassen, denn das abgetragene Eiland blieb noch für einige Jahrzehnte eine tückische Untiefe. Und 1987 dann erlangte Ferdinandea noch einmal Bekanntheit: sie wurde zu einer Peinlichkeit in der US-amerikanischen Weltgeschichte. Da hielten doch US-amerikanische Aufklärer den sich vom Meeresboden abhebenden Sockel der einstigen Insel für ein libysches U-Boot - und bombardierten es! Dieses Schicksal wird der St.Petersinsel im Bielersee hoffentlich erspart bleiben :-)

(15.07.2008)

 

Ausverkauf der Wolkenkratzer
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In New York ist man reichlich sauer. Dass ein Wolkenkratzer nach dem anderen den Besitzer wechselt, und dabei zumeist in ausländische Hände geht, ist an sich nichts wirklich Neues. Jedoch sind nun auch Inbegriffe US-amerikanischen Nationalstolzes wie das Chrysler Building davon betroffen. Letzteres wird nun zu 90% von einer staatlichen Investmentgesellschaft aus Abu Dhabi kontrolliert.

Liebe New Yorker, regt euch nicht auf. Erstens gehören zu einem Verkauf immer zwei Partner: einer will kaufen und einer will verkaufen. Und dass sich nun so mancher Finanzkonzern angesichts der Immobilienkrise vom Tafelsilber trennen muss, um noch überleben zu können, ist Euer eigenes, (im wahrsten Sinne des Wortes!) hausgemachtes Problem.
Zweitens tun die Araber das einzig Vernünftige, was man mit jenen Petrodollars machen kann, die in letzter Zeit in fast gleichem Tempo an Wert verloren, wie der Wert des Öls stieg. Statt sich, wie früher, bei Euren Rüstungskonzernen mit Waffen im großem Stile einzudecken, um sich dann im Nahen Osten gegenseitig die Köpfe einzuschlagen, kaufen sie nun den eigentlichen Unruhestifter einfach auf. So erhalten ihr, liebe New Yorker, Eure Dollars schön wieder zurück und bleibt attraktiv als Einkaufstempel der Welt.
Seid doch froh darüber, dass die Araber bei Euch investieren! Wer greift denn schon seine eigene Bank an?!?

(14.Juli 2008)

 

Kleiner Nachtrag zum neuen iPhone 3G
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Von mittlerweile drei Leuten aus Deutschland wurde ich gebeten, mich zu erkundigen, ob denn das neue iPhone hier in der Schweiz ohne Sim-Lock angeboten werde; mit anderen Worten: ob man ein iPhone hier in der Schweiz kaufen könne, um es dann in Deutschland zu nutzen und so der Telekom mit ihrer Exklusivvertragspolitik ein Schnippchen zu schlagen.

Tatsächlich kann man ein iPhone 3G mit 16 GigaByte Speicher für 899 Franken bei Orange kaufen ohne einen Abo abzuschließen. Antwort für den Moment: NEIN, es sind derzeit alle neuen iPhones ausverkauft! Frühestens in einer Woche gibts Neue. Wenn derzeit jemand noch eins kriegt, dann nur, weil er auf einer Reservationsliste stand.

Antwort für den Zeitpunkt in einer Woche: NEIN, die iPhones sind mit einem SIM-Lock für den Netzbetreiber Swisscom bzw. Orange ausgerüstet! Schweizer Sunrise-Kunden beispielsweise können mit ihren Karten das iPhone nur für Notrufe benutzen. Und das gilt dann auch für alle in Deutschland lebenden Kunden, deren SIM-Karten in den Netzen von Vodafone, Eplus und O2 zu Hause sind. Tja, Tel aviv, so ist das Leben :-)

(11.Juli 2008)

 

Kleingeister
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Die Gratiszeitung "Blick am Abend" ersetzte ja Anfang Juni ihre Vorgängerin "heute".
Unterm Strich wars eher ein PR-Schachzug. Denn der "Blick am Abend" als abendliche Gratisergänzungsausgabe zum allmorgendlich käuflichen "Blick" hat unterm Strich das gleiche Format, den gleichen Verlag und sonst vieles andere wie der Vorgänger "heute". Nur statt hoffnungsvollem Grün kommt "Blick am Abend" in einem nicht gerade gefälligem Pink-Lila-Verschnitt daher. Aber ich musste mich belehren lassen: es ist weder Pink noch Lila sondern Brombeer!
Also Brombeeren sehen für mich weitaus dunkler aus.
Und auf Seite 2 dieser Zeitung findet sich täglich die Rubrik "Heute Mittag am TV" mit einem Bildschirmabdruck und ein wenig Erklärungen dazu. (Ja, man sagt in der Schweiz "am TV" und nicht "im TV").
Heute nun hieß es da: "Deutsch-Kurs fürs ZDF?" und weiter: "Pannen-Juli im TV: Erst patzte die ARD mit falschen Flaggen, jetzt legt das ZDF nach. 'heute-journal' blendete am Mittwoch ein: 'Diskussion über Einbürgerunsgtest' - 's' und 'g' waren vertauscht! Zumindest ein Redaktor dürfte allfällige Tests kaum bestehen..."
Das Schöne an solchen Kleingeistern: sie machen's in der Regel nicht besser! Denn was hat eine Nachricht vom Mittwoch Abend an einem Freitag Nachmittag unter der Rubrik "Heute Mittag am TV" zu suchen?
Außerdem hat die "Blick am Abend"-Redaktion bewiesen, dass sie mit den Trennungsregeln manchmal auf Kriegsfuß steht, und zwar auf der selben Seite, in der selben Spalte. Da heißt es weiter oben in den Top5News: "Horror-Unfall: Weitspringer Salim Sdiri verzichtet ein Jahr nach dem Spee-runfall auf einen erneuten Auftritt beim Meeting in Rom."

(11.Juli 2008)

 

Ein wenig Schadenfreude
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Es gibt dieser Tage zwei Gruppen von Leuten, die mir nur leid tun können: die eine ein bisschen weniger, die andere dafür umso mehr. Gemeint sind in beiden Fällen die iPhone-Hysteriker.
Gruppe 1: All jene, die sich jetzt ein iPhone 3G zulegen wollen. Heute Nacht eine Minute nach Mitternacht werden in Zürich in einem Swisscom-Laden ganz offiziell die ersten Geräte herausgegeben. Ich gehe mal nicht davon aus, dass es Szenen wie bei der MediaMarkt-Eröffnung am Berliner Alexanderplatz geben wird. Allerdings: den bisherigen Zahlen reservierter Geräte stehen eindeutig zu wenig verfügbare gegenüber. Wie es wohl morgen bei uns im Media Markt Basel aussehen wird? Naja, ich werde nicht da sein :-)
Gruppe 2: All jene, die sich unbedingt und auf Teufel-komm-raus ein iPhone der 1.Generation zulegen mussten. In der Schweiz war dieses offiziell gar nicht erhältlich. Aber in meinem Bekanntenkreis kenne ich sechs Leute, die eins haben, zwei davon sind Kollegen meiner Abteilung: einer ist Student und hat eigentlich nie zu viel Geld übrig; der andere schafft zu 100%, klagt aber auch ständig, dass er zu wenig verdiene und ihn die Arbeit ankotzen würde, und was er doch sonst lieber machen würde... aber es bleibt immer nur bei Absichtsbekundungen. 1000 Franken für ein altes iPhone, das funktional nicht herausragend war, hatte er aber übrig. Na, dann allen der Gruppe 2 viel Spaß weiterhin mit einem Gerät, dass für viel Geld weniger kann, als so manches andere :-)

(10.Juli 2008)

 

Wieviele Großstädte hat die Schweiz?
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Wer einen unbedarften Deutschen fragt, der sich noch nie mit der Schweiz beschäftigt hat, wird wohl auf die Frage, wieviel Einwohner Zürich habe, wahrscheinlich "etwa 1 Million" als Antwort erhalten. Ähnlich würde wohl auch die Antwort in Bezug auf Genf lauten. Und auch Basel würde wohl irgendwo zwischen dreiviertel und ganzer Million angesiedelt werden. Zu bekannt sind alle drei Städte als Finanzzentren und Sitze große internationaler Organisationen. Das Erstaunen ist dann auch entsprechend groß, wenn man dann erklärt, dass Zürich gerade mal 350'000 Einwohner zählt, Genf knapp 180'000 und Basel 165'000. Und wer dann noch Bern mit seinen 123'000 und Lausanne mit 117'000 Einwohnern aufzählte, hatte bislang auch sämtliche Großstädte der Schweiz an einer Hand abzählen können.

Wohlgemerkt: HATTE!
Seit Donnerstag, den 03.Juli 2008 ist es nicht mehr so, denn eine sechste ist hinzugekommen: Winterthur im Kanton Zürich zählt seit diesem Tag 100'000 Einwohner; hat in den letzten 7 Jahren seine Einwohnerzahl um 8% gesteigert, und das ganz ohne Eingemeindungen! Damit wird der Kanton Zürich zum ersten Kanton, in dem gleich zwei Großstädte anzutreffen sind. Winterthur dürfte den meisten Deutschen bislang wohl nur in Form des Namens einer Versicherungsgesellschaft ein Begriff sein.

Noch weit höherfliegendere Ziele, nämlich nicht nur Großstadt sondern sogar viertgrößte Stadt der Schweiz zu werden, strebt die innerschweizer Metropole Luzern an. Mit derzeit knapp 58'000 Einwohnern ist sie vom Ziel aber noch weit entfernt. Sie will es denn auch konsequent durch Eingemeindung des Umlandes erreichen.
In einem ersten Schritt dazu soll per 2010 die Nachbargemeinde Littau einverleibt werden, womit man auf 75'000 käme. In beiden Orten wurde dazu bereits vom Stimmvolk JA gesagt. (Kantonsweit aber sagte das Volk NEIN, als es um die Bereitstellung von Steuermitteln für die Förderung von Gemeindefusionen ging.) Als nächstes sollen dann noch Emmen (27'000), Ebikon (11'500), Kriens (25'000), Horw (12'500) und Adligenswil (5'500) einverleibt werden. Ob man dort aber auch JA sagen wird, bleibt abzuwarten.

(6.Juli 2008)

 

Wenn man keine Ideen mehr hat, fängt man ganz von vorn an
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Als die Hollywood-Studios ab den 1950er Jahren ihren weltweiten Durchmarsch durch die Kinowelt starteten, gabs Ideen für neue Filme noch wie Sand am Meer.Schließlich waren erst 20 Jahre vorher die ersten Farbfilme und 30 Jahre vorher die ersten Tonfilme entstanden. Stoff, den es neu und vor allem besser zu verfilmen galt, gabs also genug. Remake nennt sich sowas.

Und wenn mal doch keine bahnbrechende neue Idee mehr kam, guckte man halt ab. Statt Filme aus Europa zu synchronisieren, werden sie einfach nochmal gedreht. Das ist seit den 1980er Jahren gang und gäbe.

Gar nicht so neu ist die Idee, dass man doch auch Fortsetzungen produzieren könne. Die gleichen Hauptdarsteller nur jetzt eben mit etwas anderer Handlung. Daraus entstanden ursprünglich mal Fernsehserien oder Filmreihen: "James Bond" oder "Die Olsenbande" mal als Beispiel. Die einzelnen Folgen haben dann handlungstechnisch nichts miteinander zu tun.

Etwas jüngeren Datums dagegen ist die Idee, Fortsetzungen von Kassenknüllern zu produzieren, dort ansetzen, wo es eigentlich zu Ende ging. Wäre Arnold Schwarzenegger heute nicht Gouverneur von Kalifornien, gäbe es schon den vierten oder fünften Aufguss des Terminators. Sylvester Stallone dagegen hat wohl Geld gebraucht, und so gabs 2006 eine Neuauflage als "Rocky Balboa" und 2007 als "John Rambo". Hat da jemand seine Pensionierung verschlafen?!?

Das Dumme an solchen Fortsetzungsgeschichten: nicht immer sind sie möglich, etwa bei tragischen Filmenden. Genau dies wird in der Parodie "UHF - Sender mit beschränkter Hoffnung" aufs Korn genommen, wo der (nicht real existierende) Actionfilm "Gandhi 2 - Er ist zurück, er schlägt zurück" beworben wird.

Aber Hollywood hat seit dem Jahre 2000 eine neue Masche gefunden, um auch dieses Manko zu umgehen: die Fortsetzung wird zur Vorgeschichte. Der Zuschauer soll erfahren, wie alles begann. Das beste Beispiel dafür, vor allem aber auch, wie man Filmfreunde gewaltig irritieren kann, bleibt "Krieg der Sterne". Die Triologie, so wie ich sie noch aus Jugendzeiten kenne, bildet heute die Teile 4 bis 6. Denn die zwischen 1999 und 2005 erstellten Folgen gelten nun als Episoden 1 bis 3.

Und diese Masch(in)e, lauter Vorgeschichten zu produzieren, scheint auf noch höheren Touren zu laufen als die urspünglichen Fortsetzungsgeschichten. So gibt es zur "Die Mumie" und "Die Mumie kehrt zurück" inzwischen auch "Der Skorpionkönig" als Wie-alles-begann-Version. Vor dem "Schweigen der Lämmer" steht nun "Hannibal Rising". Selbst das "Kettensägenmassaker" blieb nicht verschont!!!

Auch bei Zeichentrickfilmen kennt man keine Gnade. "Arielle, die Meerjungfrau" ist dabei das Paradebeispiel schlechthin. Im Disney-Kitsch, der nun mal nach Happy-End schreit, überlebt die kleine Meerjungfrau am Ende. Nicht, weil man den armen Kinderseelen kein tragisches Ende zumuten könnte, sondern auch, weil auf diese Art einige Jahre später "Arielle, die Meerjungfrau 2 - Sehnsucht nach dem Meer" nachgeschoben werden konnte.

Und das Beste zum Schluss: im September 2008 erscheint der dritte Arielle-Aufguss mit dem Titel "Arielle, die Meerjungfrau – Wie alles begann"!

Nein, jetzt ist wirklich SCHLUSS!!! (06.Juli 2008)

 

Journalistische Schlamperei
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Da berichtete SPIEGEL Online heute vormittag, dass die Deutsche Post bei EU-Gerichtsbeschluss über eine Milliarde Euro Entschädigung erhalten wird. Bezahlen darf dies der deutsche Bund; zugute kommen soll es letzten Endes des Aktionären.

Im Jahre 2002 hatte die EU-Kommission die seinerzeit gezahlten staatlichen Beihilfen in Höhe von rund 572 Millionen Euro für rechtswidrig erklärt und verdonnerte die Deutsche Post dazu, das Geld an den deutschen Bund zurückzuzahlen. Die Deutsche Post ging noch im gleichen Jahr vor Gericht, zahlte das Geld aber auch erstmal zurück. Und nun erhielt sie Recht.

Laut Spiegel-Online-Meldung sei die nun zurückzuzahlende Euro-Milliarde durch die in der Zwischenzeit aufgelaufenen Zinsen entstanden. Jedenfalls lässt der Wortlaut der Meldung keinen anderen Schluss zu.

Da staunt der Fachmann und der Leihe wundert sich: was für einen Zinssatz muss das Gericht angesetzt haben, damit aus 572 Millionen in sechs Jahren 1 Milliarde Euro werden!?!

Die Lösung ist ganz einfach: die Deutsche Post war seinerzeit nicht nur zur Rückzahlung der 572 Millionen Beihilfe sondern auch noch zu einer Strafzahlung verdonnert worden. Beides zusammen ergab einen Rückzahlungsbetrag an den deutschen Bund von 902 Millionen Euro. Und da werden schon mit weniger als 3% pro Jahr locker über eine Milliarde drauß.

Nur davon war in der SPIEGEL-Online-Meldung nichts zu lesen. Peinlich dabei: was selbst die "Schaumburger Nachrichten" hinbekamen, gelang bei Spiegel Online anscheinend nicht; nämlich einfach die Agenturmeldung von Reuters korrekt zu übernehmen.

(01.Juli 2008)

Gehackte Kaffeevollautomaten???
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Da berichtete doch nun ein Australier, er habe ein Sicherheitsleck bei Kaffeevollautomaten des Herstellers JURA entdeckt. Es sei sehr gut möglich, dass elektronische Eindringlinge die Einstellungen im Gerät dahingehend verändern könnten, dass der gewünschte Espresso als Blümchenkaffee in die Tasse kommt. Je nach Medium wurde diese Nachricht unterschiedlich ausgeweitet kolportiert. Ja sogar von einer Zerstörung der Steuereinheit in der Maschien war die Rede.

Ich bin zwar kein Computerfreak, aber mir als Kenner von Kaffeevollautomaten war schon klar, um welches Gerät es genau ging.

Die meisten JURA-Inhaber können also aufatmen.

Es gibt nämlich nur einen einzigen Typ von JURA-Vollautomaten, der mit dieser Nachricht überhaupt in Verbindung zu bringen ist. Es handelt sich um die Impressa F90 bzw. um die sich von ihr lediglich durch verchromtes Gehäuse abhebende Impressa F9. Und die hat sich - zumindestens bei uns in Basel - sehr schlecht verkauft.

Für beide Maschinen bietet JURA das sogenannte Internet-Connectivity-Kit an. Man kann dann per Computer auf die Bedienelemente der Maschine entsprechende Einprogrammierungen vornehmen, zum Beispiel die Tassenfüllmenge variieren oder die voreingestellte von insgesamt sechs Varianten zur Kaffeemehlmenge ändern. Mit anderen Worten: was Otto Normalbürger direkt an der Maschine per Fingerdruck einstellen würde, geht in diesem Falle per Computer.

Immerhin hat das Internet-Connectivity-Kit noch den Vorteil, dass im Falle eines Problems der Service von JURA sich per Internetverbindung mit der Maschine in Verbindung setzen und deren Einstellungen so überprüfen kann, um festzustellen, ob eine Reparatur nötig ist.

Das Ganze ist auch nicht neu; JURA bietet die F90/F9 mit dem optionalen Connectivity-Kit schon seit mehr als vier Jahren an.

Was kann also schlimmstenfalls passieren?
Ein Hacker könnte die Kaffeemengenprogrammierung umstellen: zum Beispiel eine große Menge aufs Symbol mit kleiner Tasse oder umgekehrt. Ja, dann läuft halt schlimmstenfalls die Tasse über und der dünne Kaffe dann in die Ablaufschale. Alles halb so wild. Die Rückprogrammierung ist eine Sache von 20 Sekunden, zu finden auf der Anleitung Seite 17.

Noch einfacher und ganz ohne theoretische Hackerangriffe gehts allerdings bei der JURA Impressa F70. Das ist auch das Gerät, was ich am liebsten empfehle... und auch bei mir zu Hause seit vier Jahren gänzlich ohne Probleme in Betrieb habe :-)

 

Basel a l'Orange
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Dem Französischkenner wird es schon aufgefallen sein. Ganz korrekt müsste es natürlich Bâle a l'Orange heißen :-)
Seit Beginn der Fußball-EM sorgen die Niederländer als farbenfroheste Fans dafür, dass an jedem Spielort ihrer Mannschaft schon ein, zwei Tage zuvor die Innenstädte nur noch orange aussehen. So mancher Fan soll angeblich sogar oranges Toilettenpapier in seinem orangen Campingzelt dabei haben.

Naja, mir solls egal sein.

Den Sicherheitsverantwortlichen der Schweizer Bundesbahnen (SBB) aber ging die Oranjemanie dann doch etwas zu weit.
Die Gleisarbeiter der SBB etwa müssen aus Sicherheitsgründen orange Westen, Arbeitshosen etc. tragen, damit sie möglichst gut sichtbar sind. Mehrfach soll es nun die letzten Tage vorgekommen sein, dass ein paar Bauarbeitern gleich eine ganze Truppe niederländischer Fußballfans auf die Gleisanlagen gefolgt sein soll, einfach nur weil letztere dachten, sie hätten es mit Gleichgesinnten zu tun. Es ist kein Witz.

Die SBB haben nun darauf reagiert: künftig tragen die SBB-Mitarbeiter nicht mehr orange sondern gelb. Dem obersten Schweizer Bundesbahner behagt diese Farbe zwar nicht so sehr. Aber die niederländischen Fans sind immerhin begeisterte Bahnfahrer, und in zwei Wochen ist die EM sowieso vorbei :-)

 

Keltischer David gegen EU-Goliath
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Ausgerechnet eine der kleinsten Nationen Europas hat den neuen Europäischen Unionsvertrag von Lissabon erst einmal gestoppt - auch wenn das manche Politiker noch gar nicht so recht wahrhaben wollen. Ausgerechnet die Iren, die doch noch vor 30 Jahren das Armenhaus Europas waren und wo man sich noch vor 20 Jahren fragte, wie man denn als Premierminister dieses Landes noch optimistisch in die Zukunft blicken könne und wo heute aber die Wirtschaft brummt.

Der Iren wird vorgeworfen, sie hätten populistischen Motiven folgend mit NEIN gestimmt. Eine unheilvolle Allianz aus Meinungsmachern vom linken wie vom rechten politischen Rand habe die Iren quasi auf den Irrweg geführt. Dabei haben die Iren am Ende nur vorgemacht, woran es im Europa politischer Coleur tatsächlich fehlt: an Demokratieverständnis überhaupt, und an demokratischen Entscheidungen generell.

Man muss sich das mal vor Augen halten: als die EU-Verfassung im Jahre 2005 in Frankreich und den Niederlanden am Volkswillen scheiterte, zimmerte man den EU-Vertrag zurecht. Er sollte einfach nicht mehr "Verfassung" heißen. Und alles sollte rechtlich so hingebogen werden, dass in KEINEM einzigen Land mehr das Volk darüber abstimmen müsse. Dummerweise aber hatte man die irischen Verfassungsgrundsätze außer Acht gelassen. Dort musste das Volk befragt werden.

Selbst wenn also der EU-Vertrag keinen Grund zur Kritik bieten würde: die Art und Weise, wie er am Volk vorbei durchgepeitscht werden sollte, kann nur ein NEIN provozieren.

Sicher, der EU-Vertrag ist ein Konstrukt, was erst nach zähem Ringen ausgearbeitet war. Denn sowas wie einen kleinsten gemeinsamen Nenner für inzwischen 27 Mitgliedstaaten zu finden, ist denkbar schwer. Alle 27 Regierungen hatten an dem Vertrag etwas zu beanstanden. Man denke noch an die Polen, die mit Rechentricks ihre Representanz auf Europaebene aufzubessern versuchten, um nur mal ein Beispiel zu nennen. Den Iren nun aber eine unheilige Allianz der NEIN-Sager vorzuwerfen als Grund für die Ablehnung, ist an Bigotterie kaum zu überbieten. Oder soll man die 27 EU-Regierungen etwa als Gruppe bezeichnen, die stets alle einer Meinung sind und stets am gleichen Strang gezogen haben? Ein Blick nach Italien zu Silvio Berlusconi, der sich nun mehr sein eigenes Immunitätsgesetz zusammenschustert, reicht doch eigentlich schon aus.

 

Sind Milchbauern ökonomische Milchbubis?
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Wenn sich die gleiche Meldung mal wieder mit stets dem gleichen Wortlaut in allen Zeitungen wiederfindet, besteht immer auch die Gefahr, dass nur die Hälfte der Wahrheit geschrieben wird, da zum Nachfragen keine Zeit war.

So auch wieder diese Woche in Deutschland, als die Nachricht durch die Gazetten ging, dass die Milchbauern wütend seien auf Großabnehmer wie ALDI, Müller Milch und Co. Die nämlich hätten unisono beschlossen, die Preise zu drücken und würden damit die Milchbauern in Existenznöte bringen.

Es sieht so aus, als seien die Rollen von Gut und Böse mal wieder klar verteilt. Es wird ausgeteilt gegen die bösen, bösen Großunternehmer.

Ich als vernunftbegabter Leser frage mich da aber schon: Wo bitte ist das Problem?
Bekanntlich hat der Milchpreis - und nicht nur der - in den letzten 12 Monaten derart zugelegt, dass die Bauern erstmals einen Hoffnungsschimmer sahen und man beim Bauernverband an höchster Stelle frohlockte. Vom "Milchsee" oder "Butterberg" der 1980er Jahre ist schon seit Jahren keine Rede mehr, es gibt sie nicht mehr!

Wenn also der Weltmarkt deutlich höhere Preise zulässt, mutet es schon recht verwegen an, wenn etwa Großabnehmer ALDI jetzt die Preise drücken will. Dann sollten doch die Bauern nicht meckern sondern sich andere Abnehmer suchen, die bessere Preise zahlen.

Die deutschen Milchbauern aber sind zu wenig flexibel. Sie sind gar nicht daran interessiert, andere Abnehmer zu finden. Und solange ihnen der Markt mit höheren Abnehmerpreisen mehr Einnahmen brachte, war alles in Ordnung.

Nun aber haben die Bauern auch so gehandelt, wie es der Markt erfordert: steigende Nachfrage löst steigendes Angebot aus. Auf einmal ist wieder mehr Milch in der Leitung als noch vor einem Jahr und genau zu diesem Zeitpunkt nun kamen die Neuverhandlungen mit den Großabnehmern.

Und auf einmal ist gar nichts mehr in Ordnung und der Markt wird wieder verteufelt. Das erinnert irgendwie an Aktienbesitzer, die auch bloß meinen, Aktienkurse kennen nur eine Richtung: nach oben. Und wenns nicht mehr so ist, wird halt der Bankier verklagt.

Ja, jetzt drohen die Milchbauern sogar mit Streik. Na, wenn sie meinen, dass dies das Beste für sie ist: nur zu.
Die Kühe in ihren Ställen wollen trotzdem jeden Tag von ihrer Last befreit werden.

Und den flexibleren Bauern in Deutschland und den Nachbarländern kann das doch nur mehr als recht sein.

 

Rentnerdemokratie?!
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Roman Herzog, deutscher Alt-Bundespräsident und früherer Bundesverfassungsrichter, ist inzwischen bekannt dafür, dass er Probleme beim Namen benennt, die von anderen aus politischer Rücksicht totgeschwiegen werden. Bekannt ist seine Berliner Rede als damaliger Bundespräsident, in der anmahnte, durch Deutschland müsse ein Ruck gehen, damit endlich dringende Probleme gelöst werden können, welche stets nur auf die lange Bank geschoben wurden.

Nun hat er wieder provoziert, und zwar legt er sich mit seiner eigenen Generation an. Herzog sieht eine Rentnerdemokratie auf Deutschland zukommen. Immer mehr ältere Leute stehen immer weniger jüngeren gegenüber. Aus diesem Grund würden die Politiker immer mehr Rücksicht auf diese immer weiter wachsene Wählerschicht nehmen. Ein unschlagbares Indiz dafür, dass Deutschland auf dem Weg in eine Renterdemokratie sei, sieht er in der nun durchgeboxten Rentenerhöhung.

Ich habe einen Riesenrespekt vor Herrn Herzog. Wer sonst, wenn nicht er, hätte diese Worte in den Mund nehmen können? Praktisch jeder andere wäre in Grund und Boden kritisiert worden. Dem Alt-Bundespräsidenten und Verfassungsschützer aber zollt man soweit politischen Respekt, dass man ihm zwar schon vorwirft, es sei gar nicht so, wie er meint, aber man stellt ihm nicht seine politische Kompetenz in Frage.

Ganz anders beim 27jährigen CDU-Bundestagsabgeordneten Jens Spahn. Er kritisierte offen, dass nun den Rentnern in Deutschland eine außerplanmäßige Erhöhung zugestanden wird. Nicht, dass er es den Rentner nicht gönnen würde. Aber Spahn sieht hierin ein Wahlgeschenk an die Älteren, welches man sich nur leisten kann, weil gerade die Wirtschaft kräftig brummt. Dabei solle man doch in guten Tagen haushalten, um für schlechte Tage gewappnet zu sein.

Er erntete größtenteils Unverständnis; der Vorsitzende der Senioren-Union in Nordrhein-Westfalen - der 76jährige Leonhard Kuckart - drohte gar, Spahn Wiederaufstellung zur nächsten Bundestagswahl zu verhindern, musste aber inzwischen zurückkrebsen.

Wenn man nun Spiegel Online glauben darf, sind die meisten Politiker jüngeren Alters im Bundestag gar nicht Herzogs Meinung. Sie sehen kein Problem zwischen Jung und Alt sondern eher zwischen Arm und Reich. Teilweise heißt es sogar, die Rentenkürzungen von heute würden uns Junge ja morgen genauso treffen; ja, die nun durchgewunkene Erhöhung sei sogar zu niedrig.

Ich habe den Eindruck, dass diese Jungpolitiker zwar schon viel von Politik gelernt haben, aber elementare Grundsätze des Wirtschaftens entweder nicht kapiert haben oder der Meinung sind, dass diese Grundsätze in der Politik keine Rolle spielten. Und zu diesen Grundsätzen gehört, dass man jeden eingenommenen Euro nur einmal wieder ausgeben kann. Wer die Renten erhöhen will angesichts immer mehr Empfänger und immer weniger Leistungsträger, lebt an der Realität vorbei. Natürlich ist der Gegensatz zwischen Arm und Reich das große Problem. Aber das Risiko, zum Sozialfall zu werden, trifft die Rentner weitaus weniger als vor allem junge Familien mit mehreren Kindern oder Alleinerziehende.
Politische Vernunft würde sich in Nachhaltigkeit zeigen, aber genau die wird durch die nun erfolgte Aushebelung des demografischen Faktors bei der Rentenentwicklung torpediert.

Schlussendlich aber bin ich der Meinung, dass Roman Herzogs Wort viel zu spät kommen. In Deutschland ist die Rentnerdemokratie längst Faktum. Schauen wir uns das Alter der meisten Politiker an. Schauen wir uns das Durchschnittsalter der einzelnen Parteimitglieder an. Und wenn es um Wahlbeteiligungen geht, sind es vor allem die Jüngeren, die den Abstimmungen fernbleiben.

 

Arbeitslose oder überalterte Eurokraten?
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Das Europaparlament im französischen Straßburg soll ja eigentlich die Belange der Einwohner aller EU-Staaten vertreten. Immerhin hat man auch auf EU-Ebene realisiert, dass es ganz ohne Demokratie nicht geht und dem EU-Parlament, welches lange Zeit nicht so recht wusste, wofür es eigentlich da sein soll, doch ein wenig mehr Mitspracherechte eingeräumt. Man erinnere sich, wie in den 1990er Jahren die gesamte EU-Kommission wegen Korruptionsvorwürfen unter Druck geriet und schließlich zurücktreten musste.

Aber anscheinend haben die (einzigen) gewählten Volksverteter auf EU-Ebene immer noch nicht genug zu tun. Und bekanntermaßen schafft man sich Arbeit, wenn man keine hat. Anders ist es nicht zu verstehen, dass nun ausgerechnet aus dem EU-Parlament folgender Vorstoß an die EU-Kommission weitergereicht wurde: Künftig sollen in allen öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern Filme und auch Nachrichtensendungen nicht mehr synchronisiert sondern untertitelt werden.

In einigen Ländern ist dies ja üblich, etwa in den Benelux-Staaten. In der Schweiz ist es üblich, in den Kinos Originale mit Untertiteln zu zeigen, im schweizer Fernsehen dagegen laufen synchronisierte Fassungen. Und aus Deutschland sind mir Originalfassungen selbst im Kino kaum bekannt.

Der Sinn dieser neuen Regelung sei der: man würde nicht nur schneller eine Fremdsprache verstehen lernen, sondern man sehe darin auch eine Lösung für ein anderes Problem: über 80 Millionen EU-Bürger seien bereits schwerhörig oder taub. Der demographische Wandel werde dies noch verschärfen.

Eines haben die Eurokraten dabei aber vergessen: mit zunehmendem Alter leidet ja nicht nur das Gehör; auch die visuellen Eindrücke lassen nach, man wird weitsichtig und das Blickfeld trübt sich ein. Zudem kommt noch ein gewisser Altersstarrsinn hinzu, und immer öfter auch Demenzen, was aber mit dem Fernsehen nur am Rande was zu tun hat. Was gedenken die Parlamentarier denn in diesem Falle zu unternehmen?

Mein Eindruck: es sitzen ein paar zu alte Vertreter im EU-Parlament, denen der Sinn für die Realität abhanden zu kommen scheint.

Es sei daran erinnert, dass bereits in den 1980er Jahren Sender wie ARD und ZDF begonnen haben, mittels Zweikanaltontechnik Filme in synchronisierter und zugleich in Originalfassung auszustrahlen. Untertitel in Deutsch konnte man per Videotext-Tafel 150 aufrufen. Das setzte einen Fernseher mit Zweikanaltontechnik und Videotext-Dekoder voraus; heutzutage Standard!

Dass man jedoch als Zuschauer oftmals keine Zweikanaltontechnik mehr serviert bekommt, hat rechtliche und vor allem finanzielle Gründe: da ARD und ZDF auch per Satellit zu empfangen sind, müssten die Sender die europaweiten Ausstrahlungsrechte nicht nur für die deutsche sondern auch für die Originalfassungen kaufen. Da dies zu teuer ist, haben beide Sender 1993 entschieden, per Satellit keinen Zweikanalton anzubieten. Denn schließlich müssten das die deutschen Zuschauer allein finanzieren, aus dem europäischen Ausland würden keine Gebührengelder an die Sender fließen.

Der WDR hat es mit seinem eigenen Fernsehprogramm trotzdem eine Weile noch so gehandhabt und tatsächlich einige Filme in Zweikanaltontechnik ausgestrahlt. Auch hier hat man Ende der 1990er Jahre aufgehört, allerdings aus pragmatischeren Gründen: die meisten Satellitenzuschauer haben in den Einstellungen ihrer Receiver STEREO-Ton eingestellt. Wenn nun ein Zweikanaltonfilm ausgestrahlt wird, passiert folgendes: deutsche und Originalversion laufen parallel zueinander; ein richtiger Sprachensalat entsteht. Lösen lässt sich das Problem nur, indem man die Toneinstellungen im Receiver auf MONO umprogrammiert. Damit aber waren die meisten Zuschauer schlicht und einfach überfordert. Also stellte auch der WDR seine Zweikanaltontechnik via Satellit ein.

Ich kann nur hoffen, dass die EU-Kommission diesem realitätsfernen Vorschlag eine Absage erteilt und dass bei der nächsten Europawahl die Wahlbeteiligung etwas höher ausfällt, damit unfähige Kandidaten gar keine Chance haben.

 

 

Der 1.April 2008 in Basel
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Irgendwie mag man den Schlagzeilen an einem solchen Tage nicht so recht trauen. Bekanntermaßen wird man am 1.April gern mal veralbert. Wenn man dann zum Beispiel liest, dass die UBS einen weiteren Milliardenabschreiber schlucken muss, ja, was ist da noch Neues dran? Man hat sich dran gewohnt. Da es nun allerdings 19 Milliarden Franken allein im ersten Quartal sind und sich nun damit seit Beginn der Immobilienkrise in den USA bereits über 40 Millarden Franken an Buchwerten der UBS quasi in Luft aufgelöst haben, beschleicht einen der Gedanke: ohje, das muss ernst sein. Dann hieß es noch: Marcel Opsel, Verwaltungsratsvorsitzender der UBS, tritt als Folge dessen zurück. Da kriegt man schon wieder Zweifel: echt jetzt? Die außerordentliche Aktionärsversammlung vor einem Monat hat das ja nicht mal geschafft! Aber wenn man bedenkt: die Verluste aus dem Immobiliengeschäft haben sich innerhalb eines Quartals praktisch verdoppelt... ja... dann wird es doch mal höchste Zeit, auch ganz oben auszumisten.

Aber nicht nur die UBS hatte heute keinen guten Tag. Die Basler Verkehrsbetriebe hats heute auch heftig erwischt. Nun gut, nicht ganz so schlimm wie vor vier Jahren, als das Siemens-Combino-Desaster einen Großteil des Fuhrpark stilllegte. Aber eine Panne im Tramverkehr jagte heute die andere.

Da war zunächst eine Oberleitung in Pratteln heruntergerissen worden. Nicht so schlimm, Pratteln ist nicht Basler Innenstadt.

Dort aber versagten heute einem Tram die Bremsen, allerdings im umgekehrten Sinne: die Bremsen wollten sich nach der Einfahrt in die Haltestelle nicht mehr lösen. Das Dumme daran: es traf die Station Bankverein! Wenn man den Tramverkehr in Basel blockieren will, dann muss man es genau an der Stelle machen. Denn praktisch alle Trams müssen da durch.

Aber es kam noch besser: am Nachmittag gegen 15:20 Uhr schnitt ein italienischer Reisebus einem Tram die Vorfahrt. Trotz Notbremsung stieß das Tram in den Reisebus. Und nicht nur das: der Motorwagen des Trams kippte sogar noch auf die Seite. Man kann es schon als kleines Wunder bezeichnen, dass neun Menschen nur leicht verletzt wurden. Es hätte weitaus schlimmer kommen können. Der Verkehr an der vielbefahrenen Kreuzung in der Nähe des Bahnhofs SBB jedenfalls blieb über Stunden gesperrt.

Dass die sich in der Nähe der beiden letzten Unfälleschauplätze auch noch je eine große UBS-Filiale befindet, ist übrigens reiner Zufall.

 

Ein Brief vom Sommer 2007 ans ZDF als Reaktion aufs Programmniveau und die üblichen Rechtfertigungen
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Schönen Guten Tag,

ich kenne das ZDF-Programm seit 1987.
Nicht nur, dass ich es 20 Jahre später kaum noch wiedererkenne: ich erkenne vor allem keine Unterschiede mehr zu den Privaten!

Es ist mir klar, dass es in 20 Jahren aufgrund geänderter Situationen in der Fernsehwelt sehr schwierig ist, die Zuschauerbedürfnisse möglichst breit abzudecken und dass auch entsprechende Einschnitte nötig waren.

Dass man Kultursendungen auf Randplätze und zu 3sat und ARTE abschob, na gut.

Dass man die Kindersendungen auf das Wochende und zum KIKA auslagerte, na schön.

Dass man zwischen 18 Uhr und 21 Uhr außer der heute-Sendung praktisch nur noch Serienware geboten bekommt ("beste Zeiten für beste Programme" hieß es ja 1992), na dann halt.

Dass man der Meinung ist, Programmmoderatoren als menschliches verbindendes Wesen zwischen so manch lieblosen Inhalten seien heutzutage nicht mehr angesagt, weil die bei Jugendlichen so beliebten Privatsender diese schon Anfang der 90er abgeschafft haben, man wirds überleben.

Dass aber nun mehr JEDER FILM und JEDE SERIE am Ende regelrecht abgewürgt und mit Programmhinweisen überblendet wird, ist eine Schande!!!
Und dass bei diesem Überblenden bei mehreren aufeinanderfolgenden Sendungen an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen dann auch noch stets die gleichen Programmhinweise gesendet werden - gekrönt mit dem Slogan "Mit dem Zweiten sieht man besser", ist - vorsichtig ausgedrückt - der Gipfel der Zumutung!
Wenn ich es nicht anders wüsste, wäre ich der Meinung, das ZDF sei irgendwann in der letzten Zeit privatisiert worden. Der einzige Unterschied ist doch nur noch, dass keine kommerzielle Werbung nach 20 Uhr gesendet werden darf. Die Unmenge an Eigenwerbung aber kommt aufs Gleiche raus.

Auch die Begründungen für Film- und Serienverhackstückungen lauten dann immer gleich: dass man zu viele Zuschauer verlieren würde, würde man Serien- und Filmabspänne komplett senden; und ich sei mit meiner Sicht der Dinge nun mal Teil einer Minderheit, auf die man leider im Sinne des Programmauftrages keine Rücksicht nehmen könne.

Nun auf mich muss man auch keine Rücksicht mehr nehmen: ich lebe in der Schweiz und ich lebe ohne Fernseher. Meine oben genannten Erfahrungen machte ich Anfang Juni 2007 bei einem Besuch bei Freunden in der alten Heimat, denen nun mal nichts anderes übrig bleibt, als genervt die ZDF-Programmabarten zu schlucken, die zu finanzieren sie quartalsweise gezwungen sind. Man könnte sowas als verordneten Masochismus umschreiben. Ich wage aber zu bezweifeln, dass dies als Teil der Grundversorgung gemäß Rundfunkstaatsvertrag ausgelegt werden kann.

Meine abschließenden Worte zu diesem Thema: "Zum Zweiten sieht man besser nicht mehr hin!"

 

Deutschland, ein Unrechtsstaat? Staat = Mafia, nur weniger effizient? Und noch mehr harter Tobak
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Aus einem Interview der Weltwoche (12/2008) mit Konrad Hummler, Vollhaftender bei der ältesten Bank der Schweiz, Wegelin & Co. Privatbankiers KG.

[...]

WW:Wie dramatisch sind die Fronten, die jetzt heraufziehen: deutsche Angriffe aufs Bankgeheimnis, Steuerstreit mit der EU?

KH:Es geht ans Eingemachte.[...]Deutschland erlebt einen Linksruck. Der Angriff auf die Schweiz ist da hochwillkommen. Die scheinbürgerliche Regierung kann sich als Rächerin der Besitzlosen aufspielen.

WW:Sie haben in einem Ihrer Anlagekommentare festgehalten, nicht hohe Steuersätze treiben Kapital in die Schweiz, sondern die Aussicht auf das kollabierende europäische Sozialmodell. Die Leute wollen ihren Sparbatzen in der Schweiz sicher vergraben.

KH:Aufgrund der desolaten Situation des Sozialstaats wird sich der Druck verstärken. [...] Mehr als 60 Prozent der deutschen Wähler leben vom Staat. Sie finden keine Mehrheiten für Staatsabbau mehr.

WW:Was kommt auf uns zu?

KH:Stellen Sie sich darauf ein, dass es sehr ungemütlich wird. Die Schweiz ist aufgrund der geografischen und handelspolitischen Situation angreifbar. Alle Symptome weisen darauf hin.

WW:Woran denken Sie?

KH:[...] Sie können ein Land auf drei Arten verlassen. Physisch, wenn Sie auswandern. Juristisch, wenn Sie Ihre Firma ausser Landes bringen. Virtuell, wenn Sie Vermögensteile verschieben. Alle drei Bewegungen finden derzeit aus Deutschland Richtung Schweiz statt. Wir sind interessant. Wir haben die gleiche Sprache und ticken ähnlich. Vielleicht. Ausserdem haben wir gute Steuersätze für arbeitende und pensionierte Zuwanderer. Als Firmenstandort sind wir sensationell attraktiv. Umgekehrt profitiert die Schweiz durch diesen Zustrom an Geld und qualifizierten Leuten.

WW:Die DDR versuchte, solche Bewegungen durch eine Mauer zu beenden. Die Bundesrepublik versucht es mit juristischen Mitteln und politischem Druck. Subtiler Mauerbau.

KH:So würde ich es sehen.

WW:Wie muss man dem Problem begegnen?

KH:[...] Sie können Vermögen in liechtensteinische Stiftungen oder angelsächsische Trusts verschieben. Das ist die teure, aufwendige Variante mit Treuhändern und Anwälten. Daneben gibt es die sehr schlanke Schweizer Lösung. Wir haben eine andere Regelung des Steuerstrafrechts. Aufgrund der doppelten Strafbarkeit ist eine einfache Steuerhinterziehung kein Grund, Geld nicht anzunehmen. Gekoppelt mit dem Bankgeheimnis, ist das ein Schema, das selbst für kleine Vermögen eine Ersparnisbildung ausserhalb der sich zuspitzenden Fiskalsysteme erlaubt. Das Schweizer Bankgeheimnis ist eine enorm soziale Institution.

WW:Jetzt sagen Ihnen Deutsche, aber auch viele Schweizer: Das ist genau das Problem. Wir sind ein Fluchthafen für illegal am Fiskus vorbeigeschleuste Gelder aus dem Ausland.

KH:Das ist der wesentliche Punkt. In dieser Diskussion hat man keine Chance, wenn man nur Legalität versus Legalität stellt. Rechtssysteme sind immer Ausdruck von Machtverhältnissen und Standpunkten.

WW:Wie wäre zu argumentieren?

KH:Man muss übergeordnet die Frage stellen: Ist es denn legitim, wenn ein System, das offensichtlich auf ein finanzpolitisches Desaster zusteuert, seine eigenen Bürger daran hindert, individuelle Vorsorge ausserhalb dieses kollabierenden Systems zu treffen?

WW:Überspitzt sagen Sie: Deutschlands Fiskalstaat ist ein Unrechtsstaat . . .

KH:. . . genau, und deshalb ist die Kapitalflucht Notwehr.

WW:Aber Sie können doch Deutschland nicht als Unrechtsstaat bezeichnen.

KH:Bewegt sich denn ein Rechtsstaat noch auf der Grundlage der Legitimität, wenn er beispielsweise eine Staatsverschuldung produziert, die auf Generationen hinaus die Noch-nicht-Geborenen belastet? Für mich gibt es da keinen Zweifel.

WW:Viele Schweizer leiden an der Kritik, wir seien ein Asylhafen für Kapitalflüchtlinge und die Nichtkriminalisierung der Steuerhinterziehung sei eigentlich eine Schande. So argumentierte die SP-Politikerin Hildegard Fässler in der «Arena». Sie sehen es genau umgekehrt.

KH:Absolut. Die Tatsache, dass wir in der Schweiz zwischen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung unterscheiden, ist äusserst positiv. Und Hildegard Fässler ist natürlich Teil jenes finanzpolitischen Desasters, das ihre Partei nach Kräften auch in der Schweiz vorantreibt. Sie ist Partei.

WW:Aber Steuerhinterziehung ist doch ein Problem.

KH:Steuerhinterziehung wird zum Problem hochstilisiert. Wenn man den Vorsorgegedanken ausserhalb des Systems zu Ende bringt, ist Steuerhinterziehung ja nicht das Ziel, sondern lediglich Mittel zum Zweck der Vorsorgebildung. Man muss sich vor einem Fiskalsystem in Sicherheit bringen dürfen, ohne physisch auszuwandern, weil Fiskalsysteme falsch gebaut sein können. Das erfordert einen Bruch mit der Legalität. Es ist Notwehr.

WW:Mit diesem Argument werden Sie das schlechte Gewissen vieler Schweizer nicht beseitigen.

KH:Ich frage Sie: Wäre es moralisch vorteilhafter, die Schweiz würde sich zum Helfer dieses europaweiten finanzpolitischen Desasters machen? Die Alternative ist Beihilfe, damit die europäischen Staaten ihre eigenen Bürger noch mehr auspressen im Namen maroder Finanzsysteme. Ich habe das weitaus weniger schlechte Gewissen, wenn wir etwas Geld des produktiven deutschen Mittelstands aufbewahren, als wenn wir den Berliner Politikern die Taschen füllen. Wir sind nicht verpflichtet, das Desaster mitzumachen.

WW:Zusammengefasst: Der deutsche Staat verstösst gegen Treu und Glauben, indem er seinen Bürgern vorgaukelt, durch Abgaben ihre Altersvorsorge zu sichern. Tatsächlich aber ist er dazu gar nicht mehr in der Lage, ergo leisten die Bürger ihre private Vorsorge in Notwehr ausserhalb des eigenen Systems.

KH:Genau.

WW:Das ist doch eine amoralische Position. Die deutschen Politiker sagen: Wenn einem unsere Fiskal- und Vorsorgesysteme nicht passen, kann er sich politisch dagegen engagieren, oder aber er soll auswandern.

KH:Es gibt doch weltweit unterschiedliche Rechtsauffassungen. Wir würden auch keine Rechtshilfe leisten, wenn ein zur Steinigung wegen Ehebruchs verurteilter Saudi-Araber in die Schweiz flüchtet.

WW:Was empfehlen Sie dem Bundesrat?

KH:Man soll Frau Merkel im April mit dem nötigen Respekt empfangen, aber immer mit dem Wissen im Hinterkopf, dass es sich um eine machtorientierte Verwalterin eines sozialstaatlichen und finanzpolitischen Desasters handelt. Mit diesem mind-set wird man keinen Fehler begehen.

WW:Sind wir strategisch stark genug? Haben Sie Vertrauen in die Landesregierung?

KH:Wir haben die Frage zu lange tabuisiert. Man war sich der strategischen Bedeutung unseres Bankgeheimnisses für Steuerhinterziehung als eine Art Notwehr nicht bewusst.

WW:Gerade die Grossbanken haben lange behauptet, Steuerhinterziehung sei für uns kein wichtiges Geschäft mehr.

KH:Das ist Lug und Trug.

WW:Auch für Grossbanken?

KH:Aber sicher. Meinen Sie denn, die enorme Platzierungskraft unserer Grossbanken komme aus anderen Geschäftsfeldern? Die Antwort ist klar: nein.

WW:Warum behaupten sie das Gegenteil?

KH:Weil es für international tätige Banken natürlich eine heikle Position ist, Praktiken zu verteidigen, die im einen Land als schwer illegal gelten, im anderen aber nicht. Es ist eine angenehme Lebenslüge.

WW:Das Bankgeheimnis bleibt ein Lebensnerv unseres Finanzplatzes?

KH:Absolut.

WW:Weil es Steuerhinterziehung deckt?

KH:Nicht nur, es gibt noch andere wichtige Felder, aber natürlich ist die Eigentumssicherung wichtig. Nicht nur der Staat greift nach Privatvermögen, es können auch Verwandte sein oder kriminelle Banden.

WW:Gehen wir richtig in der Annahme, dass Sie den Staat nicht ausschliesslich als segensreiche Einrichtung empfinden?

KH:Das sehen Sie richtig. Politökonomisch betrachtet, gibt es viele Ähnlichkeiten zwischen der Mafia in Palermo, die Schutzgelder einsammelt, und einem Staat, der unter Gewaltandrohung Steuern einzieht. Für das Individuum sind das geringfügige Unterschiede.

WW:Der Staat leistet immerhin Schutz und Sicherheit.

KH:Das macht die Mafia auch. Bitte seien Sie vorsichtig, wenn Sie das zitieren. Es wird leicht falsch verstanden, vor allem wenn ich noch hinzufüge: Ich würde sogar meinen, dass die Hege und Pflege durch gewisse Mafiaorganisationen besser ist als durch den Staat. Der Fall Zumwinkel in Deutschland zeigt, wie das hirnrissige System die eigene Basis zerstört. Zumwinkel war ja ein guter Steuerzahler. Vielleicht ist das typisch deutsch. Die Deutschen haben Mühe mit dem Pragmatismus. Der Sozialstaat reagiert sehr unterschiedlich in Europa auf seinen drohenden Kollaps. Die Italiener flüchten sich ins Chaos, die Franzosen haben eine gewisse frivole Nonchalance. In Deutschland wird es sehr aggressiv. Im Fall Zumwinkel ging es um totale Zerstörung.

WW:Die Zumwinkel-Verhaftung vor laufenden Kameras ohne Unschuldsvermutung hatte totalitäre Züge.

KH:So empfand ich das.

WW:Warum haben wir unser Bankgeheimnis vor allem gegenüber den Amerikanern durchlöchert?

KH:Das war sicher einer der ganz grossen Fehler. Unter dem Eindruck des Kalten Kriegs war man den Amerikanern gegenüber zu willfährig. Es begann schon in den siebziger Jahren.

WW:Wie sollen wir gegenüber den Deutschen verteidigen, was wir den Amerikanern gegenüber preisgegeben haben?

KH:Es ist heikel. Immerhin waren die Forderungen aus den USA nicht ganz so drastisch, wie sie es heute aus Deutschland sind. Die Amerikaner verlangten Informationen auf Anfrage, die EU will den Informationsaustausch generell durchdrücken.

WW:Wie gross ist der von Ihnen geforderte Unabhängigkeitswille bei den Grossbanken und bei unseren Politikern?

KH:Von dieser Frage hängt letztlich die Existenz der Schweiz ab.

WW:Haben wir Sie richtig verstanden: Sie sprechen von einer Existenzfrage der Schweiz.

KH:Ja. Es ist eine wirtschaftliche Existenzfrage und eine politische Existenzfrage, weil es um den Unabhängigkeitswillen unseres Landes geht. Wenn dieser Bundesrat es jetzt noch einmal so dumm macht wie bei der Swissair, dann ist der Rubikon überschritten.

WW:Dann hat das Schweizer Parlament also im dümmsten Moment einen der prononciertesten Vertreter dieser Unabhängigkeit aus dem Amt geworfen?

KH:Muss ich jetzt wirklich noch ein Bekenntnis zu Blocher ablegen?

WW:Wir würden nichts Anstössiges abdrucken.

KH:Ich war immer skeptisch gegen die Einsitznahme Blochers im Bundesrat, weil ich glaubte, dass er in diesem Umzug sich nie wirklich zur Geltung bringen kann. Das ist ja wirklich ein grauenhaftes Gremium.

WW:Ihre Prognose, wie sich die Drucksituation insgesamt auflösen wird?

KH:Ich bin zuversichtlich. Der legalistische Standpunkt ist gut verankert. Letztlich wissen alle politischen Kräfte, dass es sich hier um eine Schicksalsfrage handelt.

 

 

Die große METRO - und die kleinen Tücken des Detail(hahndel)s?
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Es war mal wieder Bilanzpressekonferenz der METRO AG, dem größten deutschen Einzelhandelskonzern..

Quintessenz:

1. Mit real.- hat man zu kämpfen, 40 Standorte stünden zur Disposition. Ob diese 40 Standorte nun Walmart-Übernahmen sind, oder schon vorher probelmatisch waren, konnte jedoch nicht beantwortet werden. Der Vorstandsvorsitzende gab zu bedenken, er sei erst seit 4 Monaten auf seinem Posten. Na schön :-)

2. Beim Kaufhof hat man ein zweites Jahr in Folge zweistellig den Ertrag steigern können. Das aber vor allem nur, weil der Ertrag vorher mal sehr bescheiden ausgesehen hat. Man sieht den Kaufhof an höchster Stelle nicht als fundamentalen Bestandteil des Unternehmens, wollte sich aber aufgrund der derzeit turbulenten Finanzmärkte nicht weiter äußern.

3. Mit Media-Saturn sei man sehr zufrieden, überlege sich jedoch, diesen Unternehmensteil an die Börse zu bringen. Na, das kann ja heiter werden. Ob wir Mitarbeiter dann Vorzugsaktien angeboten bekommen?

Bei der Gelegenheit habe ich mal einen Blick in jene Liste geworfen, in welcher sämtliche Unternehmen aufgelistet sind, an denen METRO beteiligt ist, mit Stand vom 31.12.2007. Da müssten doch alle Media Märkte, die bis dato eröffnet waren, drinstehen.

Du meine Güte... Diese Liste liest sich wie das Ergebnisprotokoll einer Inventurzählung vor der ersten Kontrolle!
Ja, ist so: es stimmt nämlich so einiges nicht!

Der Media Markt in Berlin-Mitte, dessen Eröffnung ja zum Medienereignis wurde und der unter dem Namen "Media Markt Berlin-Mitte TV-HiFi-Elektro GmbH" firmiert, ist in der Liste nicht auffindbar! Aber vielleicht liegt des Rätsels Lösung ja in den vielen "Media Markt [römische Zahl] TV-Hifi-Electro GmbH Ingolstadt". Ich vermute, dass diese Gesellschaften anscheinend vorsorgliche Neugründungen für geplante Neueröffnungen sein sollen. Nur hat dann jemand bei der Aktualisierung dieser Liste gewaltig geschlafen :-)

Nein, das ist jetzt kein Vorwurf Richtung Ingolstadt! Es kann ja auch jemand in Düsseldorf (Sitz der Metro AG) geschlampt haben ;)

Erstaunliches liefert auch der Blick auf die Schweizer Media Märkte. Wir in Basel haben demzufolge ein Jahresergebnis von knapp 1,45 Mio Franken (900 Mio Euro) erarbeitet. Könnte hinhauen.
Die Kollegen in Pratteln waren etwas besser mit 1,86 Mio Franken (1,16 Mio Euro). Würde mich nicht wundern.
Angeblicher absoluter Spitzenreiter: Media Markt Zürich mit 14,35 Mio Franken (9 Mio Euro)!!!
Aber Moment mal!
Kann das wirklich stimmen?
Natürlich nicht ganz!
Da wurden tatsächlich drei Märkte zu einem zusammengefasst! Nämlich die in der Schweiz beiden umsatzstärksten und ältesten Dietikon und Dietlikon und der 2007 eröffnete in Zürich Sihlcity, der allerdings ein wenig hinter den Erwartungen zurückbleibt.
Und auch die beiden Märkte in Lyssach und Granges-Paccot firmieren angeblich unter einem Namen!

Aber vielleicht hat man bei der schweizer Großbank UBS ja auch ähnlich bilanziert - und wundert sich nun, wo die Milliarden hin sind ;)

Nochmal der Blick nach Deutschland: eine MediaOnline GmbH in Ingolstadt wird ebenfalls noch aufgelistet, mit 100.000 Euro Kapital, aber NULL Ergebnis. Es handelt sich um die ehemalige Onlineverkaufsaktivität von Media Markt in Deutschland. Anscheinend hält man am Namen fest. Wer weiß, wofür der noch gut sein könnte ;-)

Ein kleines witziges Detail noch zum Schluss: eine Media Markt Luxemburg S.a.r.l. existiert auch schon. Also wird man auch das Großherzogtum überrennen ;-) Aber dazu wird man wohl noch etwas Kapital nachschießen müssen, denn die Firma verfügte gerade mal über das in Luxemburg gesetzlich vorgeschriebene Mindestkapital von 13.000 Euro.
Aber vielleicht ist auch das wieder ein Auflistungsfehler - und es ist gar nicht mal so viel ;-)

 

Wie findet man den richtigen Typen?
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Viele legen ihn sich zu, ohne groß nachzudenken, billig muss er sein. Andere dagegen suchen mit Bedacht aus, und lassen da schon mal ordentlich was springen. Von Vorteil ist natürlich immer, wenn er nicht so viel Lärm macht, wenn er die Luft nicht verpestet sondern den ganzen Dreck schön bei sich, also, in sich behält.
Richtig geraten: die Rede ist vom Staubsauger :-)

Nun mögen sie technisch sonst noch so ausgefeilt sein, letzten Endes hat man immer ein Problem: der eingezogene Dreck muss irgendwann entsorgt werden. An sich kein großes Problem, denn in den meisten Fällen heißt es: Beutel raus und ab in den Müll damit und einen neuen Beutel einsetzen.

Dumm natürlich, wenn gerade keine neuen Beutel mehr zur Hand sind.
Das Problem kann man lösen, indem man sich einen Dyson zulegt. Aber das dürfte nicht jedermanns Sache sein. Die meisten stören sich da nämlich am Anblick des Gerätes selbst als auch am Anblick des eingesaugten Drecks. Der hohe Preis spielt sicher auch noch eine entscheidende Rolle. Aber ganz entscheinend kann es dann doch nicht sein mit der Preisfrage. Wie sonst ist es möglich, dass die Firma Vorwerk in Deutschland einen Marktanteil von rund 25% hat!

Aber wer nun mal einen Beutelsauger hat und neue Beutel braucht, hat in der Tat erstmal ein Problem:
1. Wo kriege ich neue Beutel her?
Und wenn man dann vor dem meist großen Regal steht, kommt dann das nächste:
2. Welchen Typ brauche ich eigentlich?
Der Laden, in dem ich arbeite, hat so etwa 50 Typen auf Lager.

Dabei kann man unterscheiden nach Kunden, die völlig unvorbereitet kommen und jene, die sich schon etwas Gedanken gemacht haben.

Völlig unvorbereitet hört sich dann zum Beispiel so an: "Ja, ich habe einen Staubsauger: TRISA 2000 Watt."

Aber das hilft mir leider nur zum Teil weiter. Die Leistungsangabe, die viele Hersteller als einzigstes auf die Frontseite des Gerätes drucken lassen, ist kein Typenmerkmal. So hat auch TRISA unterschiedliche 2000-Watt-Geräte mit ebenso unterschiedlichen Beuteln im Sortiment.
Im Glücksfall haben wir das entsprechende Gerät noch im Sortiment und der Kunde erkennt es wieder. Oder aber er kann es so gut beschreiben, dass ich mir sicher sein kann zu wissen, welches Modell er meint; vorausgesetzt, er hat ihn bei uns gekauft.
Aber nicht selten kommt es vor, dass der Herr des Hauses zum Einkaufen kommt, aber vom Gerät absolut keine Ahnung hat. Schön, wenn er dann die Dame des Hauses schnell mal per Mobilofon kontaktieren kann :-)

Dann gibt es Kunden, die es wirklich gut meinen: sie bringen den letzten noch ungebrauchten Originalbeutel mit und fragen, ob wir den haben. Wenn aber auf dem Beutel nichts draufsteht - das ist sehr oft der Fall bei Noname-Geräten - dann hilft uns Verkäufern das leider auch nicht viel. Man kann dann nur anhand der Beutelfassung mit den Abbildungen auf den Verpackungen vergleichen, was aber nur selten hilfreich ist.

Dann gibt es Kunden, die schon beim Kauf des Gerätes unseren Hinweis beherzigten und sich eine Packung Beutel mitnahmen. Sie haben dann einfach den Beuteltyp aufgeschrieben oder ausgeschnitten. Das wäre wirklich die perfekte Lösung, setzt aber voraus, dass der Kunde einen SWIRL-Beutel gekauft hat. Aber es gibt ja auch noch andere Beutellieferanten wie Menalux oder Scanpart. Aus deren Bezeichnungen werden wir dann leider nicht schlau.

Am besten ist es, wenn der Kunde sich die Marke und den Typ des Staubsaugers aufschreibt. Die Typennummer oder -bezeichnung findet sich grundsätzlich auf der Bodenseite des Gerätes auf dem Typenschild.

Allerdings gibt es hier eine große Ausnahme, die uns Verkäufern jedesmal das Leben schwer macht: und das sind die Geräte von BOSCH und SIEMENS. Nur, wer es noch nicht wissen sollte: Bosch-Siemens-Haushaltsgeräte ist EINE Firma, die Geräte sind quasi gleich, aber manche Leute kaufen halt lieber BOSCH statt SIEMENS.
Tja, und die Typenbezeichnungen bei diesen beiden Marken sind nicht wirklich logisch durchdacht.
Es gibt das System: AA11B22, also zwei Buchstaben, zwei Ziffern, ein Buchstabe, zwei Ziffern.
Es gibt aber auch: AA33333, also zwei Buchstaben, 5 Ziffern.
Möglich ist ebenso: AA44B5555

Und nicht jede Serie wurde noch mit einem Beinamen wie "Super C" oder "Super E" ausgestattet, die aussagekräftiger wäre. Es ist immer sehr mühsam, in unserem schlauen Büchlein mit den Typen nachzuschauen, und den richtigen Typen herauszufinden.
Hier ist wirklich am einfachsten zu helfen, wenn der Kunde den Typen des Originalbeutels kennt. Das hat Bosch-Siemens nämlich mal gut gelöst: Typ A, Typ B, Typ C... also immer nur ein Buchstabe.

Tja, wie man sieht, ist es nicht einfach, den richtigen Typen zu finden.

Also vielleicht doch besser einen Staubsauger ohne Beutel? Muss ja nicht gleich so ein teurer Dyson sein, gibt doch so viele andere günstige?
Da wird gern vergessen, dass die meisten "Zyklonen"-Sauger einen Lamellenfilter brauchen, der den Motor vor dem Feinstaub bewahrt. Jenachdem, wie gut der "Zyklon" wirbelt, ist dieser Filter schnell verstopft. Um ihn dann sauber zu machen, bräuchte man idealerweise einen zweiten Staubsauger! Auswaschen lässt die Filter schneller verschleißen; und den Dreck rauszukratzen ist eine Drecksarbeit! Kommt noch hinzu, dass diese Filter je nach Art der Nutzung nach 6 bis 12 Monaten verschlissen sind: an der Düse kommt keine Saugleistung mehr an. Der Ersatzfilter kostet dann zwischen 15 und 35 Franken! Und schlimmstenfalls geht noch der Motor wegen Überhitzung kaputt, weil der Filter zu wenig Luft zum Kühlen durchlässt. Wer sich hier auf Garantie beruft, hat meistens Pech. Denn die Hersteller schreiben in ihren Anleitungen vor, dass die Filter regelmäßig gesäubert werden müssen.

Und selbst, wer sich mit den Lamellenfiltern anfreundet: es ist noch viel, viel schwieriger, hier Ersatz in den Geschäften zu finden. Allein TRISA bietet vier verschiedene Typen für seine ohne-Beutel-Sauger an. Die unterscheiden sich durch Größe und Fassung. Da geht das Ratespiel dann genauso wieder los.
Aber die Nachfrage nach solchen Filtern hält sich doch eher in Grenzen - wahrscheinlich, weil die Geräte schneller kaputt gehen, als die Filter.

So wundert es vielleicht auch nicht, wieso einerseits Vorwerk knapp 25% des Marktes abdeckt. Deren Geräte und die Zubehör- und Ersatzteile werden nur über Vertreter gehandelt. Und die wissen in der Regel bestens bescheid.
Und andererseits wundert es auch nicht, warum Dyson trotz ziemlich hoher Preise (knapp 500 Franken bis zu 900 Franken) keine Probleme hat, seine Geräte abzusetzen. Hier muss wirklich nichts nachgekauft werden. Und wenn doch mal der Vormotorfilter - eine Art runder Schwamm - nichts mehr taugt, kann man sich einen neuen von Dyson zuschicken lassen. Die Servicerufnummer steht auf dem Teleskoprohr! Und es gibt hier nur eine Größe, die lediglich durch neueres Material ersetzt wurde.

Aber ich freue mich trotzdem, wenn ich beim richtigen Staubbeutelkauf helfen kann :-)

 

Herrn Nikolaus Blomes BILD-Niveau und meine Reaktion
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Der Herr mit diesem Namen ist Leiter des Hauptstadt-Korrespondentenbüros der BILD-Zeitung und kolumnierte nun in der "Weltwoche" (Nr.11/2008) über die Schweiz und deren Steuerjustiz.
Steuerhinterziehung ist in Deutschland ein Vergehen, in der Schweiz lediglich eine Übertretung. Steuerbetrug dagegen wird in beiden Staaten gleich gewichtet. Nun kann er dazu gern seine eigene BILD-konforme Meinung ausposaunen - wir leben in einer freien Welt.
Was er aber noch erwähnte: die Deutschen in der Schweiz seien Entwicklungshelfer. Zitat: "Wie nach Ruanda, Burundi und Kirgisien entsenden wir auch in die Schweiz bestens (und auf hiesige Kosten) ausgebildete Ärzte, Krankenschwestern und Wirtschaftsfachleute, welche in hinreichender Zahl und Qualität hervorzubringen die Schweizer Bildungssysteme offenkundig nicht imstande sind. "

Nun habe ich etwas dagegen, als in der Schweiz lebender Deutscher mit Hochschulabschluss von Herrn Blome für seine Polemik vereinnahmt zu werden. Ich lebe nicht hier, weil ich Entwicklungshilfe leisten will, sondern weil ich hier eine Pespektive habe, die ich in Deutschland nicht bekam. Daher meine ganz eigene Reaktion auf Herrn Blome:

Frage an Radio Eriwan: Hat Herr Blome von der BILD-Zeitung Recht, wenn er behauptet, dass Deutschland der Schweiz Entwicklungshilfe leiste, weil viele (sehr gut ausgebildete) Deutsche in den letzten Jahren in der Schweiz Fuß gefasst haben?

Antwort: Im Prinzip JA!

Aber:
1. Entwicklungshilfe ist in der Regel eine gezielte politische Angelegenheit. Aber so effizient, wie die Abwanderung von Zukunftskapital aus Deutschland stattfindet, können Politiker gar nicht agieren!
2. Entwicklungshelfende werden in der Regel vom Heimatland alimentiert. Im Falle der Deutschen in der Schweiz wäre allerhöchstens das Gegenteil der Fall!
3. Vom Elend vor Ort haben Entwicklungshelfende irgendwann auch mal genug und wollen wieder zurück in die alte Heimat. Sicher haben auch viele Deutsche in der Schweiz Heimweh, aber sie haben keine Lust, ins Elend zurückzukehren.

 

Zumwinkel auf Kaution wieder frei
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Wie man außerdem liest, ist Herr Zumwinkel zwar seinen ChefPOSTen los, aber nun soll er Nachfolger bei der UNICEF für Heide Simonis werden, nachdem diese wegen Ungereimtheiten beim UN-Kinderhilfswerk zurücktrat. Es muss ja wirklich einen erbärmlichen Mangel an fähigen Kräften für UNICEF geben. Wahrscheinlich, weil es da keine Boni für zusätzlich gerettete Menschenleben gibt. Immerhin habe Zumwinkel seine Steuerschulden inzwischen beglichen. Ob er die wohl aus der Portokasse bezahlt hat?

Da geht aber die Post ab...
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Es zeigt sich mal wieder: Mitunter werden die Großen durch die ganz Kleinen zu Fall gebracht, siehe Deutsche-Post-Ex-Vorstandsvorsitzender Klaus Zumwinkel. Ein kleiner Datendieb aus dem noch kleineren Liechtenstein verscherbelte für 5 Mio Euro die Kontenlisten diverser deutscher Steuerflüchtlinge einer dortigen Großbank an den deutschen Bundesnachrichtendienst. Der wiederum reichte sie weiter an die Steuerfahnder. Und der deutsche Finanzminister freut sich über eine zusätzliche Einmaleinnahme. Aber woher ist er sich so sicher, dass Liechtenstein die Gelder auch wirklich freigeben wird? Vielleicht sind ja auch einige ganz hohe deutsche Politiker in die Angelegenheit verstrickt? Wundern würde es mich nicht, wenn man bedenkt, welche Schlupflöcher man beispielsweise bei der ab 2009 geltenden Abgeltungssteuer so gelassen hat. Das vielgescholtene schweizer System mit der 35%igen Verrechnungssteuer für alle - und wirklich für alle! - ist da doch wesentlich gerechter.

Ohne Worte...
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"Ein Frauenarzt kann einem echt leid tun. Den ganzen Tag lang muss er mit allen möglichen Frauen zurecht kommen. Und abends wartet dann noch seine eigene Frau, und er soll dann mit ihr noch mehr als nur zurecht kommen..." ... sagte eine Kollegin heute auf Arbeit. Soviel ich weiß, ist ihr Mann aber kein Frauenarzt :-)

Solothurn II - Solothurnischer versus eigenössischer Freisinn
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Frage an Radio Eriwan: Kann eine Partei, die sich "freisinnig" nennt, wirklich frei von jedem Sinn sein? Antwort: Im Prinzip ja! Die schweizerische FDP und die solothurnische FdP jedenfalls behaupten das voneinander. Worum gehts? Es ist ja wohl Ziel einer jeden Organisation, nach außen hin einheitlich aufzutreten, schließlich will man ja auch einen einheitlichen Eindruck machen. Aber im Gegensatz zur deutschen FDP steht in der Schweiz das große F eben nicht bloß für "frei(e)" sondern für "freisinnig". Und bei der solothurnischen FdP interpretiert man es eben so, dass jeder nach seiner Facon schalten und walten soll. Die FDP Schweiz sieht das im Prinzip auch so, solange man wenigstens geschlossen nach außen auftritt. Auf Bundesebene gibt man sich als Marke nach außen in blauen Kapitalen mit Serifen zu erkennen. Alle kantonalen Organisationen der FDP machen mit; selbst die sonst als so dickköpfig verschrieenen Appenzeller. Nur in einem Kanton schießt man quer: und das ausgerechnet in Solothurn. Denn die dortige FdP behaart weiterhin am Gelb, dem kleingeschrieben d und der kursivgehaltenen Buchstaben. Ob man in Solothurn angesichts der wachsenden Anzahl von Komasäufern in der Jugend ein Identifikationsproblem mit der Farbe blau hat, kann nur gemutmaßt werden. Doch denke ich mal, dass FDP-Schweiz-Parteipräsident Fulvio Pelli sich mit wichtigeren Problemen befassen sollte als mit jenen kosmetischer Natur der FdP Solothurn.

Solothurn I - Wenn die Kleinen den Aufstand proben
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Da staunten wohl selbst die Protagonisten nicht schlecht, als am Samstag, den 19.Januar die "Basler Zeitung" zwar eher als kleinere Meldung aber eben doch auf Seite 1 vermeldete, was zwei Tage zuvor auf einer Gemeindeversammlung plötzlich beschlossen wurde: Kienberg SO wolle den Kanton wechseln. Die kleine Gemeinde mit etwa 500 Einwohnern ist schweizweit - wenn überhaupt - nur geographisch Interessierten ein Begriff: sieht es doch auf Landkarten fast so aus, also bilde sie eine kleine Exklave des Kantons Solothurn. Tatsächlich hat der Kanton mit seinen stark gegliederten Grenzen auch Exklaven, aber Kienberg ist keine: auf einer Länge von gerade mal 100 Metern hat Kienberg eine gemeinsame Grenze zum solothurnischen Erlinsbach. Aber Kienberger Kinder gehen in Gelterkinden (Kanton Baselland) zur Schule. Von dort aus geht auch die einzige öffentliche Buslinie auf Kienberg. Und wer einkaufen fährt, düst entweder auch dorthin oder ins aargauische Frick. Aber zum Kanton Solothurn sind die Beziehungen eher verwaltungsrechtlicher Natur und entsprechend kühl - oder wie es der Gemeindepräsident treffend formulierte: "Dazwischen ist ein Berg!" Und den überwindet selbst der Bus nur fünfmal am Tag, und auch nur dann, wenn wirklich Bedarf besteht... der eine Stunde vorher angemeldet werden muss. Der Aufstand der Gemeinde aber entzündete sich an etwas anderem: der Kanton will die Hilfsmittel für Kienberg zwar weiterhin fließen lassen, doch solle die Gemeinde auch ein Stück dazu beitragen. Schließlich hatte sie sich mit dem Kauf eines neuen Gemeindehauses selbst in die Überschuldung manövriert. Der Kanton verlangt nicht mehr aber auch nicht weniger als eine Anhebung des Steuerfußes der Gemeinde. Das wiederum wollen die Kienberger nicht. Sie fürchten, das Dorf würde so noch mehr Einwohner verlieren und erst recht zum Sanierungsfall werden. Also meint man nun, mit einem Anschluss an Baselland oder den Aargau den Vögten in Solothurn die lange Nase zeigen zu können. Aber ob da die Nachbarkantone mitspielen werden, sei mal dahingestellt. Wer - außer den Zürcher Sozialbehörden - will sich schon freiwillig ein Finanzrisiko unters Dach holen und dieses auch noch alimentieren? Also wird man sich in Kienberg wohl oder übel mit den Herren in Solothurn abfinden müssen - wie bisher - oder aber mit viel Glück einen Millionär angeln können. Oder vielleicht hat man ja auch mal soviel Glück wie der Gemeindepräsident im zürcherischen Hüttikon und gewinnt im Lotto eine Million! Wer weiß... :-)

Zustände wie im alten Rom - made in China
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Nachdem am 14.Januar - wie allmontäglich - das neue MIGROS-MAGAZIN in den Briefkästen und schließlich auch in den Händen der Leserschaft landete, trauten viele ihren Augen kaum. Auch mir stockte für einen Moment der Atem. Als "Foto der Woche" war eine Aufnahme aus dem chinesischen Badaling Safari Park abgebildet: zu sehen war, wie Zuschauer vor einer Löwengrube standen - und ein lebendes Schaf in die Meute warfen. "Füttern erlaubt" lautete der Titel des Bildes. Wer als Besucher in Badaling nicht ganz so viel Geld für ein Schaf habe, könne auch ein Huhn kaufen; wer dagegen richtig viel Geld hat, kann sich das Spektakel sogar mit einer Kuh antun. Du meine Güte, die haben es gerade nötig, die Chinesen, ging es mir da durch den Kopf. Solche Fotomotive verbindet der Europäer ja zumeist mit dem alten Rom oder heutzutage noch mit den Stierkämpfen in Spanien. Tja, die Reaktionen eine Woche später blieben auch nicht aus: das MIGROS-MAGAZIN opferte seine gesamte Leserbriefseite nur diesem einen Thema. Überwiegend schockiert gab sich die Leserschaft: so ein Foto gehöre nicht in eine Familienzeitung. Kleine Kinder hätten Alpträume deswegen bekommen. Auch das obligatorische "in China essen sie Hunde" musste natürlich kommen. Einige wenige dagegen verteidigten die Abbildung verbunden mit der Aufforderung, diese Zustände öffentlich anzuprangern. Dieser Meinung war auch der Chefredakteur, dessen Seite-3-Kolumne folgenden Tenor hatte: Wegschauen helfe niemandem. Nur kollektive Empörung könne in China ein Umdenken im Umgang mit der Kreatur auslösen. Und falls man die Gefühle der Leser verletzt habe, bitte man um Entschuldigung. Nur ganz so ernst schien man es beim MIGROS-MAGAZIN nicht zu meinen mit der Empörung. Denn man ließ die Leser (abermals) mit den Reaktionen allein, anstatt vielleicht mal die Adresse der chinesischen Botschaft anzugeben. Schlimmer noch: zwei Seiten nach den Leserbriefen gabs eine Werbeseite von MIGROS Hotelplan für eine Leserreise - nach Shanghai, Xian und Peking, für 2790 Franken. Der Badaling Safari Park stand allerdings nicht auf der Reiseroute.

Wenn nicht nur die Luft dünner wird
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Apple hat also das dümmste Notebook der Welt. Das Dümmste??? Achso!!! Das Dünnste sollte das heißen. Und AIR soll es auch noch heißen. Naja: heiße Luft ist bekanntlich eine dünne Angelegenheit, zumal noch in Chefetagenhöhe und darüber hinaus. Sehr passend also, der Name. Mal schauen, wieviele Applefans sich diesmal aufregen werden, wenn zwei Monate nach Verkaufsstart mal wieder die Preise sinken werden. Das war ja eine der Lachnummern des Jahres 2007: das Geschrei ums Apfelfon und das Geheule der angeblich Übervoreilten. Aber es war ja schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben. Wenn das dann ausgerechnet ein Biss in den sauren Apfel sein muss, kann ich da nur sagen: selber schuld :-)

Preisvorstellungen
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Vieles, was in den Läden als "Einsteigerpreisklasse" geboten wird, ist wirklich Schrott. Wer sowas kauft, kann einfach nicht mit Qualität rechnen. Heute nun war es mal wieder soweit. Eine neue Fuhre TECHNOSTAR-Artikel landete in unserem Lager und harrte seiner Verräumung in die Regale. Alles Einsteigerpreisware, wirklich immer das Billigste vom Billigsten - und trotzdem noch gute Handelsspannen! Naja, die armen Chinesen tun mir leid. Aber da die Differenz zum nächstteureren Erzeugnis teilweise enorm war, beschlossen wir (also ein Kollege und ich), die Preise für die Technostar-Geräte mal soweit hochzusetzen, dass die Differenz zum nächstteureren Gerät nicht ganz so krass ausfiel. Denn wir waren uns einig: Wer schon so blöd ist und so billiges Zeugs kaufen will, der soll auch dafür bezahlen! HA! :-)

Irrtum (nicht) ausgeschlossen
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Bei Weltbild erstand ich ein Buch namens "Stimmt doch gar nicht", zusammengestellte populäre Irrtümer von André Lorenz. Aber auch Irrtumsjäger sind vor Irrtümern nicht gefeiht. Und ausgerechnet in eine der populärsten Fallen, die sich beim Übersetzen vom Englischen ins Deutsche ergeben, ist André Lorenz getappst. Über die US-amerikanische Handelsbilanz schreibt er, dass Einfuhren von 1,869 Trillionen Dollar Ausfuhren von 1,024 Trillionen Dollar gegenüberstehen. Fakt ist: eine Trillion ist nach deutschem Verständnis eine 1 mit 18 Nullen! Nach englischem Verständnis aber hat eine "trillion" nur 12 Nullen. Das liegt daran, dass es im englischen Sprachgebrauch keine "Milliarde" und auch keine "Billiarde" gibt. Sich um den Faktor "eine Million" zu irren, kann fatal sein - oder auch einfach nur amüsant :-)

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Wenn ein Peter Rothenbühler (Chefredakteur des "Le Matin") nach der Coop-Zeitung und dem Migros-Magazin nun auch in der Weltwoche seine "Dialektpflotsch"-Ansichten publizieren darf, ist das für viele sicher ein Fall von Einfallslosigkeit oder Mangel an fähigen Köpfen. Für mich ist es ein Fall von geistigem Inzest.

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Wie nennt man ein Gremium, welches sich am Anblick blauer Müllcontainer und roter Häuserfassaden stört, moderne Metall-und-Glas-Protzbauten im Altstadtteil aber abnickt? Stadtbildkommission von Basel!

 

Der Anschiss entsprechend dem Nettoeinkommen
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Nehmen wir an, du hast auf deiner Arbeit einen wirklich saudummen Fehler gemacht. Wie deine Vorgesetzten darauf reagieren hängt allerdings nicht - wie du vielleicht glaubst - von der Art und Schwere deines Fehlers ab, nein, sondern von der Höhe deines monatlichen Nettoeinkommens. Diese Erkenntnis wurde wissenschaftlich untersucht und das Ergebnis ist nachfolgend dargestellt:

monatliches Nettoeinkommen x Reaktion
   
x < 1000 CHF Du blödes Arschloch bist fristlos gefeuert!
1000 CHF < x < 1300 CHF Furchtbarer Anschiss, Eintrag in die Personalakte
1300 CHF < x <1800 CHF Furchtbarer Anschiss
1800 CHF < x < 2200 CHF Anschiss
2200 CHF < x < 3000 CHF Aufforderung, es doch beim nächsten Mal besser zu machen
3000 CHF < x < 4500 CHF Bitte um Stellungnahme zu der neuartigen Arbeitsweise
4500 CHF < x < 7000 CHF Keine Reaktion; den Fehler müssen deine Kollegen nach Punk 1 - 4 ausbaden
7000 CHF < x < 10000 CHF Anerkennung wegen unkonventioneller Arbeitsweise und dem Erkennen neuartiger Perspektiven
10000 CHF < x < 20000 CHF Deine Fehler werden als strategische Entscheidung bezeichnet
x > 20000 CHF Deine Arbeitsweise wird zum neuen Unternehmens-Leitbild erklärt; du wirst in den Vorstand berufen und im Hof wird ein lebensgroßes Standbild von dir errichtet. Selbstverständlich erhöhen sich deine Bezüge um 30%

 

Gesprächskreis Projektverhinderung
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Teilnehmer: Wachtelkönig (auch Wiesenralle; lat.: Crex Crex; Spitzname: Ralle); verhinderte orthodoxe Bauweise der Bundesautobahn 26, zwang Behörden zu Verhandlungen über Lärmschutzwände, Flüsterasphalt und Tempolimit.

Juchtenkäfer (lat.: Osmoderma eremita; Spitzname: Juchti); verhinderte in Frankreich sechs Jahre lang den Bau einer Autobahn.

Feldhamster (lat.: Cricetus Cricetus; Spitzname: Kricker); brachte Zwei-Milliarden-Kraftwerk-Projekt von RWE ins Wanken, behinderte Bau eines Auto-Werks von BMW.

Kleine Hufeisennase (lat.: Rhinolophus hipposideros; Spitzname: Hufi); verhinderte Baubeginn der Dresdner Waldschlösschen-Brücke, nachdem zuvor selbst eine Drohung der UNESCO zur Aberkennung des Weltkulturerbestatus der Elbwiesen versandete.

Ralle: Beim Steppensumpfhuhn, wenn das keine Feier wert ist!

Hufi: Ach, nicht der Rede wert!

Ralle: Quatsch nicht, Alter! Ganz großes Tennis! Ne Brücke, und auch noch im Alleinflug.

Kricker: Und das Medienecho! (Gelächter)

Juchti: Sind die Dresdner ganz schön aus dem Echo-Lot! (Gelächter)

Ralle: Sind so deprimiert, dass sie sich total hängen lassen! (Gelächter)

Hufi: Nichts gegen deine DaimlerChrysler-Aktion, 2001: "Anlagen-Bau für Transporter gestoppt". Ein Klassiker.

Kricker: Hat der Schrempp gestaunt wie ein Auto. (Gelächter)

Ralle: Sind die gar nicht drauf abgefahren. (Gelächter)

Juchti: Oder die BMW-Ansiedlung in Leipzig: voll ausgebremst.

Hufi: Haben die BMW beinahe umbenannt: Baun mer woanders. (Gelächter)

Ralle: Aber die Frankreich-Sache, 99: auch nicht schlecht.

Hufi: Haben sogar die Bauern protestiert, weil die Flurbereinigung gestoppt wurde.

Kricker: Haben die sich richtig vom Acker gemacht. (Gelächter)

Juchti: Mit Zornes-Furchen im Gesicht. (Gelächter)

Ralle: Quasi ohne Umfeld. (Gelächter)

Hufi: Na, wir sehn uns in Dresden.

Ralle: Machen frei, nehmen 'nen Brückentag. (Gelächter)

Juchti: Machen einen auf Uno.

Ralle: Bauen? Uno momento! (Gelächter)

Hufi: Bis denne, bleibt sauber, Leute! Und denkt an 2010: Stuttgarter Bahnhof! (Gelächter)

SPIEGEL ONLINE vom 11.08.2007

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Ein Beitrag, den ich unterschreiben würde

Zeitgeist 2007
von Patrik Etschmayer / Quelle: news.ch / Montag, 17. Dezember 2007 / 11:40 h

In diesem Jahr hat wieder einmal der gesunde Menschenverstand mit gnädiger Unterstützung der Medien an allen Fronten gegen Irrationalität und Scharlatanerie verloren.

Nehmen wir als Beispiel die Hellseher und Rutengänger im traurigen Fall der kleinen Ylenia, deren Schicksal die ganze Schweiz in Atem hielt. Damals meldeten sich auch Pendler zu Wort, die Hinweise lieferten, die allerdings – was an dieser Stelle schon damals geschrieben worden war – völlig wertlos waren und lediglich zur Verschwendung von Polizeiressourcen führten.

Leider fanden sich nach den Schlagzeilen über die Hellseher, die Tipps geben, keine entsprechenden Artikel über deren Versagen. Scheinbar sind Scharlatane für die Medien nur solange von Interesse, wie ihre Lügen unentdeckt bleiben. Doch das wundert einen nicht, scheint für viele Massenmedien das Propagieren von Schwachsinn unter dem Deckmantel der Lebenshilfe ein lohnendes (oder zumindest Publikum generierendes) Geschäft zu sein.

Wie liesse sich denn sonst die Idiotie namens Astrologie erklären, welche nun wieder auf allen Kanälen und in noch so vielen Zeitschriften in Jahreshoroskopen ausgebreitet wird? Wenn die Tessiers und Kisslings dieser Welt ihren getretenen Quark publizieren und diesen auch in mit Zwangsgebühren finanzierten staatlichen Radiosendern zum Besten geben können, herrscht offenbar mentaler Blackout allenthalben.

Dabei waren letztes und auch dieses Jahr ja ein Beispiel dafür, auf welch lächerlicher Grundlage der ganze Astrologie-Quatsch steht. Als Astronomen dank besserer Teleskope begannen, Zwergplaneten und Planetoiden neu zu entdecken und einzuordnen, begann bei den Astrologen ein hektisches Neu-Verplanen der Einflusssphären der Himmelkörper auf das menschliche Schicksal.
Warum und welchen Einfluss Eris, Pluto, Sedna, Quaoar, Orcus, 2003EL61 oder 2005FY9 haben sollten, lässt sich natürlich genau so wenig wie die Einflüsse der anderen Planeten begründen. Aber irgendwie werden das die Astrologie-Knaller schon hinbiegen, denn Blödsinn braucht ja keine Basis in der Realität und die Kissling wird freudig weiter ihren Billag-gesponsorten Schwachsinn verzapfen dürfen.

Auch in Kinos und Buchhandlungen feiert der Blödsinn fröhlich Urständ. Momentan erwischt hat es die Quantentheorie, die im Beststeller 'The Secret' und im Sekten-finanzierten Film 'What the blip do we know' als Begründung dafür herhalten muss, dass der Mensch angeblich mit Gedankenkraft die Realität beeinflussen könne. Quantenphysiker verwahren sich gegen diese Behauptung, konnten doch gerade mit so aufgebauten Versuchen das Versagen von angeblichen übersinnlich Begabten demonstriert werden.

Doch die Fakten interessieren nicht und das Versprechen dieser «Lebens(lügen)hilfe»-Publikationen ist doch allzu verführerisch: Es reicht, sich das Glück stark genug zu wünschen und man bekommt es. Wer Pech hat, hat es sich nicht genug gewünscht. Der Zynismus dieser Gedankenwelt ist grausig, ist es doch die logische Folgerung, dass KZ-Insassen, politische Häftlinge, Folteropfer, Todkranke, etc. sich nur nicht genug wünschen, frei, unversehrt oder gesund zu sein. So werden die Leser angelogen und dazu noch indirekt ermutigt, die Unglücklichen dieser Welt zu verachten.

Doch selbst die echte Wissenschaft wird immer mehr von Politik, Religion und Ideologien gekapert, die versuchen, unliebsame Realitäten mit Lügen zu vermischen oder gar zu ersetzen, die den eigenen Zielen und Wunschvorstellungen entsprechen. Wenn nun auch schon in der Schweiz versucht wird, den Biologieunterricht religiös zu unterwandern, weil das grad so schön modisch ist, wird klar, dass die irrationalen Barbaren vor der Türe stehen und heftig Einlass begehren. Das Argument, man müsse eben offen gegenüber neuen Gedanken sein, ist in diesem Zusammenhang lachhaft, handelt es sich doch um uralte Ideen, die nie ihre Richtigkeit zu beweisen vermochten und auch nach der hunderttausendsten Wiederholung nicht richtiger werden.

Sicher. Ein offener Geist ist immer gut. Aber er soll bitte nicht so offen sein, dass es oben rein regnet.